D-STAR erklärt: Reflektoren, Callsign-Routing und digitale Sprachqualität

Amateurfunk

D-STAR (Digital Smart Technologies for Amateur Radio) war das erste digitale Sprachsystem, das eigens für den Amateurfunk entwickelt wurde — und es ist bis heute im Einsatz. Dieser Beitrag erklärt, was unter der Haube passiert: wie die Sprache aufs Band kommt, was die vier Rufzeichenfelder im Gerät bedeuten, wie Reflektoren und Callsign-Routing zusammenhängen und wie man ohne Umsetzer in Reichweite trotzdem QRV wird.

Wer nicht die Technik, sondern den Einstieg in Österreich sucht — Registrierung, heimische Reflektoren, erste Schritte —, findet das kompakt in D-STAR in Österreich. Und wer noch schwankt, welches System überhaupt das richtige ist, vergleicht am besten in D-STAR vs. DMR vs. C4FM vs. M17 vs. TETRA.

Woher D-STAR kommt

Entwickelt wurde D-STAR ab Ende der 1990er Jahre von der JARL, der Japan Amateur Radio League, finanziert aus öffentlichen Mitteln zur Förderung des Amateurfunks. Icom setzte den Standard als einziger großer Hersteller in Geräte um — deshalb ist D-STAR bis heute faktisch eine Icom-Welt, obwohl die Spezifikation selbst offen veröffentlicht ist.

Der entscheidende Unterschied zu allem, was davor kam: D-STAR wurde nicht als „digitales FM" gedacht, sondern von Anfang an als vernetztes System. Jede Aussendung führt Rufzeichen mit, und schon die erste Generation der Umsetzer war für eine Anbindung ans Internet vorgesehen. Genau das machten DMR, C4FM und später M17 dann nach.

Was technisch passiert: GMSK, AMBE und 4800 bit/s

Im Sprachbetrieb (DV-Modus, Digital Voice) sendet D-STAR einen Datenstrom von 4800 bit/s, moduliert als GMSK, in einer Bandbreite von rund 6 kHz — also schmäler als ein FM-Kanal. Dieser Strom teilt sich auf:

  • 2400 bit/s Sprache, codiert mit dem AMBE-Vocoder
  • 1200 bit/s Fehlerschutz (FEC) für genau diese Sprachdaten
  • 1200 bit/s Datenkanal, der parallel zur Sprache läuft

Der DV-Modus arbeitet auf 2 m, 70 cm und 23 cm. Der AMBE-Codec ist proprietär und lizenzpflichtig — der Hauptkritikpunkt an D-STAR und zugleich der Grund, warum es mit M17 und FreeDV offene Gegenentwürfe gibt.

Praktisch merkt man den Unterschied zu FM vor allem am Rand der Reichweite. Analog wird es langsam rauschig, digital bleibt es lange sauber und bricht dann ab — der berüchtigte Cliff-Effekt. Wie sich das im Alltag anhört und warum digitale Sprachqualität nicht automatisch „besser" heißt, hat Alex OE8HAM in D-Star – viel mehr als nur Sprechfunk aus der Praxis beschrieben.

Kompakte Erklärung der D-STAR-Grundlagen: Modulation, Netzstruktur, Betrieb (Video: Jonathan M0JSX – Ham Radio, YouTube, Englisch).

Der Datenkanal: was neben der Sprache mitläuft

Die 1200 bit/s neben der Sprache sind der eigentlich unterschätzte Teil von D-STAR. Dort laufen mit:

  • das eigene Rufzeichen und die Zielangaben (dazu gleich mehr)
  • ein kurzer Freitext, den man im Gerät hinterlegt — meist Name und QTH
  • GPS-Position, wenn das Gerät einen Empfänger hat

Deshalb zeigt ein D-STAR-Gerät nach jeder empfangenen Aussendung nicht nur, dass jemand gesprochen hat, sondern auch wer, von wo und wie weit entfernt. Genau das ist im Titelbild dieses Artikels zu sehen: ein Icom ID-31 mit der Empfangshistorie — Koordinaten der Gegenstation, Locator PM95VQ und 76,2 km Distanz. Für ein Handfunkgerät auf 70 cm ist das eine Information, die man analog erst mühsam erfragen müsste.

Die vier Felder: MYCALL, UR, RPT1 und RPT2

Jede D-STAR-Aussendung enthält vier Rufzeichenfelder. Sie sind der Grund, warum das System viele Einsteiger abschreckt — dabei sind drei davon einmal eingestellt und dann vergessen.

  • MYCALL — das eigene Rufzeichen. Einmal ins Gerät eintragen, fertig. Ohne MYCALL lässt kein Gateway die Aussendung durch.
  • UR (Your Call) — das Ziel. Für den normalen Betrieb steht hier CQCQCQ, also ein allgemeiner Anruf. Nur für Direktrouting oder Reflektorbefehle steht hier etwas anderes.
  • RPT1 — der Umsetzer, über den man sendet, samt Modulbuchstabe (z. B. OE0XXX B für das 70-cm-Modul).
  • RPT2 — meist derselbe Umsetzer mit dem Modul G: das Gateway, also der Weg ins Netz.

Die Modulbuchstaben sind historisch gewachsen und in der ganzen D-STAR-Welt gleich: A = 23 cm, B = 70 cm, C = 2 m, G = Gateway. Wer sich das merkt, versteht auf Anhieb, warum ein Reflektor XLX905 B heißt oder ein Umsetzereintrag auf C endet.

Callsign-Routing: die Idee, die kaum jemand nutzt

D-STARs elegantester Trick: Man trägt in UR statt CQCQCQ einfach das Rufzeichen der gewünschten Gegenstation ein. Das Netz schlägt nach, an welchem Umsetzer diese Station zuletzt gehört wurde, und stellt die Verbindung genau dorthin durch — ohne dass einer von beiden wissen muss, wo der andere gerade ist. Das ist Telefonie-Komfort mit Funkmitteln, und zwar seit über zwanzig Jahren.

Dass es trotzdem selten verwendet wird, hat zwei Gründe. Erstens braucht Callsign-Routing eine Registrierung des Rufzeichens bei einem Gateway — sonst kennt das Netz die Station nicht. Zweitens hat sich der Betrieb in der Praxis zu den Reflektoren verlagert: Dort ist immer jemand, während gezieltes Anrufen voraussetzt, dass die andere Station gerade eingeschaltet ist. Die Rufzeichendatenbank dahinter pflegt heute überwiegend das ircDDB-Netz.

Wie die Registrierung in Österreich abläuft, steht Schritt für Schritt in unserem Österreich-Beitrag. Kurzfassung: einmalig, kostenlos, und für den reinen Reflektorbetrieb über einen Hotspot nicht einmal zwingend nötig.

Reflektoren: REF, XRF, DCS und XLX

Ein Reflektor ist ein Server im Internet, der beliebig viele Umsetzer und Hotspots zu einer gemeinsamen Runde zusammenschaltet. Wer auf einen Reflektor verlinkt ist, hört alles, was irgendwo auf der Welt in diese Runde gesprochen wird. Funktional entspricht das den Talkgroups bei DMR oder den Räumen bei EchoLink.

Historisch sind vier Systeme nebeneinander gewachsen, die sich nur im Verbindungsprotokoll unterscheiden:

  • REF — das klassische, Icom-nahe System mit dem Protokoll DPlus. Setzt eine Registrierung im US-Trust-Netz voraus.
  • XRF — offene Reflektoren mit dem Protokoll DExtra.
  • DCS — Digital Call Server, ebenfalls offen.
  • XLX — der moderne Multiprotokoll-Reflektor. Er spricht DPlus, DExtra und DCS gleichzeitig, übersetzt zwischen ihnen und kann zusätzlich Brücken zu C4FM und DMR schlagen. Für XLX ist keine D-STAR-Registrierung nötig.

Verlinkt wird über das UR-Feld: Reflektorname, Modulbuchstabe und ein L für „link" — etwa XLX905BL. Zum Trennen genügt ein U für „unlink" an derselben Stelle. Danach gehört UR wieder auf CQCQCQ gestellt, sonst wundert man sich, warum niemand antwortet. Das ist der mit Abstand häufigste Anfängerfehler.

Reflektoren und Talkgroups über D-STAR, DMR und C4FM hinweg erklärt (Video: HamRadioConcepts, YouTube, Englisch).

Der Weg eines QSOs

So läuft ein D-STAR-QSO Funkgerät MYCALL: OE0ABC UR: CQCQCQ 70 cm 4800 bit/s D-STAR-Umsetzer RPT1: Modul B RPT2: Modul G Internet Reflektor REF / XRF / DCS / XLX Modul A–Z alle verlinkten Umsetzer und Hotspots weltweit — bei XLX zusätzlich Brücken zu C4FM und DMR Funkgerät kein Umsetzer in Reichweite wenige mW Hotspot Pi-Star / WPSD oder Terminal-Modus Internet Beide Wege enden im selben Reflektor. Für die Gegenstation macht es keinen Unterschied, ob du über einen Bergumsetzer kommst oder über einen Hotspot am Schreibtisch.
Signalweg bei D-STAR: über Umsetzer und Gateway oder direkt über einen Hotspot — beide Male landet man im selben Reflektor. Grafik: oeradio.at

DD-Modus: 128 kbit/s, aber nur auf 23 cm

Neben dem Sprachbetrieb kennt D-STAR einen zweiten, deutlich schnelleren Modus: DD (Digital Data) überträgt 128 kbit/s bei rund 150 kHz Bandbreite. Damit lässt sich echtes IP über Funk fahren — der Umsetzer wird zum Netzzugang, das Funkgerät hängt per Ethernet am Rechner.

Der Haken, der in vielen Beschreibungen untergeht: DD gibt es ausschließlich auf 23 cm, und es braucht spezielle Hardware auf beiden Seiten. In Österreich ist das eine Randerscheinung geblieben; wer Datenverkehr über Funk sucht, ist in der Praxis mit HAMNET oder Packet Radio besser bedient. Die 128 kbit/s gehören trotzdem zur Geschichte dazu — sie waren um 2004 eine kleine Sensation.

Ohne Umsetzer: Hotspot, Terminal- und Access-Point-Modus

Nicht überall steht ein D-STAR-Umsetzer in Reichweite. Dafür gibt es drei Wege, die alle im selben Reflektor enden:

  • Hotspot: eine kleine Platine (MMDVM, ZUMspot, DVMEGA, openSPOT) mit der Software Pi-Star oder WPSD. Sie erzeugt ein schwaches Funksignal in der Wohnung und wählt sich über das Internet in den gewünschten Reflektor ein. Wie man so etwas aufsetzt, steht in Pi-Star-Hotspot einrichten — dort auch für DMR und C4FM.
  • Access-Point-Modus: Ein zweites Icom-Gerät übernimmt die Rolle des Hotspots und hängt selbst am Internet.
  • Terminal-Modus: Hier wird gar nicht mehr gefunkt. Das Gerät geht über USB, Bluetooth oder LAN direkt ins Netz — brauchbar, wenn man unterwegs im Hotel sitzt. Bei IC-705, IC-905 und IC-9700 läuft das über LAN, bei den Handgeräten über einen PC oder die Android-App RS-MS3A. Voraussetzung ist eine IPv4-Adresse; hinter manchem Provider-NAT wird das zur Fummelei.

Wer lieber selbst baut statt kauft: Ein vergleichbares Konzept für die analoge Welt beschreiben wir in SVXLink-Hotspot selbst bauen.

Geräte: was heute D-STAR kann

Icom IC-91AD Handfunkgerät mit D-STAR-Schriftzug
Ein früher Vertreter: das Icom IC-91AD, bei dem die D-STAR-Fähigkeit noch per Steckmodul nachgerüstet wurde. Foto: Zuzu, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.

D-STAR ist bis heute praktisch eine Icom-Domäne. Aktuell im Programm sind unter anderem:

  • ID-52E (PLUS): Handfunkgerät für 2 m und 70 cm mit GPS, Bluetooth und Farbdisplay — das Standardgerät für den Einstieg.
  • ID-50E: die günstigere Handgeräte-Variante.
  • ID-5100E: Mobilgerät für 2 m und 70 cm mit Touchscreen. (In älteren Texten steht dafür oft fälschlich „IC-5100" — das Gerät heißt ID-5100.)
  • IC-9700: Stationsgerät für 2 m, 70 cm und 23 cm, das einzige aktuelle Gerät mit DD-Modus.
  • IC-705: Portabelgerät von KW bis 70 cm, D-STAR inklusive.
  • IC-905: das Mikrowellengerät, ebenfalls mit D-STAR.

Eine Besonderheit der neueren Geräte: Sie können über die App RS-MS1A Bilder senden — langsam, aber es funktioniert, und es zeigt, dass der Datenkanal mehr kann als Positionsmeldungen.

Reflektoren am Gerät verlinken, Schritt für Schritt am ID-5100E gezeigt (Video: Icom UK, YouTube, Englisch).

Fünf Stolpersteine aus der Praxis

  • UR nicht zurückgestellt: Nach dem Verlinken muss UR wieder auf CQCQCQ. Sonst sendet man Befehle statt Sprache.
  • Falscher Modulbuchstabe: Ein Leerzeichen zu wenig, und der Reflektorbefehl läuft ins Leere. Die Felder sind acht Zeichen breit, der Modulbuchstabe gehört ganz nach rechts.
  • MYCALL leer oder falsch: Ohne registriertes Rufzeichen lässt das Gateway nichts durch — der Umsetzer quittiert, im Netz kommt nichts an.
  • Hotspot zu stark oder auf falscher Frequenz: Auch ein Hotspot ist eine Aussendung. Bandplan beachten, Leistung minimal halten.
  • Zu schnell losgesprochen: Digitale Systeme brauchen einen Moment, bis die Verbindung durchgeschaltet ist. Nach dem Drücken der PTT eine Sekunde warten, sonst fehlt der Anfang.

D-STAR in Österreich

Das österreichische Netz hängt an eigenen Reflektoren, allen voran den Multiprotokoll-Reflektoren XLX232 und XLX905; daneben sind Module auf DCS009 in Gebrauch. Weil diese Reflektoren teils modenübergreifend gekoppelt sind, trifft man dort auch Stationen, die mit C4FM- oder DMR-Geräten unterwegs sind.

Welcher Reflektor gerade mit welchem gekoppelt ist und welche Umsetzer hängen, ändert sich laufend — deshalb verweisen wir auf die Live-Dashboards statt auf eine Momentaufnahme. Details, Registrierung und die aktuellen Anlaufstellen stehen in D-STAR in Österreich, die analoge Umsetzerlandschaft drumherum in UKW-Relaisfunkstellen in Österreich.

Weiterlesen: unsere Digitalfunk-Serie

D-STAR ist ein Modus von mehreren. In unserer Serie Digitalfunk in Österreich ist jeder davon einzeln beschrieben:

73 – eure oeradio.at-Redaktion


Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst; die Inhalte wurden von der oeradio.at-Redaktion geprüft. Im August 2026 wurde der Beitrag grundlegend überarbeitet und um die technischen Grundlagen erweitert. Die Angaben zu Modulation, Datenraten und DD-Modus stammen aus der JARL-Spezifikation und den Icom-Produktunterlagen; die Gerätebezeichnung ID-5100 wurde korrigiert (stand zuvor fälschlich als „IC-5100"), und der Hinweis auf 128 kbit/s wurde um die Einschränkung auf den DD-Modus im 23-cm-Band ergänzt. Titelbild und Gerätefoto stammen aus Wikimedia Commons unter freien Lizenzen, Fotograf und Lizenz stehen in der jeweiligen Bildunterschrift; die Grafik zum Signalweg ist von uns. Die eingebundenen Videos stammen von externen YouTube-Kanälen und geben deren Sicht wieder. Korrekturen gerne an [email protected].

Wie findest du diesen Artikel?
Es werden keine Cookies gesetzt. Gespeichert wird nur deine Bewertung, optionales Feedback und ein anonymisierter IP-Hash (Schutz vor Mehrfachbewertung). Datenschutz

RSS-Feed

Bleib immer auf dem Laufenden!

Keine News mehr verpassen – abonniere unseren RSS-Feed

„Wire and will, we’re breaking through –Share · Connect · Create!

Du baust Antennen, aktivierst Gipfel, experimentierst mit SDR oder hackst Meshtastic-Nodes? OERadio.at ist deine Plattform. Teile dein Wissen – als Artikel, Bauanleitung, Fieldreport oder Technik-Tipp. Egal ob erfahrene YL oder erfahrener OM, frisch lizenziert oder alter Hase: Deine Erfahrung zählt.