Gustl Großsignal im Shack – Satire

Gustl Großsignal schlägt zurück — Oder: Wie Hansl Post bekam und trotzdem weiterschrieb

SATIREDies ist ein satirischer Beitrag aus der Rubrik Störsender. Ähnlichkeiten mit realen Personen, Frequenzen oder Vorschriften sind rein zufällig – oder absichtlich übertrieben.

Nach dem Artikel „Gustl Großsignal sucht sich selbst — und findet nichts“ war es eigentlich nur eine Frage der Zeit. Drei Tage, um genau zu sein. Dann kam die WhatsApp-Nachricht. Und dann noch eine. Und noch eine. Euer Hansl berichtet — und ja, er hat Notizen.


Mittwoch, 22:47 Uhr: Gustl hat Internet

Die erste Nachricht kam um 22:47. Natürlich per WhatsApp. Gustl kommuniziert ausschließlich per WhatsApp. E-Mail ist für ihn etwas, das man bei der Lizenzprüfung als Antwortmöglichkeit ankreuzt, aber im echten Leben nicht verwendet.

„Hansl!!! Hast du das gelesen?? Auf oeradio.at steht ein Artikel über mich!!! Ich such mich selber und find nix!! Das bin ICH!!! 😂😂😂“

Drei Ausrufezeichen. Zwei Emojis. Null Selbstreflexion. Klassischer Gustl.

Es folgten in den nächsten elf Minuten: sieben weitere Nachrichten, zwei Screenshots, ein Foto von seinem Bildschirm (weil Screenshots zu kompliziert sind — manchmal macht Gustl ein Foto vom Bildschirm. Mit Blitz.), und ein Sprachmemo, in dem er den ganzen Artikel vorliest. Laut. Mit Kommentaren. „Hi hi, das stimmt ja gar nicht! Naja, ein bisserl vielleicht.“

Donnerstag, 07:14 Uhr: Gustl hat nachgedacht

„Aber sag mal Hansl, woher weiß der das alles? Kennt der mich? Bist DU das??“

Ich habe nicht geantwortet. Weil man bei Gustl nicht antworten muss. Gustl antwortet sich selbst. Es dauert nur ein paar Stunden.

„Egal wer das ist, der Artikel ist lustig. Aber das mit dem QRZ stimmt nicht. Ich HAB ein QRZ-Profil. Da steht mein Rufzeichen. Und mein Name. Und sonst nix, aber das zählt ja auch!“

Ja, Gustl. Das zählt. So wie Platz 47 von 52 zählt. Alles zählt, wenn man Gustl ist.

Donnerstag, 19:30 Uhr: Gustl will mehr

„Du Hansl, ich hab mir jetzt die ganzen Störsender-Artikel durchgelesen. Der Rudi! Der ist ja noch schlimmer als ich! 😂 Gibt’s eigentlich noch mehr über mich?“

Und da wurde es interessant. Denn ja, Gustl — es gibt mehr über dich. Ich hab nämlich Notizen. Ich hab schon lange Notizen. Seit dem Tag, an dem du kurz nach der Prüfung gefragt hast, warum dein Relais nicht aufgeht. Seit dem Tag hab ich mitgeschrieben.

Und weil Gustl gefragt hat — und weil Gustl immer alles bekommt, was er sich wünscht (meistens indem er so lange WhatsApp-Nachrichten schickt, bis der andere aufgibt) — hier also: Die gesammelten Feldnotizen des Hansl Hohlleiter über das Phänomen Gustl Großsignal.


Feldnotiz 1: Die Lizenz

Gustl hat vor nicht allzu langer Zeit die Amateurfunkprüfung bestanden. CEPT Klasse 1, wohlgemerkt. Nicht die kleine. Die große. Die, bei der man theoretisch wissen sollte, was ein CTCSS-Ton ist. Theoretisch.

Denn Gustl hat — und das ist dokumentiert — drei Monate nach der Prüfung gefragt, wie man beim Handfunkgerät den Empfangs-CTCSS einstellt. Der Mann hat eine Klasse-1-Lizenz. Er hat in der Prüfung vermutlich die richtige Antwort angekreuzt. Und dann sofort wieder vergessen. Wie ein Goldfisch mit Amateurfunkrufzeichen.

Aber gut, kann passieren. Anfänger halt. Jeder fängt mal an. Das Problem ist nur: Gustl fängt jeden Tag neu an.

Feldnotiz 2: Der Steckdosenfunker

Wer neu im Amateurfunk ist, kauft sich einen Baofeng, eine Teleskopantenne und sammelt erste Erfahrungen. Wer Gustl Großsignal ist, kauft sich das aktuelle Flaggschiff eines namhaften Herstellers. Listenpreis: irgendwo zwischen „gebrauchter Kleinwagen“ und „Anzahlung für eine Eigentumswohnung“. Dazu ein Portabelgerät, zwei Handfunkgeräte, einen DMR-Hotspot, eine Vertikalantenne, eine Yagi und vermutlich noch drei Antennen, die er im Keller vergessen hat.

Das Equipment ist da. Das Verständnis nicht. Gustl ist das, was man in Fachkreisen einen Steckdosenfunker nennt: Er steckt alles ein, schaltet alles an, und wenn es nicht funktioniert, schreibt er eine WhatsApp-Nachricht. Vorzugsweise an den einen OM im Ort, der den Fehler macht, freundlich zu antworten.

„Sag mal, mit welcher Software konfigurierst du den Portablen?“ — Die Standard-Software vom Hersteller, Gustl. Die, die auf der Website steht. Die einzige, die es gibt.

„Ah okay, danke!“

Bis zur nächsten Frage vergehen im Schnitt 72 Stunden.

Feldnotiz 3: Die Methode

Phase 1: Die Hilflosigkeit. Gustl fragt. Laut. Öffentlich. In jeder WhatsApp-Gruppe, in jedem Klub-Abend, auf jeder Frequenz. „Wie geht das? Ich kenn mich da nicht aus. Bin ja noch Anfänger.“ Die Stimme ist dabei so, wie wenn ein Golden Retriever sprechen könnte: freundlich, leicht verwirrt, mit großen Augen.

Phase 2: Die Offenbarung. Zwei Wochen später postet Gustl in dieselbe WhatsApp-Gruppe ein Bild seines Contest-Zertifikats. „Hab da mal mitgemacht, war ganz okay!“ Platz 47 von 52 Teilnehmern. In der Kategorie „Single Operator, Low Power, Mixed, Assisted, Overlay Newcomer“. Aber immerhin: ein Zertifikat. Mit seinem Rufzeichen drauf. Gerahmt.

Phase 3: Die Bescheidenheit. „Naja, für einen Anfänger ganz okay, oder?“ Und alle nicken. Weil man bei Gustl immer nickt. Weil die Alternative wäre, ihm zu erklären, dass „Platz 47 von 52″ kein Grund für eine Siegesfeier ist. Aber das tut man nicht, weil Gustl dann wieder in Phase 1 wechselt und fragt, wie man ein Contest-Log hochlädt.

Feldnotiz 4: SOTA — Der junge Hund am Gipfel

Gustl macht SOTA. Also, Gustl geht auf Berge und funkt von oben. Theoretisch. Praktisch sieht das so aus: Gustl wandert auf einen Gipfel, baut seine Antenne auf und funkt drauflos, und freut sich wie ein Schneekönig, wenn er drei QSOs zusammenbringt.

„Endlich hab ich den geschafft!“ — Gustl, der einen bewaldeten Hügel aktiviert hat. Mit Forstweg. Und Bankerl. Nicht mal eine Hütte. Der Mount Everest des lokalen Amateurfunks.

Aber die Freude ist echt. Gustl freut sich über jede Aktivierung wie ein Kind am Weihnachtsmorgen. Wäre nur nett, wenn er danach nicht in drei WhatsApp-Gruppen gleichzeitig posten würde: „War heute SOTA, hat super funktioniert!“ — inklusive vier Fotos, die alle dasselbe zeigen: einen Mann mit einer Antenne auf einem Hügel, bei dem die Hälfte der Verbindungen „nicht optimal“ waren.

Dass sein SOTA-Konto bei SOTAdata übrigens null Einträge zeigt — geschenkt. Loggen ist was für Leute, die es ernst meinen. Gustl meint es ernst, aber nur bis zur WhatsApp-Nachricht.

Feldnotiz 5: Die Stammrunde

Gustl funkt gerne in der lokalen Stammrunde. Regelmäßig, zwischen Pensionisten, die seit 1978 lizenziert sind und deren Durchschnittsalter über dem des Inventars im Technischen Museum liegt. Gustl liebt das. Weil in der Stammrunde niemand fragt, warum ein Mann mit Klasse-1-Lizenz nicht weiß, wie ein Relais funktioniert. In der Stammrunde reicht es, „Grüß euch“ zu sagen und den Wetterbericht vom Fenster abzulesen.

Und Gustl redet. Und redet. Über das Wetter. Über seine Antenne. Über sein neues Kabel. Über den Hund. Über das Kabel vom Hund. Die OMs in der Runde lassen ihn reden, weil sie sowieso gerade Kaffee trinken und weil Gustl das Durchschnittsalter der Runde um 30 Jahre senkt, was statistisch gesehen gut fürs Hobby ist.

Feldnotiz 6: CQ auf 2 Meter

Gustls tragischster Moment kommt regelmäßig am Abend, wenn er auf 2m sein CQ in die österreichischen Hügel ruft. Und wartet. Und nochmal ruft. Und wartet.

Nichts.

Letztens hatte er versehentlich die Frequenz vom falschen Relais einprogrammiert. Drei Wochen lang. Ist ihm nicht aufgefallen. „Jetzt ist mir auch klar, warum sich auf einmal jemand gemeldet hat.“ Ja, Gustl. Das war das Relais vom Nachbartal.

Ein anderes Mal konnte er das lokale Relais nicht öffnen. Empfang ging, Senden nicht. Problem: Die Konfiguration war beim letzten Firmware-Update kaputtgegangen. Gustls Analyse: „Irgendwas muss ich mir verstellt haben.“ Richtig. Irgendwas. Immer.

Feldnotiz 7: ChatGPT als Funkpartner

Der Höhepunkt war, als Gustl vorschlug, einen eigenen QSL-Karten-Generator zu programmieren. Mit Drag-and-Drop. Und PDF-Export. Die Mockups hat er sich von ChatGPT zeichnen lassen. Drei Screenshots, stolz präsentiert. Als man ihm sagte, dass es sowas längst gibt, war die Antwort: „Das hab ich komplett übersehen.“

Gustl ist über vieles noch nicht gestolpert. Über die Bedienungsanleitung zum Beispiel. Über grundlegende Einstellungen. Über den Unterschied zwischen Simplex und Relais. Und über die Tatsache, dass man eine Richtantenne idealerweise nicht wie eine Wünschelrute in der Hand hält.


Freitag, 21:03 Uhr: Gustls Reaktion

Ich hab Gustl die Feldnotizen geschickt. Per WhatsApp, natürlich. Es dauerte 14 Minuten, bis die Antwort kam. Für Gustl-Verhältnisse eine Ewigkeit. Normalerweise antwortet er schneller, als sein Relais den CTCSS-Ton decodiert — also sofort, auch wenn er den Ton nicht eingestellt hat.

Dann kamen drei Sprachmemos. Gleichzeitig. Gustl hat die Eigenart, Sprachmemos aufzunehmen, bevor das vorherige fertig gesendet ist. Das Ergebnis ist ein dreiteiliger Podcast, der in der falschen Reihenfolge ankommt.

Memo 1 (das eigentlich Memo 3 ist): „…und DESWEGEN hat das nicht funktioniert, weil die Einstellung vom letzten Mal noch drin war!“

Memo 2 (das eigentlich Memo 1 ist): „Hansl! Du alter Spion! Du hast das alles AUFGESCHRIEBEN?? 😂😂😂“

Memo 3 (das eigentlich Memo 2 ist): „Okay, das mit dem Goldfisch ist gemein. Aber das mit Platz 47 stimmt. Ich HAB mich gefreut. Was ist daran falsch?? Der Contest hat Spaß gemacht!“

Und dann, nach einer Pause von exakt drei Minuten:

„Kannst du das veröffentlichen? Aber schreib dazu, dass ich jetzt alles im Griff hab. Meistens.“

Die unbequeme Wahrheit

Gustl Großsignal ist harmlos. Gustl ist nett. Gustl stellt Fragen, die man mit fünf Minuten Google beantworten könnte, aber er fragt lieber einen Menschen, weil er gerne redet. Gustl postet seine Contest-Zertifikate nicht aus Arroganz, sondern aus echter Freude. Gustl stellt sich nicht dumm — Gustl ist enthusiastisch, und Enthusiasmus sieht manchmal aus wie Ahnungslosigkeit.

Und genau das ist das Schöne. Denn Gustl ist nicht einer. Gustl ist hunderte. In jedem Ortsverband sitzt ein Gustl. In jeder Stammrunde redet ein Gustl. In jeder WhatsApp-Gruppe postet ein Gustl sein Zertifikat für Platz 47. Und auf jeder Frequenz ruft ein Gustl CQ — und keiner antwortet.

Aber wisst ihr was? Ohne die Gustls dieser Welt wäre der Amateurfunk nur eine Ansammlung von verbitterten Technikern, die sich gegenseitig die Rapporte korrigieren. Die Gustls bringen die Freude. Die Begeisterung. Den heiligen Ernst, mit dem man auf Platz 47 stolz sein kann.

Also, Gustl: Weitermachen. Weiter fragen. Weiter posten. Weiter auf 2m rufen, auch wenn keiner antwortet.

Und ja — ich schreibe weiter mit, hi.


73 de Hansl Hohlleiter, OE0HHL — der einzige OM, der Gustl immer zurückruft. Nicht aus Mitleid. Sondern weil danach garantiert drei Sprachmemos in der falschen Reihenfolge kommen.

P.S.: Gustl hat diesen Artikel vor der Veröffentlichung gelesen. Seine Antwort: „Passt! Aber schreib dazu, dass ich jetzt alles im Griff hab.“ — Hiermit geschehen, Gustl. Hiermit geschehen.


Transparenzhinweis

Dieser Artikel ist Satire. Gustl Großsignal und sein Rufzeichen OE0GGS sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder funkenden Personen sind rein zufällig — aber statistisch unvermeidlich, weil in jedem Ortsverband mindestens ein Gustl sitzt. Gustl hat der Veröffentlichung zugestimmt (per WhatsApp, selbstverständlich). Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Alle Inhalte wurden redaktionell geprüft.

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