Zwischen einem Standort auf der Koralpe und einem slowenischen Standort namens Dol-Gače liegen 126,9 Kilometer. Das ist keine Berechnung und keine Schätzung, sondern eine tatsächlich beobachtete Funkverbindung: Der eine hat den anderen gehört. Gesendet wird dabei mit 500 Milliwatt, also einem halben Watt. Ungefähr so viel wie ein Babyfon, weniger als ein Mobiltelefon aufbringt.
Möglich macht das ein Funknetz, das in den vergangenen zwei Wochen still und ziemlich schnell gewachsen ist. Es heißt CarinthiaMesh, funkt auf 868 MHz und überträgt Textnachrichten ohne Handynetz, ohne Internet und ohne Vertrag. Wie das grundsätzlich funktioniert und was man zum Mitmachen braucht, steht in unserem Beitrag MeshCore: Funken ohne Handynetz. Hier geht es um etwas anderes, nämlich darum, wer das Netz eigentlich gebaut hat.
Vorweg, weil es für alles Weitere wichtig ist: Das Netz gehört niemandem. Es gibt keinen Betreiber, bei dem man sich anmeldet, keinen Verein, der darüber bestimmt, und keine Stelle, die jemanden zulassen oder ablehnen könnte. Die Firmware ist quelloffen, die Karte öffentlich, die Anleitungen frei lesbar. Wer ein Gerät einschaltet, ist Teil davon. Wer einen Repeater aufstellt, vergrößert es für alle anderen mit.
Von neun auf 32
Vor 14 Tagen waren in Kärnten neun Repeater sichtbar, also feste Stationen an erhöhten Standorten, die Nachrichten weiterreichen. Heute sind es 32. Der stärkste Tag war der 15. August, an dem gleich vier Standorte dazukamen: Nötsch, Gerlitzen, Altenberg und die Leppner Alm.
Zusammen reichen die 32 Kärntner Repeater rund 28.000 Nachrichten pro Tag weiter. Das gesamte Netz, das die Auswertung sieht, umfasst 611 Knoten über mehrere Länder. Kärnten stellt davon nur einen kleinen Teil der Stationen, trägt aber rund 40 Prozent des beobachteten Verkehrs. Das hat mit Geografie zu tun: Wer hier auf einem Berg steht, sieht sehr weit.
Wer sich das nicht als Zahl, sondern in Bewegung ansehen will: Die Karte hat eine Live-Ansicht, in der jedes weitergereichte Paket auftaucht, während es passiert. Dafür braucht es kein Gerät und keine Anmeldung, man schaut einfach zu. An einem normalen Abend sieht man dort ganz gut, welche Standorte die Arbeit machen und welche gerade nur mitlauschen.

Ein Teil davon ist bessere Sicht, nicht mehr Hardware
Bevor die Zahlen ein Eigenleben entwickeln, gehört eine Einschränkung hierher, mitten in den Text und nicht ans Ende.
Die Karte kennt einen Repeater erst dann, wenn ihn jemand hört. Dafür braucht es Observer, also Stationen, die den Funkverkehr mitschneiden und melden. Von den vier Observern, die derzeit laufen, sind drei im selben Zeitraum dazugekommen, in dem das Netz um 23 Standorte gewachsen sein soll.
Das heißt: Ein Teil der neuen Standorte stand vorher womöglich schon dort, nur hat ihn niemand gehört. „Neu" bedeutet in dieser Statistik verlässlich bloß „zum ersten Mal gehört". Man kann daraus eine Zahl wie „+311 Prozent" formen, rechnerisch stimmt sie sogar, aber sie behauptet mehr, als die Daten hergeben. Der Zuwachs ist echt. Ein erheblicher Teil davon ist trotzdem einfach bessere Sicht auf das, was schon da war.
Die Standorte, die das Netz tragen
Nicht jeder Repeater arbeitet gleich viel. Sechs stechen deutlich heraus:
| Standort | Weiterleitungen in 24 h | Rolle im Netz |
|---|---|---|
| St. Ulrich (Lavanttal) | 3.749 | seit 3. August dabei |
| Pölling (Lavanttal) | 3.708 | der Älteste der Spitzengruppe, seit 9. Juli |
| Göriacher Alm (unteres Gailtal) | 3.576 | 33 Nachbarn, Übergang nach Slowenien |
| Koralpe | 2.807 | Zubringer in die Steiermark und nach Osten |
| Knappenberg-PV (Hüttenberg) | 2.237 | erst seit 13. August, schon in der Spitzengruppe |
| Knappenberg | 2.201 | zweiter Standort derselben Gruppe |
Interessanter als die Rangliste ist, wie sie sich verändert hat. Drei Standorte tragen derzeit zusammen rund 39 Prozent des Kärntner Verkehrs. Vor einer Woche waren es noch 81 Prozent, und das bei insgesamt weniger Verkehr als heute. Die Last verteilt sich also messbar breiter. Für ein Netz ohne zentrale Stelle ist genau das die gute Nachricht, denn es hängt nicht mehr an zwei, drei Bergen.
Ein Detail, das man leicht falsch liest: Der Dobratsch hat trotz seiner Lage nur mittleren Verkehr. Das ist kein Mangel. Zwei ältere Standorte reichen dieselben Pakete schlicht schneller weiter, dann bleibt für den Neuen nichts mehr zu tun. Wenig Verkehr heißt in einem Mesh-Netz nicht „schlecht", sondern oft nur „ruhige Gegend" oder „schnellerer Nachbar". Das Titelbild dieses Beitrags zeigt übrigens genau diesen Standort: der Mast am Dobratsch, mit dem kleinen Solarpanel und dem Gehäuse zwischen den großen Schüsseln.
Über die Grenze
Der interessanteste Standort ist die Göriacher Alm im unteren Gailtal. Sie hat 33 direkte Nachbarn, vier davon in Slowenien: Krvavec in 78 Kilometern, Kriška gora in 61, Dobrča in 52 und Zabreška planina in 46 Kilometern Entfernung. Über diesen einen Standort hängt Kärnten am slowenischen Netz, in dem 56 Knoten erfasst sind.
Nach Osten übernimmt die Koralpe. Von dort reicht das Netz in die Steiermark und bis zum Hochwechsel in Niederösterreich, 109,2 Kilometer entfernt.
Bemerkenswert ist, wie Italien angebunden ist, nämlich nicht über Kärnten. Der italienische Cluster in Venetien und um Görz hängt über Slowenien am Netz. Die Luftlinie wäre kürzer, aber Funkwellen richten sich nach Bergen und nicht nach Landkarten.
Acht Leute, viele Hände
Hinter den 32 Standorten stehen mindestens acht verschiedene Betreiber. Jeder entscheidet selbst, wo sein Gerät steht und wie er es betreibt, abgestimmt wird höchstens freiwillig. Manches ist reine Privatinitiative, an anderen Stellen hat jemand etwas beigesteuert.
Ein Beispiel dafür: Bei vier Standorten kam die Hardware vom Verein KÄRNTEN FUNKT, der sie seinerseits gesponsert bekommen hat. Anfang August traf eine Lieferung von Strali Solutions ein, darunter drei solarversorgte Außenknoten und ein weiterer Solarknoten samt Panel, dazu Handgeräte und ein paar kleinere Boards. Der Verein hat das öffentlich dokumentiert, samt der Begründung, worauf es ankommt: An Handgeräten mangelt es selten, an fester Infrastruktur schon. Aufgestellt und betreut werden diese Standorte trotzdem von Einzelnen, so wie alle anderen auch.
Was bei aller Zahlenzählerei leicht untergeht: Es gibt keinen Anbieter, keine Förderung und keinen Auftrag, und es gibt auch niemanden, der das Ganze angeordnet hätte. Jeder dieser Kästen steht dort, weil ihn jemand hinaufgetragen, montiert und angeschlossen hat, in seiner Freizeit und meist ohne dass jemand davon Notiz nimmt. Die Weiterleitungszahlen in der Tabelle sind letztlich die Quittung für ein paar Nachmittage Bergsteigen mit Werkzeug im Rucksack.
Was es rundherum gibt
Zum Funknetz gehört inzwischen ein kleiner Unterbau. Er ist nicht an einer Stelle entstanden, sondern in verschiedenen Ecken der Community, und alles davon steht jedem offen:
- #kf, ein offener Kanal, den KÄRNTEN FUNKT im MeshCore-Netz betreibt. Er ist einer von mehreren, überregional trifft man sich weiterhin im Kanal Public.
- mesh.kaernten-funkt.at, wo sich dieser Kanal live im Browser mitlesen lässt, ohne Gerät und ohne Anmeldung. Wer wissen will, ob sich das Ganze für ihn lohnt, schaut dort einfach eine Woche lang zu.
- wiki.carinthiamesh.com, das Wiki der Initiative. Es gibt es schon deutlich länger als den jüngsten Ausbauschub, angefangen haben damit die Leute rund um die Koralpe und Klagenfurt. Inzwischen stehen 24 Seiten drin, darunter Repeaterliste, Geräteliste mit Preisen, Fehlersuche und Sensorik.
Was das jedem bringt
Man muss kein Funkamateur sein und keine Prüfung ablegen. Ein Gerät kostet ab etwa 20 Euro, danach fallen keine Gebühren an, es gibt keinen Vertrag und keinen Anbieter, der irgendwann abschaltet. Zwei Geräte reden miteinander, solange sie Strom haben.
Im Alltag heißt das: kurze Textnachrichten dort, wo das Handynetz aufhört. Auf der Hütte, im Graben hinter dem Berg, auf einer Tour, bei einem Vereinsfest über das Gelände hinweg. Über einen Repeater am Berg wird aus zwei, drei Kilometern Handgerätereichweite schnell ein ganzes Tal. Ein Ersatz fürs Telefon ist es nicht, dafür ist es zu langsam und es kann nur Text. Aber es funktioniert ohne alles, was sonst zwischen zwei Leuten steht.
Dazu kommt der Teil, den man schwer erklären und leicht erleben kann: Man schreibt „Servus" in einen Kanal, und ein paar Kilometer weiter antwortet jemand, den man nie zuvor gehört hat, über eine Verbindung, an der kein Provider und kein Rechenzentrum beteiligt ist. Für viele ist genau das der Grund, warum aus dem Ausprobieren ein Hobby geworden ist.
16 Standorte stehen auf der Liste
In der Planungsliste stehen derzeit 16 Standorte, vom vagen Einfall bis „im Aufbau". Sie reicht deutlich über Kärnten hinaus: Golzentipp in Osttirol, Hochkönig und Untersberg in Salzburg, die Edelweißspitze an der Großglockner-Hochalpenstraße, der Zirbitzkogel in der Steiermark.
Bei vier dieser Standorte fehlt der Mensch. Sie sind reine Vorschläge aus der Geländeanalyse: Die Karte sagt, dass dort ein Repeater viel bringen würde, aber es hat sich noch niemand gefunden, der hinaufsteigt. Ein einsatzbereites Ersatzgerät liegt bereit. Wer einen geeigneten Standort hat, bekommt die Hardware.
Was einen geeigneten Standort ausmacht, ist wenig spektakulär: freie Sicht ins Tal oder über einen Kamm, Strom oder eine vernünftige Solarlösung, und die Erlaubnis, etwas zu montieren. Ein Dachboden mit Fenster nach Süden hat schon mehr gebracht als so mancher Gipfel.
Mitmachen
Das Netz wächst genau so weit, wie Leute es bauen. Vier Wege hinein, von unverbindlich bis handfest:
- Zuschauen. Auf mesh.kaernten-funkt.at eine Woche lang mitlesen und in der Live-Ansicht der Karte den Verkehr verfolgen, beides ohne Gerät und ohne Anmeldung. Wenn danach noch Interesse da ist, lohnt sich der Rest.
- Ein Gerät einschalten. Ein Board um 20 bis 60 Euro, die richtigen Funkparameter, und ab in den Kanal. Jedes Gerät, das zuhört, macht das Netz für alle anderen nützlicher.
- Reichweite melden. Wer unterwegs notiert, wo er welchen Repeater erreicht, füllt eine Lücke, die derzeit kaum jemand füllt: Bei den meisten Standorten weiß niemand genau, welches Gebiet sie versorgen. Solche Messungen sind unspektakulär und für die Planung mehr wert als jede Simulation.
- Einen Standort anbieten. Dachboden mit Talblick, Hütte, Mast, Firmendach. Wer den Platz hat, muss die Hardware nicht selbst kaufen, ein einsatzbereites Gerät liegt bereit.
Fragen klärt man am schnellsten dort, wo die Geräte tatsächlich in Betrieb sind: in der Telegram-Gruppe Kärnten Funkt – MeshCore oder im Discord-Server der Initiative. Beide stehen jedem offen.
Wer sich das ansehen will: Die Karte mit allen Standorten steht auf map.carinthiamesh.com, der laufende Verkehr dazu in der Live-Ansicht, der Kanal zum Mitlesen auf mesh.kaernten-funkt.at, die Anleitungen im Wiki. Einer der Vereine, die sich beteiligen, ist KÄRNTEN FUNKT; Mitglied muss man aber bei niemandem sein, um mitzufunken.
Wie sich MeshCore zu den anderen lizenzfreien Systemen verhält, haben wir in PMR, Meshtastic und CB-Funk im Vergleich gegenübergestellt. Das ältere Meshtastic-Netz in Kärnten beschreibt dieser Beitrag, und wer das Ganze aus der Notfunk-Perspektive betrachtet, findet in Blackout-Vorsorge den nüchternen Rahmen dazu.
73 – eure oeradio.at-Redaktion
Transparenzhinweis
Alle Zahlen in diesem Beitrag stammen aus einer Auswertung der Karten-API von map.carinthiamesh.com, den Nachbarschaftsdaten der Knoten und der öffentlichen Standortliste, Datenstand 16. August 2026. Entfernungsangaben sind beobachtete Funkstrecken, keine berechneten Sichtlinien. Die Zahl der aktiven Standorte bildet ab, was die vier Observer hören, sie ist damit eine Untergrenze und keine Vollerhebung. Das Titelbild zeigt den Standort am Dobratsch, Foto: Michael, OE8YML. Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) auf Basis dieser Daten verfasst und von der oeradio.at-Redaktion geprüft. Korrekturen, Ergänzungen und gemessene Abdeckungsgebiete gerne an [email protected].





