Funk aus dem ewigen Eis: Neumayer-Station III und DP0GVN

AmateurfunkTechnik

Am 5. Mai 2023 saßen rund 160 Schülerinnen und Schüler in der Aula des BORG Hermagor. Auf dem Schuldach stand eine 85-cm-Satellitenschüssel, und am anderen Ende der Verbindung antwortete jemand aus einer Forschungsstation, die auf 16 Hydraulikbeinen über dem antarktischen Schelfeis steht.

Am 20. September kommt einer, der dort ein Jahr lang gelebt hat, nach Villach.

Operation Pinguin

Die Aktion war der Kärntner Beitrag zum Internationalen Tag der Schulstationen. Organisiert hat sie OM Chris, OE8CKK, Physiklehrer am BORG Hermagor, gemeinsam mit einem kleinen Team von Funkamateuren. Der Aufbau war für eine Schulaula erstaunlich ernsthaft: Schüssel mit Helixantenne am Dach, ein IC-9700, Sendetechnik von SG-Labs, Empfangstechnik von AMSAT-DL, zweimal 42 Meter Koax hinunter in die Aula.

Um Punkt 11 Uhr ging der erste Ruf über QO-100 hinaus. Aus der Antarktis meldeten sich Markus, DK7DA, IT-Ingenieur der Station, und Stationsleiter Peter. Eine Parallelklasse hörte über ein WebSDR mit, für Schüler im Krankenhaus lief ein Livestream, YL Anna-Maria, OE8YAK, heute mehrfache AOEE-Siegerin, brachte eine zweite Schule ein. Alle Funksprecher bekamen später eine personalisierte QSL-Karte aus dem Eis.

Der Ort und das Rufzeichen

Die Neumayer-Station III des Alfred-Wegener-Instituts steht seit 2009 auf dem Ekström-Schelfeis in der Atka-Bucht. Weil Schnee dort nicht abtaut, sondern sich aufbaut, wird die ganze Station jedes Jahr um 80 bis 100 Zentimeter angehoben. Das Eis darunter driftet mit rund 157 Metern pro Jahr Richtung Meer. Im Sommer leben dort bis zu 60 Menschen, im Winter neun, und von Februar bis November ist niemand erreichbar. Kein Flugzeug, kein Schiff, keine Evakuierung.

Gefunkt wird unter DP0GVN, benannt nach der Vorgängerstation Georg von Neumayer. Auf Kurzwelle läuft das mit 5 Watt an einer Drahtantenne, dazu kommt eine QO-100-Bodenstation, gestiftet und finanziert von AMSAT-DL. Bei 70 Grad Süd steht der Satellit nur 7,3 Grad über dem Horizont, von Österreich aus sind es rund 34. Im August 2021 zerstörte ein Sturm die Antenne komplett; AMSAT-DL baute in zwei Monaten Ersatz, der im Jänner 2022 in Betrieb ging.

Die Bake, die niemanden ruft

Der wissenschaftlich spannendste Teil der Anlage macht gar keine QSOs. Auf der Station läuft seit Jänner 2018 eine WSPR-Bake, ein Gemeinschaftsprojekt von TU München, Hochschule Bremen, DARC und AWI. Ein Red Pitaya überwacht acht Bänder gleichzeitig, dazu sendet ein 5-Watt-Multibandsender an einer Vertikalantenne. Schon am ersten Tag empfing die Bake über 300 verschiedene WSPR-Aussendungen.

Es geht dabei nicht um Rekorde, sondern um Daten zu den Ausbreitungspfaden in Polarregionen. Genau dort verhält sich die Ionosphäre am unberechenbarsten: Nach starken Sonnenereignissen legt die polare Kappenabsorption die Kurzwelle stunden- bis tagelang lahm, und im antarktischen Winter fehlt monatelang jede Sonneneinstrahlung. Eine Bake, die dort dauerhaft misst, bringt mehr als jedes einzelne DX-QSO. Wer wissen will, wie das funktioniert: WSPR mit 5 Watt haben wir eigens beschrieben.

Aufgebaut haben die Bake drei Funkamateure vor Ort: Felix Riess (DL5XL), Matthias Maasch (DH5CW) und Daniel Noll (DL1SU).

Und Daniel Noll kommt nach Villach

Genau der Daniel Noll, DL1SU/OE8BCT, war über ein Jahr Überwinterer auf Neumayer III. Er erzählt bei KÄRNTEN FUNKT, wie sich Forschungsalltag bei minus 50 Grad anfühlt, wie man unter solchen Bedingungen funkt und was es mit einem macht, monatelang mit acht anderen Menschen auf einer Eisstation zu leben.

Vortrag: „Ein Jahr im ewigen Eis"
Daniel Noll (DL1SU/OE8BCT), Neumayer-Station III, Antarktis

Sonntag, 20. September 2026, 16:00 Uhr
KÄRNTEN FUNKT HQ, Ossiacher Zeile 39/1, 9500 Villach

Für Mitglieder kostenlos, Tagesmitgliedschaft vor Ort 15 Euro. Anmeldung verbindlich, Aufzeichnung nicht gestattet.

Jetzt anmelden bei KÄRNTEN FUNKT

Einen Vorgeschmack gibt es im Regio-TV-Format „Stadtgespräch", wo er ausführlich über seine Zeit in der Antarktis spricht:

Daniel Noll im „Stadtgespräch" (Quelle: YouTube, Regio TV Stuttgart)

Nachmachen? Geht, aber erst ab Spätherbst

Schulkontakte zu DP0GVN über QO-100 koordiniert AMSAT-DL, Ansprechpartner ist Charly, DK3ZL, unter [email protected]. Aktuell sind allerdings keine möglich: Laut AMSAT-DL geht es aus organisatorischen Gründen erst wieder, wenn die neue Besatzung eintrifft, etwa Mitte November 2026. Wer im Schuljahr etwas plant, meldet sich also besser früh.

Die technische Hürde ist kleiner, als man denkt. Eine QO-100-Bodenstation ist keine Raketenwissenschaft, und die Ausrüstung steht in vielen Shacks ohnehin herum. Was es braucht, sind eine Schule, die mitmacht, und jemand, der es organisiert. In Hermagor war das ein Physiklehrer mit einer Idee.

Quellen

73 – eure oeradio.at-Redaktion


Bildnachweise

Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die Bilder stammen von Wikimedia Commons unter freien Lizenzen (Nachweise oben). Das eingebettete Video stammt von Dritten, dafür ist der jeweilige Kanal verantwortlich. Angaben zum Vortrag geben den Stand August 2026 wieder, verbindlich ist die Veranstaltungsseite von KÄRNTEN FUNKT. Korrekturen gerne an [email protected].

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