Das Problem kennt jeder, der schon einmal auf einem Gipfel gestanden ist, der nicht direkt über einer Bezirkshauptstadt liegt: Die Antenne steht, das Rufzeichen ist eingetragen, und das Handy zeigt genau null Balken. Der Spot, der die Chaser auf die Frequenz holen soll, bleibt also liegen. Man ruft eine halbe Stunde CQ und hofft, dass jemand zufällig vorbeidreht.
Seit heute gibt es dafür einen weiteren Weg, und er läuft komplett ohne Handynetz: den MeshCore-Kanal #sota, dazu eine Webseite, auf der man den Kanal live mitlesen kann. Sie heißt sotamesh.oeradio.at.

Die Idee kam von Chris, OE8CKK
Der Anstoß für den Kanal stammt nicht von der Redaktion, sondern von Chris, OE8CKK. Er hat vorgeschlagen, im MeshCore-Netz einen eigenen Kanal nur für SOTA aufzumachen, statt Spots im allgemeinen Verkehr untergehen zu lassen. Chris ist selbst seit Jahren als Aktivierer unterwegs und weiß daher ziemlich genau, wo es hakt. Danke für die Idee, sie war überfällig.
Der technische Teil war danach überschaubar: Kanal anlegen, Web-Ansicht aufsetzen, fertig. Das Interessante an der Sache ist nicht die Software, sondern was sie am Berg möglich macht.
Für Aktivierer: spotten, wo sonst nichts geht
Wer ein MeshCore-Gerät dabei hat, legt in der App einen Kanal mit dem Namen #sota an. Mehr braucht es nicht. Bei Hashtag-Kanälen ergibt sich der Schlüssel aus dem Namen selbst, es gibt also nichts zu verteilen und nichts abzustimmen. Wer #sota tippt, ist im selben Kanal wie alle anderen.
Danach schickt man seinen Spot einfach als Textnachricht. Ein brauchbares Muster sieht so aus:
OE8XXX/P OE/KT-123 145.550 FM
Rufzeichen, SOTA-Referenz, Frequenz, Betriebsart. Das ist keine Vorschrift, sondern ein Vorschlag, damit die Chaser nicht raten müssen. Wer QSY macht oder einpackt, schickt kurz eine zweite Zeile hinterher. Auch das ist mehr wert als jede Automatik.
Der entscheidende Punkt: Das Ganze läuft über LoRa auf 868 MHz und braucht weder Handynetz noch Internet. Die Repeater im Netz reichen die Nachricht weiter, bis sie irgendwo im Tal ankommt. Wie weit das trägt, hat unser Bericht über das Kärntner Mesh-Netz gezeigt: 126,9 Kilometer mit einem halben Watt sind dokumentiert.
Für Chaser: zwei Wege, mitzubekommen, wer oben ist
Wer selbst ein MeshCore-Gerät hat und in Reichweite eines Repeaters ist, sieht den Spot direkt am Display. Kein Umweg, kein Server, kein Internet. Das ist der eigentliche Sinn der Sache.
Wer keines hat, öffnet sotamesh.oeradio.at im Browser. Dort läuft der Kanal live durch, ohne Anmeldung, ohne Konto und ohne dass man irgendetwas installieren müsste. Die Seite aktualisiert sich von selbst, sobald etwas hereinkommt. Zu jeder Nachricht stehen Signalwerte und, wo bekannt, der Weg durchs Netz dabei. Man sieht also nicht nur, dass jemand oben ist, sondern auch, über welche Repeater die Meldung gekommen ist.
Warum das eine sinnvolle Ergänzung zu APRS ist
SOTA-Spots über APRS gibt es seit Jahren, und sie funktionieren gut. Sie setzen aber zwei Dinge voraus: eine Amateurfunkbewilligung und ein Digipeater-Netz in Reichweite, das die Meldung ins Internet weiterreicht.
MeshCore stellt beide Bedingungen anders. Es läuft im lizenzfreien 868-MHz-Band, es braucht also keine Prüfung und keine Bewilligung. Und es funktioniert auch dann noch, wenn gar nichts anderes mehr geht: kein Handynetz, kein WLAN, kein Internet. Wo ein Repeater in Sicht ist, kommt die Nachricht durch.
Das ist kein Ersatz für APRS und schon gar keiner für SOTAwatch. Es ist ein zweiter, unabhängiger Weg, und genau als solcher ist es gedacht. Wer beides nutzt, hat schlicht bessere Chancen, gehört zu werden.
Was unter der Haube steckt
SOTAmesh ist keine Neuentwicklung, sondern eine zweite Instanz von meshfeed, jener Software, die seit einiger Zeit schon den Kanal #kf auf mesh.kaernten-funkt.at im Browser sichtbar macht. Die Funktionsweise ist in beiden Fällen dieselbe.
Ein sogenannter Observer hört mit einem gewöhnlichen MeshCore-Node am Funk mit und schiebt jedes gehörte Paket zu einem MQTT-Broker. meshfeed hängt dort nur lesend dran, entschlüsselt die Kanalnachrichten und stellt sie dar. Bei SOTAmesh ist das derzeit der Observer AT-VL-Nötsch.
Zwei Dinge sind dabei wichtig zu wissen. Erstens: Die Seite sendet nichts. Es gibt keinen Weg, über SOTAmesh etwas ins Funknetz zu schicken. Sie liest mit, sonst nichts. Zweitens: Ein Hashtag-Kanal ist nicht privat. Der Schlüssel leitet sich aus dem Namen ab, jedes Gerät in Funkreichweite kann mitlesen. Das steht auch so in der MeshCore-Dokumentation. SOTAmesh macht also nichts sichtbar, was nicht ohnehin offen über das Netz läuft. Für vertrauliche Dinge ist der Kanal der falsche Ort, für Spots genau der richtige.
Die Grenzen, ehrlich benannt
Das Ganze ist neu, und es hat entsprechend Kanten:
- Die Abdeckung endet dort, wo das Netz endet. Was kein Observer hört, steht auch nicht auf der Seite. Eine Lücke ist deshalb selten ein Fehler, sondern meistens einfach Funk. Derzeit hängt ein Observer am Kanal, im Raum Villach.
- Die Spots landen nicht automatisch auf SOTAwatch. Wer dort erscheinen will, spottet weiterhin selbst, sobald er wieder Netz hat. Eine Brücke in diese Richtung gibt es momentan nicht.
- Es lebt vom Mitmachen. Ein Kanal, in dem niemand etwas schreibt, nützt niemandem. Die ersten Einträge auf der Seite sind Testnachrichten, und das bleibt so lange so, bis der erste echte Spot hereinkommt.
Mitmachen
Wer noch kein MeshCore-Gerät hat: Ein passendes Board kostet ab etwa 20 Euro, danach fallen keine Gebühren an. Der Einstieg steht in unserem Artikel MeshCore: Funken ohne Handynetz, dort ist auch beschrieben, welche Parameter im Netz eingestellt sind.
Wer eines hat, legt den Kanal #sota an und probiert es beim nächsten Gipfel einfach aus. Und wer wissen will, ob überhaupt jemand mitliest, schaut vorher eine Woche lang auf sotamesh.oeradio.at vorbei. Kostet nichts und verpflichtet zu nichts.
Rückmeldungen, Wünsche und Fehlerberichte gerne an [email protected]. Besonders interessant wäre: Wo trägt das Netz vom Gipfel weg, und wo nicht?
Weiterlesen
- MeshCore: Funken ohne Handynetz. Jetzt ist der richtige Moment zum Mitmachen
- 126,9 Kilometer mit einem halben Watt: das Kärntner Mesh-Netz
- SOTA in Österreich: Funken von Gipfel zu Gipfel
- PMR, Meshtastic und CB-Funk im Vergleich
- Alle oeradio.at-Werkzeuge im Überblick
73 de OE8YML





