KW 39 / 2026 | 21. bis 27. September | SFI aktuell 97 | NOAA-27-Tage 100 bis 110 | SSN 51 nach einem Tagestief von 0 am 18. September, Röntgenfluss B3.2 | A 6, Kp bis 3,00, ruhig | Sonnenwind 374 km/s, Bz +3 nT | Protonenfluss auf Hintergrundniveau | Quelle: NOAA SWPC, Stand 20. September 18:30 UTC
Zusammenfassung
Vergangene Woche haben wir geschrieben, die tragenden Fleckengruppen stünden am Westrand und würden abdrehen. Das ist eingetreten, und zwar gründlicher, als uns lieb war.
Die Fleckenzahl ist innerhalb von fünf Tagen von 87 auf null gefallen. Am 18. September hat SWPC die Fleckenzahl mit 0 und die Fleckenfläche mit 0 angegeben, also einen komplett fleckenlosen Tag, mitten in einem Jahr, dessen Monatsmittel zuletzt bei 76 lag. Zur Einordnung: Die internationale Referenzreihe der Sternwarte Uccle, die etwas anders zählt und mit Verzögerung erscheint, weist als letzten fleckenlosen Tag den 11. Dezember 2021 aus, also den Anstieg des laufenden Zyklus. Ob der 18. September auch dort als Null geführt wird, wissen wir im Oktober. Als Momentaufnahme bleibt es trotzdem bemerkenswert.
Der Flux ist mitgegangen und steht bei 97. Der Tiefpunkt war der 18. September mit 96.
Die gute Nachricht steht am Ostrand. Seit Samstag sind zwei neue Regionen nummeriert, 4533 auf der Südhalbkugel und 4535 im Norden, beide gerade erst hereingedreht und beide noch klein. Interessanter ist eine dritte, die noch keine Nummer hat, weil sie perspektivisch zu stark verkürzt ist: Aus ihrer Richtung kam am 19. September um 18:17 UTC ein C3.3-Flare, noch vor dem Rand. Wer über dem Rand Flares produziert, ist in der Regel kein kleines Gebiet. Unser Korridor für die Woche: 95 bis 105 von Montag bis Mittwoch, 98 bis 112 von Donnerstag bis Sonntag. Die NOAA-Tabelle sieht 100 bis 110 und setzt damit voraus, dass die Region hinter dem Ostrand liefert. Vergangene Woche hat die Tabelle recht behalten und wir nicht, das sei fairerweise dazugesagt.

Und dann sind da noch zwei Termine. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ist Tagundnachtgleiche, und ab Donnerstag erwartet SWPC eine geomagnetische Störung, die wir schon kennen. Beides zusammen macht diese Woche zu einer, die man planen kann, wenn man die richtige Hälfte erwischt.
Bandprognose
10 und 12 Meter: Bei einem Flux unter 100 ist 10 Meter ein Lotteriespiel, auch am Äquinoktium. Die sommerliche Sporadic-E-Saison ist vorbei, und für verlässliches F2 fehlt schlicht die Ionisierung. Wer es trotzdem probiert, tut es um die lokale Mittagszeit nach Süden, Afrika und Südamerika sind die realistischen Ziele. 12 Meter ist um eine Spur besser dran und öffnet an den ruhigen Tagen kurz, aber brauchbar.
15 und 17 Meter: Die ehrlichen Arbeitspferde dieser Woche, wobei 17 Meter bei diesem Flux das zuverlässigere von beiden ist. Beide profitieren stark vom Äquinoktium: Öffnungen beginnen früher am Vormittag und halten länger in den Abend, die Nord-Süd-Wege sind jetzt so gut wie das ganze Jahr nicht. 15 Meter braucht Geduld und einen Blick auf das Bandblick-Dashboard, bevor man eine Stunde vergeblich ruft.
20 Meter: Das Band der Woche. Rund um die Uhr brauchbar, tagsüber weit, nachts noch immer offen. An den drei ruhigen Tagen zu Wochenbeginn ist es die naheliegende Wahl für alles, was zählt.
30 und 40 Meter: Die Nächte sind jetzt genau so lang wie die Tage, und das merkt man. 40 Meter trägt am Abend deutlich weiter als im August, 30 Meter bleibt die ruhige Alternative ohne Gedränge. An den gestörten Tagen ab Donnerstag sind beide die stabilere Wahl als die oberen Bänder.
80 und 160 Meter: Saisonstart. Das Grundrauschen sinkt mit jeder Woche, Gewitter werden seltener. Bei einem A-Index um 18 am Wochenende sind allerdings die Nordwege gedämpft, das gehört dazu.
VHF: Sporadic-E ist Geschichte, Aurora derzeit geschlossen. Das kann sich ab Donnerstag ändern, dazu unten mehr.
Geomagnetische Vorhersage
Die Woche zerfällt wieder in zwei Hälften, diesmal aber andersherum als zuletzt: erst ruhig, dann unruhig.
Montag bis Mittwoch, 21. bis 23. September: Ruhig. Die 3-Tage-Prognose vom 20. September nennt als größten erwarteten Kp 3,00 und hält ausdrücklich fest, dass weder transiente noch wiederkehrende Sonnenwindstrukturen erwartet werden. Der 27-Tage-Ausblick sieht A 5, 4 und 4. Das Feld ist derzeit völlig unauffällig, die Feldstärke lag im Mittel bei 5 nT und der Sonnenwind ist von 440 auf 400 km/s zurückgegangen. Diese drei Tage sind das Fenster.
Donnerstag bis Sonntag, 24. bis 27. September: Hier wird es interessant. Die NOAA-Tabelle springt für Donnerstag, Freitag und Samstag auf A 18 und Kp 5, für Sonntag auf A 15 und Kp 4. Kp 5 wäre G1, also ein kleiner geomagnetischer Sturm.
Diese Vorhersage ist keine Beobachtung, sondern eine Wiederkehrprognose, und man kann nachrechnen, worauf sie beruht. Die Sonne dreht sich von der Erde aus gesehen in gut 27 Tagen einmal um sich selbst. Zählt man vom 24. September 27 Tage zurück, landet man beim 28. August, und genau dort steht im Archiv eine Störungsphase: Am 28., 29., 30. und 31. August lag der planetare A-Index bei 15, 17, 15 und 12, nach einer Woche mit Werten zwischen 3 und 6. Das war ein schneller Strom aus einem koronalen Loch, und koronale Löcher überleben oft mehrere Umläufe. SWPC rechnet damit, dass dasselbe Loch jetzt wieder in die erdgerichtete Position kommt.
Das ist eine gut begründete Erwartung, aber es bleibt eine Statistik. Koronale Löcher schrumpfen zwischen zwei Umläufen, wandern in der Breite oder lösen sich auf. Wer also am Donnerstag ohnehin plant, schaut am Mittwochabend auf die aktuelle 3-Tage-Prognose und nicht auf diesen Artikel.
Ein Protonenereignis ist nicht zu erwarten, der Fluss über 10 MeV liegt auf Hintergrundniveau und SWPC gibt für S1 oder mehr ein Prozent an. Der Elektronenfluss über 2 MeV dürfte dagegen hohe Werte erreichen, was für uns keine Rolle spielt, für Satellitenbetreiber schon. Bei den Flares erwartet SWPC für Montag bis Mittwoch sehr niedrige Aktivität, was bei diesem Fleckenbestand keine Überraschung ist.
Das Äquinoktium, auf die Minute
Vergangene Woche haben wir geschrieben, die Tagundnachtgleiche sei am 22. September. Das war um zwei Stunden daneben. Genau ist sie am 23. September um 00:05 UTC, bei uns also in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch um 02:05 Sommerzeit.
Warum das für uns mehr ist als ein Kalendereintrag, haben wir vergangene Woche ausführlich beschrieben: Nord- und Südhalbkugel sind gleich beleuchtet, die Ionosphäre ist entlang der ganzen Strecke ähnlich ionisiert, und davon leben Nord-Süd-Wege über den halben Globus. Gleichzeitig häufen sich um die Äquinoktien die geomagnetischen Störungen, weil das Erdmagnetfeld dann günstiger zum Sonnenwind steht und mehr Energie aufnimmt.
Diese Woche führt genau das vor. Erst drei Tage mit der besten Geometrie des Jahres und einem ruhigen Feld. Dann, keine vierundzwanzig Stunden nach dem Äquinoktium, der Strom aus dem koronalen Loch. Man kann sich den Effekt kaum sauberer vorführen lassen.
Dazu kommt ein praktischer Punkt: Am 26. und 27. September läuft das CQ WW RTTY DX Contest, das traditionell auf das letzte volle Septemberwochenende fällt. Es liegt damit mitten in der erwarteten Störungsphase. Wer mitmacht, stellt sich auf gedämpfte Nordrouten und auf ein lauteres Band ein, und verlegt Gewicht von 15 auf 20 und 40 Meter. Wer das Contestwochenende meidet, hat mit Montag bis Mittwoch ohnehin die besseren Bedingungen.
Empfehlungen für die kommende Woche
- Die erste Wochenhälfte ist die gute. Montag bis Mittwoch, ruhiges Feld, Äquinoktium. Alles, was wichtig ist, gehört auf diese drei Tage. Das ist die Umkehrung der vergangenen Woche, also bitte nicht aus Gewohnheit aufs Wochenende schieben.
- 17 Meter statt 15. Bei Flux unter 100 ist 17 Meter das verlässlichere Band, und es ist deutlich weniger überlaufen. Ein Nachmittag dort bringt mehr als drei Stunden vergebliches Rufen auf 15.
- Ab Donnerstag auf VHF hören. Wenn der Strom wie erwartet kommt und Kp tatsächlich 5 erreicht, ist das die realistischste Aurora-Chance seit Wochen. 144,300 MHz in SSB, Antenne nach Norden, und auf den typischen rauen Ton achten.
- Den Ostrand beobachten. Ob aus 97 wieder 110 wird, entscheidet die noch unnummerierte Region, die am 19. September über den Rand geflart hat. Ein Blick auf das aktuelle SDO-Bild dauert dreißig Sekunden.
- Low-Band-Antenne fertig machen. Die Nächte sind ab dieser Woche länger als die Tage. Wer auf 80 oder 160 Meter etwas vorhat, baut jetzt, solange man ohne Handschuhe am Mast arbeiten kann. Zur Stromversorgung im Feld siehe Akkublick.
- RTTY-Setup testen, falls Contest. Und zwar vor Donnerstag, nicht am Samstag um 00:00 UTC.
Rückblick KW 38
Beim Flux haben wir verloren, und zwar deutlich. Wir hatten 103 bis 112 für Montag bis Donnerstag angesagt und 105 bis 118 fürs Wochenende. Gemessen wurden 104, 107, 100, 97, 96, 97 und heute 97. Die ersten beiden Tage lagen im Korridor, danach sind wir unten hinausgefallen. Die NOAA-Tabelle, die am 14. September neu erschienen ist, sah 105, 100, 95, 93, 90, 90 und 95 und hat damit fast punktgenau getroffen. Wir haben in der vergangenen Ausgabe die alte Tabelle vom 7. September kritisiert, die 105 bis 115 sah. Der Unterschied ist: NOAA hat binnen eines Tages nach unten korrigiert, wir nicht.
Den Einbruch der Fleckenzahl haben wir gar nicht angesagt. Wir haben geschrieben, alle sieben nummerierten Regionen seien stabil oder leicht im Zerfall. Das war für den Moment richtig und für die Woche falsch: Aus 87 wurden 51, 23, 23, 11 und schließlich 0. Der Zerfall ging schneller als angenommen, und nachgekommen ist bis Freitag nichts. Wer hier eine Lehre sucht: Bei kleinen Fleckenbeständen ist die Zerfallsrate die wichtigere Größe, nicht der Stand.
Beim Magnetfeld haben wir getroffen, mit einem Tag Versatz. Angesagt waren drei unruhige Tage von Montag bis Mittwoch und ab Donnerstag ruhige Verhältnisse mit A um 5. Beobachtet wurden für Montag bis Mittwoch die planetaren A-Werte 11, 8 und 9, mit einem Kp-Höchstwert von 4,00 am Montagnachmittag, also eine Spur kräftiger im Kp und milder im A als angesagt. Die Beruhigung kam aber nicht am Donnerstag, sondern erst am Freitag: Donnerstag lag noch bei A 9 und Kp 3,00, Freitag dann bei A 5. Unser Planungsfenster war also um einen Tag zu großzügig.
Der Hinweis auf 12 Meter war unter den gefallenen Flux-Werten optimistischer, als er hätte sein dürfen. Das Band war offen, aber kürzer und seltener, als wir das bei 110 geschrieben haben.
vy 73 und gud DX — eure DX-Wetterredaktion
Transparenzhinweis
Diese Vorausschau wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) auf Basis öffentlicher Weltraumwetter-Daten erstellt: NOAA SWPC 27-Tage-Ausblick (Tabelle vom 14. September), 3-Tage-Prognose und Forecast Discussion (beide 20. September, 12:30 UTC), die täglichen Sonnen- und geomagnetischen Indizes bis einschließlich 19. September, die Regionsliste vom 20. September sowie die aktuellen Kennzahlen von hamqsl.com (20. September, 18:42 UTC). Die Angabe zum letzten fleckenlosen Tag stammt aus der täglichen Sonnenfleckenreihe von SILSO, Königliche Sternwarte von Belgien. Der Zeitpunkt des Äquinoktiums wurde nach dem Verfahren von Meeus gerechnet. Das Titelbild stammt von NASA/SDO und ist gemeinfrei. Die Inhalte wurden von der oeradio.at-Redaktion geprüft. Hinweise und Korrekturen gerne an [email protected].





