KW 35 / 2026 | 24. – 30. August | SFI aktuell 124, NOAA-27-Tage 110–115 | SSN 73 | A 4, K 2 | Kp durchgehend 2–3 erwartet | Röntgen B9,1 | Quelle: NOAA SWPC / hamqsl.com
Zusammenfassung
Zum ersten Mal seit Wochen gibt es beim Flux nichts Dramatisches zu berichten, und das ist die gute Nachricht. Seit dem 16. August liegt der Solare Flux durchgehend zwischen 124 und 129: 129, 124, 125, 126, 125, 126, 124 — und heute wieder 124. Nach dem Absturz auf 94 Anfang August und der Erholung in der Vorwoche ist das eine Woche ohne Ausschläge, mit der man planen kann. Der Röntgenhintergrund steht bei B9,1 und damit knapp unter der C-Schwelle, das Rauschen meldet hamqsl weiterhin mit S1–S2.
Auffällig ist der Unterschied zwischen Flux und Fleckenzahl. Die Sonnenfleckenzahl ist von 111 am 15. August auf aktuell 73 gefallen, der Flux nicht. Das ist kein Widerspruch, sondern ein Hinweis darauf, wo die Strahlung herkommt: Die alten Regionen 4508 und 4511 sind laut SWPC inzwischen zu reiner Plage zerfallen. Flecken zählt man dort keine mehr, Radiostrahlung liefern die hellen Gebiete trotzdem.
Geomagnetisch ist die Lage so entspannt, wie sie in diesem Zyklus selten ist. Das Feld war in den letzten 24 Stunden durchgehend ruhig, der Sonnenwind läuft mit rund 440 km/s auf Hintergrundniveau, das Gesamtmagnetfeld liegt bei 3 bis 6 nT. SWPC schreibt für den 23. bis 25. August ausdrücklich, dass keine transienten oder wiederkehrenden Solarwind-Strukturen erwartet werden. Ein Filament ist am 22. August bei N40E45 abgehoben und hat einen schmalen CME produziert, der aber deutlich nördlich der Sonne-Erde-Linie vorbeigeht. Erdgerichtete CMEs sind in den Koronagrafenbildern keine zu sehen.
Der Haken liegt diesmal nicht beim Magnetfeld, sondern auf der Sonne selbst. Region 4513 ist am Wochenende von E55 auf N04E32 gewandert, ist als Beta-Gamma-Gruppe klassifiziert und hat in den letzten 24 Stunden mehrere C-Flares produziert, den größten mit C4.1 am 23. August um 06:53 UTC. Dazu ist mit 4517 (N10E18, Beta) eine weitere Gruppe im Wachsen. SWPC gibt für 23. bis 25. August eine Chance auf M-Flares (R1–R2) und eine geringe Chance auf einen X-Flare (R3) an. Das ist deutlich mehr, als in den vergangenen Wochen dort stand.
Unter dem Strich: eine ruhige Woche mit brauchbarem Flux, in der die Störungen nicht nachts über das Magnetfeld kommen, sondern tagsüber als kurze Funkstille auf der Sonnenseite.
Bandprognose
Flux um 125 bei ruhigem Feld ist die Kombination, mit der 17 und 15 m verlässlich arbeiten. Auf 6 m sind die Perseiden durch, dort läuft nur noch der sporadische Meteoruntergrund — wer das nutzen will, findet die Details in unserem Beitrag zu Meteorscatter.
| Band | Tag | Nacht | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| 160m | Schlecht | Mäßig | Nächte werden länger, QRN weiter auf S1–S2 — die Saison beginnt |
| 80m | Schlecht | Gut | Bei ruhigem Feld sauber, DX in der zweiten Nachthälfte |
| 40m | Mäßig | Gut | Verlässlich, NA-Fenster spätabends, Gray Line lohnt |
| 30m | Gut | Gut | Rund um die Uhr brauchbar |
| 20m | Gut bis sehr gut | Mäßig bis gut | Hauptband, bis in den Abend offen |
| 17m | Gut | Schlecht | Nachmittags zuverlässig, das Band der Woche |
| 15m | Gut | Schlecht | Mittags und nachmittags Richtung Süd und Südost, besser als letzte Woche |
| 12m | Mäßig | Schlecht | Fenster um die Mittagszeit, mit FT8 mehr als mit SSB |
| 10m | Schlecht bis mäßig | Schlecht | Bei Flux über 128 Süd-Öffnungen möglich, sonst still |
| 6m | Schlecht | Mäßig (Meteorscatter) | Perseiden vorbei, sporadischer Untergrund morgens 03–08 Uhr |
Geomagnetische Vorhersage
Die 3-Tage-Prognose vom Sonntagmittag nennt für den 23. bis 25. August einen maximalen Kp von 2,00 und schließt G1-Stürme ausdrücklich aus. Der 27-Tage-Ausblick sieht für die restliche Woche A 5 und Kp 2. Wir übernehmen das weitgehend, setzen aber Montag und Dienstag eine Spur höher an, weil die Werte am Montag mit A 8 noch die letzten Ausläufer der Vorwoche tragen.
| Tag | Kp erwartet | SFI Prognose | Einschätzung |
|---|---|---|---|
| Mo, 24. Aug. | 2–3 | ~124 | Ruhig, gute Bedingungen auf allen Bändern, 17 m nachmittags |
| Di, 25. Aug. | 2 | ~124 | Ruhig, 4513 nähert sich der Mitte — Flare-Risiko steigt |
| Mi, 26. Aug. | 2 | ~122–128 | Ruhig, bester Tag für die oberen Bänder |
| Do, 27. Aug. | 2 | ~122–128 | Ruhig, 4513 zentral, R1-Ereignisse tagsüber möglich |
| Fr, 28. Aug. | 2 | ~120–126 | Ruhig, stabil |
| Sa, 29. Aug. | 2 | ~118–125 | Ruhig, Wochenende mit planbaren Bedingungen |
| So, 30. Aug. | 2 | ~118–124 | Ruhig, gegen Wochenende leichte Abnahme möglich |
Was ein M-Flare für uns bedeutet
Weil das Flare-Risiko diese Woche der eigentliche Unsicherheitsfaktor ist, lohnt sich eine kurze Einordnung. Ein Flare wirkt anders als ein CME, und zwar sofort und nur auf der Tagseite.
- Die Röntgenstrahlung ist in acht Minuten da. Anders als beim CME gibt es keine Vorwarnzeit. Wer eine Warnung liest, erlebt das Ereignis bereits.
- Sie ionisiert die D-Schicht. Die absorbiert dann alles Untere zuerst. Ein R1 nach einem M1-Flare dämpft für einige Minuten hauptsächlich 80 und 40 m auf der sonnenbeschienenen Hälfte, bei R2 kann es zehn bis dreißig Minuten dauern und deutlich höher reichen.
- Nachts passiert nichts. Wer in Mitteleuropa um Mitternacht auf 80 m sitzt, merkt von einem Flare nichts. Betroffen ist immer nur, was gerade in der Sonne liegt.
- Der Fachbegriff ist Mögel-Dellinger-Effekt. Das Band wird nicht schlechter, es wird schlagartig still, und nach kurzer Zeit ist es wieder da. Wer das nicht kennt, sucht den Fehler in der eigenen Station.
- Der Protonenfluss ist erhöht. SWPC misst 2 bis 5 pfu und sieht für den 23. August eine Chance auf S1. Falls das eintritt, sind vor allem Polarrouten betroffen, für den Alltag in OE spielt es kaum eine Rolle.
Empfehlungen für die kommende Woche
- Die oberen Bänder ernst nehmen. Ruhiges Feld plus Flux um 125 ist die beste Konstellation seit Ende Juli. 17 m nachmittags, 15 m mittags Richtung Süden. An Tagen mit Flux über 128 lohnt ein kurzer Blick auf 12 und 10 m.
- Wenn ein Band plötzlich tot ist: warten, nicht schrauben. Bei erhöhtem Flare-Risiko ist eine abrupte Stille auf den unteren Bändern am Nachmittag wahrscheinlicher als ein Defekt. Nach zehn Minuten noch einmal hören.
- Low Bands aufbauen. Die Nächte sind seit Anfang August gut eine Stunde länger geworden, das QRN ist unten. 80 m ist nachts wieder DX-tauglich, und die Gray Line liegt in brauchbaren Zeiten. Wer eine Empfangsantenne plant, sollte jetzt damit anfangen.
- 6 m nur noch für Meteorscatter. Die Perseiden sind durch, aber der sporadische Untergrund läuft weiter, am besten morgens zwischen 03 und 08 Uhr. Die Anruffrequenz für MSK144 auf 2 m ist 144,360 MHz, auf 6 m 50,360 MHz.
- Kein CME in Sicht heißt nicht: nicht hinsehen. Die Lage kann sich mit einer einzigen Eruption aus 4513 innerhalb von Stunden ändern. Das RBN zeigt in dreißig Sekunden, was gerade wirklich offen ist, VOACAP rechnet es für die eigene Station durch.
Rückblick KW 34
Das war die beste Woche unserer Prognose seit langem. Wir hatten für den Flux einen Korridor von 115 bis 130 angesetzt und uns damit bewusst über die NOAA-Zahl von 100 bis 115 gestellt, mit dem Argument, die 27-Tage-Rechnung sei vom 10. August und damit zu alt. Tatsächlich lief der Flux die ganze Woche zwischen 124 und 129 — mitten im genannten Korridor, und deutlich über dem, was NOAA angesetzt hatte.
Auch die zweite Vorhersage traf. Wir hatten für Montag und Dienstag die CME-Ankunft mit Kp 3 bis 4 und der Möglichkeit eines G1 angesetzt. Der planetare Kp erreichte am Dienstag 5,33, der A-Index lag bei 31 — es wurde also tatsächlich ein G1, und die Störung fiel eher stärker aus als von uns erwartet. Der Mittwoch, den wir wegen der 27-Tage-Tabelle ausdrücklich als Wackelkandidaten markiert hatten, kam auf Kp 5,00 bei A 37. Beide markierten Tage haben geliefert.
Ab Donnerstag beruhigte sich das Feld wie angekündigt: 20. August A 11, 21. August A 9, 22. August A 5. Am Samstag lag der höchste Kp bei 1,33.
Eine Sache haben wir zu pessimistisch gesehen. Wir hatten geschrieben, Region 4506 werde über den Westrand drehen und der Flux beginne gegen Wochenende zu bröckeln. Das Bröckeln blieb aus, weil mit 4513 und 4517 rechtzeitig Nachschub vom Ostrand kam. Der Mechanismus, den wir seit zwei Wochen beschreiben, funktioniert offenbar in beide Richtungen zuverlässiger, als wir ihn anwenden.
vy 73 und gud DX — eure DX-Wetterredaktion
Transparenzhinweis
Diese Vorausschau wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) auf Basis öffentlicher Weltraumwetter-Daten erstellt: NOAA SWPC 27-Tage-Ausblick (Stand 17. August), 3-Tage-Prognose und Forecast Discussion (beide 23. August, 12:30 UTC), Solar Region Summary (22. August, 00:30 UTC), Daily Solar Indices und Daily Geomagnetic Indices sowie die aktuellen Werte von hamqsl.com (23. August, 14:29 UTC). Das Titelbild zeigt die Sonne im weißen Licht am 23. August 2026 um 13:45 UTC, aufgenommen vom Solar Dynamics Observatory (NASA/SDO, gemeinfrei); die Fleckengruppe links der Mitte ist Region 4513. Prognosen sind naturgemäß unsicher — die tatsächlichen Bedingungen können abweichen. Fragen oder Korrekturen? Schreib uns an [email protected].





