DX-Wetter KW 36/2026: SFI rutscht von 143 auf 116 — dafür beginnt die Äquinoktium-Saison

DX-Wetter

KW 36 / 2026 | 31. August – 6. September | SFI aktuell 116, NOAA-27-Tage 120 fallend auf 90 | SSN 82 | A 15, K 2 | Kp Montag bis Sonntag 2–3 erwartet | Röntgen B5,0 | Quelle: NOAA SWPC / hamqsl.com


Zusammenfassung

Die Woche beginnt mit zwei gegenläufigen Nachrichten: Das Magnetfeld beruhigt sich, der Flux nicht. Der Solare Flux ist innerhalb von fünf Tagen von 143 am 24. August auf 116 am 28. August gefallen — über 132, 131 und 122, also ohne Ausreißer, sauber abwärts. Der Röntgenhintergrund steht bei B5,0 und damit deutlich unter der C-Schwelle, das Rauschen meldet hamqsl mit S1–S2.

Der Grund steht im Titelbild. Die beiden Gruppen, die den Flux die letzten zwei Wochen getragen haben, sind rechts oben angekommen: 4517 stand am 28. August bei N09W58 und ist einen Tag später schon bei W64, 4513 bei N04W43. Beide drehen in den kommenden Tagen über den Westrand und nehmen ihre Strahlung mit. 4517 ist mit einer Fläche von 150 Millionstel und sieben Flecken dabei die deutlich größere. Was vom Ostrand nachkommt, ist bisher dünn: 4518 (N08E19), 4519 (N27E25) und 4520 (S13E34) bringen zusammen zwölf Flecken und 40 Millionstel. Der Mechanismus, den wir hier seit Wochen beschreiben, arbeitet diesmal in die unangenehme Richtung.

Entsprechend sieht der 27-Tage-Ausblick aus: 120 zum Wochenstart, 115 am Mittwoch, 100 am Donnerstag, 95 am Freitag und Samstag, 90 am Sonntag. Wir halten das für realistisch und setzen nur den Wochenbeginn eine Spur höher an, weil der Flux mit 116 heute schon unter der NOAA-Zahl liegt und die Tabelle vom 24. August stammt. Unser Korridor für die Woche: 105 bis 120 am Anfang, 90 bis 105 ab Donnerstag.

Geomagnetisch ist die Woche dagegen entspannt — nach einer unruhigen Nacht. Am Samstag, dem 29. August, lief das Feld unter dem Einfluss eines Koronalen Lochs mit positiver Polarität auf aktive Werte hoch, dazu kamen die CMEs, die am 25. und 26. August die Sonne verlassen haben. Das Gesamtmagnetfeld erreichte 15 nT, die Bz-Komponente ging bis −13 nT nach Süden, der Sonnenwind stieg von 280 auf 440 km/s. SWPC erwartete für Samstagabend zwischen 21 und 24 UTC einen Kp von 5,67, also ein G2. Für Sonntag stehen noch aktive Bedingungen an, ab Montag rechnet SWPC mit überwiegend ruhigem Feld.

Für die neue Woche heißt das: Das Störungsrisiko liegt nicht mehr in der Nacht, sondern am Tag. SWPC gibt für R1–R2-Funkstille durchgehend 25 Prozent pro Tag an, für einen X-Flare 1 Prozent. Erdgerichtete CMEs sind in den Koronagrafenbildern derzeit keine zu sehen.

Und dann ist da noch der Kalender. Am 22. September ist Tagundnachtgleiche, und die Wochen davor sind traditionell die beste DX-Zeit des Jahres auf den mittleren Bändern. Beide Hemisphären werden gleichmäßig beleuchtet, die Ionosphäre auf der Nord-Süd-Strecke ist symmetrisch, und die Absorption in der D-Schicht geht mit dem tieferen Sonnenstand zurück. Ein Flux von 100 im September ist auf 20 und 17 m mehr wert als ein Flux von 120 im Juli. Das gleicht einiges von dem aus, was die Sonne diese Woche wegnimmt.

Bandprognose

Fallender Flux bei ruhigem Feld verschiebt das Geschehen nach unten. 20 m bleibt das Arbeitspferd, 17 m wird zum Nachmittagsband mit kürzeren Fenstern, 15 m nur noch an den ersten Wochentagen brauchbar. Dafür werden die Nächte spürbar länger, und die Low Bands kommen zurück.

BandTagNachtBemerkung
160mSchlechtMäßig bis gutSaisonstart, QRN unten, nach dem 3. September deutlich besser
80mSchlechtGutBei ruhigem Feld sauber, DX in der zweiten Nachthälfte
40mMäßigGut bis sehr gutBand der Woche, NA-Fenster spätabends, Gray Line lohnt
30mGutGutRund um die Uhr brauchbar, profitiert vom Äquinoktium
20mGutMäßig bis gutHauptband, hält auch bei Flux 100 durch, abends länger offen
17mMäßig bis gutSchlechtNachmittags, Fenster wird ab Donnerstag kürzer
15mMäßigSchlechtMo–Mi mittags Richtung Süd, ab Flux unter 100 nur noch sporadisch
12mSchlecht bis mäßigSchlechtKurze Mittagsfenster, praktisch nur mit FT8
10mSchlechtSchlechtBei diesem Flux still, F2 erst wieder bei deutlicher Erholung
6mSchlechtMäßig (Meteorscatter)Es ist Ende der Es-Saison, morgens 03–08 Uhr Meteoruntergrund

Geomagnetische Vorhersage

Die 3-Tage-Prognose vom 29. August, 12:30 UTC, nennt für Samstagnacht einen maximalen Kp von 5,67 und für Sonntag aktive Bedingungen, ab Montag überwiegend ruhig. Der 27-Tage-Ausblick sieht für die gesamte Woche A 5 bis 8 und Kp 2 bis 3. Wir übernehmen das, setzen aber Freitag und Samstag eine Spur höher an, weil das koronale Loch, das dieses Wochenende gestört hat, in gut 27 Tagen wiederkommt — und die Tabelle für den 4. und 5. September bereits A 8 ausweist.

TagKp erwartetSFI PrognoseEinschätzung
Mo, 31. Aug.2~112–120Feld beruhigt sich, bester Tag für 15 und 17 m
Di, 1. Sep.2~110–118Ruhig, 4517 am Westrand, oberes Ende noch brauchbar
Mi, 2. Sep.2~105–115Ruhig, Übergang, 20 m übernimmt
Do, 3. Sep.2~98–108Ruhig, Flux unter 110, oberste Bänder werden dünn
Fr, 4. Sep.2–3~92–102Leichte Unruhe möglich, Low Bands am Abend gut
Sa, 5. Sep.2–3~90–100Wiederkehrendes CH möglich, 40 und 80 m nachts stark
So, 6. Sep.2~88–98Ruhig, Flux am Tiefpunkt, 20 m trotzdem tragfähig

Warum ein Flux von 95 im September kein Drama ist

Weil in den nächsten Tagen erfahrungsgemäß die Frage kommt, ob jetzt „alles zu" ist: Nein. Der Flux ist nur eine von mehreren Größen, und im September arbeiten zwei davon für uns.

  • Die Absorption sinkt. Die D-Schicht ist das, was tagsüber die unteren Bänder frisst. Sie lebt vom hohen Sonnenstand. Je tiefer die Sonne steht, desto weniger Dämpfung, und das bringt 40 und 30 m schon am späten Nachmittag ins Spiel.
  • Die Symmetrie stimmt. Rund um die Tagundnachtgleiche sind Nord- und Südhalbkugel gleich beleuchtet. Auf langen Nord-Süd-Strecken sitzt kein dunkler Abschnitt mehr in der Mitte, der die Verbindung abwürgt. Das ist der Grund, warum die großen DXpeditionen Ende September und Ende März stattfinden und nicht im Hochsommer.
  • Die Nächte werden länger. Seit Anfang August hat die Nacht in OE gut zwei Stunden gewonnen. Auf 160 und 80 m ist das direkt Betriebszeit, und das QRN sinkt mit den Gewittern.
  • Was tatsächlich fehlt, sind 12 und 10 m. Die brauchen F2-Ionisation und damit Flux. Unter 100 bleiben sie bis auf sporadische Öffnungen still. Wer dort etwas erreichen will, wartet auf die nächste aktive Region — laut 27-Tage-Tabelle ab etwa dem 10. September wieder aufwärts.
  • Wer es für die eigene Station genau wissen will: VOACAP rechnet mit dem tatsächlichen Flux und der eigenen Antenne, und was die Zahlen SFI, A und K überhaupt bedeuten, steht in Ausbreitungsbedingungen verstehen.

Empfehlungen für die kommende Woche

  • Die oberen Bänder in der ersten Wochenhälfte abarbeiten. Montag bis Mittwoch ist der Flux noch über 105. Wer auf 15 oder 17 m etwas vorhat, macht es jetzt und nicht am Wochenende.
  • Ab Donnerstag auf 20 und 30 m umstellen. Beide tragen auch bei Flux um 95, und das Äquinoktium hilft. 20 m bleibt abends länger offen, als die Fluxzahl vermuten lässt.
  • Low-Band-Saison ernst nehmen. 40 m ist diese Woche das verlässlichste Band überhaupt, 80 m nachts DX-tauglich. Wer eine Empfangsantenne plant, hat jetzt noch Zeit vor der Saison; die Grundlagen stehen in Low-Band-DX. Die Gray Line wandert jetzt in angenehme Zeiten.
  • Plötzliche Stille am Nachmittag: warten, nicht schrauben. Bei 25 Prozent R1–R2-Risiko pro Tag ist ein kurzer Einbruch auf den unteren Bändern wahrscheinlicher als ein Defekt in der eigenen Station. Nach zehn Minuten noch einmal hören.
  • Die Nacht auf Sonntag war Aurora-Wetter. Wer am Wochenende auf 2 m nichts probiert hat: Das koronale Loch kommt in rund 27 Tagen wieder, also gegen Ende September. Was dann geht, steht in Aurora-Ausbreitung auf 2 m.
  • Nicht raten, sondern nachsehen. Das RBN zeigt in dreißig Sekunden, welches Band gerade tatsächlich offen ist. Bei fallendem Flux ist das mehr wert als jede Wochenprognose, auch als diese.

Rückblick KW 35

Beim Flux lagen wir daneben, und zwar in beide Richtungen. Wir hatten einen ruhigen Korridor um 118 bis 128 angesetzt und geschrieben, es sei „eine Woche ohne Ausschläge, mit der man planen kann". Tatsächlich sprang der Flux am Montag auf 143 — der höchste Wert seit Wochen und weit über unserem Korridor — und fiel danach in vier Tagen auf 116, also darunter. Die Woche war alles andere als ausschlagsfrei. Was wir richtig gesehen haben, war die Ursache: Wir hatten auf 4513 und 4517 hingewiesen, und genau die haben erst den Sprung geliefert und drehen jetzt ab.

Beim Magnetfeld haben wir das Wochenende verschlafen. Wir hatten für die gesamte Woche Kp 2 angesetzt, für Samstag ausdrücklich „ruhig, Wochenende mit planbaren Bedingungen". Montag bis Freitag stimmte das auch: A 3, 4, 4, 5 und 1, ruhiger geht es kaum. Am Samstag lief das Feld dann unter dem Einfluss eines koronalen Lochs auf Kp 4,33 hoch, und SWPC sagte für den Abend G1 bis G2 an. Ein Kp von 5,67 ist das Gegenteil von planbar ruhig.

Der Fehler ist derselbe wie schon einmal im Juli: Wir haben aus der 3-Tage-Prognose auf die restliche Woche geschlossen und die 27-Tage-Tabelle, die für den 28. und 29. August bereits A 10 und A 8 auswies, nicht ernst genug genommen. Die Zahlen standen da. Wir haben sie in der Tabelle stehen lassen und im Text ruhig geschrieben. Das nehmen wir diese Woche mit und setzen Freitag und Samstag deshalb bewusst höher an als die 3-Tage-Prognose.

Richtig lagen wir beim Flare-Thema. Wir hatten geschrieben, die Störungen kämen diese Woche eher tagsüber von der Sonnenseite als nachts über das Magnetfeld — bis Freitag war das exakt die Lage.

vy 73 und gud DX — eure DX-Wetterredaktion


Transparenzhinweis

Diese Vorausschau wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) auf Basis öffentlicher Weltraumwetter-Daten erstellt: NOAA SWPC 27-Tage-Ausblick (Stand 24. August), 3-Tage-Prognose und Forecast Discussion (beide 29. August, 12:30 UTC), Solar Region Summary (29. August, 00:30 UTC, Beobachtung vom 28. August), Daily Solar Indices sowie die aktuellen Werte von hamqsl.com (29. August, 17:11 UTC). Das Titelbild zeigt die Sonne im weißen Licht am 29. August 2026 um 17:10 UTC, aufgenommen vom Solar Dynamics Observatory (NASA/SDO, gemeinfrei); die große Fleckengruppe rechts oben am Rand ist Region 4517, die in den kommenden Tagen über den Westrand dreht. Prognosen sind naturgemäß unsicher — die tatsächlichen Bedingungen können abweichen. Fragen oder Korrekturen? Schreib uns an [email protected].

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