Inhaltsverzeichnis
- Wo es angefangen hat: Thomas, die Koralpe und das Lavanttal
- Koralpe, ~2.100 m: 150 km/h und ein Sender daneben
- Lavanttal: Pölling und St. Ulrich
- Am Berg: die Ankerpunkte
- Dobratsch, 2.166 m: der lange erwartete
- Gerlitzen, ~1.900 m: mit Kopfstand-Premiere
- Martennock: der mit dem Spanngurt
- Göriacher Alm, 1.644 m: der Arbeiter
- Leppner Alm über Irschen, 1.761 m: vor der Abnahme
- Im Tal: Ortsnetze und Lückenfüller
- Nötsch: der verkehrsstärkste Knoten des Netzes
- Pöckau: der erste im Tal
- Villach: KF HQ
- Waidegg: der erste im Bezirk Hermagor
- Knappenberg: drei Knoten, einer davon ganz vorne
- Klagenfurt: Innere Stadt, Emmersdorf und ein Fichtenstandort
- Spittal: von der Couch auf den Hang
- Selbstbau: aus der Solarleuchte in die Landschaft
- Was noch fehlt
- Mitmachen
- Transparenzhinweis
Am 22. August, kurz vor Mitternacht, ging in der Telegram-Gruppe Kärnten Funkt – MeshCore ein Aufruf raus: Wer einen Repeater betreibt, möge doch bitte ein Foto und ein paar Zeilen dazu hereinstellen. Am nächsten Vormittag war der Kanal voll mit Fotos von Dachböden, Fichten, Gipfelmasten, aufgeschraubten Gehäusen und Akkupacks. Dieser Beitrag ist das Ergebnis.
Zur Einordnung: Das Kärntner MeshCore-Netz zählt mit Stand 23. August 37 aktive Repeater, sechs davon sind Test- und Ersatzknoten. Drei Wochen vorher waren es neun. Wie das Netz technisch funktioniert und was man zum Mitmachen braucht, steht in MeshCore: Funken ohne Handynetz; die Zahlen zum Wachstum haben wir in 126,9 Kilometer mit einem halben Watt zusammengetragen. Hier geht es um die Kastln selbst und um die Leute, die sie hinaufgetragen haben.
Wo es angefangen hat: Thomas, die Koralpe und das Lavanttal
Bevor es um Gipfel geht, gehört ein Standort nach vorne, der in keiner Statistik als Erster auftaucht und trotzdem der Ausgangspunkt ist. Thomas betreibt mit carinthiamesh.com die Karte und das Wiki, über die das Netz überhaupt sichtbar wurde. Ohne diese beiden Werkzeuge wäre der Ausbau der letzten Wochen eine Sammlung von Einzelgeräten geblieben, über die niemand den Überblick hat. Dass heute jeder nachsehen kann, welcher Knoten wie viel weiterreicht, ist der Grund, warum aus verstreuten Kastln ein Netz wurde.
Angefangen hat es entsprechend früh. Schon im Herbst 2025 standen im Lavanttal Knoten, als in Kärnten sonst kaum etwas lief.


Koralpe, ~2.100 m: 150 km/h und ein Sender daneben
Die Koralpe ist das Osttor des Netzes und der Zubringer in die Steiermark und weiter nach Österreich hinein. Der Standort ist unangenehm: Windgeschwindigkeiten von 150 km/h und mehr sind dort normal, weshalb der Knoten bewusst etwas tiefer und windgeschützt hinter dem Träger sitzt, direkt mit der Schelle statt am mitgelieferten Ausleger.
Dazu kommt der 50 Meter hohe Sender in unmittelbarer Nachbarschaft. Eine 5,8-dBi-Antenne wurde deshalb wieder abgebaut: Senden war hervorragend, der Empfang praktisch tot. Seit 12. August hängt dort eine 3-dBi-Fiberglasantenne, nachgemessen mit rund 1,38 SWR.


Lavanttal: Pölling und St. Ulrich
Beides XIAO-nRF52-Knoten, ebenfalls von Thomas. St. Ulrich ist mit rund 3.200 Weiterleitungen pro Tag eines der beiden Osttore des Netzes; Pölling ist der lokale Zubringer und läuft nach Auskunft des Betreibers seit einem Dreivierteljahr ohne dichtes Gehäuse und ohne Probleme. Nackte Platinen halten mehr aus, als man denkt.

Am Berg: die Ankerpunkte
Dobratsch, 2.166 m: der lange erwartete
Der Dobratsch war von Anfang an das Ziel. Schon am 3. August kam die Zusage von Uwe, OE8URQ, dem Sysop der dortigen Relaisanlage. Danach folgten zehn Tage Diskussion darüber, ob man einen Solarknoten „opfert" oder gleich etwas Robustes baut, mit dem Ergebnis, dass am Freitag, 14. August, um halb neun am Rostrattenparkplatz ein Rucksack gepackt bereitstand. Drinnen: ein SenseCAP Solar Node P1.



Um 12:42 ging das erste Advert raus. Eine Minute später kam aus Klagenfurt die Rückmeldung: empfangen. Aus Pöckau, keine 15 Kilometer entfernt, kam gar nichts. Dazwischen stehen die Felsen der Schütt, und die interessiert es nicht, dass man Sichtverbindung zum Gipfel hätte. Genau solche Beobachtungen sind der Grund, warum Ausbreitungsmodelle im Wiki stehen, aber die Karte trotzdem gefüllt wird.
Der Solarbetrieb am Dobratsch ist eine Zwischenlösung. Im Herbst soll der Knoten gegen ein netzgespeistes Gerät im Container getauscht werden, Strom, Internet und HAMNET sind oben vorhanden.
Gerlitzen, ~1.900 m: mit Kopfstand-Premiere
Andre, OE8ASR, hat die Gerlitzen übernommen. Bevor der Knoten hinaufkam, hing er ein paar Tage testweise am Balkon in Arnoldstein, montiert mit einem Satwinkel aus dem Baumarkt und laut Bildbeleg verkehrt herum. Seit 15. August steht das Gerät oben, und der Blick von dort erklärt die Reichweite besser als jede Feldstärkerechnung.



Martennock: der mit dem Spanngurt
Für den Raum Spittal stand das Goldeck seit Wochen als Idee in der Standortliste: Anker fürs obere Drautal, ganzjährig mit der Seilbahn erreichbar, rechnerisch 23,7 Kilometer freie Sicht zum Dobratsch. Aufgegangen ist es dann ein Stück weiter unten. Sergio, OE8CXC, hatte im Tal einiges probiert, ohne dass die Abdeckung für ihn brauchbar wurde, und hat sein Gerät schließlich testweise auf den Martennock gestellt. Am 22. August um kurz vor elf Uhr abends kam von ihm ein Foto und zwei Wörter: „provisorisch qrv." In der Karte steht der Knoten seither als AT-SP-Martennock.

Göriacher Alm, 1.644 m: der Arbeiter
Der Repeater auf der Göriacher Alm gehört Dominic, OE8MDT, und ist nach den Zahlen einer der wichtigsten Knoten des Netzes: rund 3.100 Weiterleitungen in 24 Stunden, 33 Nachbarn, darunter vier slowenische Standorte bis 78 Kilometer und die Koralpe über 108 Kilometer. Aufgestellt am 8. August, wenige Stunden später um einen Meter höher versetzt, „dank meiner Frau", wie der Erbauer anmerkte.


Die Wirkung war sofort messbar: Geräte, die im Tal vorher nichts gehört haben, kamen anschließend indoor durch. Der Betreiber selbst formulierte es so, dass er nun eine längere Leiter brauche, der Standort gibt noch mehr her.
Leppner Alm über Irschen, 1.761 m: vor der Abnahme
Wolfgang, OE8WBG, hat am 8. August früh gemeldet: „Repeater ist am Berg." Die Antenne hängt vorerst provisorisch unter dem Dachstuhl einer Hütte, die noch keine offizielle Abnahme hat. Vom selben Betreiber stammt auch AT-VL-Altenberg, der Millstatt, Seeboden und Ferndorf versorgt und ein Angebot für einen weiteren Standort in Pusarnitz auf rund 550 Metern, der ins Mölltal hineinleuchten würde.

Im Tal: Ortsnetze und Lückenfüller
Nötsch: der verkehrsstärkste Knoten des Netzes
Ausgerechnet kein Gipfel, sondern ein Standort im Gailtal führt die Statistik an: AT-VL-Nötsch, ein Heltec V4 mit KF-Antenne, kommt auf rund 3.250 Weiterleitungen in 24 Stunden.

Am selben Standort läuft der Observer, der den Kanal #kf mitschreibt und auf mesh.kaernten-funkt.at für alle lesbar macht, auch für Leute ohne Gerät. Seit Mitte August gibt es dazu den MeshBot, einen Befehlsbot im Kanal #at-ktn-bot. Er liefert Wetter, amtliche Unwetterwarnungen, SOTA-Gipfeldaten und die nächstgelegenen Amateurfunk-Relais, alles ohne Handynetz, direkt über Funk. Was er kann, steht im MeshBot-Wiki.
Pöckau: der erste im Tal
AT-VL-Poeckau war am 4. August online, noch bevor irgendein Berg besetzt war, und ist bis heute der lokale Verteiler im unteren Gailtal. Hardware: SenseCAP Solar Node P1-Pro, dazu eine 3-dBi-Antenne. Betreiber ist ebenfalls Dominic, OE8MDT.

Villach: KF HQ
Am Dach der Ossiacher Zeile 39/1 steht seit 11. August ein P1 auf einem Mast. Möglich macht das Günther, OE8VIL, der den Standort zur Verfügung stellt. Der Knoten schließt den dunklen Fleck, den Dobratsch und Gerlitzen mitten über der Stadt lassen: Beide Berge „fahren" über die Stadt drüber. Im Herbst soll die Antenne noch höher.

Waidegg: der erste im Bezirk Hermagor
Am 19. August hat Chris, OE8CKK, einen Heltec-Knoten in Waidegg in Betrieb genommen und damit den letzten großen weißen Fleck im Gailtal angeschnitten. Bemerkenswert: Sein Anker ist nicht der nächste Nachbar, sondern der Dobratsch über 34,3 Kilometer, die vier näheren Standorte sind allesamt vom Gelände blockiert. Nach Redaktionsschluss war der Knoten allerdings still; wer in der Gegend etwas hört, möge sich im Kanal melden.

Knappenberg: drei Knoten, einer davon ganz vorne
Hermann, OE8HSF, betreibt im Raum Hüttenberg gleich drei Repeater. Einer davon, ein RAK4631 mit PV, liegt mit rund 1.100 Weiterleitungen pro Tag an der Spitze aller Standorte außerhalb der ganz großen vier. Als nächstes ist der Hohenwart oberhalb des Klippitztörls angedacht.

Klagenfurt: Innere Stadt, Emmersdorf und ein Fichtenstandort
An der Ostseite des Rothauer Hochhauses wird gerade ein Elecrow ThinkNode M6 ausgerollt, ein Vereinsgerät von KÄRNTEN FUNKT, aufgestellt von Thomas. Dass der Knoten zwischendurch still ist, gehört zur Montage.

Christian betreibt im Klagenfurter Raum drei Repeater und hat als einziger etwas beizusteuern, was allen anderen noch fehlt: Langzeiterfahrung. Sein Knoten im Wald, rund 100 Höhenmeter oberhalb seines Hauses, läuft seit knapp einem Jahr, ein RAK 4631, vier 18650-Zellen, 4-W-Panel, Stepdown-Wandler, kein MPPT-Regler, geladen direkt übers Board, dazu eine Fiberglasantenne vom Fernost-Versand. Montiert an einer Fichte, erreichbar per Anlegeleiter.


Der zweite Standort, direkt beim Haus in Emmersdorf, ist ein Heltec T114 im 3D-gedruckten Gehäuse „Hermes" mit 2-W-Panel. Der dritte, in Gurnitz, wurde am 16. August gegen neuere Hardware getauscht.
Spittal: von der Couch auf den Hang
Dominik, OE8DLE, hat seinen Repeater zuerst im Dachboden im dritten Stock betrieben und dann fünf Meter hoch an den Hang über dem Haus verlegt, wo er heute an einem abgestorbenen Baumstamm hängt. Das Gerät ist ein SenseCAP Solar Node P1-Pro, „sozusagen das Einser-Menü", wie er es nennt. Von dort erreicht er Sappl und Millstatt. Seine praktische Erkenntnis nach zwei Wochen Messfahrten auf A2 und A10: Der Zero-Hop-Ping taugt kaum als Reichweitentest, Nachrichten kommen oft trotzdem an. Am Hühnersberg ist der nächste Standort geplant.


Dazu betreibt er einen eigenen Observer, der mitschreibt, was am Standort tatsächlich ankommt: ein Heltec V4, der per USB an einem Raspberry Pi 5 im Rack hängt.

Selbstbau: aus der Solarleuchte in die Landschaft
Parallel zu den fertigen Geräten läuft eine kleine Serienfertigung am Basteltisch. Der erste „KF People Repeater" entstand am 3. August: ein XIAO-Board mit SX1262-Funkmodul, das Panel aus einer Solar-Gartenleuchte aus dem Baumarkt, ein Lademodul für drei Euro, Antennenkappe und Aufhängung aus dem 3D-Drucker. Gedruckt wird in PETG; für jahrelange Außenbelastung wäre ASA besser, aber PETG hält seit Jahren.


Die größere Variante fasst vier 18650-Zellen, also rund zwölf Amperestunden, geladen über ein CN3065-Modul an einem 2-W-Panel. Der Ladestrom bleibt dabei so klein, dass auch Frost kein Drama ist, die Felddaten dazu, unter anderem von einem Netz in Calgary mit Gipfelstandorten bei minus 40 Grad, stehen im Wiki.

Getestet werden die Selbstbaugeräte inzwischen auch außerhalb der Werkstatt: Wolfgang, OE8WOK, in Thörl-Maglern und Gabriel, OE8IEA, in Hohenturn haben je einen im Einsatz und melden zurück, wie sich die Solarversorgung im Alltag schlägt.
Dass es zum Mitmachen keinen Repeater braucht, zeigt Andre, OE8ASR. Sein Companion, ein Heltec V3 im gedruckten Gehäuse, hängt schlicht am Fenster, verbunden über zwei Meter RG-174 mit einer Außenantenne. Damit hört er Göriacher Alm und Nötsch, beide rund acht Kilometer entfernt. Stromhungrig ist das Gerät, aber es macht den Punkt: Fensterbrett und ein Stück Koax reichen für den Einstieg.
Einen ähnlichen Weg geht René, OE8SRM. Er hat seine bestehenden Geräte von Meshtastic auf MeshCore umgeflasht und ist seither mit einem Companion mitten in Klagenfurt QRV, Hardware ist ein LilyGo T-Beam und ein Heltec V3.


Was noch fehlt
Von den Kärntner Bezirken hat nur mehr Feldkirchen keinen einzigen Repeater. Konkret auf der Liste stehen unter anderem Hühnersberg, Völkendorf in Villach, der Bildungscluster in Hermagor, der Hohenwart am Klippitztörl, der Bernsteiner Ofen und der Hemmaberg. Als Fernziele sind das Sonnblick-Observatorium auf 3.106 Metern, ganzjährig betreut, mit gerechneter Direktstrecke zum Dobratsch über 74 Kilometer und der Golzentipp als Tür nach Osttirol vermerkt.
Und weil es zum ehrlichen Bild dazugehört: Seit dem 23. August gibt es im Wiki auch eine Repeater-Auswertung, die zeigt, welche Standorte das Netz tragen und welche nur mitfluten. Drei Knoten könnten laut Zahlen abgeschaltet werden, ohne dass jemand etwas merkt. Mehr Repeater sind nicht automatisch besser, wer sich fragt, wo die Grenze liegt, findet die Antwort in Satireform in unserem Kellerknoten.
Mitmachen
Am Freitag, 28. August 2026, um 19:00 Uhr gibt es im KÄRNTEN FUNKT HQ, Ossiacher Zeile 39/1 in 9500 Villach, einen Info-Abend zu MeshCore. Keine Lizenz, keine Gebühr, kein Vertrag, die Anmeldung ist unverbindlich und hilft nur bei der Planung.
Wer vorher hineinschauen will: Alle Standorte stehen auf map.carinthiamesh.com, der laufende Verkehr in der Live-Ansicht, die Anleitungen im CarinthiaMesh-Wiki und der Kanal zum Mitlesen auf mesh.kaernten-funkt.at. Getragen wird das Ganze vom Verein KÄRNTEN FUNKT. Gefunkt wird unter anderem über den Kanal #kf, gespottet wird seit kurzem auch SOTA über MeshCore. Fragen beantwortet die Telegram-Gruppe Kärnten Funkt – MeshCore; dort ist jeder willkommen, auch ohne Gerät und ohne Rufzeichen.
Zum Weiterlesen auf oeradio.at: MeshCore: Funken ohne Handynetz erklärt Technik und Einstieg, 126,9 Kilometer mit einem halben Watt zeichnet das Wachstum des Netzes nach, SOTAmesh zeigt das Spotten vom Gipfel ohne Internet, und MeshCom stellt das lizenzpflichtige Gegenstück im Amateurfunkband vor. Wer es lieber mit einem Augenzwinkern hat, findet in Nur Mesh is fesch die Satire dazu.
Wer einen guten Standort hat, aber noch kein Gerät, fragt am besten in der Gruppe nach: Bei einzelnen Standorten hat sich schon eine Lösung gefunden, versprochen ist aber nichts. Wer umgekehrt Hardware hat und einen Platz dafür sucht, findet im Wiki eine Liste offener Standorte. Und wer weder noch hat, kann trotzdem beitragen, was derzeit fast überall fehlt: gemessene Abdeckung. Herumfahren, notieren, melden.
73 – eure oeradio.at-Redaktion
Transparenzhinweis
Grundlage dieses Beitrags sind die Beiträge der Telegram-Gruppe „Kärnten Funkt – MeshCore" vom 3. bis 23. August 2026 sowie die Standortliste und die Repeater-Auswertung im CarinthiaMesh-Wiki, Datenstand 23. August 2026. Die Fotos stammen von den jeweiligen Betreibern, die sie auf einen Aufruf hin in der Gruppe zur Veröffentlichung bereitgestellt haben; Bildnachweise stehen bei den Bildern. Verkehrszahlen sind Beobachtungswerte der Observer und damit eine Untergrenze, keine Vollerhebung. Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst und von der oeradio.at-Redaktion geprüft. Korrekturen, fehlende Standorte und Bildnachweise gerne an [email protected].





