Eine Störsender-Satire von Hansl Hohlleiter
Es gibt Funkamateure, die teilen ihr Wissen. Und es gibt Wilfried Wasserzeichen, OE0WWZ, der lizenziert es. Der Unterschied ist ihm heilig, und er verteidigt ihn mit einer Inbrunst, die man sich für ein tatsächliches Werk gewünscht hätte.
Wilfried hat eine Homepage. Auf dieser Homepage stehen Dinge, die es überall gibt: eine Relaisliste, ein paar Sprechgruppen-Nummern, eine CTCSS-Tabelle, wie sie in jedem Datenblatt der Welt abgedruckt ist, und die Erkenntnis, dass 88,5 Hertz eben 88,5 Hertz sind. Nichts davon hat Wilfried erfunden. Die Frequenzen hat die Physik verlegt, die Talkgroups ein Gremium beschlossen, die Töne eine Norm aus den Siebzigern festgelegt. Wilfried hat sie abgetippt. Und beim Abtippen, das ist der entscheidende Moment, ist über ihn etwas gekommen: das Gefühl, Urheber zu sein.
Seither steht unter jeder Seite ein Satz, den Wilfried selbst als sein eigentliches Lebenswerk betrachtet: „Sämtliche Inhalte dieser Seite sind urheberrechtlich geschützt. Das Kopieren, auch auszugsweise, ist ausdrücklich nicht gestattet." Man stelle sich das vor. Auszugsweise. Wer also die Zahl 232 von Wilfrieds Seite abschreibt, um zu wissen, welche Talkgroup Österreich ist, begeht in Wilfrieds Weltbild einen Rechtsbruch. Die Zahl 232. Die auf jedem zweiten Umsetzer im Land in der Luft liegt, kostenlos, für jeden hörbar, seit Jahren.
Das Schöne am Copyright-Kavalier ist ja, dass er sich für einen Gralshüter hält, während er in Wahrheit einen Zaun um eine Wiese baut, die allen gehört. Amateurfunk — man muss das leider so deutlich sagen — ist die eine große Kulturtechnik, die komplett auf dem Gegenteil von Wilfried beruht. Wir sind das Hobby des offenen Selbstbaus, der geteilten Schaltpläne, des „nimm meine Antennenberechnung und mach sie besser". Ganze Betriebsarten sind entstanden, weil jemand seinen Quellcode hergegeben hat. Und mittendrin steht Wilfried und klebt ein Wasserzeichen auf eine Frequenzliste.
Das Wasserzeichen übrigens ist Wilfrieds Stolz. Ein zartes, halbtransparentes „© OE0WWZ", quer über die Tabelle gelegt, damit ja niemand auf die Idee kommt, die Regeltöne der Zivilisation ohne seinen Segen zu verwenden. Dass das Wasserzeichen die Tabelle streckenweise unlesbar macht, ficht ihn nicht an. Lieber unlesbar und geschützt als lesbar und frei. Das ist, wenn man so will, seine ganze Philosophie in einem Bild.
Wilfried hat aber nicht nur eine Homepage — Wilfried hat auch Gruppen. Für jedes Thema eine eigene: eine für DMR, eine für D-STAR, eine für Fusion, säuberlich getrennt, denn ein Wort über den falschen Modus in der falschen Gruppe, und Wilfried greift persönlich ein. Off-topic, das ist bei Wilfried keine Nachlässigkeit, das ist eine Straftat. Man ahnt: In Wilfrieds idealer Welt hätte jeder Satz seine eigene Gruppe, damit ja nichts durcheinanderkommt.
Und Hilfe? Die gibt es bei Wilfried nur an einem einzigen Ort: in der Gruppe. Eine E-Mail schreiben — zwecklos, die beantwortet er nicht. Anrufen — kommt gar nicht in Frage. „Steht alles in der Gruppe", sagt Wilfried, und meint damit jene Gruppe, in der man nichts fragen darf, was nicht exakt zum Thema passt. Der Einsteiger, der nicht weiß, in welche der sieben Gruppen seine Frage überhaupt gehört, hat schon verloren: In der falschen ist sie off-topic, in der richtigen war er noch nie — weil er ja gar nicht wusste, dass es sie gibt. So schließt sich der Kreis, und Wilfried behält wieder recht: Richtig gefragt hat ja keiner.
Womit wir bei Wilfrieds zweitliebster Disziplin wären — dem Anfangen. Wilfried fängt gern etwas Großes an: ein neues Projekt, eine neue Liste, eine neue Gruppe, feierlich angekündigt. Dann kommt, verlässlich wie das Amen im Gebet, die Phase des öffentlichen Quengelns: keiner helfe mit, alle seien nur Konsumenten, undankbar sei die Welt. Und dann, ebenso verlässlich, hört Wilfried wieder auf — bis zum nächsten großen Anfang. Man könnte die Uhr danach stellen, hätte Wilfried nicht vorsorglich darauf hingewiesen, dass die Uhrzeit selbstverständlich urheberrechtlich geschützt ist.
Fragt man Wilfried, warum er das tut, bekommt man eine überraschend ehrliche Antwort. Es geht ihm nicht ums Geld — er verkauft ja nichts. Es geht ihm um Anerkennung. Um das Gefühl, dass die Dinge, die durch seine Hände gegangen sind, dadurch ein bisschen ihm gehören. Und da wird es dann, für einen kurzen Moment, fast rührend. Denn im Grunde will Wilfried nur dasselbe wie wir alle: dass seine Arbeit gesehen wird. Er hat nur, tragischerweise, die Arbeit mit dem Besitz verwechselt.
Dabei wäre der Weg zur Anerkennung so einfach. Man teilt eine gute Relaisliste, hält sie aktuell, hilft ein paar Einsteigern — und schon steht der Name unter etwas Nützlichem, ganz ohne Wasserzeichen. Anerkennung im Amateurfunk verdient man nicht mit einem Kopierverbot, sondern mit einem Kopiergrund. Die Leute verlinken nicht, was verboten ist. Sie verlinken, was hilft.
Aber das ist eine Erkenntnis, die man Wilfried nicht schreiben kann. Nicht, weil er sie nicht verstünde — sondern weil er die Nachricht sonst ausdruckt, mit Wasserzeichen versieht und als sein geistiges Eigentum an die Wand hängt.
Also lassen wir ihm seine 232. Er darf sie behalten, einrahmen, mit Wasserzeichen versehen und Tag und Nacht bewachen. Wir anderen sagen sie einfach weiter — laut, frei und für jeden, so wie sich das im Amateurfunk gehört.
Und da liegt Wilfrieds ganze, stille Pointe: Das Einzige, was ihm am Ende wirklich gehört, ist das Kopierverbot selbst. Die Frequenzen gehören der Physik, die Talkgroups dem Netz, das Wissen gehört uns allen — nur das Verbot, das gehört ganz allein ihm. Und das, lieber Wilfried, will nun wirklich niemand abschreiben.
Und falls du das hier kopieren möchtest, auch auszugsweise: nur zu. Ist von Herzen gern geteilt — Wasserzeichen inklusive, es steht „für alle" drauf.
Hansls Fazit: Das Schöne am Amateurfunk ist, dass ihn niemand besitzt. Ein Ruf ins Band, und ein Fremder antwortet — nicht weil er muss, sondern weil er will. Genau das begreift der Copyright-Kavalier nie: dass geteiltes Wissen nichts verliert, sondern wächst. Wilfried bewacht einen Zaun, wir anderen bauen Antennen. Und die traurigste Zeile steht nicht in seinem Kleingedruckten, sondern zwischen den Zeilen — dass er die einzige Freude, die dieses Hobby schenkt, nie erleben wird: kopiert zu werden, weil man geholfen hat. Also, Wilfried: mach die Gruppe auf, wirf den Stempel weg, sag die 232 einfach laut. Wir hören dir zu. Ehrenwort — ganz ohne Formular.
Alle Personen, Rufzeichen und Wasserzeichen in diesem Beitrag sind frei erfunden. OE0WWZ ist ein Nicht-Rufzeichen und steht für niemand Bestimmten. Ähnlichkeiten mit lebenden Funkamateuren sind rein zufällig, sofern sich niemand angesprochen fühlt — und beabsichtigt, sofern doch. Für spontane Selbsterkenntnis übernimmt der Autor keine Haftung, auch nicht auszugsweise.
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Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Verwendete Illustrationen wurden, sofern nicht anders gekennzeichnet, mit KI (ChatGPT/DALL·E, OpenAI) erstellt. Die redaktionelle Verantwortung und inhaltliche Prüfung liegt bei der oeradio.at-Redaktion. Feedback — gern auch ohne Wasserzeichen — an [email protected].





