Inhaltsverzeichnis
- Warum überhaupt
- Kostenlos anfangen: wfview
- Die Lösungen der Hersteller
- FlexRadio SmartLink
- Icom RS-BA1 und der IC-7760
- Kenwood: KNS, ARCP-890 und ARCP-990
- Was es nicht mehr gibt
- Selbstbau mit Raspberry Pi und Hamlib
- Das Netzwerkproblem, über das niemand spricht: CGNAT
- Latenz: was wirklich zählt
- Was am anderen Ende stehen muss
- Sicherheit
- Rechtslage in Österreich
- Remote im Contest: aufpassen
- Ohne eigene Station: die DARC-Remotestationen
- In welcher Reihenfolge man anfängt
- Fazit
- Transparenzhinweis
Die Antenne gehört dorthin, wo sie gut funktioniert. Du selbst gehörst dorthin, wo du wohnst. Diese beiden Orte sind nur selten derselbe, und genau aus dieser Lücke ist der Remote-Betrieb entstanden.
Das Prinzip ist simpel: Transceiver, Endstufe, Tuner und Antenne stehen an einem festen Standort, du greifst über das Internet darauf zu. Was dabei über die Leitung geht, sind drei Dinge, und es lohnt sich, sie von Anfang an getrennt zu denken. Erstens Steuerbefehle, also CAT: Frequenz, Betriebsart, PTT, Filter. Zweitens Audio in beide Richtungen. Drittens, optional, Spektrum- und Wasserfalldaten. Die meisten Probleme beim Remote-Betrieb sind in Wahrheit Probleme mit genau einer dieser drei Spuren, und wer weiß, welche gerade klemmt, ist die halbe Fehlersuche los.
Warum überhaupt
Der häufigste Grund ist der Platz. Wer im dritten Stock einer Mietwohnung sitzt, bekommt keine Dreielement-Yagi auf den Balkon, und je nach Hausordnung nicht einmal einen Draht. Was rechtlich geht und was nicht, haben wir in Antennen und Mietrecht in Österreich aufgedröselt. Ein Standort am Land, beim Bruder, auf der Hütte oder bei einem Klubkollegen löst das Problem, ohne dass du umziehen musst.
Der zweite Grund ist der Störpegel. In verbautem Gebiet liegt das Grundrauschen auf 40 Meter abends gerne bei S7, und daran ist selten eine einzelne Quelle schuld, sondern die Summe aus Schaltnetzteilen, LED-Trafos, Photovoltaik-Wechselrichtern und dem Ladegerät vom Nachbarn. Wie man solchen Quellen auf die Spur kommt, steht im EMV-Ratgeber. Nur: Manches lässt sich eben nicht abstellen, und dann ist ein ruhiger Standort zehn Kilometer weiter mehr wert als jede Vorstufe.
Dazu kommen zwei Gründe, über die seltener geredet wird. Der eine ist Zeit: Wer unter der Woche auswärts arbeitet, ist mit Remote-Zugang am Dienstagabend QRV statt nur am Wochenende. Der andere ist Zugang. Für Funkamateure, die nicht mehr gut auf den Dachboden oder in den Keller kommen, ist der Remote-Betrieb kein Komfortthema, sondern oft der Unterschied zwischen aktiv und nicht mehr aktiv.
Kostenlos anfangen: wfview
Wer eine Icom-Station hat, braucht für den Einstieg keinen Cent auszugeben. wfview ist freie Open-Source-Software für Windows, macOS und Linux und mittlerweile die naheliegendste Antwort auf die Frage, womit man anfangen soll.
Für Geräte mit eingebautem Netzwerkanschluss, also IC-7610, IC-9700, IC-705, IC-905, IC-R8600 und den TS-890S auf der Kenwood-Seite, verbindet sich wfview direkt mit der IP-Adresse des Geräts. Für alle anderen, allen voran den weit verbreiteten IC-7300, gibt es den Servermodus: Ein Rechner am Standort hängt per USB am Transceiver und spielt selbst Netzwerkgerät. Das darf ein alter Laptop sein oder ein Raspberry Pi.
Drei Dinge sind dabei wichtig und stehen so auch im Handbuch. wfview nutzt drei UDP-Ports, 50001 für die Steuerung, 50002 für Empfangsaudio und 50003 für Sendeaudio, und diese Portnummern dürfen nicht umgemappt werden, weil sie Teil des Protokolls sind. Als Codec ist Opus mit einem Kanal die richtige Wahl, er braucht je nach Vergleich vier- bis zehnmal weniger Bandbreite als PCM. Und die Benutzerverwaltung ist bewusst einfach gehalten: Das Handbuch sagt selbst, dass die Passwörter nicht gut verschlüsselt sind und man dort kein wichtiges Passwort verwenden soll. Genau deshalb gehört wfview hinter ein VPN und nicht ins offene Internet.
Die typische Audiolatenz liegt laut Projekt unter 75 ms im LAN und unter 200 ms über das Internet. Für SSB reicht das locker, für CW wird es je nach Leitung grenzwertig. Dazu unten mehr.
Am Rand erwähnt, weil es die Richtung zeigt, in die das Ganze geht: Von wfview gibt es inzwischen einen kopflosen Fork namens wfweb, der die Station über den Browser bedienbar macht, inklusive Audio und Digimodes. Wer keine Client-Software installieren will, findet dort einen interessanten Ansatz.
Die Lösungen der Hersteller
FlexRadio SmartLink
Die FLEX-6000-Serie ist im Remote-Betrieb deshalb so beliebt, weil das Gerät von Haus aus nichts anderes ist als ein Netzwerkgerät mit Antennenbuchse. Die Bediensoftware SmartSDR sieht im LAN und über das Internet gleich aus, Audio, Wasserfall und Steuerung laufen über eine gemeinsame Verbindung, und die Latenz ist bemerkenswert niedrig.
Eine verbreitete Behauptung dazu stimmt allerdings nicht, und wir haben sie in einer früheren Fassung dieses Artikels selbst verbreitet: SmartLink kommt nicht grundsätzlich ohne Portfreigabe aus. FlexRadio schreibt im eigenen Helpdesk, dass der Router am Standort der Station eine eingehende Verbindung aus dem Internet annehmen können muss, üblicherweise über Port-Forwarding. SmartLink versucht das per UPnP automatisch einzurichten, was oft klappt und oft eben auch nicht. Wenn es nicht klappt, landet man bei manueller Portfreigabe oder bei einem der Overlay-Netze weiter unten.
Icom RS-BA1 und der IC-7760
Icoms RS-BA1 in Version 2 ist die hauseigene Lösung und besteht aus einem Serverteil am Standort und einem Client. Sie kann mehr als wfview bei der Integration in die Icom-Welt und kostet dafür Geld. Wer ohnehin einen IC-7610 hat, kann beides ausprobieren und entscheiden.
Spannender ist, was Icom mit dem IC-7760 gemacht hat. Das Gerät besteht aus zwei Teilen, einem Bedienteil und einem RF-Deck, und die beiden reden über LAN miteinander, wahlweise im Haus oder über das Internet. Mitgeliefert wird ein drei Meter langes Steuerkabel, für alles darüber nimmt man ein handelsübliches Netzwerkkabel. Bis zu fünf Bedienteile lassen sich am RF-Deck anmelden, wobei immer nur eines die Kontrolle hat. Laut Hersteller passt das Gerät seinen Puffer bei Netzwerkverzögerung und Jitter selbst an, damit die CW-Tastung sauber bleibt. Das ist der interessante Punkt an dieser Bauform: Das RF-Deck darf endlich dort stehen, wo es hingehört, nämlich nahe am Speisepunkt, und nicht dort, wo Platz am Schreibtisch ist.
Kenwood: KNS, ARCP-890 und ARCP-990
Kenwood nennt sein System Network Command System, kurz KNS. Beim TS-890S, der einen Netzwerkanschluss eingebaut hat, steuert ARCP-890 das Gerät direkt über LAN oder Internet, und das Audio läuft über die im Gerät und in ARCP-890 eingebaute VoIP-Funktion. In der klassischen Variante braucht es zusätzlich ARHP-890 als Hostprogramm und ARVP-10 für die Sprachübertragung. Für den TS-990S gibt es die entsprechende ARCP-990.
Was es nicht mehr gibt
Die RemoteRig-Boxen RRC-1258MkII von Microbit waren jahrelang die Standardantwort auf die Remote-Frage, weil sie ohne PC auskamen und schlicht das abgesetzte Bedienteil eines Geräts über das Internet verlängert haben. Sie werden nicht mehr verkauft. Auf dem Gebrauchtmarkt tauchen sie noch auf, und wer eine hat, soll sie behalten. Als Neuplanung ist das Thema durch.
Selbstbau mit Raspberry Pi und Hamlib

Wer kein Icom hat oder einfach gern selber baut, kommt mit freier Software genauso weit. Das Grundgerüst besteht aus drei Teilen.
Hamlib mit rigctld übernimmt die Steuerung. Der Dienst hängt am seriellen oder USB-Port des Transceivers und bietet die CAT-Befehle über TCP/IP an, Standardport 4532. Programme wie WSJT-X, FLRig, CQRLOG oder Gpredict verbinden sich damit über das Netz, als säße das Gerät daneben. Hamlib deckt praktisch jeden Transceiver ab, der überhaupt eine CAT-Schnittstelle hat.
Für das Audio hat sich Mumble bewährt, weil es auf niedrige Latenz ausgelegt ist und mit wenig Bandbreite gut klingt. Am Standort wird das NF-Signal des Transceivers über ein USB-Audiointerface digitalisiert, beim Operator geht es den umgekehrten Weg ins Mikrofon. Discord oder TeamSpeak funktionieren auch, sind aber spürbar träger, weil sie für Gespräche und nicht für PTT gebaut wurden.
Als Hardware reicht ein Raspberry Pi ab Modell 4. Der Stromverbrauch bleibt im Bereich von fünf bis fünfzehn Watt, was den Dauerbetrieb auch an einer Solaranlage realistisch macht. Was das für die Batterieauslegung heißt, steht im Akkublick. Weitere Anwendungen für den Pi im Shack haben wir in einem eigenen Artikel gesammelt.
Der Vorteil dieses Aufbaus ist, dass jedes Teil einzeln austauschbar ist. Der Nachteil ist, dass du drei Dienste betreust statt einem, und dass du beim Debuggen über eine Internetleitung merkst, wie wenig Spaß das macht.
Das Netzwerkproblem, über das niemand spricht: CGNAT
Hier scheitern die meisten Remote-Projekte, und zwar bevor sie richtig angefangen haben. Viele Internetanschlüsse bekommen heute keine eigene öffentliche IPv4-Adresse mehr, sondern teilen sich eine mit hunderten anderen Kunden. Das nennt sich Carrier-Grade NAT, und es betrifft besonders Mobilfunk- und LTE-Anschlüsse, also genau das, was auf der Hütte oder am Gartengrundstück oft die einzige Option ist.
Die Folge: Portfreigabe funktioniert nicht. Es gibt nichts freizugeben, weil dein Router gar keine Adresse hat, auf die von außen jemand zugreifen könnte. Du kannst am Router stundenlang Regeln anlegen, es ändert nichts.
Ob du betroffen bist, findest du in zwei Minuten heraus. Schau im Router nach, welche WAN-IP-Adresse er hat, und vergleiche sie mit der Adresse, die dir eine Seite wie ifconfig.me anzeigt. Stimmen die beiden nicht überein, oder beginnt die WAN-Adresse mit 100.64 bis 100.127, dann sitzt du hinter CGNAT.
Die Lösung heißt Overlay-Netzwerk. Diese Dienste bauen die Verbindung von beiden Seiten nach außen auf, was jede Firewall problemlos zulässt, und verbinden deine Geräte dann direkt miteinander. Aus Sicht der Software sieht das aus wie ein lokales Netz.
- Tailscale ist am schnellsten eingerichtet, baut auf WireGuard auf und ist für private Nutzung kostenlos. Wie das konkret ausschaut, haben wir am Beispiel des IC-705 durchgespielt: IC-705 Remotefunk mit Tailscale.
- ZeroTier macht dasselbe mit etwas anderer Philosophie und ist in der Remote-Szene ebenfalls verbreitet, gerade als Ausweg bei FlexRadio-Anschlüssen hinter CGNAT.
- WireGuard pur ist die Variante ohne fremden Dienst dazwischen. Sie setzt allerdings voraus, dass mindestens eine der beiden Seiten von außen erreichbar ist, etwa ein kleiner Server bei einem Hoster, über den beide Enden zusammenfinden.
Ein Nebeneffekt, den man mitnehmen sollte: Wenn ohnehin alles durch einen verschlüsselten Tunnel läuft, erledigt sich das halbe Sicherheitskapitel von selbst.
Latenz: was wirklich zählt
Die Zahl, auf die alle schauen, ist der Ping. Wichtiger ist aber die Konstanz.
Für SSB ist alles unter etwa 200 ms unauffällig. Du merkst die Verzögerung beim Umschalten, störend wird sie nicht. Für CW wird es ernster: Unter 100 ms lässt sich ordentlich arbeiten, unter 50 ms merkst du kaum einen Unterschied zum lokalen Betrieb, darüber fängt das Mitlesen des eigenen Gebens an, unangenehm zu werden. Dass Icom beim IC-7760 ausdrücklich damit wirbt, den Puffer für die CW-Tastung anzupassen, kommt nicht von ungefähr. Bei FT8, FT4 und anderen digitalen Betriebsarten spielt Latenz praktisch keine Rolle, solange die Uhren stimmen, weil ohnehin in festen Zeitfenstern dekodiert wird.
Der eigentliche Feind ist Jitter, also die Schwankung der Laufzeit. Eine Leitung mit konstanten 150 ms ist angenehmer als eine, die zwischen 40 und 180 ms springt, weil jeder Puffer auf den schlechtesten Fall ausgelegt werden muss. Paketverlust über einem Prozent macht sich als Aussetzer im Audio bemerkbar, bei der Steuerung als hängende Befehle. Wenn der Router QoS kann, gehört der Remote-Verkehr priorisiert, besonders wenn daheim gleichzeitig jemand streamt.
Bei der Bandbreite wird meist maßlos überschätzt. Reines Audio in beide Richtungen kommt mit 128 kbit/s aus. Mit Steuerung, Kamera und moderatem Wasserfall bist du bei zwei bis fünf Mbit/s. Nur wenn du den vollen Wasserfall einer SDR-Station in hoher Auflösung willst, wird es zweistellig. Im Upload der Station, nicht im Download, denn von dort kommen die Daten.
Was am anderen Ende stehen muss

Die goldene Regel lautet: Alles, was du im Fehlerfall angreifen müsstest, musst du auch aus der Ferne angreifen können.
Ganz oben steht die netzwerkfähige Steckdosenleiste. Sie ist nicht Komfort, sondern die Versicherung des ganzen Projekts. Wenn der Transceiver sich aufhängt oder der Router in einen komischen Zustand fällt, ist ein Stromstoß aus der Ferne der Unterschied zwischen zwei Minuten Ausfall und einer Autofahrt. Wichtig dabei: Der Rechner, der die Steckdosenleiste steuert, darf nicht selbst an der schaltbaren Seite hängen. Das klingt selbstverständlich und wird trotzdem regelmäßig falsch verkabelt.
Dazu kommt eine USV, die weniger gegen lange Stromausfälle hilft als gegen die kurzen Einbrüche, nach denen ein Rechner nicht mehr sauber hochkommt. Modelle mit Netzwerkanschluss lassen sich überwachen und können geordnet herunterfahren.
Eine IP-Kamera mit Nachtsicht klingt nach Spielerei und ist es nicht. Auf ein Stehwellenmessgerät zu schauen, während du in dreihundert Kilometern Entfernung sitzt, beantwortet Fragen, die dir keine Software beantwortet. Ob der Rotor tatsächlich dreht, zum Beispiel.
Bei Antennen gilt: Je weniger bewegliche Teile, desto ruhiger schläfst du. Ferngesteuerte Umschalter sind Standard, sowohl fertig gekauft als auch als Eigenbau mit Relaisplatine und Mikrocontroller. Ein automatischer Antennentuner am Standort erspart dir das Nachstimmen aus der Ferne. Motorisch verstellbare Antennen decken mit einem Kabel viele Bänder ab, bringen aber auch einen Motor mit, der bei minus fünfzehn Grad im Jänner genau das tut, was Motoren dann tun.
Und schließlich der Watchdog. Irgendetwas muss die Station in einen sicheren Zustand bringen, wenn die Verbindung mitten im Sendebetrieb abreißt. Ohne diesen Mechanismus kann ein abgestürzter Client dazu führen, dass PTT gesetzt bleibt, und dann sendest du einen Träger, bis jemand vorbeifährt. Das ist der Punkt, an dem Remote-Betrieb von einem Hobbyprojekt zu einer Verantwortung wird.
Sicherheit
Eine Station, die über das Internet erreichbar ist, ist ein Sender, den jemand anderer betätigen könnte. Entsprechend ernst sollte man das nehmen.
Die kurze Fassung lautet: keine offenen Ports. Alles läuft durch VPN oder Overlay-Netz, und zwar wirklich alles, auch die Kamera und das Webinterface der Steckdosenleiste. Gerade diese Geräte sind selten für ein feindliches Netz gebaut und bekommen oft jahrelang keine Firmware-Updates.
Dazu die üblichen Selbstverständlichkeiten, die trotzdem gesagt werden müssen: eigene Passwörter statt Wiederverwendung, Zwei-Faktor-Authentifizierung wo möglich, regelmäßige Updates auf Betriebssystem und VPN-Server. Für das Monitoring reicht etwas Kleines wie Uptime Kuma, das dir meldet, wenn die Station nicht mehr antwortet. Das ist mehr wert, als es klingt: Du willst am Freitagabend nicht erst beim Einschalten merken, dass seit Dienstag nichts mehr läuft.
Wer HAMNET in Reichweite hat, kann den Anbindungsweg auch ganz anders denken. Wie das Netz aufgebaut ist, steht in HAMNET in Österreich.
Rechtslage in Österreich
Hier war unsere frühere Fassung ungenau, deshalb einmal sauber der Reihe nach.
Remote-Betrieb ist in Österreich ausdrücklich vorgesehen. Das TKG 2021 definiert in § 3 Z 44 die Remotefunkstelle als "eine Amateurfunkstelle, die von einem Funkamateur fernbedient wird". Und § 78a Abs 1 Z 5 hält fest, dass "im Fall einer Remotefunkstelle die persönliche Anwesenheit des Inhabers der Bewilligung nicht erforderlich ist". Das ist die entscheidende Stelle: Genau diese Anwesenheit wäre sonst der Knackpunkt.
Zuständig ist das Fernmeldebüro, nicht die RTR. Das haben wir früher falsch geschrieben. Die RTR ist für vieles im Telekom-Bereich zuständig, die Amateurfunkbewilligungen laufen aber über das Fernmeldebüro, zu finden unter fb.gv.at.
In der Amateurfunkverordnung selbst, korrekt AFV und nicht AFU-VO, steht zum Remote-Betrieb übrigens nichts Eigenes. Was dort steht und für uns zählt: § 5 Abs 1 knüpft die Ziffer im Rufzeichen an das Bundesland des in der Bewilligung genannten festen Standorts. Die Fernabschaltemöglichkeit wird in §§ 32 und 38 geregelt, allerdings für Baken und Relais. Und § 12 erlaubt die Verbindung von Amateurfunkstellen mittels Internettechnologie in einem eng gefassten Rahmen, nämlich zur Erprobung neuer Übertragungstechniken. Das ist etwas anderes als der Zugriff auf die eigene Station und wird gern verwechselt.
Praktisch heißt das: Es ist der Standort der Sendeanlage, der die Station ausmacht, nicht dein Aufenthaltsort. Steht der Transceiver in Kärnten und du sitzt in Hamburg, dann sendet eine OE8-Station. Was die Bewilligung für zusätzliche Standorte genau verlangt, klärst du am besten direkt mit dem Fernmeldebüro, bevor du baust, und nicht danach. Eine gute Einordnung des gesamten Rechtsrahmens haben wir in Amateurfunk-Gesetzgebung in Österreich zusammengefasst.
Remote im Contest: aufpassen
Hier werden regelmäßig Logs gestrichen, weil jemand die Regeln nicht gelesen hat. Bei CQ WW ist Remote-Betrieb erlaubt, aber unter einer klaren Bedingung: Alle Sender, Empfänger und Antennen müssen sich an einem einzigen Stationsstandort befinden. Entfernte Empfänger außerhalb dieses Standorts sind nicht zulässig. Die Kategorie- und Lizenzgrenzen gelten unverändert.
Was also nicht geht: das Signal daheim über einen Web-SDR in Skandinavien mithören, während die eigene Antenne in Kärnten sendet. Einzelne Conteste kennen eng begrenzte Ausnahmen, beim CQ 160 etwa ist für Single Operator Assisted genau ein entfernter Empfänger innerhalb von 100 Kilometern um den Senderstandort erlaubt. Solche Regeln ändern sich, deshalb gilt schlicht: vor dem Contest ins aktuelle Regelwerk schauen.
Ohne eigene Station: die DARC-Remotestationen
Erwähnenswert, weil viele nicht wissen, dass es das gibt: Der DARC betreibt ein Netz von Remotestationen, die Mitglieder über eine Client-Software nutzen können. Auf einer Karte sieht man, welche Station gerade online ist. Voraussetzung sind die DARC-Mitgliedschaft und eine Lizenz der Klasse A, pro Sitzung gilt ein Zeitlimit von 60 Minuten, danach meldet man sich einfach neu an.
Für Funkamateure ohne eigene Antennenmöglichkeit ist das ein realistischer Weg, überhaupt auf die Bänder zu kommen, und für alle anderen eine gute Gelegenheit, den Remote-Betrieb auszuprobieren, bevor man selbst Geld in die Hand nimmt.
In welcher Reihenfolge man anfängt
- Zuerst im eigenen LAN. Transceiver, Rechner, Software, alles im Haus. Wenn es dort nicht sauber läuft, wird es über das Internet nicht besser.
- Dann den Tunnel. Tailscale oder WireGuard einrichten und prüfen, ob du vom Mobilfunknetz aus die Station erreichst. Erst wenn das steht, kommt wieder Funk ins Spiel.
- Dann die Notfallebene. Steckdosenleiste, USV, Watchdog. Bevor die Station an den endgültigen Standort übersiedelt, nicht danach.
- Erst dann übersiedeln. Und am neuen Standort alles noch einmal durchtesten, inklusive eines absichtlich herbeigeführten Stromausfalls. Zieh den Stecker und schau, ob alles von selbst wieder hochkommt.
- Dokumentieren. IP-Adressen, Ports, Zugänge, Verkabelung, alles auf eine Seite. In dem Moment, in dem du sie brauchst, sitzt du woanders und hast keinen Zugriff auf das Kastl, das du gerade beschreiben müsstest.
Fazit
Remote-Betrieb ist kein exklusives Thema mehr. Mit wfview, einem Raspberry Pi und Tailscale steht ein funktionierender Aufbau für unter hundert Euro an Zusatzhardware, vorausgesetzt der Transceiver kann CAT. Die teuren Lösungen kaufen dir Bequemlichkeit und Integration, nicht grundsätzlich mehr Funktion.
Die eigentlichen Hürden liegen woanders, als die meisten erwarten. Sie liegen nicht bei der Software, sondern beim Netzwerk, Stichwort CGNAT, und bei der Frage, was passiert, wenn du nicht dort bist. Wer die Steckdosenleiste und den Watchdog von Anfang an mitplant, hat eine Station, die läuft. Wer sie sich für später aufhebt, hat ein Projekt, das ihn regelmäßig ins Auto setzt.
73 – eure oeradio.at-Redaktion
Transparenzhinweis
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst und am 21. September 2026 überarbeitet. Grundlage waren unter anderem das wfview-Handbuch, der FlexRadio-Helpdesk, die Produktunterlagen von Icom und Kenwood, das ÖVSV-Wiki zu den Rahmenbedingungen für Remote-Stationen, die Gesetzestexte im RIS sowie die Regelwerke von CQ WW und das Projekt Remotestationen des DARC. Das Titelbild zeigt eine Antennenanlage in einem Wohngebiet (Foto: Wikideas1, CC0, via Wikimedia Commons), die weiteren Fotos stammen ebenfalls von Wikimedia Commons und sind bei der jeweiligen Abbildung gekennzeichnet. Die redaktionelle Verantwortung und Prüfung liegt bei der oeradio.at-Redaktion. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit übernehmen wir keine Gewähr, rechtliche Fragen klärt im Einzelfall das Fernmeldebüro. Korrekturen und Ergänzungen, gerne auch von Betreibern eigener Remote-Stationen, an [email protected].





