Inhaltsverzeichnis
- Die Röhrenära – Pioniere aus Glas und Metall (1950er–1970er)
- Collins KWM-2 (1959) – der Cadillac des Amateurfunks
- Die Collins S-Line (32S/75S) – das Traumgespann
- Drake TR-4 Serie (1964–1978) – der Contestkönig
- Heathkit HW-101 (1970) – die Elektronikschule im Bausatz
- Die Halbleiterrevolution – der Umbruch (1970er–1990er)
- Yaesu FT-101 – die Ikone mit orangefarbenem Display
- Kenwood TS-520/TS-530 – der erschwingliche Einstieg in KW
- Icom IC-735 – der kompakte Alleskönner
- Kenwood TS-440S – das Arbeitspferd
- Der IC-706 – das Gerät, das alles veränderte
- Moderne Legenden – SDR und die digitale Revolution
- Elecraft K2 und K3 – der Geist von Heathkit lebt weiter
- Icom IC-7300 (2016) – die SDR-Revolution für alle
- Icom IC-705 (2020) – der neue Portabelstandard
- Yaesu FT-818ND – die QRP-Legende
- Flex Radio 6000 Serie – die Zukunft ist Software
- Was macht ein Gerät zur Legende?
- Vintage-Funkgeräte sammeln – Tipps für Einsteiger
- Österreichische Perspektive
- Blick in die Zukunft
- Transparenzhinweis
Manche Amateurfunkgeräte sind mehr als bloße Technik – sie sind Meilensteine, die den Amateurfunk grundlegend verändert haben. Von den glühenden Röhren der Nachkriegszeit bis zu den Software Defined Radios unserer Tage: Bestimmte Transceiver haben Generationen von Funkamateuren geprägt, neue Betriebsarten ermöglicht und sich einen festen Platz in der Geschichte unseres Hobbys gesichert. Dieser Artikel blickt auf die Geräte zurück, die wirklich Geschichte geschrieben haben – und erklärt, warum sie bis heute unvergessen sind.
Die Röhrenära – Pioniere aus Glas und Metall (1950er–1970er)
In den Anfangsjahren des modernen Amateurfunks waren Röhrengeräte das Maß aller Dinge. Wer sich damals auf Kurzwelle wagte, brauchte nicht nur eine Lizenz, sondern auch ein gutes Verständnis für Hochfrequenztechnik – und oft ein großzügiges Budget. Einige Geräte aus dieser Epoche haben sich jedoch so sehr bewährt, dass sie bis heute verehrt werden.
Collins KWM-2 (1959) – der Cadillac des Amateurfunks
Wenn es ein einzelnes Gerät gibt, das den Begriff „legendär" im Amateurfunk definiert, dann ist es der Collins KWM-2. Als erster kompakter SSB-Transceiver für Kurzwelle vereinte er Sender und Empfänger in einem einzigen Gehäuse – ein Konzept, das heute selbstverständlich ist, damals aber revolutionär war. Die mechanischen Filter von Collins setzten Maßstäbe für Trennschärfe und Signalqualität, die jahrzehntelang unerreicht blieben. Die Verarbeitungsqualität war so hoch, dass der KWM-2 auch vom US-Militär und professionellen Funkdiensten eingesetzt wurde. Bis heute erzielen gut erhaltene Exemplare auf dem Gebrauchtmarkt Preise von über 2.000 Euro.
Die Collins S-Line (32S/75S) – das Traumgespann
Wer noch mehr Collins-Qualität wollte, griff zur legendären S-Line: dem Sender 32S und dem Empfänger 75S. Diese Kombination aus separatem Sender und Empfänger bot eine Flexibilität und Signalqualität, die viele Funkamateure bis heute als unerreicht bezeichnen. Die S-Line war das Nonplusultra für DX-Jäger und Contester der 1960er und 1970er Jahre.
Drake TR-4 Serie (1964–1978) – der Contestkönig
Die Drake TR-4 Serie aus Ohio war die amerikanische Antwort auf Collins – etwas günstiger, aber mit einem hervorragenden Empfänger, der bei Contestern äußerst beliebt war. Die TR-4C, die letzte Version der Serie, wurde bis 1978 produziert und gilt als einer der besten Röhrentransceiver, die je gebaut wurden. Drakes Passband-Tuning war seiner Zeit weit voraus und wurde später von vielen Herstellern übernommen.
Heathkit HW-101 (1970) – die Elektronikschule im Bausatz
Der Heathkit HW-101 war mehr als ein Transceiver – er war eine Ausbildung in Hochfrequenztechnik. Als Bausatz konzipiert, lehrte er eine ganze Generation von Funkamateuren das Löten, Messen und Verstehen analoger Schaltungen. Wer einen HW-101 erfolgreich aufgebaut hatte, verstand seine Technik in- und auswendig. Das Gerät bot solide Leistung auf allen KW-Bändern und war dabei deutlich erschwinglicher als die Produkte von Collins oder Drake. Viele österreichische Funkamateure haben ihre ersten QSOs auf einem Heathkit gemacht – und erinnern sich noch heute gern an das Gefühl, den Transceiver zum ersten Mal einzuschalten, den sie selbst gebaut hatten.
Die Halbleiterrevolution – der Umbruch (1970er–1990er)
Mit dem Aufkommen leistungsfähiger Transistoren begann in den 1970er Jahren ein fundamentaler Wandel. Röhren verschwanden zunächst aus den Vorstufen, dann aus den Mischern – nur in der Endstufe hielten sie sich noch lange. Die japanischen Hersteller Kenwood, Yaesu und Icom übernahmen in dieser Ära die Marktführerschaft von den amerikanischen Pionieren.
Yaesu FT-101 – die Ikone mit orangefarbenem Display
Der Yaesu FT-101 war eines der ersten japanischen Geräte, das weltweit Anerkennung fand. Sein Hybriddesign mit Transistoren in den Vorstufen und Röhren in der Endstufe kombinierte das Beste beider Welten. Das charakteristische orange hinterleuchtete Display machte ihn sofort erkennbar. Der FT-101 bewies, dass japanische Hersteller Geräte von Weltklasse bauen konnten – und das zu einem Bruchteil des Collins-Preises.
Kenwood TS-520/TS-530 – der erschwingliche Einstieg in KW
Die Kenwood TS-520 und ihre Nachfolgerin TS-530 waren Hybridgeräte, die vielen Funkamateuren den erschwinglichen Einstieg in den Kurzwellenbetrieb ermöglichten. Mit Röhren in der Endstufe und Halbleitern im Rest des Geräts boten sie eine ausgezeichnete Balance aus Leistung und Preis. In Österreich waren diese Geräte besonders beliebt und brachten zahllose OMs auf die Bänder, die sich ein Collins-Gerät nie hätten leisten können.
Icom IC-735 – der kompakte Alleskönner
Der Icom IC-735 aus dem Jahr 1985 markierte einen Wendepunkt: Er war einer der ersten wirklich kompakten und vollständig halbleiterbestückten KW-Transceiver. Keine Röhren mehr, kein Aufwärmen, sofort betriebsbereit. Mit Allband-Empfänger und 100 Watt Sendeleistung setzte er den Standard für eine neue Generation kompakter Stationsgeräte.
Kenwood TS-440S – das Arbeitspferd
Der Kenwood TS-440S verdient seinen Platz in dieser Liste als eines der zuverlässigsten und vielseitigsten Geräte der 1980er Jahre. Sein durchstimmbarer Empfänger mit hervorragender Großsignalfestigkeit machte ihn zum Favoriten für Kurzwellenhörer und aktive Funkamateure gleichermaßen. Viele TS-440S sind nach über 35 Jahren immer noch im täglichen Einsatz – ein Zeugnis für die Qualität dieses Geräts.
Der IC-706 – das Gerät, das alles veränderte
Der Icom IC-706 verdient ein eigenes Kapitel, denn kein anderes Gerät hat den Amateurfunk so grundlegend verändert wie dieses kleine Wunderwerk aus dem Jahr 1995. Erstmals war es möglich, einen vollwertigen KW- und VHF-Transceiver in einem Gehäuse zu haben, das kaum größer als ein Autoradio war. Mit der späteren Version IC-706MKIIG kam auch UHF (70 cm) hinzu.
Der IC-706 revolutionierte den Portabelbetrieb, den Mobilbetrieb und sogar den Festbetrieb. Plötzlich brauchte man kein separates 2-Meter-Gerät mehr. Man konnte von KW auf VHF umschalten, ohne das Gerät zu wechseln. Für QRP-Enthusiasten und Portabelfunker war das ein Gamechanger. Auch für Remote-Shack-Betrieb war der IC-706 dank seiner kompakten Bauform ein beliebter Kandidat. Tausende IC-706 sind bis heute auf Berggipfeln und in Autos weltweit im Einsatz.
Moderne Legenden – SDR und die digitale Revolution
Mit dem neuen Jahrtausend begann die Ära der Software Defined Radios. Zunächst als exotische Nischenprodukte belächelt, haben SDR-basierte Transceiver den Markt inzwischen grundlegend umgestaltet.
Elecraft K2 und K3 – der Geist von Heathkit lebt weiter
Die Elecraft K2 (2000) und K3 (2008) haben bewiesen, dass das Bausatzkonzept im 21. Jahrhundert nicht nur überlebt, sondern floriert. Die K3 ist ein Hochleistungstransceiver, der in internationalen Contests regelmäßig Spitzenplätze belegt. Ihr Empfänger gehört zu den besten, die je in einem kommerziellen Amateurfunkgerät verbaut wurden. Elecraft hat den Geist von Heathkit in die Moderne übertragen – mit einem Gerät, das man selbst aufbaut und das dennoch mit den teuersten Fertiggeräten mithalten kann.
Icom IC-7300 (2016) – die SDR-Revolution für alle
Wenn der Collins KWM-2 der Cadillac des Amateurfunks war, dann ist der Icom IC-7300 der Tesla – das Gerät, das eine neue Technologie aus der Nische in den Mainstream gebracht hat. Als erster erschwinglicher Transceiver mit Direct-Sampling-SDR-Architektur und Echtzeit-Wasserfallanzeige hat der IC-7300 den Markt ab 2016 im Sturm erobert. Plötzlich konnte jeder Funkamateur auf einen Blick sehen, wo auf dem Band Aktivität herrschte.
Der IC-7300 ist derzeit das meistverkaufte KW-Gerät in Österreich und weltweit. Sein Preis-Leistungs-Verhältnis ist nach wie vor kaum zu schlagen. Für Einsteiger, die sich für die Technik hinter SDR-Empfängern interessieren, bietet der IC-7300 einen perfekten Einstieg in die Welt des softwaredefinierten Funks – ohne die Komplexität eines reinen SDR-Systems. Einen umfassenden Vergleich verschiedener SDR-Empfänger findet ihr in unserem SDR-Empfänger Vergleich.
Icom IC-705 (2020) – der neue Portabelstandard
Der IC-705 hat 2020 eine neue Kategorie definiert: den vollwertigen SDR-Transceiver für unterwegs. Mit KW, VHF und UHF, eingebautem Akku, Touchscreen, GPS, D-STAR und Bluetooth vereint er praktisch alles, was ein Funkamateur im Rucksack braucht. Für SOTA- und POTA-Aktivierer in den österreichischen Alpen ist der IC-705 zum Standardgerät geworden. Seine 10 Watt Sendeleistung reichen mit einer guten Antenne für weltweite Verbindungen – das ist die Faszination von QRP-Betrieb in Reinform.
Yaesu FT-818ND – die QRP-Legende
Der Yaesu FT-818ND (2018) ist die aktualisierte Version des legendären FT-817, der seit dem Jahr 2000 der unangefochtene König des QRP-Portabelbetriebs war. Mit maximal 6 Watt auf KW, VHF und UHF, robuster Bauweise und bescheidenem Stromverbrauch hat der FT-817/818 mehr Funkamateure auf Berggipfel gebracht als jedes andere Gerät. Er ist ein Beweis dafür, dass manchmal weniger mehr ist.
Flex Radio 6000 Serie – die Zukunft ist Software
Die Flex Radio 6000 Serie geht einen radikal anderen Weg: Hier gibt es keine Frontplatte mit Knöpfen und Reglern. Alles wird über Software am Computer gesteuert. Das mag für Traditionalisten befremdlich wirken, aber Flex Radio hat damit den Remote-Betrieb auf eine neue Stufe gehoben. Ein Flex-Radio lässt sich von jedem Ort der Welt über das Internet steuern – mit einer Latenz, die kaum spürbar ist. Für Funkamateure, die aus der Stadt heraus eine Antenne am Land betreiben wollen, ist das die ideale Lösung.
Was macht ein Gerät zur Legende?
Nicht jedes erfolgreiche Funkgerät wird zur Legende. Was unterscheidet die hier vorgestellten Geräte von den hunderten anderen Modellen, die im Laufe der Jahrzehnte auf den Markt kamen? Einige gemeinsame Merkmale lassen sich identifizieren:
- Innovation: Jedes dieser Geräte hat etwas Neues eingeführt – sei es der erste kompakte SSB-Transceiver (KWM-2), das erste Allband-Mobilgerät (IC-706) oder das erste erschwingliche Direct-Sampling-SDR (IC-7300).
- Timing: Diese Geräte erschienen genau dann, wenn die Technik reif und der Markt bereit war. Der IC-7300 hätte fünf Jahre früher nicht funktioniert – die ADC-Technik war noch nicht so weit.
- Zuverlässigkeit: Legenden halten. Viele Collins KWM-2 und Drake TR-4 sind nach über 50 Jahren noch im Einsatz. Das spricht für eine Bauqualität, die ihresgleichen sucht.
- Community: Um jedes dieser Geräte hat sich eine treue Fangemeinde gebildet, die Erfahrungen austauscht, Modifikationen entwickelt und die Geräte am Leben hält.
- Emotionale Bindung: Wer seinen ersten DX-Kontakt auf einem bestimmten Gerät gemacht hat, vergisst das nie. Legendäre Geräte sind mit Erinnerungen verknüpft, die über die reine Technik hinausgehen.
Vintage-Funkgeräte sammeln – Tipps für Einsteiger
Das Sammeln und Restaurieren alter Amateurfunkgeräte ist ein faszinierendes Hobby im Hobby. Wer sich dafür interessiert, sollte einige Punkte beachten:
- Zustand prüfen: Röhrengeräte können nach Jahrzehnten der Lagerung Probleme mit ausgetrockneten Elektrolytkondensatoren haben. Eine Revision der Netzteile ist oft der erste notwendige Schritt.
- Dokumentation suchen: Originalhandbücher und Schaltpläne sind Gold wert. Für die meisten hier genannten Geräte sind sie online verfügbar.
- Ersatzteile sichern: Bestimmte Bauteile wie mechanische Collins-Filter oder spezielle Röhren werden immer seltener und teurer. Wer ein Gerät langfristig betreiben will, sollte Ersatzteile auf Vorrat kaufen.
- Gemeinschaft nutzen: Für praktisch jedes legendäre Gerät gibt es Online-Foren, Mailing-Listen und lokale Gruppen. Die Collins Collectors Association, die Drake-Enthusiasten und die Heathkit-Community sind nur einige Beispiele.
- Geduld haben: Gute Exemplare tauchen immer wieder auf Flohmärkten, bei OV-Treffen und in Online-Kleinanzeigen auf. Wer geduldig wartet, findet oft Schnäppchen.
- Vorsicht bei eBay-Käufen: Der Versand schwerer Röhrengeräte birgt Risiken. Lokale Abholung ist immer vorzuziehen.
Österreichische Perspektive
In Österreich spiegelt sich die weltweite Entwicklung mit einigen Besonderheiten wider. In den 1960er und 1970er Jahren waren Collins- und Drake-Geräte bei den gut betuchten OMs beliebt, während viele Einsteiger mit Heathkit-Bausätzen oder selbstgebauten Sendern begannen. Heathkit-Clubs waren in mehreren Landeshauptorten aktiv und förderten den Nachwuchs.
Mit dem Aufkommen der japanischen Hersteller in den 1970er Jahren verschob sich der Markt deutlich. Kenwood, Yaesu und Icom boten hervorragende Geräte zu Preisen, die auch für den durchschnittlichen Funkamateur erschwinglich waren. Heute ist der IC-7300 das mit Abstand meistverkaufte KW-Gerät in Österreich, und der IC-705 hat sich als Standardgerät für SOTA-Aktivierungen in den Alpen etabliert. Wer mehr über die Geschichte des Amateurfunks in Österreich erfahren möchte, findet in unserem Archiv einen ausführlichen Beitrag dazu.
Blick in die Zukunft
Welche Geräte werden die Legenden von morgen sein? Die Trends deuten auf eine Fortsetzung der SDR-Revolution hin: noch breitbandigere Empfänger, noch bessere Signalverarbeitung, noch nahtlosere Integration von digitalen Betriebsarten. Gleichzeitig gibt es eine Gegenbewegung – Funkamateure, die bewusst auf einfache Technik setzen und mit minimaler Ausrüstung maximale Ergebnisse erzielen wollen. Geräte wie die HackRF-basierten Portables oder einfache QRP-Bausätze zeigen, dass der Bastlergeist von Heathkit weiterlebt.
Eines ist sicher: Die nächste Legende wartet schon in einem Entwicklungslabor darauf, den Amateurfunk erneut zu verändern. Vielleicht wird es ein KI-gestützter Transceiver sein, der Signale aus dem Rauschen zieht, die kein menschliches Ohr mehr wahrnehmen kann. Vielleicht wird es ein Gerät sein, das Amateurfunk und Internet so nahtlos verbindet, dass die Grenzen zwischen beiden verschwimmen. Was auch immer es sein wird – die hier beschriebenen Geräte haben den Weg dafür bereitet.
Welches Gerät ist euer persönlicher Favorit? Habt ihr noch einen Collins KWM-2 im Shack stehen oder seid ihr mit dem IC-705 auf den Bergen unterwegs? Teilt eure Geschichten mit der Community – denn jedes legendäre Gerät hat auch eine persönliche Geschichte zu erzählen. Wer sich generell für den Amateurfunk als Hobby interessiert, findet bei uns viele weitere Beiträge rund um Technik, Betrieb und Gemeinschaft.
73 – eure oeradio.at-Redaktion
Transparenzhinweis
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die Redaktion hat alle Inhalte überprüft und redaktionell bearbeitet. Trotz sorgfältiger Prüfung können vereinzelt Ungenauigkeiten enthalten sein — wir freuen uns über Hinweise per E-Mail an [email protected].





