Seit April rätselt die Szene über ein Gerät, von dem es nur ein Gehäuse zu sehen gab. Am 29. August hat Icom auf der Tokyo Ham Fair aufgelöst: Das Konzept X-026 heißt in Serie IC-7110 und ist der Nachfolger des IC-7100.
Wir haben das Mockup im April in Icom X-026: Neues Konzept-Funkgerät wird bei der Hamvention enthüllt nüchtern eingeordnet und damals geschrieben, dass außer dem Gehäuse nichts bekannt ist. Jetzt liegt ein Datenblatt vor. Hier steht, was tatsächlich bestätigt ist — und was weiterhin fehlt.
Was der IC-7110 ist
Ein Allmode-Mobilgerät mit abnehmbarem Bedienteil, also derselbe Gedanke wie beim IC-7100 von 2013: ein Gerät für Auto und Shack, das alles von Kurzwelle bis UHF abdeckt.
- Bänder: HF / 50 / 70* / 144 / 430 MHz (*70 MHz nur in der Europa-Version)
- Empfang: durchgehend von 30 kHz bis über das 144-MHz-Band, inklusive UKW-Rundfunk und Flugfunkband
- Betriebsarten: SSB, CW, RTTY, AM, FM und D-STAR DV
- Leistung: 100 W auf HF und 50 MHz, 50 W auf 144 und 430 MHz
- Varianten: IC-7110 mit 100 W, IC-7110M mit 50 W, IC-7110S mit 20 W
- Display: 4,3 Zoll in Farbe, mit Touch-Bedienung
- Zwei getrennte Empfängerzüge für HF+50 MHz und für VHF/UHF, an zwei eigenen Antennenbuchsen
- Dualwatch für HF/VHF und HF/UHF, auch gleichzeitiger DV-Empfang
- Echtzeit-Spektrum mit Wasserfall, Audioscope, CW-Decoder
- Wi-Fi (2,4 und 5 GHz), Bluetooth 5.3, GNSS-Empfänger
- Bedienteil mit Stativgewinde (1/4-20), Lautsprecher, Mikrofonbuchse und SD-Slot im Kopf
- Lüfter an der Front
- Kein interner Antennentuner
Die zwei Punkte, über die geredet werden wird
Erstens: die zwei Empfängerzüge. Das ist der eigentliche Unterschied zum IC-7100. Der konnte nur einen Empfänger bedienen; wer auf Kurzwelle saß und nebenbei das Ortsrelais mithören wollte, hatte Pech. Der IC-7110 hat dafür jetzt zwei Züge und zwei Buchsen. Für den Mobilbetrieb ist das der praktisch relevanteste Zugewinn, weil man damit fahren und trotzdem auf 2 m erreichbar bleiben kann.
Zweitens: der fehlende Tuner. Der IC-7100 hatte auch keinen, insofern ist das keine Verschlechterung — aber es heißt eben, dass zum Gerät noch eine Anpassung dazukommt, wenn man nicht mit resonanten Antennen arbeitet. Icom hat im Mai auf der Hamvention den Tuner AH-6 vorgestellt, der genau in diese Lücke passt. Wer sich das ausrechnet, sollte den Tuner von Anfang an mit einplanen. Was ein Tuner leistet und was nicht, steht in Antennentuner: manuell oder automatisch.

Die 70 MHz auf dem Datenblatt — und was davon in OE gilt
Auf allen europäischen Ankündigungen steht das 4-m-Band als Standardausstattung. In Großbritannien ist das ein Verkaufsargument. In Österreich ist es eine Fußnote mit Behördengang.
Das 70-MHz-Band ist bei uns nicht regulär freigegeben. Der ÖVSV hat im Juni 2024 bei der Fernmeldebehörde die Zuteilung des Bereichs 70,0 bis 70,5 MHz beantragt; im Bandplan steht es bis heute nicht. Was es gibt, sind Ausnahmebewilligungen: Einzelgenehmigungen der Fernmeldebehörde in Abstimmung mit dem ÖVSV, gedacht als Testbetrieb für eine mögliche künftige Aufnahme in die Frequenznutzungsverordnung.
Die Eckdaten dieser Bewilligungen: 70,0 bis 70,5 MHz, maximal 25 Watt, zugelassen sind schmalbandige Digimodes wie FT8, FT4, Q65, MSK144 und FSK441 sowie A1A, F3E und J3E. Aus der Praxis ist bekannt, dass Anträge auch für Teilbereiche wie 70,150 bis 70,175 MHz bewilligt wurden, mit einer Jahresgebühr um die 241 Euro und einem Verfahren, das Geduld verlangt.
Für die Kaufentscheidung heißt das: Die 70 MHz im IC-7110 sind in Österreich vorerst kein Band, das man einfach einschaltet, sondern eines, für das man vorher einen Bescheid braucht. Wer sich dafür interessiert, findet den Rahmen in unserem Beitrag zur Frequenznutzungsverordnung. Dieselbe Novelle, die 23 cm auf 10 Watt gedeckelt hat, hat für 4 m eben nichts gebracht.
Was noch nicht bekannt ist
Und jetzt der Teil, den man in den Ankündigungen suchen muss: Icom hat weder Preis noch Liefertermin genannt. Kein Produktionsplan, keine Verfügbarkeit, keine UVP. Britische Händler haben bereits Produktseiten angelegt, aber ohne Preis.
Ebenfalls offen sind die Dinge, die man erst am Gerät beurteilen kann: Wie gut das Empfängerdesign in einer starken Bandsituation ist, wie laut der Frontlüfter im Shack wird, wie schnell der Wasserfall wirklich läuft und wie sich die Bedienoberfläche im Auto anfühlt. Icom nennt sie in Anlehnung an den IC-705 — wer den kennt, weiß ungefähr, was ihn erwartet. Zum IC-705 haben wir übrigens einen eigenen Beitrag über Remotebetrieb mit Tailscale.
Einordnung
Der IC-7100 war dreizehn Jahre am Markt und ist bis heute das Gerät, das man empfiehlt, wenn jemand ein Auto, ein kleines Shack und kein zweites Budget hat. Ein Nachfolger war überfällig, und was auf dem Datenblatt steht, sieht nach einem sauberen Generationswechsel aus: Touch-Display statt Tastenmenüs, Wasserfall statt Zahlenkolonnen, zwei Empfänger statt einem, Funkübertragung zum Rechner statt Kabelsalat.
Ob das den Aufpreis wert ist, kann man erst sagen, wenn Icom einen nennt. Bis dahin gilt: Das Gerät existiert, es ist kein Mockup mehr, und der Nachfolger des meistverkauften Allband-Mobilgeräts der letzten Dekade hat einen Namen.
Wer eines in die Hand bekommt — auf einer Messe, beim Händler, egal wo: Schreibt uns. Ein erster Eindruck aus OE ist mehr wert als zehn Datenblätter.
73 – eure oeradio.at-Redaktion
Transparenzhinweis
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Quellen sind die Ankündigungen von Icom Europe und Icom UK zur Vorstellung auf der JARL Ham Fair am 29. und 30. August 2026, die veröffentlichten Vorabdaten zum IC-7110 sowie für den 4-m-Teil das ÖVSV-Wiki und die Darstellung der Ausnahmebewilligungen bei mpdx.at. Alle technischen Angaben stammen aus Herstellerunterlagen — wir hatten kein Gerät in der Hand und behaupten keine eigenen Messwerte. Das Titelbild ist eine eigene Grafik, das Foto im Text zeigt einen IC-7300 (Hp.Baumeler, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons) und nicht das neue Modell. Die redaktionelle Verantwortung und inhaltliche Prüfung liegt bei der oeradio.at-Redaktion. Korrekturen gerne an [email protected].





