23-cm-Band und höher: Einstieg in Mikrowellenbänder

Amateurfunk

Das 23-cm-Band (1240–1300 MHz) und die Bänder darüber sind der Teil des Amateurfunks, in dem man Antennen noch von Hand ausrichtet und ein zusätzliches Dezibel spürbar etwas ändert. Sie bieten Platz für Experimente, für Satellitenbetrieb und für DX über Streuung an der Atmosphäre. Sie sind aber auch der Bereich, in dem sich die Rechtslage in den letzten Jahren am stärksten verändert hat — und genau dort beginnt dieser Artikel, weil sonst die halbe Ausrüstungsliste an der Realität vorbeigeht.

Portable 10-GHz-Station mit kleiner Parabolantenne auf Stativ und selbstgebautem Schmalband-Transverter
So sieht Mikrowellenbetrieb in der Praxis aus: kleine Schüssel auf dem Stativ, selbstgebauter Schmalband-Transverter, freie Sicht. Foto: Jeff Keyzer, CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons.

Wichtig vorweg: Was auf 23 cm in Österreich gilt

Mit der Novelle der Frequenznutzungsverordnung (BGBl. II Nr. 61/2023, in Kraft seit März 2023) wurde das 23-cm-Band in Österreich deutlich beschnitten, um die Empfänger des Satellitennavigationssystems Galileo zu schützen:

  • Maximal 10 Watt im gesamten Band 1240–1300 MHz (vorher bis zu 200 W)
  • Maximal 16 kHz Bandbreite pro Aussendung
  • Relais mit mehr als 16 kHz Bandbreite mussten den Betrieb bis 31.12.2024 einstellen

Praktisch heißt das: ATV auf 23 cm ist in Österreich erledigt, und EME auf 1296 MHz ist mit 10 Watt kein realistisches Ziel mehr. Wer die Mikrowellenbänder wegen Moonbounce und Breitbandanwendungen sucht, muss auf höhere Bänder ausweichen. Für Schmalband-Betrieb — CW, SSB, digitale Betriebsarten — ist das Band nach wie vor brauchbar, nur eben mit deutlich weniger Leistung als früher.

Und was CEPT 2025 beschlossen hat

Auf europäischer Ebene ist die Sache seit 2025 formal geregelt. Die ECC Decision (25)01, seit 27. Juni 2025 in Kraft, mit bevorzugtem Umsetzungsdatum 27. Dezember 2025, definiert Schutzmaßnahmen für die Galileo-Frequenzen im 23-cm-Band. Zwei Punkte sind für die Praxis wichtig:

  • Die Maßnahmen betreffen ausschließlich den Bereich 1258–1300 MHz. Für 1240–1258 MHz gibt es keine zusätzlichen Einschränkungen — dieser Teil bleibt so nutzbar wie bisher.
  • Die Umsetzung ist nationale Sache. Jede Verwaltung entscheidet selbst, ob und wie sie die Decision anwendet; Übergangsfristen sind möglich.

Die IARU Region 1 rechnet vor, dass bei vollständiger Anwendung aller Maßnahmen weniger als die Hälfte des heute genutzten Spektrums praktisch nutzbar bliebe, wobei besonders der Abschnitt 1296–1300 MHz durch Leistungsgrenzen eingeschränkt wäre. Betroffen wären vor allem Schmalband-Sprachrelais mit Ausgabe zwischen 1258 und 1300 MHz, ATV-Stationen und der Amateurfunksatelliten-Uplink — der liegt nämlich in 1260–1270 MHz, also mitten im geschützten Bereich. Die IARU arbeitet an einem überarbeiteten Bandplan.

Für Österreich ändert das kurzfristig wenig, weil die nationale Beschränkung auf 10 W ohnehin schärfer ist als vieles, was die Decision vorsieht. Wer aber grenzüberschreitend arbeitet oder ein Relais plant, sollte den Stand kennen.

Überblick über die Mikrowellenbänder im Amateurfunk und was man zum Einstieg braucht (EN)

Die Bänder im Überblick

  • 23 cm: 1240–1300 MHz — in Österreich 10 W, max. 16 kHz Bandbreite
  • 13 cm: 2300–2450 MHz — unter anderem QO-100-Uplink
  • 9 cm: 3400–3475 MHz
  • 6 cm: 5650–5850 MHz
  • 3 cm: 10–10,5 GHz — das klassische Mikrowellen-Contestband, QO-100-Downlink
  • Höher: 24 GHz, 47 GHz, 76 GHz und darüber

Auf den höheren Bändern erlaubt die österreichische FNV der Klasse 1 grundsätzlich bis zu 200 W. Ausnahme ist der Abschnitt 10,368–10,370 GHz mit maximal 40 dBW EIRP; auf 24 GHz hat der Amateurfunk nur noch Sekundärstatus.

Charakteristik: Mikrowellen verhalten sich weitgehend wie Licht. Sichtverbindung ist die Regel, Beugung um Hindernisse gibt es kaum, und jeder Meter Koaxkabel kostet spürbar Signal. Die Standortwahl ersetzt hier das, was auf Kurzwelle die Ausbreitungsbedingungen sind — siehe dazu auch unseren Beitrag über Alpenpropagation.

Der einfachste Einstieg heute: QO-100

Wer 2026 in die Mikrowellenbänder einsteigen will, fängt am unkompliziertesten nicht auf 23 cm an, sondern über den geostationären Amateurfunksatelliten QO-100. Der Uplink liegt auf 13 cm (2400 MHz), der Downlink auf 3 cm (10489 MHz) — man arbeitet also auf zwei Mikrowellenbändern gleichzeitig, ohne Berggipfel und ohne auf ein Überreichweiten-Wochenende zu warten.

Zum reinen Zuhören reichen eine 60-cm-Offsetschüssel, ein handelsüblicher Universal-LNB, ein Bias-Tee und ein SDR-Stick — Gesamtkosten im niedrigen dreistelligen Bereich. Für den Sendebetrieb kommen Schüssel ab etwa 75–90 cm, ein 2,4-GHz-Sendezug und ein passender Feed dazu. Details dazu stehen in unserem Beitrag QO-100: Einstieg in den geostationären Amateurfunksatelliten.

Der Lerneffekt ist derselbe wie bei terrestrischem Mikrowellenbetrieb: Antennen ausrichten, LNB-Drift verstehen, mit Dämpfung auf kurzen Kabelwegen umgehen. Nur ohne die Frustration, dass die Gegenstation gerade nicht am Berg steht.

Ausrüstung

Fertiggeräte:

  • Icom IC-9700: All-Mode für 2 m, 70 cm und 23 cm — nach wie vor der übliche Einstieg, wenn 1296 MHz das Ziel ist
  • Icom IC-905: deckt 144, 432, 1296, 2400 und 5600 MHz ab, mit optionalem Transverter auch 10 GHz. Leistung: 10 W auf 144/430/1200 MHz, 2 W auf 2,4 und 5,6 GHz, 0,5 W auf 10 GHz. Die HF-Einheit sitzt direkt an der Antenne, was den Kabelverlust umgeht — technisch die interessanteste Neuerung der letzten Jahre, preislich aber deutlich über dem IC-9700
  • Icom IC-910H: älteres Modell, gebraucht noch verbreitet

Transverter: Für alles oberhalb von 23 cm führt der Weg meist über einen Transverter, der ein 2-m- oder 70-cm-Gerät auf das Zielband umsetzt. Kuhne Electronic (DB6NT) ist der bekannteste Anbieter im deutschsprachigen Raum, daneben gibt es eine lebendige Selbstbauszene — die GHz-Tagung in Dorsten ist dafür der jährliche Treffpunkt.

Antennen:

  • Yagi: 19–55 Elemente auf 23 cm (rund 10–17 dBd), noch handhabbare Baulängen
  • Parabolantenne: 60–120 cm Durchmesser; auf 10 GHz reicht schon eine kleine Schüssel für hohen Gewinn
  • Helical: zirkular polarisiert, für Satellitenbetrieb

Kabel: Ecoflex 15, LMR-400 und Vergleichbares, und zwar in kurzen Längen. Die Dämpfung auf 1296 MHz ist hoch, auf 10 GHz wird Koax praktisch unbenutzbar. Deshalb gehören Vorverstärker an den Mast und der Sendezug möglichst direkt an die Antenne.

Der Icom IC-9700 mit 2 m, 70 cm und 23 cm im Überblick (DE)

Betriebstechniken

Sichtverbindung: Die QTH-Auswahl entscheidet fast alles. Berggipfel, Türme und exponierte Hanglagen schlagen jede Leistungserhöhung — was bei 10 W auf 23 cm ohnehin die einzig verbliebene Stellschraube ist.

Troposcatter: Bei Inversionswetterlagen unter Hochdruckeinfluss tragen Signale weit über den optischen Horizont hinaus. Das ist auf Mikrowellen die wichtigste DX-Betriebsart überhaupt.

Rainscatter: Reflexion an Regenzellen, besonders ergiebig auf 10 GHz. Ein Gewitter in 100 km Entfernung ist dort ein Reflektor, keine Störung. Beides erklären wir ausführlicher in Troposcatter und Rain Scatter.

Flugzeug-Scatter: Reflexion an Flugzeugen, mit kurzen Zeitfenstern und deutlichem Doppler — planbar mit Flugradar-Apps.

EME: Auf 23 cm in Österreich mit 10 W nicht mehr sinnvoll, auf höheren Bändern und im Ausland nach wie vor eine Königsdisziplin. Grundlagen dazu stehen in unserem Beitrag über EME auf 2 m und 70 cm.

Mit umgebauten Ku-Band-LNBs auf 10 GHz QSOs fahren — günstiger Einstieg ins 3-cm-Band (EN)

Aktivitäten in Österreich

Die Alpen liefern Standorte, um die uns halb Europa beneidet. Genutzt werden sie vor allem im VHF/UHF/Mikrowellen-Aktivitätscontest des ÖVSV, betreut vom Mikrowellenreferat (Fred Kuneth, OE8FNK):

  • Termin: jeweils am dritten Sonntag im Monat, 07:00–13:00 UTC (im Juni bis 15:00 UTC)
  • Anruffrequenzen SSB: 23 cm 1296,100–1296,300 MHz, 13 cm 2320,100–2320,300 MHz, 3 cm 10368,100–10368,300 MHz

Dazu kommt der Alpe-Adria UHF/SHF Contest am dritten vollen Juni-Wochenende, getragen von den Verbänden aus Österreich, Kroatien, Italien und Slowenien — für Mikrowellen-Einsteiger die beste Gelegenheit, überhaupt Gegenstationen zu finden. Wer Contest-Betrieb noch nie probiert hat: Conteste für Einsteiger.

Baken auf 23 cm und 10 GHz dienen der Ausbreitungsbeobachtung und sind zum Ausrichten der eigenen Antenne unbezahlbar. Die aktuellen Listen führen das UKW-Referat des ÖVSV und die IARU Region 1 — Bakenfrequenzen ändern sich, gerade jetzt im Zuge der 23-cm-Umplanung, deshalb hier bewusst keine Einzelfrequenzen.

Fazit

Das 23-cm-Band ist in Österreich kein Band mehr, auf dem man mit Leistung arbeitet, sondern eines, auf dem man mit Standort und Antenne arbeitet. Das ist weniger schlimm, als es klingt: 10 W auf einen guten Gipfel gebracht schlagen 200 W aus dem Tal jederzeit. Wer den vollen Mikrowellen-Spielplatz will, geht auf 3 cm — oder nimmt QO-100 und hat beides an einem Nachmittag.

73 – eure oeradio.at-Redaktion


Transparenzhinweis

Stand der Angaben: August 2026. Die österreichischen Grenzwerte stammen aus der Frequenznutzungsverordnung (BGBl. II Nr. 61/2023, Anlage 4), die europäischen Regelungen aus der ECC Decision (25)01 und dem zugehörigen Support-Paper der IARU Region 1; Contest-Termine und Anruffrequenzen vom ÖVSV. Verbindlich ist immer die geltende Fassung der Verordnung im RIS, dieser Beitrag ist keine Rechtsauskunft. Das Titelbild zeigt eine portable 10-GHz-Station mit selbstgebautem Transverter, Foto: Jeff Keyzer, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons. Die eingebetteten Videos stammen von Dritten, für ihre Inhalte sind die jeweiligen Kanäle verantwortlich. Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst und von der oeradio.at-Redaktion geprüft. Korrekturen gerne an [email protected].

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