Inhaltsverzeichnis
- P25 (Project 25): der Behördenfunkstandard aus Nordamerika
- NXDN: schmalbandig aus dem Betriebsfunk
- Die Lage in Österreich
- NXDN: es gibt eine OE-Infrastruktur
- P25: praktisch keine Infrastruktur in OE
- Einstieg: der Weg führt über den Hotspot
- Geräte: gebraucht, kommerziell, sperrig
- P25 und NXDN im Vergleich mit DMR
- Rechtliches: Verschlüsselung bleibt tabu
- Lohnt sich das?
- Weiterlesen auf oeradio.at
- Transparenzhinweis
Neben DMR, D-STAR und C4FM gibt es zwei weitere digitale Sprechfunkstandards, die im Amateurfunk auftauchen: P25 und NXDN. Beide stammen aus der kommerziellen Welt – aus dem Behördenfunk und aus dem Betriebsfunk – und beide sind im Amateurfunk klare Nischenbetriebsarten.
Nische heißt aber nicht „gibt es nicht". Für NXDN existiert in Österreich sogar eine eigene Infrastruktur beim ÖVSV. Dieser Artikel trennt sauber zwischen dem, was die Standards technisch können, und dem, was man in OE realistisch damit anfangen kann.
P25 (Project 25): der Behördenfunkstandard aus Nordamerika
P25 (auch APCO-25) wurde ab Ende der 1980er-Jahre von der US-amerikanischen Association of Public-Safety Communications Officials entwickelt, um analoge FM-Systeme bei Polizei, Feuerwehr und Rettung abzulösen. Heute ist P25 in über 80 Ländern im Behördenfunk im Einsatz. In Europa spielt es dort allerdings kaum eine Rolle – hier dominiert TETRA.
Phase 1 arbeitet mit FDMA: ein Sprechkanal pro 12,5-kHz-Kanal, moduliert in C4FM (vierstufiges FSK), 9.600 bit/s brutto, davon 4.400 bit/s Sprachdaten im IMBE-Vocoder.
Phase 2 packt per 2-Slot-TDMA zwei Gespräche in denselben 12,5-kHz-Kanal – das ist die viel zitierte „6,25-kHz-Äquivalenz". Der Vocoder ist hier AMBE+2 in halber Rate. Phase-2-Geräte beherrschen zusätzlich Phase 1 und analoges FM; umgekehrt gilt das nicht.
Statt CTCSS/DCS nutzt P25 den NAC (Network Access Code): 12 Bit, dargestellt als drei Hex-Stellen, 4.096 mögliche Werte. Er entscheidet, ob ein Repeater ein Signal überhaupt annimmt.

Trunking ist die zweite große P25-Eigenschaft: Ein Steuerkanal verteilt die Gespräche dynamisch auf freie Sprechkanäle. Im Amateurfunk wird das nicht genutzt – dort läuft P25 konventionell, also fix auf einer Frequenz.
NXDN: schmalbandig aus dem Betriebsfunk
NXDN (Next Generation Digital Narrowband) wurde gemeinsam von Icom und Kenwood entwickelt. Verkauft wird es unter zwei Markennamen: Icom nennt es IDAS, Kenwood NEXEDGE. Technisch ist es dasselbe Luftinterface.
- FDMA mit 6,25 kHz oder 12,5 kHz Kanalbandbreite – 6,25 kHz ist die eigentliche Stärke
- 4FSK-Modulation, 4.800 bit/s im schmalen Kanal
- AMBE+2-Vocoder – derselbe Codec wie bei DMR und C4FM
- RAN-Code (Radio Access Number) als Zugangskennung, analog zum NAC bei P25
- Mixed Mode: Ein Repeater kann analoges FM und NXDN parallel bedienen – praktisch beim Umstieg
NXDN ist damit der schmalbandigste der gängigen Sprechfunkstandards. Der Preis dafür: Es ist auch der am wenigsten verbreitete. Weltweit sind rund 14.000 NXDN-IDs vergeben – gegenüber weit über 300.000 DMR-IDs.
Die Lage in Österreich
Hier trennen sich die beiden Standards deutlich.
NXDN: es gibt eine OE-Infrastruktur
Der ÖVSV betreibt unter nxdn.oevsv.at einen NXDN-Reflector – die Software stammt von Jonathan G4KLX, das Dashboard von DG9VH. Die Sprechgruppe ist TG 20000 „Europe D-A-CH".
Beim Blick auf das Dashboard am 17. August 2026 waren dort unter anderem die Gateways OE1XAR, OE3XVJ, OE6IFD und OE3OMF verbunden, dazu deutsche Stationen wie DM0ULR, DL1ATH und DG2MMB sowie ein Gateway aus den USA. Die Infrastruktur läuft also – der Verkehr darauf ist allerdings dünn. Wer QRV wird, sollte Geduld mitbringen und selbst rufen, statt auf Betrieb zu warten.
Daneben existiert das deutsche NXDN.EU-Netz mit der Sprechgruppe 26200.
P25: praktisch keine Infrastruktur in OE
Für P25 sieht es magerer aus. Die APCO25-Seite im ÖVSV-Wiki beschreibt die Technik, nennt aber keine österreichischen Relais oder Gateways – und wurde seit Jahren nicht aktualisiert. In Deutschland gab es historisch eine P25-Relaiskette vom nördlichen Ruhrgebiet bis nach Hessen; sie ist inzwischen lückenhaft.
Realistisch heißt das: P25 im Amateurfunk läuft in unserer Region fast ausschließlich über Reflektoren und Hotspots, nicht über Repeater vor der Haustür. Die internationalen P25-Reflektoren werden im DVSwitch-Umfeld gepflegt; der bekannteste ist die nordamerikanische TG 10200.
Einstieg: der Weg führt über den Hotspot

Der praktikabelste Zugang zu beiden Betriebsarten ist ein MMDVM-Hotspot mit Pi-Star. Die Modemplatine kann P25 und NXDN von Haus aus – man muss die Modes in der Konfiguration nur aktivieren und den passenden Reflector auswählen. Wie das Setup grundsätzlich funktioniert, steht in unserer Anleitung Pi-Star-Hotspot einrichten.
IDs: Beide Standards brauchen eine numerische Kennung, und beide werden über radioid.net vergeben – kostenlos gegen Nachweis der Amateurfunkbewilligung. Wer bereits eine DMR-ID hat, kann sich dort auch die NXDN-ID holen: Sie besteht üblicherweise aus den letzten fünf Stellen der DMR-ID, wobei NXDN Werte über 65.519 nicht kennt.
Geräte: gebraucht, kommerziell, sperrig
Für beide Modi gilt: Es gibt keine 40-Euro-Chinahandys wie bei DMR. Wer ohne Hotspot direkt auf HF arbeiten will, kauft gebrauchte Kommerzgeräte.
P25: Motorola XTS-5000 und die neuere APX-Serie, dazu L3Harris (ehemals Harris) XL- und Unity-Geräte. Robust und gut, aber teuer – und die Programmiersoftware ist der eigentliche Stolperstein: Sie ist herstellergebunden, lizenzpflichtig und nicht frei erhältlich.
NXDN: Kenwood NX-Serie (NEXEDGE) und Icom IDAS-Geräte der F-Serie. Auch hier ist der Gebrauchtmarkt die realistische Quelle.
Neu am Markt: Mit dem AnyTone AT-D890UV gibt es ein Amateurfunkhandy, das DMR und NXDN kombinieren soll. Die NXDN-Funktion ist allerdings als nachträgliche Freischaltung angekündigt und hängt an einer Freigabe durch JVCKenwood – wer darauf setzt, sollte den aktuellen Firmware-Stand prüfen, bevor er kauft.
P25 und NXDN im Vergleich mit DMR
| Eigenschaft | P25 Phase 1 | P25 Phase 2 | NXDN | DMR |
|---|---|---|---|---|
| Zugriffsverfahren | FDMA | TDMA (2 Slots) | FDMA | TDMA (2 Slots) |
| Kanalbandbreite | 12,5 kHz | 12,5 kHz | 6,25 / 12,5 kHz | 12,5 kHz |
| Gespräche/Kanal | 1 | 2 | 1 | 2 |
| Vocoder | IMBE | AMBE+2 (halbe Rate) | AMBE+2 | AMBE+2 |
| Zugangskennung | NAC | NAC | RAN | Color Code |
| Herkunft | APCO, Behördenfunk USA | Icom & Kenwood | ETSI | |
| OE-Infrastruktur | keine nennenswerte | ÖVSV-Reflector TG 20000 | ~47 Relais | |
| Geräte ab | gebraucht, kommerziell | gebraucht, kommerziell | ab ~45 € | |
Wichtig: P25, NXDN und DMR sind untereinander nicht kompatibel. Auch wenn drei davon denselben AMBE+2-Vocoder verwenden, unterscheiden sich Rahmenstruktur und Signalisierung – ein Gerät pro Betriebsart, oder eben ein Multimode-Hotspot. Eine breitere Gegenüberstellung aller Digitalmodi findet ihr in D-STAR vs. DMR vs. C4FM vs. M17; einen offenen Gegenentwurf zu all diesen proprietären Codecs beschreibt unser Artikel zu M17.
Rechtliches: Verschlüsselung bleibt tabu
Beide Standards bringen ab Werk Verschlüsselung mit – P25 sogar bis AES-256, NXDN unter anderem DES und AES. Im Amateurfunk ist das nicht erlaubt: Die österreichische Amateurfunkverordnung untersagt jede Verschleierung des Inhalts. P25 und NXDN dürfen also ausschließlich im Klartext betrieben werden. Wer ein Gebrauchtgerät kauft, sollte im Codeplug kontrollieren, dass keine Krypto-Slots aktiv sind.
Ebenso selbstverständlich: Betrieb nur auf Amateurfunkfrequenzen nach Bandplan (2 m, 70 cm) – Behördenfunkkanäle sind für uns tabu, auch wenn das Gerät sie technisch beherrscht. Und das Rufzeichen gehört genauso genannt wie im analogen Betrieb.
Lohnt sich das?
Ehrliche Antwort: als Erstsystem nein, als Experiment ja.
Wer digital einsteigen will, fährt mit DMR, C4FM oder D-STAR schlicht besser – mehr Relais, mehr Betrieb, günstigere Geräte. Wer aber ohnehin einen Multimode-Hotspot betreibt, hat P25 und NXDN faktisch schon bezahlt: zwei Häkchen in Pi-Star, eine ID von radioid.net, fertig. Für NXDN gibt es mit dem ÖVSV-Reflector sogar einen konkreten österreichischen Anlaufpunkt.
Und für den Notfunk bleibt P25 aus einem anderen Grund interessant: Es ist der Standard, den Einsatzorganisationen in vielen Ländern sprechen. Interoperabilität im Ernstfall ist zwar in Österreich wegen TETRA kein realistisches Szenario – das Verständnis der Technik schadet aber nie.
Weiterlesen auf oeradio.at
- Digitalfunk in Österreich – die Serie im Überblick
- Pi-Star-Hotspot einrichten
- D-STAR vs. DMR vs. C4FM vs. M17
- TETRA in Österreich
- UKW-Relaisfunkstellen in Österreich
73 – eure oeradio.at-Redaktion
Transparenzhinweis
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die Inhalte wurden von der oeradio.at-Redaktion geprüft und für die österreichische Amateurfunk-Community aufbereitet. Der Stand der Reflector-Daten bezieht sich auf den 17. August 2026. Fehler oder Ergänzungen bitte an [email protected].





