Inhaltsverzeichnis
- Was ist Meteorscatter?
- Underdense und overdense: zwei Arten von Reflexion
- Wann es geht: Schauer, Uhrzeit und Sporadik
- Die Tageszeit ist wichtiger, als man denkt
- Die wichtigen Schauer
- Der Radiant: wichtig für die Rate, nicht für die Antenne
- Hot Spots: warum ein paar Grad daneben besser sein können
- Die Betriebsarten
- MSK144: der heutige Standard
- FSK441 und die Vorgeschichte
- Was man an Technik braucht
- WSJT-X richtig einstellen
- Frequenzen und Ablauf in Region 1
- Der QSO-Ablauf
- Meteorscatter aus Österreich
- Typische Anfängerfehler
- Videos zum Einstieg
- Fazit
- Quellen und weiterführende Links
- Weiterlesen auf oeradio.at
- Transparenzhinweis
Auf 2 m ist DX normalerweise Glückssache. Man wartet auf Tropo, auf Sporadic E oder auf Aurora und hat, wenn es gut läuft, ein paar Tage im Jahr, an denen wirklich etwas geht. Meteorscatter funktioniert anders: Es geht praktisch immer. Man muss nur bereit sein, auf ein Signal zu warten, das eine halbe Sekunde dauert.
Jeden Tag treffen zwischen 40 und 100 Tonnen Material aus dem All auf die Erdatmosphäre, das allermeiste davon staubkorngroß. Jedes einzelne dieser Körnchen hinterlässt beim Verglühen eine ionisierte Spur, und jede dieser Spuren ist für kurze Zeit ein brauchbarer Spiegel für UKW-Signale. Wer das ausnutzt, überbrückt auf dem 2-m-Band regelmäßig 1500 bis 2000 Kilometer, mit einer Yagi und 100 Watt.
Was ist Meteorscatter?
Meteorscatter (MS) nutzt die Ionisationsspuren, die Meteoroide beim Eintritt in die Atmosphäre hinterlassen. Die Teilchen treten mit 11 bis 72 km/s ein und verglühen in einer Höhe von etwa 80 bis 120 Kilometern, also mitten in der E-Schicht. Dabei schlagen sie Elektronen aus den Luftmolekülen und hinterlassen einen dünnen, langgestreckten Ionisationsschlauch, der Funkwellen reflektiert, bis er sich durch Diffusion und Rekombination wieder auflöst.

Underdense und overdense: zwei Arten von Reflexion
Für die Praxis lohnt es, zwei Fälle zu unterscheiden, weil sie im Wasserfall völlig verschieden aussehen.
Underdense trails entstehen bei kleinen Teilchen. Die Elektronendichte bleibt so gering, dass die Funkwelle die Spur durchdringt und an den einzelnen Elektronen gestreut wird. Das Ergebnis ist ein Ping: ein Signal, das schlagartig ansteigt und dann exponentiell abfällt, typisch in 0,1 bis 0,5 Sekunden vorbei. Das ist der Normalfall, besonders auf 144 MHz.
Overdense trails entstehen bei größeren Teilchen. Die Elektronendichte reicht aus, dass die Spur wie ein metallischer Reflektor wirkt, an dem das Signal regelrecht abprallt. Solche Bursts halten mehrere Sekunden bis in Ausnahmefällen über eine Minute durch, klingen oft rau und verzerrt, weil sich die Spur im Höhenwind verformt, und sie sind selten. Wer einen langen Burst erwischt, macht darin nicht nur ein QSO, sondern hört nebenbei die halbe Bandbelegung mit.
Faustregel: Je höher die Frequenz, desto kürzer und seltener die nutzbaren Reflexionen. Auf 6 m dauern Bursts spürbar länger als auf 2 m, auf 70 cm ist Meteorscatter zwar möglich, aber deutlich anspruchsvoller und eher etwas für gut ausgestattete Stationen.
Wann es geht: Schauer, Uhrzeit und Sporadik
Meteorscatter ist keine reine Schauer-Betriebsart. Der Grundstock sind die sporadischen Meteore, die unabhängig von jedem Schauer rund um die Uhr eintreffen. Sie machen den Betrieb an jedem beliebigen Tag möglich, nur eben mit längeren Wartezeiten zwischen den Pings.
Die Tageszeit ist wichtiger, als man denkt
Der stärkste Einzelfaktor ist nicht der Kalender, sondern die Uhr. Zwischen etwa 03:00 und 08:00 Uhr Ortszeit dreht sich die eigene Position auf die Vorderseite der Erdbahn. Die Erde läuft den Teilchen dann entgegen, statt ihnen davonzufahren, die Eintrittsgeschwindigkeit steigt und damit die Ionisation. Die Raten sind in diesem Fenster typischerweise um den Faktor drei bis vier höher als am frühen Abend, der die schlechteste Zeit ist.
Wer also einmal Meteorscatter probieren will und die Wahl hat: lieber an einem gewöhnlichen Dienstag um sechs Uhr früh als am Abend des Schauermaximums.
Die wichtigen Schauer
Die ZHR (zenithal hourly rate) ist die visuelle Rate unter Idealbedingungen. Sie überträgt sich nicht eins zu eins auf die Funkausbeute, gibt aber die richtige Reihenfolge vor.
| Schauer | Maximum | ZHR | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Quadrantiden | 3./4. Januar | ~120 | Sehr scharfes Maximum, oft nur wenige Stunden |
| Lyriden | 22./23. April | ~18 | Klein, aber zuverlässig |
| Eta-Aquariiden | 5./6. Mai | ~50 | Für OE nur in den Morgenstunden brauchbar |
| Perseiden | 12./13. August | ~100 | Der Klassiker, breites Maximum über mehrere Nächte |
| Orioniden | 21./22. Oktober | ~20 | Schnelle Meteore, gute Ionisation |
| Leoniden | 17./18. November | ~10 | Normalerweise schwach, alle 33 Jahre Ausbrüche |
| Geminiden | 13./14. Dezember | ~150 | Stärkster Schauer des Jahres, sehr breites Maximum |
Die Perseiden 2026 fielen mit Neumond zusammen und liefen entsprechend gut. Für die Geminiden am 13./14. Dezember 2026 steht der Mond zu etwa 21 Prozent, was für Funkbetrieb ohnehin egal ist, aber die Kombination aus ZHR 150 und einem Maximum, das sich über zehn bis zwölf Stunden hinzieht, macht sie zum besten Termin des Jahres. Die genauen Zeiten für das jeweilige Jahr veröffentlicht die International Meteor Organization in ihrem Schauerkalender.
Der Radiant: wichtig für die Rate, nicht für die Antenne

Hier hält sich ein hartnäckiges Missverständnis: Die Antenne wird nicht auf den Radianten gerichtet. Der Radiant ist der Punkt am Himmel, aus dem die Meteore eines Schauers scheinbar kommen. Er sagt etwas darüber aus, wie viele Meteore überhaupt eintreffen und in welcher Lage ihre Spuren am Himmel stehen. Er sagt nichts darüber aus, wohin man funkt.
Gefunkt wird auf der Verbindungslinie zur Gegenstation. Die Antenne zeigt also grundsätzlich auf den QSO-Partner. Nutzbar ist eine Meteorspur nur dann, wenn sie ungefähr auf halbem Weg zwischen beiden Stationen steht und ihre Achse so liegt, dass sie das Signal in die richtige Richtung wirft.
Hot Spots: warum ein paar Grad daneben besser sein können
Aus dieser Geometrie folgt der einzige Trick, der Meteorscatter von normalem UKW-Betrieb wirklich unterscheidet. Weil eine Spur nur dann reflektiert, wenn ihre Achse senkrecht zur Ebene aus Sender, Spur und Empfänger steht, sind je nach Radiantposition nicht alle Himmelsrichtungen gleich ergiebig. Es entstehen zwei bis vier Hot Spots, also Zonen seitlich der direkten Verbindungslinie, in denen deutlich mehr nutzbare Reflexionen auftreten.
Praktisch heißt das: Bei einem festen Sked kann es sich lohnen, die Antenne um 5 bis 15 Grad neben die direkte Richtung zu drehen, und zwar auf beiden Seiten dieselbe Seite abgesprochen. Programme wie MS Soft oder Online-Rechner geben zu Schauer, Uhrzeit und Strecke die jeweils günstigen Offsets aus.
Für den Einstieg gilt allerdings: Erst einmal direkt auf den Partner richten und Betrieb machen. Der Hot-Spot-Feinschliff bringt vielleicht 20 Prozent mehr Pings, eine falsch eingestellte Software oder eine zu kurze Geduld kosten deutlich mehr.
Die Betriebsarten
MSK144: der heutige Standard
MSK144 ist Teil von WSJT-X und für genau diese Aufgabe gebaut. Die Nachricht ist nur 72 Millisekunden lang und wird während der gesamten Sendeperiode ununterbrochen wiederholt. Ein Ping von einer Zehntelsekunde reicht damit aus, um eine komplette Nachricht zu übertragen. Die Übertragungsrate liegt bei bis zu 250 Zeichen pro Sekunde, die Empfindlichkeit reicht mehrere Dezibel unter das Rauschen.
Die Sendeperioden dauern üblicherweise 15 Sekunden, 5 und 10 Sekunden sind ebenfalls möglich. Eine Station sendet in den geraden, die andere in den ungeraden Perioden. Der Audio-Offset wird fest auf 1500 Hz gestellt, die maximale tolerierbare Frequenzabweichung zwischen beiden Stationen liegt bei etwa 200 Hz. Ein einigermaßen stabiler Transceiver ist also Pflicht, ein GPS-disziplinierter Referenzoszillator schadet nicht.
Eine Besonderheit sind die Sh-Nachrichten (short messages). Sobald beide Rufzeichen einmal ausgetauscht sind, kann auf ein verkürztes Format umgeschaltet werden, das nur noch 20 Millisekunden dauert und statt der Rufzeichen einen Hashwert überträgt. Das erhöht die Trefferwahrscheinlichkeit bei sehr kurzen Pings deutlich. Der Preis: Solche Nachrichten kann nur die aktuelle Gegenstation vollständig dekodieren, Dritte sehen nur Fragmente.
FSK441 und die Vorgeschichte
FSK441 war der Vorgänger und ist auf 144 MHz noch vereinzelt anzutreffen, vor allem bei Stationen mit älteren Installationen. MSK144 ist ihm bei kurzen Pings klar überlegen und hat ihn praktisch abgelöst.
Davor gab es HSCW, High Speed CW: Telegrafie mit bis zu 1000 Buchstaben pro Minute, aufgezeichnet auf Tonband und anschließend langsam abgespielt, um sie überhaupt lesen zu können. Wer wissen will, warum ältere UKW-Leute beim Thema Meteorscatter ins Schwärmen geraten, findet dort die Antwort. Und SSB funktioniert bei starken Bursts durchaus, verlangt aber sehr disziplinierte, kurze Durchgänge nach festem Schema.
Was man an Technik braucht
- Transceiver: 144 MHz in SSB, mit stabiler Frequenz und sauberer NF-Anbindung an den Rechner. Wer FT8 schon fährt, hat die Verkabelung bereits fertig.
- Leistung: Ab etwa 100 W wird es zuverlässig. Verbindungen mit 25 W gibt es, dann braucht es aber eine sehr gute Gegenstation und viel Geduld.
- Antenne: Horizontal polarisierte Yagi ab etwa 10 dBd, also grob ab 9 Elementen. Ein Rotor ist praktisch Pflicht, weil die Antenne auf den Partner zeigen muss.
- Software: WSJT-X in aktueller Version, dazu ein Logprogramm. Die Zeitsynchronisation muss stimmen, ein NTP-Dienst am Rechner genügt.
- Nerven: Ein QSO dauert selten unter fünf, oft zwanzig bis dreißig Minuten. Zwischen den Pings passiert nichts. Gar nichts.
WSJT-X richtig einstellen
Drei Punkte werden beim ersten Versuch gern übersehen:
- Unter Settings → General muss „Enable VHF and submode features" aktiviert sein, sonst erscheint MSK144 gar nicht erst in der Modusliste.
- Ebenfalls dort: „MSK144: Tx until 73 is received". Ohne diese Option bricht die Automatik an der falschen Stelle ab.
- Die Dekodier-Tiefe (Fast / Normal / Deep) richtet sich nach der Rechenleistung. MSK144 dekodiert kontinuierlich, nicht erst am Periodenende. Wer die CPU überlastet, verliert Pings, ohne es zu merken.
Die NF-Filter sollten von 300 bis 2700 Hz möglichst flach sein. Ein schmales CW-Filter im Empfangsweg ist bei MSK144 kontraproduktiv.
Frequenzen und Ablauf in Region 1
In Europa gelten laut ÖVSV-Wiki und IARU-Region-1-Bandplan folgende Anrufbereiche:
- 144,360 MHz — MSK144 auf 2 m, die wichtigste Frequenz
- 50,360 MHz — MSK144 auf 6 m
- 432,360 MHz — MSK144 auf 70 cm
- 144,370 MHz — historisch FSK441-Random, heute nur noch selten belegt
- 70,230 MHz — 4 m, in Österreich nicht freigegeben
Beim Betrieb sind zwei Wege üblich. Beim Random-Betrieb ruft man auf der Anruffrequenz CQ und wartet, wer sich meldet. Das funktioniert vor allem während der Schauermaxima, wenn genug Stationen QRV sind.
Der zuverlässigere Weg ist der Sked: Man verabredet Uhrzeit, Frequenz, Periode und wer zuerst sendet. In Europa läuft das fast ausschließlich über den ON4KST-Chat im VHF/UHF-Raum. Dort sieht man auch, wer gerade wen hört, was die Trefferquote enorm hebt.
Der QSO-Ablauf
Ein MSK144-QSO folgt demselben Schema wie FT8, nur mit Wartezeiten:
- Anruf:
CQ OE1ABC JN88 - Antwort:
OE1ABC DL3XYZ JO62 - Report:
DL3XYZ OE1ABC R+03— bei MSK144 wird ein echter SNR-Wert übertragen, das klassischeOOOstammt aus der FSK441-Zeit - Bestätigung:
OE1ABC DL3XYZ RRR - Abschluss:
DL3XYZ OE1ABC 73
Gültig ist das QSO erst, wenn beide Seiten Rufzeichen, Report und dessen Bestätigung sicher empfangen haben. Ein halb dekodierter Burst zählt nicht, auch wenn er verlockend aussieht.
Meteorscatter aus Österreich
Die geografische Lage ist gut. Aus OE liegen bei Entfernungen zwischen 800 und 2000 Kilometern unter anderem Norddeutschland, Dänemark, Polen, das Baltikum, Süditalien, Spanien und Südengland im nutzbaren Bereich. Das ist ein Kreis, in dem viele aktive UKW-Stationen sitzen.
Die Alpen sind dabei weniger hinderlich als beim Tropo-Betrieb, weil der Reflexionspunkt in 100 Kilometern Höhe liegt und der Abstrahlwinkel entsprechend flach, aber nicht bodennah sein muss. Trotzdem gilt: Ein freier Horizont in die Zielrichtung hilft, und wie stark das Gelände hineinspielt, haben wir in Alpenpropagation genauer angesehen.
Was in OE fehlt, ist das 4-m-Band, das in mehreren europäischen Ländern für Meteorscatter beliebt ist. Dort ist für uns nichts zu holen, die Frequenz ist nicht freigegeben.
Typische Anfängerfehler
- Zu früh aufgeben. Fünf Minuten ohne Ping sind normal, nicht der Beweis für einen Defekt.
- Antenne auf den Radianten. Sie gehört auf die Gegenstation, siehe oben.
- Falsche Uhrzeit. Schon eine Sekunde Abweichung kostet Dekodierungen. NTP einrichten und kontrollieren.
- Zu viel NF-Pegel. Übersteuerte Sendezüge produzieren Splatter, den die Gegenstation als Rauschen sieht.
- Abends anfangen. Die Stunden vor Sonnenaufgang sind um ein Vielfaches besser.
- Ohne Sked im Random rufen, wenn kein Schauer läuft. Dann hört einem schlicht niemand zu.
Videos zum Einstieg
Fazit
Meteorscatter ist die zugänglichste Form von echtem VHF-DX. Man braucht keine Überreichweiten, keinen Sonnenfleckenzyklus und kein Contest-Wochenende, sondern eine Yagi, 100 Watt, einen Wecker auf halb sechs und die Bereitschaft, minutenlang auf ein Signal von einer halben Sekunde zu warten. Dafür ist ein QSO über 1800 Kilometer auf 2 m ein Erlebnis, das kein FT8-Kontakt auf 20 m ersetzt.
Wer noch weiter will: Beim Erde-Mond-Erde-Funk steht der Reflektor 384.000 Kilometer entfernt und ist dafür immer da.
Quellen und weiterführende Links
- WSJT-X — Software und Dokumentation, Joe Taylor K1JT und Team
- The MSK144 Protocol for Meteor-Scatter Communication (PDF, QEX) — die technische Beschreibung des Verfahrens
- ÖVSV-Wiki: MSK144 — Frequenzen und Einstellungen für Region 1
- International Meteor Organization: Shower Calendar — Termine und ZHR-Prognosen
- ON4KST Chat — Sked-Vereinbarung für VHF/UHF in Europa
- LA0BY: Meteorscatter on 144 MHz — Random-Frequenzen und Mindestanforderungen
- Wikipedia: Meteorscatter — Überblick und Geschichte
Weiterlesen auf oeradio.at
- Aurora-Ausbreitung auf 2 m: wenn Nordlichter VHF-DX ermöglichen
- EME: Mondreflexion auf 2 m und 70 cm
- Alpenpropagation: wie Berge die VHF/UHF-Ausbreitung beeinflussen
- Ausbreitungsbedingungen verstehen: SFI, K-Index und A-Index
- FT8 für Einsteiger
- WSPR: Ausbreitungsforschung mit 5 Watt
73 – eure oeradio.at-Redaktion
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Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die Inhalte wurden von der oeradio.at-Redaktion geprüft und anhand der oben genannten Quellen abgeglichen. Hinweise und Korrekturen gerne an [email protected].





