Der Funkmanager: Wie Adi Amtskette jemand wurde, weil ihm ein Thema gehörte

SATIREDies ist ein satirischer Beitrag aus der Rubrik Störsender. Ähnlichkeiten mit realen Personen, Rufzeichen, Frequenzen oder Vorschriften sind rein zufällig – oder absichtlich übertrieben.

Eine Störsender-Satire von Hansl Hohlleiter

Es gibt Funkamateure, die etwas tun. Es gibt welche, die etwas organisieren. Und es gibt Adi Amtskette, OE0AMT, der etwas ist.

Was genau er ist, steht unter jeder seiner E-Mails. Vier Zeilen. Man scrollt.

Das Thema

Adi ist Funkmanager. So steht es da, in einem österreichischen Funkverein mit 34 Mitgliedern.

Funkmanager wofür, ist eine überraschend schwierige Frage, weil sich die Bezeichnung im Lauf der Jahre mehrfach verändert hat, immer in dieselbe Richtung: länger. Angefangen hat es mit „zuständig für Portabelbetrieb". Dann kam „Sachbearbeiter Outdoorfunk". Aktuell steht in der Signatur „Funkmanager Outdoor & Portabelbetrieb, Koordinator Fachbereich Aktivitäten".

Was der Fachbereich konkret macht, kann niemand beantworten. Es gab einmal eine Terminliste für gemeinsame Bergtouren. Der letzte Eintrag darin ist zweieinhalb Jahre alt und betrifft einen Termin, der wegen Regens ausfiel.

Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass es den Fachbereich gibt, und dass er Adi gehört. Gemanagt wird dabei nichts. Der Titel beschreibt keine Tätigkeit, sondern einen Besitzstand.

Und ja, die Frage liegt nahe. Adi war zuletzt vor sechs Jahren auf einem Gipfel. Er sagt, er komme momentan nicht dazu, weil die Koordination so viel Zeit koste. Koordiniert wird dabei nichts, was ohne ihn nicht auch stattfände: Die Leute, die tatsächlich hinaufgehen, verabreden sich seit Jahren in einer Chatgruppe, in der Adi zwar Mitglied ist, aber nur schreibt, wenn ihn jemand nicht erwähnt hat.

Der Titel geht mit

Interessant wird es dort, wo der Amateurfunk aufhört.

Adi trägt seinen Fachbereich nämlich nicht nur in den Verein, sondern hinaus. Auf seiner Visitenkarte steht er unter dem Beruf. Beim Elternabend hat er sich damit vorgestellt. Der Bäckerin gegenüber hat er einmal erwähnt, dass er „im Fachbereich" gerade viel um die Ohren habe, worauf sie höflich nickte und weiter Semmeln einschlichtete.

Am Gemeindeamt, so wird berichtet, hat er bei einer Anfrage zur Antennengenehmigung seine Funktion erwähnt. Zweimal. Der Sachbearbeiter, der nicht funkt, hat das notiert, weil er dachte, es sei eine Behörde.

Das ist der Kern der Sache. Für Adi ist der Fachbereich kein Dienst an einer Gemeinschaft, sondern ein Beleg. Er hat etwas inne, also ist er wer. Ohne den Fachbereich wäre er ein Funkamateur mit 34 anderen im Verein, mit ihm ist er der Einzige, der für etwas steht. Dass dieses Etwas niemandem fehlen würde, ändert daran nichts, im Gegenteil: Je weniger das Thema aus sich heraus bedeutet, desto mehr Bedeutung muss er selbst hineinlegen.

Die Schulterklopf-Ökonomie

Einmal im Jahr schreibt Adi den Bericht seines Fachbereichs. Er ist vier Seiten lang. Ich habe ihn gelesen, das gehört zu meinem Beruf.

In diesen vier Seiten kommt das Wort „ich" 31 Mal vor. Die Formulierung „konnte ich erreichen" sechs Mal. „Nicht zuletzt durch mein Zutun" zweimal, was schon deshalb bemerkenswert ist, weil es zweimal denselben Sachverhalt beschreibt.

Tatsächlich passiert ist in dem Jahr: eine Wanderung, organisiert von zwei Mitgliedern, angekündigt von Adi. Eine Sammelbestellung für Portabelmasten, abgewickelt vom Kassier, im Bericht als „Beschaffungsinitiative des Fachbereichs" geführt. Und eine Excel-Tabelle mit Gipfeln in der Umgebung, die jemand anderes vor vier Jahren angelegt hat und die Adi einmal aktualisiert hat.

Adi lügt nicht. Er hat all das mitgemacht. Er hat nur eine sehr eigene Vorstellung davon, wo Mitmachen aufhört und Verdienst anfängt.

Am deutlichsten wurde das beim Aktivitätstag im September. Ein schöner Tag, 26 Leute am Berg, davon acht, die noch nie portabel gefunkt hatten. Zwei Mitglieder waren um sechs Uhr früh oben und haben die Masten aufgestellt. Eine Kollegin hat den ganzen Tag Kaffee gekocht und nebenbei drei Neulingen das Loggen erklärt. Jemand hat seinen Transceiver mitgebracht und aus der Hand gegeben, was mehr Vertrauen ist, als die meisten aufbringen. Ein Vater hat seine zwei Kinder mitgeschleppt und ist trotzdem geblieben.

Der Bericht darüber ist eineinhalb Seiten lang und nennt drei Namen. Den Bürgermeister, der eine Grußbotschaft geschickt hat. Den Vorsitzenden, in einem Nebensatz. Und Adi.

Adi zweimal.

Die anderen kommen vor als „zahlreiche Helferinnen und Helfer", was formal stimmt und trotzdem eine Frechheit ist. Wer um sechs Uhr früh mit einem Glasfibermast am Rücken einen Forstweg hinaufgeht, ist keine Zahl. Er ist Josef, und er hätte es verdient, dass sein Name in dem Bericht steht, den ohnehin nur zwölf Leute lesen.

Was ihm fehlt, ist der Applaus. Deshalb organisiert er ihn selbst: Er stellt Anträge auf Ehrungen für Leute, von denen er weiß, dass sie danach Anträge auf Ehrungen für ihn stellen werden. In der Ortsstelle nennt man das inzwischen die Rotationsauszeichnung.

Und dann kam Widerspruch

Bei der Jahreshauptversammlung im März passierte etwas Ungewöhnliches. Ein neues Mitglied, jung, frisch lizenziert, freundlich, fragte in der Diskussion, was der Fachbereich eigentlich mache. Nicht bissig. Es wollte mitarbeiten.

Adi antwortete zweiundzwanzig Minuten lang. Es war keine Antwort dabei.

Als der Vorsitzende schließlich bat, zum nächsten Punkt zu kommen, geschah das, was ich hier eigentlich beschreiben will, und was den Funkmanager vom bloßen Wichtigtuer unterscheidet.

Adi wurde nicht laut. Adi wurde nicht sachlich. Adi rief nach jemandem, der zuständig ist.

Innerhalb von zehn Tagen gab es: eine Mail an eine Stelle, von der er annahm, sie sei für „den Umgangston in Ortsstellen" zuständig. Eine zweite Mail an eine Stelle, von der er annahm, sie stehe über der ersten, weil die erste nicht innerhalb von 48 Stunden geantwortet hatte. Eine Anfrage an einen befreundeten Juristen, ob eine Wortmeldung in einer Vereinsversammlung „ehrenrührig" sein könne. Und einen Anruf beim Vorsitzenden, in dem der Satz fiel: „Ich lasse das prüfen."

Was genau von wem geprüft werden sollte, blieb offen. Wichtig war das Verb.

Wer Adi länger kennt, hat das schon oft gesehen. Beim Relaisstreit vor drei Jahren, als er darauf bestand, „das müsse jemand offiziell klären". Bei der Diskussion über den Vereinsabend, als er ankündigte, sich „an höherer Stelle zu erkundigen". Beim Streit über eine Rechnung, wo er nach jemandem verlangte, „der da einmal ordentlich hinschaut". Nie sagt er, wer diese Leute sein sollen. Es genügt, dass es sie geben könnte.

Das Muster dahinter

Ich habe darüber länger nachgedacht, als der Anlass verdient, und ich glaube, es ist Folgendes.

Wer ein Thema als Aufgabe versteht, kann Kritik daran hören. Sie betrifft die Sache. Man kann zustimmen, widersprechen, etwas ändern, weitermachen.

Wer ein Thema als Identität trägt, kann das nicht. Wenn er jemand ist, weil ihm der Fachbereich gehört, dann ist die Frage „wozu gibt es den eigentlich" keine Sachfrage mehr, sondern die Frage „wozu gibt es dich eigentlich". Und weil das existenziell wirkt, greift er zum stärksten Werkzeug, das er kennt.

Kinder rufen in so einer Lage nach der Mama. Erwachsene mit einem Fachbereich rufen nach jemandem, der zuständig ist. Der Mechanismus ist derselbe: Nicht die Sache soll geklärt werden, sondern jemand von weiter oben soll bestätigen, dass man im Recht ist und dass der andere sich falsch verhalten hat.

Das Traurige daran ist, dass es funktioniert. Niemand im Verein hat Lust darauf, dass wegen einer Wortmeldung irgendwo Mails aufschlagen. Also lässt man Adi. Er hat das gelernt und wendet es an, seit acht Jahren, erfolgreich.

Was es kostet

Das neue Mitglied ist nicht mehr gekommen. Nicht wegen Adi allein, sondern weil es nach der Versammlung zwei Leute angerufen und gefragt hat, ob das normal sei. Beide sagten: „Ja, das ist halt der Adi." Damit war die Frage beantwortet, aber anders, als sie gemeint war.

Das ist die eigentliche Rechnung. Nicht der lächerliche Fachbereich, nicht der Jahresbericht, nicht einmal die Mails an irgendwen. Sondern dass es in jeder Ortsstelle ein paar Leute gibt, die genau einmal fragen, ob sie hier mitarbeiten können, und die nach der Antwort ihre Schlüsse ziehen.

Adi hat übrigens im Juni eine Ehrenurkunde bekommen. Für langjährige Verdienste um den Outdoorfunk. Der Antrag kam von einem Kollegen aus einer Nachbarortsstelle, für den Adi im Vorjahr einen Antrag gestellt hatte.

Hansls Fazit


Hansls Fazit: Ehrenämter sind das Rückgrat dieses Hobbys. Ohne die Leute, die Relais betreuen, Prüfungen organisieren, Kurse halten und den Papierkram machen, gäbe es keinen Amateurfunk, sondern nur ein paar Einzelne mit Antennen. Diese Leute verdienen jede Anerkennung, und sie bekommen meistens zu wenig davon.

Der Unterschied zu Adi ist leicht zu erkennen, und zwar an genau einer Stelle: Was passiert, wenn jemand widerspricht? Wer für die Sache arbeitet, diskutiert. Wer für sich selbst arbeitet, sucht eine Instanz.

Ein Thema in einem Funkverein zu übernehmen ist keine Beförderung. Es ist die Erlaubnis, mehr Arbeit zu machen als die anderen, und der Dank dafür kommt selten und leise. Wer daraus seinen Wert bezieht, hat sich das falsche Hobby ausgesucht: Beim Amateurfunk wird man nämlich nicht jemand, weil man etwas innehat, sondern weil man auf die Taste drückt. Und dafür braucht niemand einen Titel in der Signatur.

Und wer sich jetzt fragt, ob er gemeint ist: Du bist es nicht. Die, die gemeint sind, fragen nicht. Die suchen schon die passende Adresse für die Beschwerde.

Alle Personen und Rufzeichen in diesem Beitrag sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden Funkamateuren sind beabsichtigt, aber juristisch nicht verwertbar. Der Autor übernimmt keine Haftung für spontane Selbsterkenntnis und steht für Rückfragen ausdrücklich nicht der Aufsicht zur Verfügung.


Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Verwendete Illustrationen wurden, sofern nicht anders gekennzeichnet, mit KI erstellt. Die redaktionelle Verantwortung und inhaltliche Prüfung liegt bei der oeradio.at-Redaktion. Anregungen und Beschwerden, auch von Adi, gerne an [email protected].

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