Dagobert Dauerträger, OE0DDT, ist überall. In vierzehn Gruppen, in jeder Runde, bei jedem Fielday, im Publikum jedes Vortrags. Und er fragt. Dagobert fragt so viel, dass man ihn zuerst für den engagiertesten Menschen im Hobby hält. Ungefähr im dritten Jahr merkt man, dass keine seiner Fragen jemals eine Frage war.
Der erste Eindruck ist tadellos. Da ist einer, der sich interessiert, der nachhakt, der sich nicht zu schade ist zuzugeben, dass er etwas nicht weiß. „Ich kenn mich da ja nicht aus", sagt Dagobert. Er sagt das oft. Er sagt es auch bei Themen, zu denen er im Vorjahr einen Abendvortrag gehalten hat.
Die Methode
Dagoberts Fragen kommen immer freundlich. „Interessant, wie hast du das mit der Abstimmung gemacht?" „Und das funktioniert bei dir wirklich so?" „Sag, hast du das gemessen oder geschätzt?"
Beim ersten Mal antwortet man ausführlich. Beim zweiten Mal auch. Beim dritten Mal beginnt man zu ahnen, dass die Fragen nicht dem Verständnis dienen, sondern der Positionierung. Dagobert sammelt Antworten wie andere QSL-Karten. Er legt sie ab, sortiert sie, und irgendwann, Wochen später, in einer ganz anderen Runde, kommt eine davon zurück. Dann sagt er: „Der Kollege hat mir damals erklärt, dass er das nur geschätzt hat."
Das ist die eigentliche Kunst. Dagobert widerspricht nie selbst. Er zitiert dich gegen dich.
Überall dabei
Dagobert ist in jeder Gruppe, die es gibt. In der Ortsgruppe, in der Nachbarortsgruppe, in drei Regionalrunden, in der Notfunkgruppe, in der Mesh-Gruppe, in zwei Gruppen, die eigentlich nur für Terminabsprachen gedacht waren, und in einer, von der niemand mehr weiß, wer sie gegründet hat.
Er ist überall der Erste, der reagiert. Meldet jemand um 22:40 Uhr eine geplante Aktivierung, steht um 22:41 Uhr eine Frage darunter. Nicht: „Viel Erfolg." Sondern: „Und wie kommst du da rauf, wenn die Forststraße gesperrt ist?"
Man kann die Uhr nach ihm stellen. Man kann sich auch fragen, wann der Mann schläft. Die Antwort lautet vermutlich: zwischen zwei Gruppen.
Einen Dauerträger hat Dagobert auf dem Band übrigens nie gefahren. Dafür braucht er kein Funkgerät.
Der wunde Punkt
Und dann gibt es dieses eine Thema.
SOTA ist Dagoberts Sache. Nicht sein Hobby, seine Sache. Er hat es sich erarbeitet, er steht dazu, er hat es sogar öffentlich bekanntgegeben, mit einem Gipfelfoto und dem Satz: „Ich oute mich: Ich steh auf SOTA." Das war ehrlich gemeint und ein bisschen rührend.
Was danach passiert ist, war es nicht mehr.
Ein Kollege hat nämlich, drei Tage später, in derselben Gruppe, einen Scherz gemacht. Einen kleinen. Er hat geschrieben, dass Dagobert am Berg ohnehin nur hinaufsteige, um endlich einmal Ruhe vor den Gruppen zu haben. Mit einem Zwinkersmiley. Es haben vier Leute gelacht.
Das geht so nicht
Dagoberts Antwort kam um 23:14 Uhr und war 2.400 Zeichen lang.
Sie begann mit „Das geht so nicht" und endete mit „Ich bitte um Klarstellung". Dazwischen lagen: eine Erinnerung daran, wie viele Stunden er ehrenamtlich in dieses Hobby stecke, ein Absatz über Wertschätzung, ein Absatz über den Umgangston in der Gruppe, ein Hinweis auf den Ham Spirit, zwei Screenshots und die Bemerkung, er habe sich das jetzt lange genug angeschaut.
Der Kollege hat sich entschuldigt. Es hat nichts genützt. Es folgte eine zweite Nachricht, in der Dagobert erklärte, die Entschuldigung nehme er selbstverständlich an, er wolle das aber trotzdem einmal grundsätzlich ansprechen. Nach der grundsätzlichen Ansprache verließen zwei Leute die Gruppe.
Am nächsten Tag postete Dagobert in einer anderen Gruppe eine Frage zu Speisekabeln. Freundlich, interessiert, mit dem Zusatz, er kenne sich da ja nicht aus.
Die Asymmetrie
Man muss das in seiner ganzen Schönheit sehen. Derselbe Mann, der seit Jahren jede Antenne im Bezirk hinterfragt, jede Messung anzweifelt und jede Aktivierung kommentiert, bevor sie stattgefunden hat, hält einen Zwinkersmiley nicht aus.
Er kann austeilen, und zwar unbegrenzt, weil es bei ihm nie wie Austeilen aussieht. Eine Frage ist ja keine Kritik. Eine Frage ist Interesse. Dass am Ende von zweihundert Fragen ein Kollege dasteht, der seine Antenne abbaut, weil er das Gefühl hat, sie sei nicht gut genug, lässt sich schwer jemandem anlasten, der immer nur wissen wollte, wie das gemacht wird.
Umgekehrt gilt das nicht. Beim eigenen Thema hört das Fragen auf, da beginnt das Verteidigen. Und zwar sofort, bei der ersten Kleinigkeit, verlässlich um kurz nach elf am Abend.
Die Phasen
Ehrlichkeitshalber: SOTA ist nicht das erste Thema, das Dagobert gehört hat. Davor war Meshcore. Er hatte Knoten, er hatte einen Plan für die Talversorgung, er hatte eine Tasse mit der Aufschrift „CQ Meshcore forever". Als jemand anmerkte, die Abdeckungskarte sei etwas optimistisch, kam eine Nachricht um 23:20 Uhr, die mit „Das geht so nicht" begann.
Davor war Notfunk. Bei Notfunk gab es einen Anhänger und eine Diskussion über Zuständigkeiten, deren Details heute niemand mehr rekonstruieren will.
Die Tasse hat alle Phasen überlebt. Sie steht heute auf Gipfeln.
Was man ihm lassen muss
Dagobert geht wirklich hinauf. Das ist der Teil, der die Sache kompliziert macht.
Während die halbe Gruppe darüber diskutiert, ob eine Aktivierung mit fünf Watt Sinn hat, steht Dagobert oben, bei Nieselregen, mit zu viel Ausrüstung, und baut eine Antenne auf, die drei Nummern zu groß für den Platz ist. Er ist stets bemüht. Er ist sogar mehr als das. Er ist der Einzige, der überhaupt geht.
Und genau deshalb trifft ihn der Scherz. Wer nur ein Thema hat, hat bei einem Zwinkersmiley nichts, worauf er ausweichen könnte.
Nächstes Jahr wird es vermutlich Satellitenfunk sein. Die erste Frage dazu steht schon in einer Gruppe. Sie lautet: „Sagt einmal, kennt sich da wer aus? Ich frag nur."
73 de Hansl Hohlleiter
Transparenzhinweis
Diese Satire wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) verfasst, das Titelbild wurde mit KI erstellt. Alle Figuren, Rufzeichen, Uhrzeiten und Zitate sind frei erfunden, OE0 ist ein nicht vergebener Präfix. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Funkamateuren wären rein zufällig und vermutlich ein Grund zur Selbstreflexion. Hinweise und Beschwerden bitte an [email protected].





