KW 38 / 2026 | 14. bis 20. September | SFI aktuell 109 | NOAA-27-Tage 105 bis 115 | SSN 77, Röntgenfluss B4.2 | A 7, Kp 2, ruhig | Sonnenwind 404 km/s, Bz −1,4 nT | Protonenfluss auf Hintergrundniveau | Quelle: NOAA SWPC, Stand 13. September 12:00 UTC
Zusammenfassung
Diese Woche ist keine Fluxwoche, sondern eine Magnetfeldwoche. Wer auf einen Sprung nach oben beim Solarflux wartet, wird ihn nicht bekommen, dafür gibt es drei unruhige Tage am Wochenanfang und ab Donnerstag ruhige, klare Verhältnisse, die man planen kann.
Zum Flux: Er steht bei 109 und damit fast exakt dort, wo er die ganze vergangene Woche stand. Der Grund, warum wir nicht mehr erwarten, steht im Titelbild. Die Regionen, die den Flux zuletzt getragen haben, sind 4521, 4524 und 4430, und sie stehen bei W93, W54 und W49. Die erste ist damit bereits über den Rand gedreht, die anderen beiden folgen im Lauf der Woche. Alle sieben nummerierten Regionen waren zuletzt entweder stabil oder leicht im Zerfall, und erdgerichtete Auswürfe gab es keine.
Die NOAA-Tabelle sieht für die Woche 105, dann ab Freitag 110 und zum Sonntag 115. Das ist eine Wette auf Wiederkehr: Der 27-Tage-Ausblick rechnet damit, dass die Gebiete, die vor einem Umlauf aktiv waren, wieder über den Ostrand kommen. Möglich ist das, aber es ist eine Prognose aus der Statistik und keine Beobachtung. Unser Korridor für die Woche: 103 bis 112 von Montag bis Donnerstag, 105 bis 118 am Wochenende, mit der klaren Ansage, dass die obere Hälfte nur eintritt, wenn am Ostrand tatsächlich etwas Neues auftaucht. Schau selbst nach, das dauert dreißig Sekunden und ist zuverlässiger als jede Tabelle.
Interessanter ist die zweite Nachricht. Auf der Sonnenscheibe stehen derzeit zwei ausgeprägte koronale Löcher, gut sichtbar als dunkle Flächen im Titelbild, eines nördlich der Mitte und ein großes am Südrand der Äquatorzone. Ihr schneller Sonnenwind trifft uns ab dem späten Sonntag und bleibt bis Dienstag wirksam. Dazu kommt eine Sektorgrenze im interplanetaren Magnetfeld, die das Feld umschaltet. SWPC erwartet daraus unruhige bis aktive Verhältnisse, aber ausdrücklich keinen geomagnetischen Sturm: Der größte erwartete Kp liegt bei 3,67, also unterhalb der G-Skala.

Bandprognose
10 und 12 Meter: Bei einem Flux um 109 sind das Mittagsbänder mit Bedingungen, die vom Äquinoktium leben. Nach Süden und in den Mittelmeerraum geht regelmäßig etwas, transatlantisch braucht es Geduld und den richtigen Moment um die lokale Mittagszeit. 12 Meter ist derzeit das unterschätzteste Band der oberen Gruppe, weil es bei diesem Flux deutlich öfter offen ist, als die meisten annehmen.
15 und 17 Meter: Die Arbeitspferde der Woche und die klaren Gewinner der Jahreszeit. Beide öffnen früher am Vormittag und tragen länger in den Abend als noch im Hochsommer, mit brauchbaren Wegen nach Nordamerika am Nachmittag und nach Asien am Vormittag. An den unruhigen Tagen Montag bis Mittwoch werden die Nordrouten gedämpft sein, die Süd- und Ost-West-Wege bleiben.
20 Meter: Rund um die Uhr brauchbar, mit der bekannten Delle in den Stunden vor Sonnenaufgang. In der zweiten Wochenhälfte, bei A um 5 und ruhigem Feld, wird 20 Meter das Band mit den weitesten Verbindungen bei der geringsten Mühe.
30 und 40 Meter: Die Nächte werden spürbar länger, und das hört man. 40 Meter trägt am Abend jetzt deutlich weiter als noch im August, 30 Meter bleibt die ruhige Alternative für alle, die keine Lust auf das Gedränge haben.
80 und 160 Meter: Der Saisonstart ist da. Das Grundrauschen sinkt mit jeder Woche, Gewitter werden seltener. Wer heuer auf den unteren Bändern etwas vorhat, baut jetzt die Antenne und nicht im November bei Minusgraden.
Geomagnetische Vorhersage
Die Woche zerfällt sauber in zwei Hälften.
Montag, 14. September: Der Sonnenwind aus dem ersten koronalen Loch ist angekommen. SWPC rechnet mit Kp 3 bis 3,67 über den ganzen Tag, die 27-Tage-Tabelle mit A 15. Das ist unruhig, aber kein Sturm. Auf den Nordrouten kostet es Signal, auf den Südrouten passiert wenig.
Dienstag, 15. September: Ähnliches Bild, Kp bis 3,67, A um 12. Die Sektorgrenze ist durch, der schnelle Strom hält noch an.
Mittwoch, 16. September: Abklingend, A um 10, Kp 3. Ab dem Nachmittag sollte es merklich besser werden.
Donnerstag bis Sonntag, 17. bis 20. September: Ruhig. A um 5, Kp 2. Das ist das Fenster der Woche. Wer eine Skedliste hat, einen Contest plant oder auf ein bestimmtes Land wartet, legt es auf diese vier Tage.
Ein Protonenereignis ist nicht zu erwarten, der Fluss über 10 MeV liegt auf Hintergrundniveau, und SWPC gibt für S1 oder mehr eine Wahrscheinlichkeit von einem Prozent an. Bei den Flares gilt: C-Klasse wahrscheinlich, eine isolierte M-Klasse nicht ausgeschlossen, also gelegentlich ein kurzer Mögel-Dellinger-Effekt auf der Tagseite, mehr nicht.
Was das Äquinoktium bringt
Am 22. September ist Tagundnachtgleiche, und das ist für Funkamateure kein Kalenderdatum, sondern eine Wetterlage. Zwei Effekte überlagern sich.
Der erste ist erfreulich. Rund um das Äquinoktium sind Nord- und Südhalbkugel gleich beleuchtet, die Ionosphäre ist entlang der ganzen Strecke ähnlich stark ionisiert, und genau das braucht ein Nord-Süd-Weg über den halben Globus. Deshalb sind die Wochen um die Tagundnachtgleiche traditionell die beste Zeit für DX auf 15, 17 und 20 Meter, und deshalb liegen die großen Conteste im Herbst.
Der zweite ist unerfreulich, jedenfalls auf den ersten Blick. Um die Äquinoktien häufen sich geomagnetische Störungen, weil die Ausrichtung des Erdmagnetfelds zum Sonnenwind dann besonders günstig für die Energieübertragung ist. In der Fachliteratur heißt das Russell-McPherron-Effekt. Praktisch bedeutet es: Im September und im März sind Störungen bei gleichem Sonnenwind wahrscheinlicher als im Juni oder Dezember.
Für die Planung heißt das beides zusammen: Die Bedingungen sind jetzt im Mittel so gut wie das ganze Jahr nicht, aber sie schwanken stärker. Wer einen festen Termin hat, schaut am Vortag auf Kp und nicht auf den Kalender.
Empfehlungen für die kommende Woche
- Die zweite Wochenhälfte ist die gute. Donnerstag bis Sonntag, ruhiges Feld, ordentlicher Flux, Äquinoktium in Reichweite. Dorthin gehört alles, was wichtig ist.
- Montag und Dienstag auf VHF hören. Kp um 3,67 reicht für Aurora normalerweise nicht, aber die Ankunft eines schnellen Stroms ist genau das Fenster, in dem es doch einmal klappt. Kostet nichts außer Zeit.
- Den Ostrand beobachten. Ob unsere obere Korridorhälfte eintritt, entscheidet sich dort. Ein Blick auf das aktuelle SDO-Bild reicht.
- 12 Meter probieren. Das Band wird bei Flux um 110 systematisch unterschätzt. Dreißig Sekunden ins Reverse Beacon Network sagen mehr als jede Prognose, auch unsere.
- Low-Band-Antenne bauen. Der beste Zeitpunkt für 80 und 160 Meter ist jetzt, solange das Wetter mitspielt und die Bäume noch nicht nass sind.
Rückblick KW 37
Beim Flux waren wir zu optimistisch, aber näher dran als die Tabelle. Wir hatten 105 bis 120 zum Wochenbeginn und 110 bis 125 ab Mittwoch angesagt und erwartet, dass NOAA nach oben korrigiert. Tatsächlich gemessen wurden 110, 110, 109, 115, 110, 109 und heute 109. Die NOAA-Tabelle lag mit 102 bis 108 zu tief, unsere Obergrenze mit 125 deutlich zu hoch. Der Nachschub vom Ostrand kam, aber er hat den Abgang am Westrand nur ausgeglichen und nicht überkompensiert.
Beim Magnetfeld haben wir ins Schwarze getroffen. Für Dienstag, den 8. September, hatten wir den CME-Treffer mit Kp 4 bis 4,67 und G1 angesagt. Beobachtet wurde ein planetarer A-Index von 29 und ein Kp von 5,00 im Intervall 06 bis 09 UTC, also G1, sogar eine Spur kräftiger als angesagt. Die angekündigte Beruhigung ab Mittwoch kam ebenfalls: A 12, 9, 8 und 7 an den Folgetagen.
Das Wochenende haben wir überschätzt. Wir hatten für Samstag und Sonntag nach der Tabelle A 8 und A 15 erwartet und einen schnellen Strom vermutet. Gekommen ist er nicht am Wochenende, sondern erst jetzt, zum Wochenwechsel. Die Erklärung steht oben: Es ist der Strom aus den koronalen Löchern, der die kommenden Tage prägt. Wir waren also nicht falsch, nur zwei Tage zu früh.
Das Protonenereignis vom 5. September ist abgeklungen, der Fluss liegt wieder auf Hintergrundniveau. Die Polarrouten sind seit Mittwoch wieder normal.
vy 73 und gud DX — eure DX-Wetterredaktion
Transparenzhinweis
Diese Vorausschau wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) auf Basis öffentlicher Weltraumwetter-Daten erstellt: NOAA SWPC 27-Tage-Ausblick (Tabelle vom 7. September), 3-Tage-Prognose und Forecast Discussion (beide 13. September, 00:30 UTC), die täglichen geomagnetischen Indizes und Sonnendaten bis einschließlich 12. September sowie die aktuellen Kennzahlen von hamqsl.com (13. September, 11:55 UTC). Das Titelbild stammt von NASA/SDO und ist gemeinfrei. Die Inhalte wurden von der oeradio.at-Redaktion geprüft. Hinweise und Korrekturen gerne an [email protected].





