Meshtastic, MeshCore und MeshCom im Wasserfall: LoRa mitlesen mit OpenWebRX+

AmateurfunkTechnik

Wer wissen will, ob im eigenen Tal wirklich Mesh-Betrieb läuft, musste bisher einen Knoten aufstellen und warten. Inzwischen geht es auch anders: OpenWebRX+ dekodiert LoRa-Pakete direkt im Browser, und zwar Meshtastic, MeshCore und MeshCom. Man sieht die Aussendungen im Wasserfall, bekommt die Parameter der Übertragung angezeigt und bei Meshtastic sogar den Inhalt des offenen Kanals.

Auf WebRX.at, dem WebSDR von OE8YML in Nötsch, ist das eingerichtet und öffentlich zugänglich. Der folgende Beitrag erklärt, was dabei technisch passiert, welche Version es braucht, welche Einstellungen stimmen müssen und wo die Grenzen liegen.

OpenWebRX-Oberfläche mit Wasserfall um 869,5 MHz, Bookmarks für Meshtastic und MeshCore und einem Dekoderfenster mit Bandbreiten- und Spreading-Factor-Angaben
So sieht es aus: der Bereich um 869,5 MHz im Wasserfall, zwei Bookmarks für die Mesh-Netze, rechts die Modusauswahl auf Meshcore und links das Dekoderfenster mit Bandbreite, Coding Rate und Spreading Factor. Screenshot: WebRX.at, OE8YML.

Was da eigentlich passiert

LoRa moduliert nicht wie Sprechfunk, sondern verteilt die Information über einen Frequenzsweep, den sogenannten Chirp. Genau das macht das Signal im Wasserfall so gut erkennbar: schräge Striche in einem sonst ruhigen Band. Ein normaler Empfänger hört dort nichts Sinnvolles, weil es nichts zu hören gibt. Es braucht einen Dekoder, der die Chirps zurückrechnet.

OpenWebRX+ bringt genau diesen mit. Der Empfänger schneidet aus dem Spektrum den passenden Kanal heraus, ein LoRa-Dekoder rekonstruiert daraus die Pakete, und darüber liegt für Meshtastic zusätzlich ein Parser, der die Nutzdaten auspackt. Im Dekoderfenster steht dann, mit welcher Bandbreite, welcher Coding Rate und welchem Spreading Factor das jeweilige Paket unterwegs war. Diese Werte holt sich der Dekoder aus dem Header des Pakets, sie müssen also nicht vorher bekannt sein.

Es braucht die richtige Version

Das ist der Punkt, an dem die meisten scheitern: Das originale OpenWebRX kann das nicht. Gebraucht wird der als OpenWebRX+ bekannte Fork, und auch dort ist die Version entscheidend. Ein Blick in das öffentliche Änderungsprotokoll zeigt, wann was dazugekommen ist:

  • 1.2.114: Einbindung des LoraRX-Werkzeugs aus dxlAPRS, dazu die Modi LoRa WAN, LoRa APRS und FANET sowie erstmals Meshtastic und Meshcore.
  • 1.2.115: MeshCom kommt als eigener LoRa-Modus dazu, ebenso vordefinierte LoRa-Bänder und Frequenzen.
  • 1.2.116: der eigentliche Meshtastic-Dekoder, der die Nutzdaten lesbar macht, und ein Parser für LoRa APRS.

Wer alles drei sehen will, sollte also mindestens auf 1.2.116 sein. Die Station in Nötsch läuft aktuell auf 1.2.123, was die Version ist, die im Screenshot oben unten links in der Statusausgabe steht.

Frequenzen und Bandbreiten

Die drei Netze liegen nicht auf derselben Frequenz, und sie liegen auch nicht alle im selben Band:

  • Meshtastic, Region EU_868, Preset LongFast: 869,525 MHz bei 250 kHz Bandbreite.
  • MeshCore in Europa: 869,618 MHz, in der verbreiteten Voreinstellung ebenfalls 250 kHz.
  • MeshCom in Österreich: 433,175 MHz im 70-Zentimeter-Amateurfunkband, mit 125 kHz Bandbreite und einem deutlich höheren Spreading Factor.

Meshtastic und MeshCore liegen nur 93 kHz auseinander und passen damit bequem in dasselbe SDR-Fenster. Trotzdem braucht es zwei getrennte Einstellungen, weil der Dekoder auf die richtige Mittenfrequenz und den richtigen Modus angewiesen ist. Wer einfach den Meshtastic-Kanal aufdreht und hofft, MeshCore gleich mitzubekommen, wartet vergeblich.

Eine Stolperfalle steckt in der Oberfläche: In den Dekoder-Einstellungen wird die Bandbreite als Liste angeboten, deren Beschriftungen auf kbps enden. Gemeint sind aber Kilohertz. Der Eintrag mit 250 ist also die 250-kHz-Bandbreite, die Meshtastic und MeshCore in Europa üblicherweise fahren, und nicht etwa eine Datenrate.

Bedienung im Browser

Es gibt keinen eigenen Knopf für LoRa. Der Weg führt über die Profile und die Modusleiste:

  1. Profil wählen. Oben rechts im Empfängerfenster steht die Profilauswahl. Ein Profil für den 868er Bereich bringt den Empfänger direkt an die richtige Stelle im Spektrum.
  2. Modus setzen. In der Modusleiste unter den klassischen Betriebsarten sitzt die Auswahl für die digitalen Dekoder. Dort stehen Meshtastic, Meshcore und MeshCom zur Wahl.
  3. Bookmark anklicken. Wer Lesezeichen im Wasserfall gesetzt hat, springt damit in einem Zug auf Frequenz und Modus.
  4. Bandbreite prüfen. In den Dekoder-Einstellungen im Abschnitt für LoRa-Nachrichten lässt sich die Bandbreite je Netz einstellen. Passt sie nicht zum lokalen Netz, bleibt das Fenster leer, obwohl im Wasserfall deutlich etwas zu sehen ist.

Das Dekoderfenster füllt sich nicht kontinuierlich, sondern paketweise. Zwischen zwei Aussendungen kann es je nach Netzaktivität eine ganze Weile still bleiben. Wer nichts sieht, sollte also erst einmal warten und den Wasserfall beobachten.

Aktualisieren, grob gesagt

Die Pakete kommen aus einem eigenen Repository des Projekts, das man einmalig in die Paketquellen einträgt. Danach ist es normale Paketpflege, und der Ablauf sieht in der Praxis so aus:

  1. Paketindex für diese eine Quelle aktualisieren.
  2. Verfügbare Version prüfen, bevor irgendetwas installiert wird.
  3. OpenWebRX und die zugehörigen Bibliotheken aktualisieren, in der Regel die Dekoder-Bibliotheken gleich mit.
  4. Für die Mesh-Modi kommen zusätzliche Pakete dazu, unter anderem das LoraRX-Werkzeug aus dxlAPRS und die Python-Anbindung für Meshtastic.
  5. Dienst neu starten und im Log kontrollieren, ob der SDR sauber hochkommt und keine Fehler zu den neuen Modi auftauchen.

Eine Erfahrung, die Zeit spart: Wenn apt hartnäckig eine alte Version anbietet, liegt das oft nicht am Repository, sondern am veralteten lokalen Paketindex. Ein gezieltes Update genau dieser Quelle bringt dann plötzlich die aktuelle Version zum Vorschein. Ebenso lohnt es sich, nicht blind alle ausstehenden Systemupdates mitzunehmen, sondern die Änderung klein und nachvollziehbar zu halten. Ein WebSDR, der nach einem Rundumschlag nicht mehr startet, kostet mehr Zeit, als die eingesparten Einzelschritte je bringen.

Ob die neuen Modi im Betrieb tatsächlich bereitstehen, verrät die Statusseite der Software. Sie listet die vorhandenen Funktionen auf, und dort sollten die LoRa-Einträge als verfügbar und aktiviert erscheinen. Wer seinen eigenen Server aufsetzt, findet die Grundlagen in OpenWebRX selbst betreiben.

Was man damit anfangen kann

Der offensichtliche Reiz ist das Zuschauen. Interessanter sind die praktischen Anwendungen:

  • Nachweis, dass ein Knoten wirklich sendet. Wer einen Solarknoten auf einen Berg gestellt hat und sich fragt, ob er noch lebt, sieht die Aussendung im Wasserfall, ohne über das Netz zu gehen.
  • Standortbewertung vor dem Bau. Man sieht, welche Netze aus welcher Richtung überhaupt ankommen, bevor man Hardware kauft.
  • Fehlersuche bei Parametern. Weil Bandbreite, Coding Rate und Spreading Factor angezeigt werden, lässt sich prüfen, ob ein Knoten tatsächlich mit den Einstellungen sendet, die er senden soll.
  • Einstieg ohne Hardware. Wer mit dem Thema liebäugelt, kann sich vorher ansehen, wie viel Betrieb überhaupt läuft. Für den Einstieg selbst haben wir Meshtastic in der Praxis, MeshCore und MeshCom beschrieben.

Für Kärnten lohnt der Abgleich mit der Karte: Wie dicht das Netz inzwischen ist, zeigen unsere Meshmap und der Bericht über den Zuwachs auf 32 Standorte.

Was dabei ehrlich gesagt werden muss

Zum Mitlesen gehört ein Wort zur Vertraulichkeit. Der Standardkanal von Meshtastic ist mit einem öffentlich bekannten Schlüssel gesichert, was praktisch bedeutet: Er ist nicht vertraulich. Genau deshalb kann ein WebSDR die Inhalte anzeigen. Wer dort mitliest, tut nichts Verbotenes, sondern nutzt eine offene Gemeinschaftsfrequenz. Umgekehrt gilt für alle, die selbst funken: Was auf dem Standardkanal steht, steht potenziell für alle da. Eigene Kanäle mit eigenem Schlüssel bleiben unlesbar, und Direktnachrichten sind seit den neueren Firmwareständen zusätzlich abgesichert.

Bei MeshCom stellt sich die Frage anders. Das läuft im Amateurfunkband, dort ist Verschlüsselung ohnehin nicht zulässig, und die Aussendungen tragen Rufzeichen. Mitlesen ist hier so normal wie das Mithören einer Relaisrunde.

Zwei technische Grenzen kommen dazu. Ein WebSDR hört nur, was an seiner Antenne ankommt, das Bild ist also immer eines vom Standort des Empfängers und nicht vom ganzen Netz. Und der Empfang ersetzt keine Teilnahme: Senden geht darüber nicht, wer ins Netz will, braucht weiterhin einen eigenen Knoten.

Ein letzter Hinweis aus der Praxis: Die für ein Netz übliche Bandbreite kann regional abweichen, weil sie am gewählten Preset hängt. Wenn im Wasserfall sichtbar etwas läuft, das Dekoderfenster aber leer bleibt, ist fast immer die Bandbreiteneinstellung der Grund und nicht der Empfang.

Quellen

73 – eure oeradio.at-Redaktion


Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) auf Basis öffentlicher Quellen und eigener Beobachtung an der beschriebenen Station recherchiert und verfasst, die Inhalte wurden von der oeradio.at-Redaktion geprüft. Versionsangaben stammen aus dem öffentlichen Änderungsprotokoll des Projekts, die Frequenzangaben aus den Projektdokumentationen und dem ÖVSV-Wiki. Bewusst nicht enthalten sind Konfigurationsdateien, Profil- und Zugangsdaten der Station, der Ablauf ist deshalb allgemein beschrieben und nicht als Kopiervorlage gedacht. Das Titelbild ist ein Bildschirmfoto der eigenen Station. Korrekturen gerne an [email protected].

Häufige Fragen

Brauche ich einen eigenen Knoten, um Mesh-Pakete zu sehen?Nein. Ein SDR-Empfänger mit passender Software genügt. Auf WebRX.at lässt sich das ohne eigene Hardware im Browser anschauen.
Welche OpenWebRX+ Version wird benötigt?Die LoRa-Modi kamen mit 1.2.114, MeshCom folgte in 1.2.115, der eigentliche Meshtastic-Dekoder in 1.2.116. Wer alles sehen will, sollte also mindestens auf 1.2.116 sein. Das Original-OpenWebRX ohne Plus hat diese Modi nicht.
Auf welchen Frequenzen läuft das?Meshtastic EU_868 LongFast auf 869,525 MHz, MeshCore in Europa auf 869,618 MHz, MeshCom in Österreich auf 433,175 MHz im 70-Zentimeter-Band.
Warum steht in der Bandbreitenauswahl kbps statt kHz?Ein Beschriftungsfehler in der Oberfläche. Gemeint ist die Bandbreite in Kilohertz, der Eintrag mit 250 entspricht den 250 kHz, die Meshtastic und MeshCore in Europa üblicherweise verwenden.
Kann ich damit auch senden oder mitschreiben?Nein. Der WebSDR empfängt nur. Wer ins Netz einsteigen will, braucht einen eigenen Knoten.
Sind die mitgelesenen Nachrichten verschlüsselt?Auf dem Standardkanal nicht wirksam. Dessen Schlüssel ist öffentlich bekannt, entsprechend lassen sich Nachrichten dort dekodieren. Eigene Kanäle mit eigenem Schlüssel bleiben unlesbar.
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