Eine Störsender-Satire von Hansl Hohlleiter
Es gibt Funkamateure, die bauen etwas auf und sagen nichts. Und es gibt Kurt Kellerknoten, OE0KKN, der sagt etwas auf und baut nichts.
Genauer gesagt baut er schon. Er baut seit vier Jahren. Was er baut, steht im Keller.
Der Standort
Kurts Relais steht im Keller. Nicht in einem Kellerabteil mit Fenster, nicht im Hochparterre, sondern im Keller. Neben der Wand. Genauer: neben der Wand, die zum Nachbarhaus zeigt, weil auf der anderen Seite der Heizkessel steht und der macht Störungen, sagt Kurt.
Die Antenne ist auch im Keller. Sie steht in einem Kunststoffkübel mit Estrichresten, damit sie nicht umfällt. Ihr Fußpunkt liegt damit etwa 2,20 Meter unter dem umgebenden Gelände. Kurt weiß das. Kurt sagt, das sei nicht optimal, aber man müsse ja irgendwo anfangen.
Was Kurt nicht sagt, ist, dass er seit vier Jahren dort anfängt.
Er wundert sich trotzdem. Er wundert sich laut und regelmäßig, in mehreren Gruppen gleichzeitig, warum sein Relais so wenig Betrieb hat. Er vermutet die Ursache abwechselnd bei der Sonnenfleckenzahl, bei den Nachbarn, beim Verein und bei einer nicht näher benannten Gruppe von Leuten, die ihm die Sache nicht gönnen.
Die Wand kommt in dieser Liste nicht vor. Die Wand ist einfach da. Wände sind für Kurt keine Erklärung, sondern Einrichtung.
Die Polarisation
Vor einigen Monaten hat Kurt gelesen, dass es horizontale und vertikale Polarisation gibt. Das hat ihn beschäftigt. Er hat daraufhin seine Antenne umgelegt, weil horizontal gehe weiter, das habe er in einem Video gesehen.
Das Video handelte von Meteorscatter auf 144 MHz mit einer Langyagi in acht Metern Höhe. Kurts Antenne ist ein Rundstrahler in einem Kübel. Sie liegt jetzt quer über zwei Bierkisten und zeigt in Richtung Waschmaschine.
Der Betrieb hat sich seither, sagt Kurt, nicht wesentlich verändert. Er überlegt, sie wieder aufzustellen, will aber vorher noch Erfahrungen sammeln.
Das Kabel
Ich möchte an dieser Stelle sachlich bleiben, denn dieser Teil der Geschichte ist der einzige, der wirklich schnell erzählt ist.
Die Antenne ist nicht angesteckt.
Sie war nie angesteckt. Das Kabel liegt daneben, ordentlich aufgerollt, mit einem Kabelbinder fixiert, an dem ein Etikett hängt. Auf dem Etikett steht das Rufzeichen von Kurt. Aber es steckt nicht.
Wer jetzt fragt, wie ein Relais ohne angesteckte Antenne vier Jahre lang Betrieb machen soll: Diese Frage stellt sich Kurt seit vier Jahren nicht. Kurt stellt andere Fragen.
Die Gebühr
Man muss fair bleiben: Formal ist bei Kurt alles in bester Ordnung. Er hat für den Betrieb seines Relais bei der Fernmeldebehörde ordnungsgemäß eine Frequenz beantragt und auch zugeteilt bekommen. Er hat einen Bescheid. Er hat eine QRG. Er hat den Bescheid gerahmt und im Vorraum aufgehängt, gleich neben der Sicherungstafel.
Und seither zahlt er brav seinen Jahresbeitrag. Pünktlich, per Dauerauftrag, seit vier Jahren.
Damit ist Kurt der einzige Relaisbetreiber des Landes, dessen Anlage bisher ausschließlich in eine Richtung Verkehr erzeugt hat: von seinem Konto zur Behörde.
Was ihn daran stört, ist allerdings nicht, dass er für vier Jahre Funkstille bezahlt hat. Was ihn stört, ist der Verein. Der übernimmt die Kosten nämlich nicht. Kurt findet, das gehöre sich, immerhin betreibe er hier Infrastruktur für die Allgemeinheit.
Er hat das im Verein auch angesprochen. Mit vier Fragezeichen.
Die Frage
Kurt stellt seine Fragen in Gruppen. In allen Gruppen. Gleichzeitig. Und es ist immer dieselbe:
„Darf ich testen???"
Nicht „ich teste kurz". Nicht „ist wer QRV". Sondern die Bitte um Genehmigung, gerichtet an niemanden, in einem Hobby, dessen gesamter Sinn darin besteht, dass man auf die Taste drückt und schaut, was passiert.
Er bekommt keine Antwort. Er bekommt seit Monaten keine Antwort. Das wiederum wundert ihn, und er fragt nach, ob er etwas falsch gemacht habe, mit vier Fragezeichen, und dann wird es still, und dann fragt er, warum es so still sei.
Es ist der einzige Fall im Amateurfunk, in dem jemand eine Funkstille erzeugt, ohne jemals gesendet zu haben.
Der Stempel
Kurt hat einen Stempel. Einen echten, aus Gummi, mit Holzgriff. Sein Rufzeichen, darunter der Ortsname, darunter ein kleiner Blitz.
Er stempelt damit: seine QSL-Karten, obwohl er keine QSOs hat. Die Rückseite seiner Ausdrucke. Die Innenseite des Relaisgehäuses. Das Etikett am nicht angesteckten Kabel. Einmal, das ist verbürgt, den Deckel seiner Jausenbox.
Und weil ein Stempel nicht funkt, stempelt er auch beim Reden. Wer Kurt in einer Sprachnachricht zuhört, hört nicht nur, was er sagt. Man hört das Rufzeichen als Satzzeichen. Man hört die Fragezeichen. Alle vier. Es gibt Menschen, bei denen man die Interpunktion sehen kann, wenn sie sprechen, und Kurt ist der Grund, warum ich das weiß.
Das Meshnetz
Seit heuer ist Kurt im Meshnetz. Das war absehbar.
Er hat sich ein Board gekauft, es beschriftet, gestempelt und in Betrieb genommen. Der Knoten heißt nach ihm. Die Solarzelle dazu hat er ebenfalls beschriftet, obwohl sie im Keller keine große Rolle spielt.
Denn ja: Der Meshknoten steht auch im Keller. Neben dem Relais. Neben der Wand. Die Antenne dazu ist diesmal sogar angesteckt, das muss man fairerweise sagen. Sie steht nur eben zweieinhalb Meter unter dem Rasen.
Kurt hat in der Meshgruppe gefragt, ob er testen dürfe. Vier Fragezeichen. Es hat niemand geantwortet, weil ihn niemand hört, und weil ihn niemand hört, kann auch niemand antworten. In der Fachliteratur nennt man so etwas eine geschlossene Wirkungskette.
Vergangene Woche hat er gepostet, das Meshnetz sei überbewertet. Bei ihm gehe gar nichts. Er habe jetzt alles probiert.
Alles außer hinaufgehen.
Die Diagnose
Ein guter Freund von mir, der beruflich mit Netzwerken zu tun hat, hat sich das eine Weile angehört und dann nur gesagt: Layer 8.
Für alle, die das nicht kennen: Das OSI-Modell hat sieben Schichten. Die achte gibt es offiziell nicht. Sie sitzt vor dem Gerät und tippt.
Es gibt in manchen Logbüchern auch ein Rufzeichen, das man für solche Fälle notiert. Ich schreibe es hier nicht aus. Wer es kennt, kennt es. Wer es nicht kennt, hat vermutlich einfach nie ein Relais in einen Keller gestellt.
Hansls Fazit
Hansls Fazit: Kurt Kellerknoten ist nicht dumm. Das ist der unangenehme Teil. Er hat gelesen, er hat gekauft, er hat gebaut, er hat beschriftet. Er hat sich mehr Mühe gegeben als die meisten, die einfach nur ein Handfunkgerät einschalten und Betrieb machen.
Sein Problem ist ein anderes: Er fragt lieber, ob er darf, als nachzusehen, ob es geht. Er sucht die Ursache lieber draußen als daneben. Und er hat sich einen Stempel machen lassen, bevor er ein QSO hatte.
Wer ein Relais oder einen Knoten aufstellen will, braucht kein Gremium und keine Genehmigung aus einer Chatgruppe. Er braucht Höhe, ein angestecktes Kabel und die Bereitschaft, drei Stockwerke zu steigen. Der Rest ist Kosmetik.
Und falls jetzt jemand im Keller sitzt und sich fragt, ob er gemeint ist: Nein. Aber steck bitte trotzdem die Antenne an.
Alle Personen und Rufzeichen in diesem Beitrag sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden Funkamateuren sind beabsichtigt, aber juristisch nicht verwertbar. Der Autor übernimmt keine Haftung für spontane Selbsterkenntnis.
Transparenzhinweis
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Verwendete Illustrationen wurden, sofern nicht anders gekennzeichnet, mit KI erstellt. Die redaktionelle Verantwortung und inhaltliche Prüfung liegt bei der oeradio.at-Redaktion. Anregungen und Beschwerden, auch von Kurt, gerne an [email protected].





