Inhaltsverzeichnis
- Was ein Gateway von einem Node unterscheidet
- Der rechtliche Rahmen, ehrlich gerechnet
- ISM-Betrieb ohne Lizenz
- 70-cm-Band mit Amateurfunklizenz
- LoRaWAN gehört nicht unter die Lizenz
- MeshCom: das österreichische Netz
- Meshtastic im Lizenzmodus
- LoRa-APRS-iGate
- Hardware: klein, mittel, groß
- Standort schlägt alles
- Antenne, Kabel, Gehäuse
- Stromversorgung
- Was in Österreich läuft
- Praxis, die sich bewährt hat
- Videos zum Thema
- Das erste eigene Gateway
- Transparenzhinweis
LoRa-Geräte tragen Nachrichten über Kilometer, aber irgendwo muss dieser Funkverkehr in ein IP-Netz übergehen: ins Internet, ins HAMNET oder auf eine Karte. Diese Aufgabe erledigt ein Gateway. Wer eine Amateurfunklizenz hat, darf dabei mehr als ein ISM-Nutzer, allerdings nicht ganz das, was oft behauptet wird.
Dieser Beitrag zeigt, welche Gateway-Typen es gibt, was die Lizenz rechtlich wirklich bringt, welche Hardware und Software heute üblich sind und warum der Standort über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Wer das Thema Mesh grundsätzlich sortieren will, findet den Überblick unter MeshCom vs. Meshtastic.
Was ein Gateway von einem Node unterscheidet
Ein LoRa-Gateway ist eine Brücke zwischen der Funkschnittstelle und einem IP-Netzwerk. Es empfängt LoRa-Pakete, reicht sie über Ethernet, WLAN, HAMNET oder Mobilfunk an einen Server weiter und umgekehrt. Ein gewöhnlicher Node dagegen funkt ausschließlich im Mesh, ohne Verbindung nach außen. Das Gateway koppelt also lokale Funkinseln zu einem größeren Netz.
Vier Bauformen sind im Amateurfunkumfeld relevant:
- MeshCom-Gateway: Brücke zwischen dem MeshCom-Mesh und HAMNET oder Internet, ein Projekt aus der österreichischen Community
- Meshtastic MQTT-Gateway: verbindet ein Meshtastic-Mesh über MQTT mit dem Internet
- LoRa-APRS-iGate: nimmt APRS-Pakete auf und speist sie ins APRS-IS-Netz ein
- LoRaWAN-Gateway: die klassische IoT-Variante mit acht Kanälen, die an einen Netzwerkserver wie ChirpStack oder The Things Network liefert. Sie gehört ins ISM-Band, warum, steht weiter unten
Der rechtliche Rahmen, ehrlich gerechnet
LoRa lässt sich in Europa auf zwei Wegen betreiben, und die Unterschiede sind groß. Nur eben nicht in jeder Hinsicht so groß, wie es in vielen Anleitungen steht.
ISM-Betrieb ohne Lizenz
- 868 MHz: 25 mW ERP, Duty Cycle von einem Prozent auf den meistgenutzten Kanälen, also 36 Sekunden Sendezeit pro Stunde
- 433 MHz: in der Regel 10 mW ERP nach den Kurzstreckenfunk-Vorgaben
- Verschlüsselung: erlaubt und üblich
- Lizenz: keine nötig, dafür kein Anspruch auf Störungsfreiheit
70-cm-Band mit Amateurfunklizenz
- Sendeleistung in Österreich: 200 Watt für Bewilligungsklasse 1 auf 430 bis 439,1 MHz, 100 Watt für die Klassen 3 und 4. Ein Kilowatt gibt es nur für EME und Meteorscatter mit Yagi ab 15 dBd. Details im Beitrag zur Frequenznutzungsverordnung
- Duty Cycle: keine Beschränkung, Dauerbetrieb ist zulässig
- Antennen: frei wählbar, Gewinn und Höhe sind kein Genehmigungsthema, weil nicht die abgestrahlte Leistung gedeckelt ist wie im ISM-Band
- Verschlüsselung: nicht erlaubt, alle Aussendungen müssen offen lesbar sein
- Rufzeichen: Pflicht, jede Station identifiziert sich
Und jetzt der Realitätscheck, den man selten liest. Die 200 Watt sind praktisch bedeutungslos. Ein SX1262-Modul, wie es in jedem Heltec- oder LILYGO-Board steckt, liefert maximal etwa 22 dBm, also rund 160 Milliwatt. Selbst Module mit eingebauter Endstufe kommen auf ein Watt. Wer wirklich mit 200 Watt LoRa senden wollte, bräuchte eine lineare Endstufe für ein Signal mit konstanter Hüllkurve, und niemand tut das. Der reale Gewinn der Lizenz liegt woanders: kein Duty Cycle, kein 10-mW-Deckel, freie Antennenwahl.
Der zweite verbreitete Irrtum betrifft die Störsituation. Der Bereich 433,05 bis 434,79 MHz ist ISM-Band und liegt vollständig innerhalb des 70-cm-Amateurfunkbands. Genau dort funken MeshCom auf 433,175 MHz und LoRa-APRS auf 433,775 MHz. Man teilt sich diese Frequenzen also mit Funkthermometern, Wetterstationen, Garagentorantrieben und Kopfhörern. Die Lizenz bringt dort mehr Rechte, aber kein saubereres Spektrum. Wer echtes, geschütztes Amateurfunkspektrum will, muss über 434,79 MHz oder unter 433,05 MHz ausweichen, was die verfügbare Hardware und die bestehenden Netze aber nicht vorsehen.

LoRaWAN gehört nicht unter die Lizenz
Hier lohnt eine klare Ansage, weil im Netz das Gegenteil kursiert. LoRaWAN verschlüsselt zwingend. Jedes Paket trägt eine AES-128-Verschlüsselung der Nutzdaten mit dem AppSKey und eine Integritätssicherung mit dem NwkSKey. Das lässt sich nicht abschalten, es ist Teil der Spezifikation. Verschlüsselte Aussendungen sind im Amateurfunkdienst nicht zulässig.
Daraus folgt: LoRaWAN, The Things Network und ChirpStack sind ISM-Technik. Man betreibt sie auf 868 MHz mit 25 mW und einem Prozent Duty Cycle, ganz ohne Lizenz. Wer eigene Sensoren im Amateurfunkband betreiben will, nimmt kein LoRaWAN, sondern rohes LoRa mit offenem Protokoll, etwa über MeshCom, Meshtastic im Lizenzmodus oder eine eigene kleine Paketstruktur.
MeshCom: das österreichische Netz
MeshCom ist das Netz mit dem stärksten Amateurfunkbezug im deutschsprachigen Raum, getragen vom ÖVSV-Umfeld und dem Institute of Citizen Science. Die Eckdaten:
- Frequenzen: 433,175 MHz für den Nachrichtenverkehr, 433,775 MHz für Positionsmeldungen
- Firmware: eine eigene Entwicklung, gepflegt unter icssw-org auf GitHub, aktuell die 4er-Reihe, Stand Anfang 2026 Version 4.35k mit MHEARD-Liste und Positionsanzeige im Webinterface
- Verschlüsselung: keine, PSK steht auf NONE, das ist bewusst so und entspricht der Amateurfunkvorschrift
- Hardware: LILYGO T-Beam, LILYGO TTGO LoRa, Heltec LoRa 32, RAK WisBlock 4631, also ESP32 oder nRF52 mit LoRa-Chip
- Gateway-Anbindung: das Gateway spricht das APRS-Protokoll zum MeshCom-Server, wahlweise über HAMNET oder Internet
- Größe: das Netz ist über die Jahre auf mehr als zehntausend Knoten weltweit gewachsen, Dashboard unter meshcom.oevsv.at
Für den Aufbau braucht es ein unterstütztes Board, die MeshCom-Firmware, ein Rufzeichen und einen Standort mit WLAN- oder HAMNET-Zugang. Die Konfiguration läuft über das eingebaute Webinterface.
Meshtastic im Lizenzmodus
Meshtastic ist das größere, internationale Ökosystem und ab Werk auf ISM ausgelegt. Für den Amateurfunkbetrieb gibt es aber einen eigenen Schalter, den man kennen muss.

Die wichtigsten Punkte für lizenzierten Betrieb:
- Region EU_433 einstellen. Nach einem Werksreset landet das Gerät in dieser Region auf Slot 4 mit 433,875 MHz
- Lizenzmodus aktivieren. Der Schalter „Is Licensed" in den LoRa-Einstellungen schaltet die Verschlüsselung des Primärkanals ab, weil im Amateurfunk Klartext Pflicht ist
- Rufzeichen als Long Name eintragen. Damit ist die Identifikation erfüllt
- PSK leeren. Falls die Firmware den Schlüssel nicht selbst entfernt, wird er von Hand gelöscht
Ein Meshtastic-Gateway entsteht daraus, indem man auf einem Board mit WLAN das MQTT-Modul aktiviert, einen Broker einträgt und im Kanal Uplink und Downlink freigibt. Optional meldet sich das Gerät mit „Map Reporting" auf der weltweiten Karte an.
LoRa-APRS-iGate
Ein iGate empfängt LoRa-APRS-Pakete auf 433,775 MHz und reicht sie an APRS-IS weiter, sodass die Stationen etwa auf aprs.fi erscheinen, ganz ohne klassischen TNC und 1200-Baud-Packet. Die verbreitete Firmware stammt von CA2RXU und läuft auf LILYGO T-Beam oder Heltec-Boards, geflasht wird bequem über einen Web-Flasher im Browser, konfiguriert über eine eingebaute Weboberfläche mit Rufzeichen, WLAN und APRS-IS-Zugang.
Mit einer brauchbaren Dachantenne nimmt ein solches iGate Pakete aus 30 bis 50 Kilometern auf, von einem Berg deutlich mehr. Auch hier gilt: Betrieb auf 433,775 MHz ist Amateurfunk und braucht eine Lizenz.
Hardware: klein, mittel, groß
Single-Channel-Boards reichen für MeshCom, Meshtastic und LoRa-APRS vollkommen aus, denn diese Netze arbeiten auf einer festen Frequenz:
- Heltec LoRa 32 V3: kompakt, mit OLED, der Klassiker für ein stationäres Gateway mit externer Antenne
- LILYGO T-Beam: ESP32 mit GPS und 18650-Halter, praktisch, wenn das Gerät auch Positionen melden soll
- RAK WisBlock 4631: nRF52-Plattform mit sehr niedrigem Ruhestrom, erste Wahl für Solarbetrieb
- Station G2: ESP32-S3 mit Ethernet und PoE, gedacht für den Dachstandort ohne separates Netzteil
Multi-Channel-Gateways mit acht Kanälen, etwa RAK WisGate oder Dragino LPS8, sind LoRaWAN-Hardware fürs ISM-Band. Für die Amateurfunknetze braucht man sie nicht.

Standort schlägt alles
LoRa auf 433 MHz verhält sich weitgehend wie Sichtverbindung. Gebäude, Hügel und feuchter Wald dämpfen kräftig, und keine Softwareeinstellung gleicht das aus. Der wichtigste Parameter ist deshalb die Antennenhöhe, danach kommt lange nichts.
Zur Fresnelzone kursiert eine Faustzahl, die gerne falsch zitiert wird. Der Radius der ersten Fresnelzone in der Streckenmitte beträgt
r ≈ 8,66 · √(D / f), mit D in Kilometern und f in Gigahertz.
Auf 433 MHz ergibt das rund 13 Meter bei 1 Kilometer, etwa 29 Meter bei 5 Kilometern und rund 42 Meter bei 10 Kilometern Distanz. Wer die 13 Meter für die Zehn-Kilometer-Strecke hält, plant um den Faktor drei zu optimistisch. In der Praxis genügt es, wenn etwa 60 Prozent dieser Zone frei bleiben, aber ein Baumbestand direkt in der Sichtlinie kostet trotzdem spürbar Signal.
Für die Planung reichen freie Werkzeuge: HeyWhatsThat zeigt, welche Horizonte von einem Punkt aus sichtbar sind, und die Kartenansichten von MeshCom und Meshtastic verraten, welche Knoten in der Umgebung überhaupt aktiv sind.
Antenne, Kabel, Gehäuse
Die Stummelantenne am Board ist für ein festes Gateway ungeeignet. Eine externe Antenne ist die wirksamste Investition:
- Collinear-Rundstrahler mit 5 bis 8 dBi: der Standard für Gateways, meist 0,5 bis 1 Meter lang
- Groundplane im Eigenbau: ein Viertelwellenstrahler von etwa 16,5 Zentimetern für 433 MHz plus vier Radiale, Materialkosten nahe null
- Yagi: für feste Punkt-zu-Punkt-Strecken zwischen zwei Standorten, mit ordentlich Gewinn und klarer Vorzugsrichtung
Beim Kabel gilt dasselbe wie sonst auf UHF: kurz halten, und bei 433 MHz nur für wenige Meter zu RG-58 greifen. Für längere Wege gehören Aircell 7, Ecoflex 10 oder LMR-400 an den Mast, siehe unseren Kabelvergleich. Zwei Meter dünnes Kabel fressen mehr, als die meisten vermuten, und der Empfang leidet genauso wie die Sendeleistung.

Stromversorgung
- PoE: die eleganteste Lösung am Dach, ein Kabel für Strom und Netzwerk. Station G2 und viele kommerzielle Gateways können es direkt, für alles andere gibt es Splitter für ein paar Euro
- Netzteil: im Innenbereich völlig ausreichend, ein ESP32-Gateway zieht unter einem Watt
- Solar: für abgesetzte Standorte. Ein nRF52-Board wie das RAK4631 mit kleinem Panel und LiFePO4-Zelle läuft autonom über den Winter, ein Raspberry-Pi-Gateway mit drei bis fünf Watt braucht dagegen ein deutlich größeres Panel und mehr Akku
Für Gipfelstandorte ist die Kombination aus Panel, Laderegler und LiFePO4 der bewährte Weg, weil diese Zellen die Kälte besser vertragen als Lithium-Ionen-Akkus.
Was in Österreich läuft
- MeshCom: Gateways auf Bergen und an OV-Standorten, besonders dicht in Oberösterreich, der Steiermark und Tirol. Der aktuelle Stand ist im Dashboard einsehbar
- LoRa-APRS: zahlreiche iGates auf 433,775 MHz, sichtbar auf aprs.fi
- HAMNET als Rückgrat: viele Gateway-Standorte hängen am HAMNET statt am kommerziellen Internet und bleiben damit auch bei Providerausfällen erreichbar
- TTN: im ISM-Band, vor allem in Wien und Niederösterreich, für IoT-Sensorik ohne Lizenz
- AREDN: an einigen Standorten kombiniert, LoRa für die schmalbandigen Nachrichten, AREDN für die breitbandige IP-Strecke
Wer den eigenen Funkverkehr einmal sehen statt nur lesen will: Mit einem WebSDR lassen sich die LoRa-Pakete im Wasserfall mitverfolgen und sogar dekodieren, beschrieben im Beitrag über LoRa-Mesh im OpenWebRX+.
Praxis, die sich bewährt hat
- Antenne vor Leistung. Drei Meter mehr Höhe bringen mehr als jede Einstellung in der Firmware
- Sendepausen respektieren. Im Amateurfunk gibt es keinen Duty Cycle, das Mesh selbst hat aber sehr wohl eine Kapazitätsgrenze. Kurze Telemetrieintervalle und großzügige Hop-Limits legen ein Netz lahm, das mit vernünftigen Werten problemlos läuft
- Blitzschutz mitplanen. Dachantenne heißt Erdung und Überspannungsschutz in der Koaxleitung, kein optionales Extra
- Wetterfest bauen. IP65-Gehäuse, Kabelverschraubungen, Tropfschlaufe. Wasser findet jede Öffnung
- Fernwartung einplanen. Ein Gateway am Dach besteigt man nicht gern für ein Firmware-Update, deshalb WLAN-Reichweite oder OTA-Update vorsehen
- Rufzeichen und Klartext prüfen. Vor dem Dauerbetrieb einmal kontrollieren, ob die Verschlüsselung wirklich aus ist und das Rufzeichen mitgesendet wird
Videos zum Thema
Das erste eigene Gateway
- Hardware wählen: Heltec LoRa 32 V3 für den einfachen Einstieg, Station G2 für den Dachstandort mit PoE, RAK4631 für Solarbetrieb
- Antenne besorgen: 433-MHz-Rundstrahler mit 5 dBi, dazu passendes Kabel und Blitzschutz
- Firmware flashen: MeshCom, Meshtastic oder LoRa-APRS-iGate, je nach Zielnetz, alle per Web-Flasher im Browser
- Konfigurieren: Rufzeichen eintragen, Region EU_433 oder MeshCom-Frequenz setzen, Verschlüsselung aus, Gateway-Modus ein
- Montieren: so hoch wie möglich, mit freier Sicht in die Richtungen, aus denen Verkehr zu erwarten ist
- Prüfen: im Dashboard oder auf aprs.fi kontrollieren, ob das Gateway erscheint und Pakete weiterreicht
Für rund 60 Euro steht ein funktionierendes Gateway am Dach, und jedes zusätzliche Gateway verbessert die Abdeckung für alle in der Umgebung. Das ist der eigentliche Reiz an der Sache: Man baut nicht nur für sich, sondern an einem Netz mit, das nur gemeinsam entsteht.
73 – eure oeradio.at-Redaktion
Transparenzhinweis
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die Redaktion hat alle Inhalte überprüft und redaktionell bearbeitet. Leistungsangaben stammen aus der österreichischen Frequenznutzungsverordnung, die Netzdaten aus dem ÖVSV-Wiki und dem MeshCom-Projekt. Hinweise und Korrekturen gerne an [email protected].





