Inhaltsverzeichnis
- Warum ein Notfunk-Koffer?
- Der Koffer: Gehäuse-Auswahl
- Herzstück: Der Transceiver
- Stromversorgung: Autark und zuverlässig
- Antennen für den Notfunk-Koffer
- Digitale Betriebsarten im Notfunk
- Notfunk-Frequenzen
- Checkliste: Was gehört in den Koffer?
- Wartung und Bereitschaft
- Weiterführende Quellen
- Transparenzhinweis
Wenn bei einem Blackout, Erdbeben oder Unwetter die konventionelle Kommunikation ausfällt, sind Funkamateure oft die letzte Verbindung zur Außenwelt. Ein vorbereiteter Notfunk-Koffer — eine komplett ausgestattete, portable Funkstation in einem robusten Gehäuse — kann in solchen Situationen den Unterschied machen. Dieser Artikel zeigt, wie man einen solchen Koffer plant, baut und einsatzbereit hält.
Warum ein Notfunk-Koffer?
Die Idee ist einfach: Koffer greifen, zum Einsatzort fahren, öffnen, Antenne aufstellen, funken. Kein Suchen nach Kabeln, kein Zusammenstellen von Einzelkomponenten, kein Vergessen wichtiger Teile. Der Notfunk in Österreich lebt von einsatzbereiten Stationen — und ein gut vorbereiteter Koffer ist die Grundlage dafür.
Auch für die Blackout-Vorsorge ist ein Notfunk-Koffer ideal: Er funktioniert unabhängig vom Stromnetz und kann sofort in Betrieb genommen werden.
Einen kompletten Aufbau samt Rundgang durch eine fertige Go-Box zeigt dieses Praxisvideo:
Der Koffer: Gehäuse-Auswahl
Das Gehäuse muss robust, wasserdicht und groß genug sein. Bewährte Optionen:
- Peli/Pelican Cases: Industriestandard. Modelle wie Peli 1450 oder 1500 bieten ausreichend Platz. Stoßfest, wasserdicht (IP67), mit Druckausgleichsventil. Teuer, aber nahezu unzerstörbar.
- Apache-Cases (Harbor Freight): Günstigere Alternative zu Pelican, in den USA sehr beliebt. In Europa schwerer erhältlich.
- Aluminium-Koffer: Leichter als Peli, aber weniger stoßfest. Gut für Fahrzeug-basierte Stationen.
- Munitionskisten: Günstig, robust, wasserdicht. Klassiker im Notfunk-Bereich.
Wichtig: Durchführungen für Antenne, Stromversorgung und eventuell USB nach außen einplanen — am besten mit wasserdichten Steckverbindern (z. B. SO-239 für Antenne, Anderson PowerPole für Strom).
Herzstück: Der Transceiver
Für den Notfunk-Koffer eignen sich kompakte, stromsparende Transceiver:
- Icom IC-705: HF/VHF/UHF, GPS, D-STAR — das Schweizer Taschenmesser für den Notfunk. Wichtig zu wissen: Am eingebauten Akku (BP-272) sendet er nur mit 5 Watt, die vollen 10 Watt gibt es nur mit externer 13,8-V-Stromversorgung. Für den Koffer also unbedingt einen externen Akku einplanen.
- Yaesu FT-891: HF und 6 m, dafür 100 Watt — ideal wenn Reichweite auf Kurzwelle Priorität hat. Achtung: kein eingebauter Antennentuner (optional der externe FC-50).
- Elecraft KX2/KX3: Extrem kompakt, QRP (KX2 bis 12 W, KX3 bis 15 W), hervorragender Empfänger
- Xiegu G90: HF, 20 Watt, eingebauter Tuner, preislich attraktiv
- Zusätzliches VHF/UHF-Handfunkgerät: Ein Quansheng UV-K5 oder Baofeng als Backup für lokale Kommunikation über Relais
Wie kompakt der IC-705 als komplette „Shack-in-a-Box" funktioniert, zeigt dieses Video:
Stromversorgung: Autark und zuverlässig
Im Notfall gibt es keinen Netzstrom. Die Stromversorgung ist daher kritisch:
- LiFePO4-Akku: 12V, 20–40 Ah. Leicht, sicher, langlebig (2000+ Zyklen). Ein 20-Ah-Akku versorgt einen IC-705 bei 10 W Sendeleistung für viele Stunden. Bioenno, EcoWorthy oder PowerQueen sind bewährte Marken.
- Solarpanel: 30–50 Watt faltbar, mit Laderegler. Ermöglicht unbegrenzten autarken Betrieb bei Tageslicht — besonders wichtig bei mehrtägigen Einsätzen.
- Anderson PowerPole: Standardisierte Steckverbinder für 12-V-Gleichstrom. ARES/RACES-Standard in den USA, auch in Europa zunehmend verbreitet.
- Spannungsanzeige: Ein kleines Voltmeter am Koffer zeigt den Ladezustand des Akkus.
Wie man Akku, Verteilung und Geräte im Koffer sauber verkabelt, führt dieses Video Schritt für Schritt vor:
Antennen für den Notfunk-Koffer
Die Antenne macht den Unterschied zwischen „Funkstille" und „Verbindung steht". Für den Koffer eignen sich:
- EFHW (End-Fed Half-Wave): Drahtantenne für Kurzwelle, leicht und schnell aufzuspannen. Mit Wurfschnur in einen Baum hängen — ideal für den Notfunk im Wald oder Park.
- Teleskop-Vertikalantenne: Kompakt, schnell aufgebaut, funktioniert auch ohne Bäume. Mit Radialnetz am Boden.
- Drahtdipol: Klassiker, flexibel einsetzbar. 2 × 10 m Draht ergeben einen Halbwellendipol für das 40-m-Band (für das 20-m-Band entsprechend ca. 2 × 5 m).
- VHF/UHF-Rundstrahler: Für Relaisfunk und APRS — eine J-Pole oder Slim-Jim, am Mast befestigt.
- Teleskopmast: 6–10 m Fiberglas, in Segmenten zusammenschiebbar. Leicht und stabil genug für Drahtantennen.
Wie schnell eine End-Fed-Drahtantenne im Feld aufgebaut und abgestimmt ist, zeigt dieses Video:
Digitale Betriebsarten im Notfunk
Für den Datenaustausch in Notsituationen sind digitale Modi unverzichtbar:
- Winlink: E-Mail über Funk — die wichtigste digitale Notfunk-Anwendung. Mit einem Digirig Mobile oder dem eingebauten USB-Port des IC-705 direkt vom Laptop oder Tablet.
- JS8Call: Tastatur-zu-Tastatur-Messaging über Kurzwelle — ideal für kurze Lagemeldungen.
- APRS: Positionsmeldungen und Kurznachrichten über VHF — für Lagebilder und Koordination.
Wie eine E-Mail über Kurzwelle per Winlink verschickt wird, demonstriert dieses Video praxisnah:
In Österreich stehen dafür mehrere Winlink-RMS-Gateways bereit — u. a. OE9XRK-10 (Feldkirch), OE5XFR-10 (Frankenmarkt), OE1XIK-10 (Wien) und OE3XNR-10 (Waldviertel) auf VHF/UHF-Packet sowie das HF-Gateway OE3XEC (Pactor).
Notfunk-Frequenzen
Eine laminierte Frequenzliste gehört in jeden Koffer. Die wichtigsten Anhaltspunkte:
IARU-Region-1-Notfunk-Aktivitätszentren (Centres of Activity, jeweils ±20 kHz — hier hört man im Ernstfall zuerst rein):
- 3760 kHz (80 m) und 7110 kHz (40 m) — Region-1-Notfunkzentren
- 14300 kHz (20 m), 18160 kHz (17 m), 21360 kHz (15 m) — weltweite Notfunkzentren
D-A-CH- bzw. ÖVSV-Notfunkfrequenzen (siehe ÖVSV-Wiki): 1873 kHz, 3643 kHz, 7085 kHz (LSB), 10138 kHz (USB, nur im Notfall), 14180 kHz (USB); VHF/UHF-Anruf 145,500 MHz und 433,500 / 434,000 MHz FM. Die verbindliche, aktuelle Liste immer im ÖVSV-Wiki „Notfunk Frequenzen" prüfen.
Checkliste: Was gehört in den Koffer?
- Transceiver (HF und/oder VHF/UHF)
- LiFePO4-Akku mit Ladekabel
- Antenne(n) mit Koaxkabel und Steckern
- Antennentuner (falls nicht im TRX eingebaut)
- Kopfhörer und Mikrofon/Headset
- Logbuch (Papier!) und Stifte
- Digitalinterface (Digirig oder ähnlich) + USB-Kabel
- Laptop/Tablet mit vorinstallierter Software (WSJT-X, JS8Call, Winlink Express)
- Solarpanel (faltbar) + Laderegler
- Ersatzsicherungen, Adapter, Kabelbinder
- Wurfschnur und Gewicht für Baumantenne
- Teleskopmast
- Frequenzliste mit Notfunk-Frequenzen (laminiert)
- PMR-Funkgerät für Nahbereich (lizenzfrei, für Helfer ohne Lizenz)
Wartung und Bereitschaft
Ein Notfunk-Koffer ist nur so gut wie sein letzter Test. Empfohlene Routine:
- Monatlich: Akku laden und Spannung prüfen. LiFePO4-Akkus bei 50–60 % Ladung lagern.
- Vierteljährlich: Kompletten Aufbau durchspielen — vom Koffer öffnen bis zum ersten QSO. Zeit stoppen!
- Jährlich: Alle Kabel und Stecker auf Korrosion prüfen. Software aktualisieren. Frequenzlisten abgleichen.
- Nach jedem Einsatz/Test: Akku laden, verbrauchte Teile ersetzen, Erfahrungen dokumentieren.
Ein Notfunk-Koffer ist kein Projekt, das man einmal baut und vergisst. Er ist ein lebendes System, das regelmäßig gewartet und getestet werden muss — damit er im Ernstfall funktioniert, wenn es darauf ankommt.
Weiterführende Quellen
- ÖVSV – Notfunk: offizielle Informationen zum Not- und Katastrophenfunk in Österreich (Notfunk-Referat, Netz A.R.E.N.A.)
- ÖVSV – Notfunk-Konzept (PDF): offizielles Konzept für den Not- und Katastrophenfunk in Österreich
- ÖVSV-Wiki – Notfunk-Frequenzen und WINLINK in Österreich (RMS-Gateways)
- IARU Region 1 – Emergency Communications Frequencies
- DARC-Notfunk-Handbuch: umfangreiches Handbuch mit Technik, Betrieb und Beispiel-Packlisten
- DARC – Funkkoffer: konkrete Aufbau-Beispiele mit Stücklisten
73 – eure oeradio.at-Redaktion
Transparenzhinweis
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die Redaktion hat alle Inhalte überprüft und redaktionell bearbeitet. Trotz sorgfältiger Prüfung können vereinzelt Ungenauigkeiten enthalten sein — wir freuen uns über Hinweise per E-Mail an [email protected].





