Parks on the Air baut seine Plattform um, und man kann seit 31. August 2026 dabei zusehen: Unter next.pota.app steht die neue POTA-Website als öffentliche Beta bereit. Sie läuft parallel zur gewohnten Seite, greift auf dieselbe Produktivdatenbank zu und akzeptiert denselben Login. Wer nur Spots lesen will, braucht gar keinen Account.
Der Umbau ist mehr als ein neuer Anstrich. Im Alltag ändern sich Kleinigkeiten, aber genau die richtigen. Und für alle, die nicht mit Englisch aufgewachsen sind, ändert sich sogar ziemlich viel.
Der erste Eindruck: die Seite spricht Deutsch
Der auffälligste Unterschied zeigt sich, bevor man irgendetwas anklickt. Die Oberfläche stellt sich automatisch auf die Browsersprache ein. Aus „Spots" und „Activations" werden Spots und Aktivierungen, im Menü stehen Karte, Parkliste, Top-Aktivierer, Top-Hunter und Offizielle Veranstaltungen. Auch die Filterzeile ist übersetzt: Band, Betriebsart, Programm, QRT, Alter. Laut POTA sind rund 27 Sprachen und Lokalisierungen vorgesehen.

Das klingt nach einer Nebensächlichkeit, ist aber genau die Hürde, an der Einsteiger in Österreich bisher hängen geblieben sind. Wer zum ersten Mal einen Park aktivieren will und sich gleichzeitig durch Fachbegriffe und Fremdsprache kämpfen muss, gibt schneller auf. Unser POTA-Einstiegsguide für Österreich wird dadurch nicht überflüssig, aber die offizielle Seite kommt einem jetzt entgegen.
Was sich beim Spotten ändert
Die Spot-Liste ist der Ort, an dem POTA tatsächlich stattfindet, für Jäger wie für Aktivierer. Hier sind die Änderungen am spürbarsten:
- Kommentare bleiben stehen. Bisher überschrieb der nächste Spot die Anmerkung des Aktivierers. Wer „QSY 40 m in 10 Minuten" oder „Pause bis 14:00" hinterlassen hatte, war zwei Minuten später wieder anonym. Jetzt bleibt der Hinweis am Spot hängen. Das ist wahrscheinlich die praktischste Neuerung überhaupt.
- Mehrfachauswahl bei den Filtern. Band und Betriebsart lassen sich kombinieren, statt wie bisher nur „alle" oder „genau eines" zu wählen.
- Spaltenwahl und Ansichten. Die Tabelle lässt sich auf die eigenen Bedürfnisse eindampfen, über „Ansicht" wechselt man zwischen Tabelle und Karte.
- QRT- und Altersfilter. Abgemeldete Stationen lassen sich ausblenden, das Zeitfenster ist einstellbar, voreingestellt sind 30 Minuten. Ein sichtbarer Countdown zeigt, wann die Liste das nächste Mal aktualisiert, und lässt sich pausieren, wenn man in Ruhe lesen will.
- Region auf einen Blick. Eine eigene Spalte zeigt die Region, etwa
AT-KAoderDE-RP. Praktisch, wenn man gezielt europäische Aktivierungen sucht, statt sich durch US-Spots zu scrollen.
Dazu kommt eine neue Seite für geografische Erfolge („Geographic Achievement"), die auswertet, aus welchen Regionen man gearbeitet oder gejagt hat.
Die Parkseite: viel mehr als Koordinaten
Wer eine Referenz aufruft, bekommt inzwischen eine richtige Parkseite. Am Beispiel AT-0016 Dobratsch Nature Reserve, das Titelbild dieses Beitrags zeigt genau diese Ansicht: Referenz, Entität, Bundesland (Kärnten, AT-KA), Koordinaten samt Locator JN66uo, Aktivitätsstatus und eine Karte, auf der man das Schutzgebiet sofort einordnen kann.
Interessanter sind die Zahlen darunter. Der Dobratsch wurde erstmals am 6. Oktober 2014 von PA3FYG aktiviert und kommt inzwischen auf 24 Aktivierungen bei 27 Versuchen und 663 QSOs. Darunter steht eine Bestenliste des Parks, in der vertraute Rufzeichen auftauchen: OE8YML mit 15 Aktivierungen und 456 QSOs, dahinter OE8YAK und DL7PIA. Rechts läuft eine Liste der jüngsten Aktivierungen mit, aufgeschlüsselt nach CW, Digital und Phonie.
Zwei Felder sind neu und ziemlich clever: Frühschicht- und Nachtschicht-Erfolg-Zeiten. Für AT-0016 stehen dort 1:00 bis 7:00 UTC und 17:00 bis 1:00 UTC. Das ist kein Orakel, sondern eine Auswertung darüber, wann Aktivierungen an diesem Park in der Vergangenheit tatsächlich funktioniert haben. Wer eine Tour plant und wissen will, ob sich der frühe Aufbruch lohnt, hat damit zum ersten Mal eine Zahl statt eines Bauchgefühls.
Die Karte
Die Kartenansicht ist neu gebaut, mit Mapbox als Grundlage und umschaltbar zwischen Standard, Outdoor, Satellit, Straßen und Dunkel. Rechts läuft eine Liste „Parks in Ansicht" mit, die sich beim Verschieben der Karte aktualisiert. Entfernungen lassen sich zwischen Kilometer und Meilen umstellen, für einmal ist das nicht die US-Voreinstellung.

Für die Tourenplanung ist das die interessanteste Ecke der Seite. Zwei- und Mehrfach-Referenzen, im POTA-Jargon „2-fer", findet man auf der Karte deutlich schneller als in einer Liste. Wie so etwas in der Praxis aussieht, haben wir am Pyramidenkogel beschrieben, wo SOTA, POTA und TOTA in einer einzigen Aktivierung zusammenfielen.
Warum überhaupt neu bauen?
Die Antwort ist unspektakulär und trifft viele gewachsene Amateurfunk-Projekte. Die bestehende Plattform stammt in ihren Grundzügen aus 2018, ist über die Jahre an einem klassischen LAMP-Stack gewachsen, und inzwischen kennen sich nur noch wenige Freiwillige gut genug aus, um daran gefahrlos zu arbeiten. Gleichzeitig ist POTA explodiert: von rund 1.200 Teilnehmern in den Anfangsjahren auf heute etwa 85.000 bis über 90.000 Nutzerinnen und Nutzer, je nachdem, welche Quelle man nimmt. Die 100.000 gelten als Marke für dieses Jahr. Die Infrastrukturkosten liegen laut den Verantwortlichen im Bereich mehrerer tausend Dollar pro Monat.
Der Neubau setzt deshalb auf das PHP-Framework Laravel und eine neu geschnittene Cloud-Infrastruktur, die bei Lastspitzen mitwächst. Erklärtes Ziel ist ausdrücklich nicht nur „schöner", sondern wartbar von Freiwilligen, die keine Enterprise-Erfahrung mitbringen müssen. Auf der Roadmap stehen unter anderem öffentliche APIs, schnellere Log-Verarbeitung, erweiterte Award-Auswertungen, Vereins- und Clubstatistiken, bessere Barrierefreiheit und eine integrierte Dokumentation.
Getragen wird das von einem kleinen Freiwilligenteam rund um Thom Martin, W8TAM, und Mike Case, W8MSC, mit Beteiligung von Mark Torigian K8MST, Jeremy Turner N0AW, Colby Dillion WR5B und James Linden VE3JLN. Bemerkenswert und offen kommuniziert: Das Team setzt beim Bauen auch KI-Werkzeuge ein, um mit der schlanken Mannschaft überhaupt voranzukommen. Die Prüfung des Codes bleibt bei erfahrenen Entwicklern. Wie schnell dabei iteriert wird, sieht man im Fußbereich der Seite. Dort steht ein Build-Zeitstempel, und der ist beim Nachschauen typischerweise vom selben Tag.
Video-Tipp: Der Kanal AlpineRadioWaves geht die neue Seite durch, von der Spot-Ansicht über die Filter bis zur Karte, und zeigt dabei auch, was im Beta-Betrieb noch hakt.
Was das für Österreich bedeutet
Die POTA-Datenbank führt zum Zeitpunkt dieser Recherche 423 Referenzen mit AT-Präfix. Davon wurden 390 mindestens einmal aktiviert, zusammen gut 151.000 QSOs. Das Land ist also praktisch flächendeckend erschlossen. Die Zeiten der einfachen Erstaktivierungen sind weitgehend vorbei, dafür findet man fast überall etwas in Reichweite.
Die meistaktivierten österreichischen Parks:
- AT-0250, Hohe Wand, Schneeberg und Rax (Natura 2000): 171 Aktivierungen, über 11.600 QSOs
- AT-0282, Europäischer Fernwanderweg E4: 154 Aktivierungen, aktivierbar in acht Bundesländern
- AT-0217, Landschaftsschutzgebiet Enzesfeld-Lindabrunn-Hernstein: 153 Aktivierungen
- AT-0301, Wiener Alpenbogen: 146 Aktivierungen
- AT-0265, Pecherlehrpfad Hernstein: 145 Aktivierungen
- AT-0176, Biosphärenpark Wienerwald: 143 Aktivierungen
Auffällig ist, wie fest die Spitze in niederösterreichischer Hand liegt. Das Umland von Wien ist dicht mit Referenzen belegt und schnell erreichbar. In Kärnten, wo wir selbst unterwegs sind, sind die Zahlen kleiner, die Parks dafür oft spektakulärer. Nachzulesen etwa in unseren Aktivierungen in der Schütt und am Dobratsch. Wer den Einstieg sucht, findet Ansprechpartner über das OE-POTA-Team.

Beta heißt Beta
Ein paar Dinge gehören zur Ehrlichkeit dazu:
- Es ist eine Testversion auf Echtdaten. Die Seite hängt an der Produktivdatenbank, was man dort spottet, ist echt. Fehler in der Anzeige sind aber möglich, und die Oberfläche ändert sich laufend.
- Filter nur auf Vorhandenes. In der Bandauswahl lassen sich derzeit nur Bänder wählen, auf denen gerade jemand aktiv ist. Wer 10 m dauerhaft im Blick behalten will, um zuzuschlagen, sobald sich dort etwas rührt, kann das noch nicht vorwählen. Auch Testberichte aus der Community merken das an.
- Die alte Welt läuft weiter. pota.app und die bestehende API sind unverändert erreichbar. Drittanbieter-Werkzeuge und Logging-Apps ziehen ihre Daten weiterhin von dort, ein Umstieg ist also nichts, was man überstürzen müsste.
Hintergrund: Der Vortrag „Parks on the Air 2.0" von der Hamvention ordnet ein, warum der Umbau nötig wurde und wie die Plattform mit dem Wachstum umgehen soll.
Was man jetzt tun kann
- Anschauen, ohne Risiko. next.pota.app im Browser öffnen, die Spot-Liste ist ohne Login sichtbar.
- Mit dem eigenen Account testen. Derselbe Login wie bisher. Wer ohnehin spottet, kann das genauso gut dort tun.
- Rückmeldung geben. Genau dafür ist die Beta da. Was in Österreich nicht passt, also Übersetzungen, Regionskürzel oder Parknamen, fällt sonst niemandem auf.
- Parkdaten prüfen. Wer einen Fehler in einer AT-Referenz kennt, etwa falsche Koordinaten oder einen veralteten Namen, sollte das melden. Die Mapping-Teams sind laut POTA einer der Engpässe beim Wachstum.
Quellen
- next.pota.app, die Beta selbst, Stand der Beobachtungen 1. September 2026
- pota.app und docs.pota.app, bestehende Plattform und Regelwerk
- AE5X: POTA website gets a facelift, erster Praxisbericht
- UFRC: Next.POTA.app est en ligne, Einordnung inklusive Sprachen und Kosten
- Q5: The Volunteers Rebuilding Ham Radio's Fastest-Growing Movement, Hintergrund zu Architektur und Team
Passend dazu bei uns: POTA in Österreich, der Einstiegsguide, wie uns das POTA-Fieber gepackt hat, die beste Portabelantenne für SOTA und POTA und WWFF in Österreich als verwandtes Programm.
73 – eure oeradio.at-Redaktion
Transparenzhinweis
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) auf Basis öffentlicher Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst, die Inhalte wurden von der oeradio.at-Redaktion geprüft. Die Beschreibung der Oberfläche beruht auf eigener Ansicht von next.pota.app am 1. September 2026. Eine Beta ändert sich, Abweichungen sind also zu erwarten. Die Zahlen zu österreichischen Parks stammen aus einer eigenen Auswertung der öffentlichen POTA-Programmdaten mit Stichtag 1. September 2026. Angaben zu Nutzerzahlen, Kosten und Architektur stammen aus den unter „Quellen" verlinkten Beiträgen, die sich in Details unterscheiden, weshalb wir sie als Spanne nennen. Die Screenshots stammen von uns und zeigen eine fremde Website, das Stationsfoto steht mit Fotograf und Lizenz in der Bildunterschrift. Die eingebundenen Videos stammen von externen YouTube-Kanälen und geben deren Sicht wieder. Korrekturen gerne an [email protected].





