KW 34 / 2026 | 17. – 23. August | SFI aktuell 117, NOAA-27-Tage 100–115 | SSN 95 | A 6, K 2 | Kp Mo/Di bis 4, G1 möglich | Quelle: NOAA SWPC / hamqsl.com
Zusammenfassung
Die Erholung kam genauso schnell wie der Absturz. Vor einer Woche lag der Solare Flux bei 94, dem tiefsten Wert seit Monaten. Seither ist er jeden Tag gestiegen: 95 am Montag, 96 am Dienstag, 100 am Mittwoch, 108 am Donnerstag, 114 am Freitag, 117 am Samstag — und dort steht er auch heute. Die Sonnenfleckenzahl kletterte von 41 auf 111 und liegt aktuell bei 95. Noch deutlicher ist der Röntgenhintergrund: von B2,4 vor einer Woche auf B8,7 heute. Das ist fast das Vierfache und der ehrlichere Indikator dafür, dass auf der erdzugewandten Seite wieder etwas los ist.
Der Grund ist derselbe wie beim Absturz, nur mit umgekehrtem Vorzeichen: Es sind wieder Regionen da. SWPC führt vier Fleckengruppen in Beta-Konfiguration, und drei davon sind in den letzten 24 Stunden gewachsen — 4507 (N04W15), 4506 (N11W31) und die neu nummerierte 4512 (S19W15). Der stärkste Brocken ist Region 4508 (N08E15), die am Samstagmorgen einen C3.3-Flare produziert hat. Sie steht noch östlich der Mitte, dreht uns also erst in den nächsten Tagen voll entgegen.
Für KW 34 sieht der NOAA-27-Tage-Ausblick 100 bis 115. Diese Zahl wurde am 10. August gerechnet, als der Flux bei 95 stand — sie ist damit vermutlich zu niedrig, nicht zu hoch. Wir setzen einen Korridor von 115 bis 130 an, mit dem höheren Bereich zur Wochenmitte, wenn 4508 zentral steht. Eine Einschränkung dazu, die wir uns letzte Woche selbst eingebrockt haben: 4506 steht bereits bei W31 und wandert Richtung Westrand. Was sie an Flux beisteuert, verlieren wir gegen Wochenende wieder. Die Rechnung geht also nur auf, solange die östlichen Regionen liefern.
Geomagnetisch ist der Wochenstart die Baustelle. Ein CME hat die Sonne am 14. August verlassen, und SWPC erwartet die Auswirkungen im Sonnenwind für Montag und Dienstag: aktive Bedingungen mit Chance auf einen G1-Sturm. Die 3-Tage-Prognose vom Sonntagmorgen setzt den planetaren Kp für Montag auf bis zu 4,00 an. Dazu kommt ein zweiter Punkt, den die 27-Tage-Tabelle aus der Wiederkehr der Sonnenrotation ableitet: Für den 19. August steht dort A 20 und Kp 5, was auf einen wiederkehrenden Koronalloch-Strom hindeutet. Zwei Anlässe in drei Tagen also. Ab Donnerstag sollte sich das Feld beruhigen und ruhig bleiben.
Unter dem Strich: die erste Woche seit Anfang August, in der Kurzwelle wieder Freude macht — mit einem gedämpften Montag und Dienstag als Wermutstropfen.
Bandprognose
Mit einem Flux um 120 kommen 17 und 15 m zurück, und das QRN hat spürbar nachgelassen: hamqsl meldet S1–S2 statt S2–S3 wie in der Vorwoche. Die Sporadic-E-Saison ist weiterhin vorbei, auf 6 m läuft nichts außer Meteorscatter.
| Band | Tag | Nacht | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| 160m | Schlecht | Mäßig | Nächte werden länger, QRN geht zurück — erste brauchbare Nächte der Saison |
| 80m | Schlecht | Gut | EU-intern ab der Dämmerung solide, DX in der zweiten Nachthälfte |
| 40m | Mäßig | Gut | Verlässlich wie immer — NA-Fenster spätabends, Gray Line lohnt sich |
| 30m | Gut | Gut | Rund um die Uhr brauchbar, das ruhigste Band der Woche |
| 20m | Gut bis sehr gut | Mäßig bis gut | Hauptband, bei Flux 120 bis weit in den Abend offen |
| 17m | Gut | Schlecht | Kommt zurück — nachmittags zuverlässig, deutlich besser als letzte Woche |
| 15m | Mäßig bis gut | Schlecht | Mittags und nachmittags Öffnungen Richtung Süd und Südost |
| 12m | Mäßig | Schlecht | Kurze Fenster um die Mittagszeit, mit FT8 mehr als mit SSB |
| 10m | Schlecht bis mäßig | Schlecht | An den Tagen mit Flux über 125 sind Süd-Öffnungen möglich, sonst still |
| 6m | Schlecht | Mäßig (Meteorscatter) | Perseiden klingen aus, morgens noch brauchbare Raten bis etwa 24. August |
Geomagnetische Vorhersage
Montag und Dienstag stehen im Zeichen des CME vom 14. August, für Mittwoch flaggt die 27-Tage-Tabelle zusätzlich einen wiederkehrenden Strom. Wir setzen die beiden ersten Tage bewusst etwas höher an als die reine 3-Tage-Prognose, weil ein CME-Eintreffen erfahrungsgemäß eher zu früh als zu spät modelliert wird.
| Tag | Kp erwartet | SFI Prognose | Einschätzung |
|---|---|---|---|
| Mo, 17. Aug. | 3–4 | ~118 | CME-Ankunft, aktive Phasen, G1 möglich — obere Bänder gedämpft, Aurora-Chance im Norden |
| Di, 18. Aug. | 3–4 | ~120 | Nachlauf der Störung, tagsüber Erholung, abends noch unruhig |
| Mi, 19. Aug. | 3–5 | ~122 | 27-Tage sieht A 20 — möglicher Koronalloch-Strom, der unsicherste Tag der Woche |
| Do, 20. Aug. | 2–3 | ~125 | Feld beruhigt sich, 20 und 17 m tragen wieder sauber |
| Fr, 21. Aug. | 2 | ~125 | Ruhig, bester Tag für DX auf den oberen Bändern |
| Sa, 22. Aug. | 2 | ~120–125 | Ruhig, 4506 dreht über den Westrand — Flux beginnt zu bröckeln |
| So, 23. Aug. | 2 | ~118 | Ruhig, stabile Bedingungen zum Wochenausklang |
Warum der Flux zurück ist
Vergangene Woche haben wir an dieser Stelle geschrieben, ein hoher Flux sei kein Zustand, sondern die Wirkung konkreter Fleckengruppen — und eine Gruppe nahe dem Westrand sei eine Verfallsanzeige. Diese Woche liefert das Gegenstück, und es lohnt sich, kurz hinzusehen, weil man daraus für den Rest des Zyklus etwas mitnimmt.
- Neue Regionen entstehen nicht am Rand, sie tauchen dort auf. Die Sonne rotiert in etwa 27 Tagen einmal durch. Was heute am Ostrand erscheint, strahlt uns in einer knappen Woche voll an. Region 4508 steht bei E15 und ist damit fast in der Mitte — ihr Beitrag zum Flux ist noch nicht ausgereizt.
- Der Röntgenhintergrund ist der ehrlichere Frühindikator. Der Sprung von B2,4 auf B8,7 sagt mehr über den Zustand der Korona aus als die Fleckenzahl, die stark davon abhängt, wie die Gruppen gerade gezählt werden.
- Beta heißt aktiv, aber nicht dramatisch. Alle vier Regionen sind Beta-Gruppen, keine mit komplexem Magnetfeld. Das bedeutet: C-Flares ja, gelegentlich R1 möglich, aber keine Grundlage für die großen Ausbrüche. SWPC gibt bis 18. August 15 Prozent für R1–R2.
- Für die Praxis heißt das: Flux um 120 ist keine Rückkehr zu den 150er-Tagen vom Juli, aber der Unterschied zwischen 97 und 120 ist auf 17 und 15 m unmittelbar hörbar. Wer letzte Woche über 20 m nicht hinausgekommen ist, sollte diese Woche wieder höher schauen.
Empfehlungen für die kommende Woche
- Montag und Dienstag: unten bleiben. Solange die CME-Störung läuft, sind 30 und 40 m die verlässliche Wahl. In hohen Breiten lohnt bei aktivem Feld der Blick auf Aurora.
- Ab Donnerstag die oberen Bänder testen. Ruhiges Feld plus Flux um 125 ist die beste Kombination seit Ende Juli. 17 m nachmittags, 15 m mittags Richtung Süden, an guten Tagen kurz auf 12 und 10 m hören.
- Low Bands ernst nehmen. Die Nächte sind seit Anfang August rund eine Stunde länger geworden, und das QRN ist auf S1–S2 gefallen. 80 m ist nachts wieder DX-tauglich, und die Gray Line wandert in die brauchbaren Zeiten. Wer eine Empfangsantenne hat, merkt jetzt den Unterschied.
- 6 m: die Perseiden klingen aus, aber sie sind nicht weg. Bis etwa 24. August liefert der Strom morgens zwischen 02 und 08 Uhr noch brauchbare Raten, dazu kommt der sporadische Untergrund. Für MSK144 auf 50,260 MHz reicht das allemal — wie das praktisch läuft, steht im WSJT-X-Beitrag.
- Mittwoch ist der Wackelkandidat. Die 27-Tage-Tabelle sieht dort A 20, die 3-Tage-Prognose reicht noch nicht so weit. Wer an dem Tag etwas vorhat, schaut morgens kurz auf die aktuellen Solarwinddaten statt auf diese Tabelle.
- Vor dem Einschalten kurz nachsehen. Bei einem Flux, der sich innerhalb einer Woche um 23 Punkte bewegt hat, ist jede Wochenprognose eine Momentaufnahme. Das RBN zeigt in dreißig Sekunden, welches Band gerade wirklich offen ist, und VOACAP rechnet es für die eigene Station durch.
Rückblick KW 33
Beim Flux lagen wir richtig, aber zu vorsichtig. Wir hatten einen Korridor von 95 bis 110 genannt, mit leichter Tendenz nach oben zum Wochenende, und die NOAA-Prognose von 105–115 ausdrücklich als zu optimistisch bezeichnet. Tatsächlich lief der Flux von 95 am Montag auf 117 am Samstag — er hat unsere Obergrenze am Freitag durchbrochen und lag am Ende sogar über der NOAA-Zahl, die wir für zu hoch gehalten hatten. Die Richtung stimmte, die Steigung nicht.
Das ist bemerkenswert, weil wir eine Woche zuvor den umgekehrten Fehler gemacht hatten. Beide Male lag die Ursache im selben Punkt: Wir haben den aktuellen Messwert fortgeschrieben, statt zu fragen, was auf der Sonne gerade nachkommt. In der Woche davor drehte die tragende Region über den Westrand, diesmal kamen vier neue Gruppen herein.
Beim Erdmagnetfeld war die Woche unspektakulär und unsere Prognose eine Spur zu düster. Wir hatten für Montag Kp 3–4 angesetzt, weil wir nach dem G1 vom Samstag und einer angekündigten zweiten CME-Passage einen Erholungstag erwartet hatten. Der planetare Kp kam am Montag über 2,0 nicht hinaus, der A-Index lag bei 5. Die angekündigte zweite Passage blieb aus. Der Rest der Woche traf: ruhig bis leicht unruhig, mit dem kleinen Buckel zur Wochenmitte (A 8 am Mittwoch, exakt wie in der 27-Tage-Tabelle), Spitzenwert war Kp 3,3 am Dienstag.
Die Perseiden haben geliefert, was von ihnen zu erwarten war. Wer in der Maximumnacht auf 6 m unterwegs war, hatte bei Neumond und ruhigem Feld die besten Bedingungen des Jahres für MSK144.
vy 73 und gud DX — eure DX-Wetterredaktion
Transparenzhinweis
Diese Vorausschau wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) auf Basis öffentlicher Weltraumwetter-Daten erstellt: NOAA SWPC 27-Tage-Ausblick (Stand 10. August), 3-Tage-Prognose und Forecast Discussion (beide 16. August, 00:30 UTC), Daily Solar Data und Daily Geomagnetic Indices sowie die aktuellen Werte von hamqsl.com (16. August, 11:06 UTC). Prognosen sind naturgemäß unsicher — die tatsächlichen Bedingungen können abweichen. Fragen oder Korrekturen? Schreib uns an [email protected].





