KW 33 / 2026 | 10. – 16. August | SFI aktuell 97, NOAA-Prognose 105–115 | SSN ~62 | A 4–8 | Kp meist 2, Montag bis 4 | Quelle: NOAA SWPC / hamqsl.com
Zusammenfassung
Der Absturz kam schnell — und wir haben ihn verpasst. Vor einer Woche stand der Solare Flux bei 140 und wir schrieben, er halte sich. Tatsächlich fiel er in sieben Tagen durch: 126 am Montag, 118 am Dienstag, 108 am Mittwoch, 101 am Donnerstag, seit Freitag 97. Die Sonnenfleckenzahl brach von 130 auf 62 ein, der Röntgenhintergrund liegt bei mageren B2,4. Der Grund ist banal: Die große Fleckengruppe, die den Juli-Flux getragen hat, ist über den Westrand gedreht und strahlt uns nicht mehr an.
Für KW 33 sieht der NOAA-27-Tage-Ausblick 105 bis 115. Das ist diesmal eher zu optimistisch als zu pessimistisch — der Wert wurde am 3. August gerechnet, als der Flux noch bei 126 stand. Auf der erdzugewandten Seite ist wenig los: Vier ruhige, stabile Regionen plus die neu aufgetauchte Region 4504 (S18E38), die als Axx/alpha aber viel zu klein ist, um Flux zu machen. Die Solar-Orbiter-PHI-Bilder zeigen laut SWPC keine nennenswerten Regionen, die von der Rückseite nachkommen. Wir rechnen deshalb mit einem realistischen Korridor von 95 bis 110, mit leichter Tendenz nach oben zum Wochenende.
Geomagnetisch war das Wochenende lebhafter als angekündigt: Ein streifender CME vom 4. August ließ das Gesamtfeld am Samstagmorgen auf 18 nT springen, und am Samstagnachmittag und -abend erreichte der planetare Kp 5,3 beziehungsweise 5,7 — ein kurzer G1-Sturm, den die 3-Tage-Prognose vom Samstagmittag noch mit maximal 4,33 angesetzt hatte. SWPC erwartet für Sonntagabend eine weitere streifende CME-Passage, danach ab Montag wieder ruhig bis unruhig. Wir setzen den Montag deshalb bewusst höher an (Kp 3–4) als NOAA: nach zwei Störungen hintereinander braucht die Ionosphäre einen Erholungstag. Ab Dienstag beruhigt sich das Feld, ein kleiner Buckel zur Wochenmitte (A 8) bleibt möglich.
Und dann ist da der Kalender, der diese Woche mehr hergibt als die Sonne: In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag erreichen die Perseiden ihr Maximum — und der Neumond fällt mit dem 12. August, 17:38 UTC, praktisch exakt darauf. Wer auf 6 m oder 2 m etwas erleben will, arbeitet diese Woche nicht mit F2, sondern mit Meteorscatter.
Bandprognose
Mit einem Flux um 100 ist die Luft auf den oberen Bändern raus. 20 m trägt die Woche, 30 und 40 m sind die verlässlichen Arbeitspferde, alles oberhalb von 17 m wird zur Mittagsübung. Die Sporadic-E-Saison ist vorbei — hamqsl meldet sämtliche E-Skip-Fenster geschlossen.
| Band | Tag | Nacht | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| 160m | Schlecht | Mäßig | Nächte werden länger, aber Gewitter-QRN (S2–S3) frisst den Gewinn |
| 80m | Schlecht | Mäßig | EU-intern ab der Dunkelheit brauchbar, DX nur mit Empfangsantenne |
| 40m | Mäßig | Gut | Das ehrlichste Band der Woche — EU/DX ab der Dämmerung, NA spätabends |
| 30m | Gut | Gut | Allrounder, bei niedrigem Flux besonders wertvoll — FT8/CW rund um die Uhr |
| 20m | Gut bis sehr gut | Mäßig | Hauptband der Woche, weltweit DX bei Tageslicht |
| 17m | Mäßig bis gut | Schlecht | Bei SFI 100 nur noch am Nachmittag zuverlässig offen |
| 15m | Mäßig | Schlecht | Kurze Mittagsöffnungen Richtung Süd/Südost, oft nur FT8-tauglich |
| 12m | Schlecht bis mäßig | Schlecht | Nur an guten Tagen und nur um die Mittagszeit |
| 10m | Schlecht | Schlecht | Weder Es noch genug F2 — das Band ist diese Woche praktisch tot |
| 6m | Schlecht (F2/Es) | Gut (Meteorscatter) | Magic Band lebt nur über Meteore — Maximumnacht 12./13. August |
Geomagnetische Vorhersage
Nach dem G1 vom Samstag und einer weiteren streifenden CME-Passage am Sonntagabend rechnen wir mit einem gedämpften Wochenstart und ab Dienstag mit ruhigem Feld. Wo die 27-Tage-Tabelle und unsere Einschätzung auseinandergehen (Montag), gewichten wir die frischen Solarwinddaten höher.
| Tag | Kp erwartet | SFI Prognose | Einschätzung |
|---|---|---|---|
| Mo, 10. Aug. | 3–4 | ~97 | Erholung nach dem Wochenendsturm — obere Bänder gedämpft, Aurora-Chance im Norden |
| Di, 11. Aug. | 2–3 | ~100 | Feld beruhigt sich, 20/30 m tragen wieder sauber |
| Mi, 12. Aug. | 2–3 | ~100 | Ruhig bis leicht unruhig (27-Tage sieht A 8) — Perseiden-Maximumnacht |
| Do, 13. Aug. | 2 | ~105 | Ruhig, Meteorraten am Morgen noch hoch |
| Fr, 14. Aug. | 2 | ~105 | Ruhig — Flux zieht ganz leicht an |
| Sa, 15. Aug. | 2 | ~105–110 | Ruhig — bestes HF-Wochenende der Woche |
| So, 16. Aug. | 2 | ~110 | Ruhig, 20 m bis in den Abend offen |
Perseiden 2026: die eigentliche Story der Woche
Der Meteorstrom der Perseiden erreicht sein Maximum in der Nacht von Mittwoch, 12., auf Donnerstag, 13. August. Der Neumond am 12. August um 17:38 UTC fällt fast exakt zusammen — optisch heißt das perfekt dunkle Nächte, funktechnisch heißt es vor allem: Es gibt eine Woche lang genug ionisierte Spuren in 85 bis 120 km Höhe, um damit VHF-DX zu machen, während die Kurzwelle schwächelt.
- Beste Zeit: etwa 02:00 bis 08:00 Lokalzeit, wenn der Radiant hoch steht und die Erde dem Strom entgegenläuft. Nicht nur in der Maximumnacht — die Perseiden liefern von etwa 10. bis 15. August brauchbare Raten.
- Frequenzen: 6 m MSK144 auf 50,260 MHz, 2 m MSK144 auf 144,360 MHz (WSJT-X-Voreinstellungen, regionale Abweichungen sind üblich — vorher kurz auf dem Band hören).
- Technik: 15-Sekunden-Perioden, kurze Nachrichten, Geduld. Wie MSK144 arbeitet und was an Station wirklich nötig ist, steht im WSJT-X-Beitrag, die Betriebspraxis im Meteorscatter-Artikel.
- Realistische Reichweite: 800 bis 2000 km — also von Kärnten aus quer durch Europa. Für neue Großfelder auf 6 m und 2 m ist das die beste Woche des Sommers.
Empfehlungen für die kommende Woche
- Kurzwelle: Erwartungen runter, Bandwahl runter. Bei SFI 97 ist 20 m das Hauptband und 30/40 m sind die Bänder, auf denen tatsächlich gearbeitet wird. Wer auf 10 m wartet, wartet diese Woche vergeblich.
- VHF: die Woche ausnutzen. Perseiden plus Neumond plus ruhiges Feld ab Dienstag — die Kombination gibt es einmal im Jahr. Maximumnacht 12./13. August, morgens zwischen 02 und 08 Uhr.
- Montag ist kein DX-Tag. Nach dem G1 vom Samstag und der Nachlieferung am Sonntagabend sacken die oberen Bänder ab. Plan B: 30/40 m, oder in hohen Breiten auf Aurora achten.
- Low Bands kommen zurück. Die Nächte werden merklich länger, 40 m öffnet zuverlässig ab der Dämmerung, 80 m ist EU-intern brauchbar. Das QRN bleibt hoch — jetzt zahlt sich eine separate Empfangsantenne aus, und die Gray Line ist wieder Gold wert.
- Wochenende 15./16. August: Internationales Leuchtturm- und Feuerschiff-Wochenende (ILLW) — viele Sonderstationen auf 40 und 20 m, ideal bei diesem Flux. Parallel läuft der SARTG WW RTTY Contest; wenn du RTTY noch nie probiert hast, ist ein Sommercontest mit ruhigem Feld der beste Einstieg.
- Vor dem Einschalten kurz nachsehen: Bei so niedrigem Flux entscheidet die Tagesform. Ein Blick auf das RBN zeigt in dreißig Sekunden, welches Band gerade wirklich offen ist.
Rückblick KW 32
Gemischte Bilanz. Beim Erdmagnetfeld lagen wir richtig: Der CME vom 30. Juli kam tatsächlich, nur ein paar Stunden später als von NOAA angesetzt — am Sonntagnachmittag, 2. August, sprang Kp auf 5,7. Der von uns angekündigte unruhige Montag trat ein (Kp 4,3), die Störung zog sich noch in den Dienstag (Kp 4,0), und ab Mittwoch war das Feld so ruhig wie vorhergesagt: Von 5. bis 7. August überschritt Kp den Wert 2 nicht.
Beim Flux lagen wir daneben, und zwar deutlich. Wir hatten einen Korridor von 125 bis 145 genannt und geschrieben, die NOAA-Prognose von 120–130 sei wieder einmal zu pessimistisch. Tatsächlich fiel der Flux unter beide Zahlen — auf 97. Der Fehler ist lehrreich: Wir hatten zwei Wochen lang recht damit, den aktuellen Messwert höher zu gewichten als die Langfristprognose, und haben daraus fälschlich einen Automatismus gemacht. Ein hoher Flux ist aber kein Zustand, sondern die Wirkung konkreter Fleckengruppen — dreht die tragende Region über den Westrand, bricht der Wert innerhalb weniger Tage ein, ganz gleich wie stabil er vorher aussah.
Die praktische Konsequenz für den absteigenden Zyklus 25: nicht nur auf den SFI schauen, sondern darauf, wo die Flecken stehen. Eine Gruppe nahe dem Westrand ist eine Verfallsanzeige. Wie man daraus eine belastbare Vorhersage für die eigene Station rechnet, steht im VOACAP-Beitrag.
vy 73 und gud DX — eure DX-Wetterredaktion
Transparenzhinweis
Diese Vorausschau wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) auf Basis öffentlicher Weltraumwetter-Daten (NOAA SWPC 27-Tage-Ausblick, 3-Tage-Prognose, Forecast Discussion, hamqsl.com) erstellt. Das Titelbild ist KI-generiert. Prognosen sind naturgemäß unsicher — die tatsächlichen Bedingungen können abweichen. Fragen oder Korrekturen? Schreib uns an [email protected].





