DX-Wetter KW 43/2026: Flux 132, G1 am Dienstag, ruhiges Fenster zum CQ WW SSB

DX-Wetter

KW 43 / 2026 | 19. bis 25. Oktober | SFI aktuell 132 (17. Oktober), 90-Tage-Mittel 117 | SSN 87, Fleckenfläche 630 Millionstel | Kp höchstens 2,3 am 18. Oktober | Sonnenwind 459 km/s, Bz +1 nT, Bt 4 nT | G1-Watch für den 20. Oktober | M-Flare am 16. Oktober, größter Funkausfall R1 um 15:42 UTC | Quelle: NOAA SWPC, Stand 18. Oktober 12:00 UTC


Zusammenfassung

Die Woche hat zwei Gesichter, und beide sind gut zu planen.

Der Flux bleibt hoch. Seit dem 9. Oktober liegt er durchgehend über 120, am 13. Oktober war mit 136 der Spitzenwert, am 17. Oktober standen wir bei 132. Das 90-Tage-Mittel liegt bei 117, wir sind also nicht nur kurz über einer Spitze, sondern dauerhaft auf einem höheren Niveau als im September. Zwei Regionen tragen das: 4551 mit 320 und 4557 mit 140 Millionstel Hemisphärenfläche. Beide wandern aber nach Westen und verlassen die Scheibe im Lauf der Woche. Deshalb rechnen wir ab Mittwoch mit einem langsam sinkenden Flux.

Das Magnetfeld bekommt am Dienstag einen Dämpfer. NOAA hat am 17. Oktober um 20:14 UTC eine G1-Watch für den 20. Oktober herausgegeben. Der Auslöser ist kein Flare, sondern ein Sonnenwindstrom aus einem koronalen Loch mit positiver Polarität. Die 3-Tage-Prognose sieht ab Montag 15 UTC einen unruhigen Verlauf bis Kp 4 und am Dienstag zwischen 03 und 06 UTC Kp 5 (G1). Der Dienstag bleibt auch danach wechselhaft, Kp 3 bis 4 am Vormittag, erst am Nachmittag fällt der Wert auf 2.

Das Wochenende liegt komplett im ruhigen Bereich, und das ist der eigentliche Punkt dieser Ausgabe. Am 24. und 25. Oktober läuft das CQ WW DX Contest, SSB-Teil, von Samstag 00:00 UTC bis Sonntag 23:59 UTC. Bei einem Flux, der dann noch um 110 liegt, und einem Magnetfeld, das nach dem Donnerstag und Freitag wieder zur Ruhe kommt, sind die Voraussetzungen für den einen der größten Kurzwellen-Contests des Jahres ordentlich.

Die Sonne im extremen Ultraviolett bei 195 Ångström am 18. Oktober 2026, aufgenommen von GOES-19 SUVI
Die Sonne am 18. Oktober um 12:04 UTC im extremen Ultraviolett bei 195 Ångström. Dunkle Flächen sind koronale Löcher, dort strömt der schnelle Sonnenwind ins All. Die hellen Knoten nahe der Mitte und im Südwesten sind die aktiven Regionen. Bild: NOAA/NASA GOES-19 SUVI, gemeinfrei.

Der Fleckenbestand: wer den Flux trägt

Auf der Scheibe stehen acht nummerierte Regionen, aber nur zwei zählen:

  • 4551 (S16W46, Eki, beta-gamma, 12 Flecken, 320 Millionstel) ist die flächenmäßig größte Gruppe, zerfällt aber leicht: NOAA beobachtet, dass die kleinen Flecken schrumpfen. Sie steht bei 46 Grad West und erreicht bei rund 13 Grad Drehung pro Tag den Westrand etwa zur Wochenmitte, am Donnerstag ist sie praktisch weg.
  • 4557 (Eac, beta-gamma-delta, 22 Flecken, 140 Millionstel) steht fast in der Mitte der Scheibe und wächst weiter. Die Delta-Komponente ist der Grund, warum NOAA für die nächsten Tage mit 20 Prozent Wahrscheinlichkeit für M-Flares (R1 bis R2) rechnet. Sie erreicht den Westrand erst am Wochenende.

Der Rest ist Beiwerk: 4559, 4553, 4554 und 4556 sind winzig oder fleckenlos, 4555 und 4558 stehen am Westrand und sind praktisch abgemeldet. Am Ostrand ist in der Regionsliste nichts Neues zu sehen, es kommen also auf der Sonnenvorderseite keine frischen Gruppen nach, jedenfalls keine, die schon nummeriert wären.

Unser Flux-Korridor: Montag 125 bis 135, Dienstag 122 bis 134, Mittwoch 118 bis 130, Donnerstag 114 bis 128, Freitag 110 bis 125, Samstag 106 bis 122, Sonntag 100 bis 118. Die NOAA-Tabelle (Stand 12. Oktober) sagt 100 bis 105 für den Wochenanfang und 95 für das Wochenende. Sie ist wieder überholt, für den 19. Oktober steht dort 100, zuletzt gemessen wurden 132. Eine neue Ausgabe wird für Montag erwartet. Nach dem Rückblick weiter unten legen wir wieder über die Tabelle, aber diesmal mit einem klaren Gefälle zum Wochenende, weil die beiden Träger die Scheibe verlassen.

Bandprognose

10 und 12 Meter: Bei einem Flux über 120 sind beide Bänder der Normalfall am Tag, nicht die Ausnahme. Montag und Mittwoch bis Freitag sind die besten Tage, mit Süd- und Südwestwegen am späten Vormittag und transatlantisch am Mittag. Am Dienstagmorgen drückt der Sturm, die Nordwege sind gedämpft, ab Mittag erholt sich das. Wer bei 10 Metern noch Anlaufschwierigkeiten hat, findet bei uns einen Grundlagentext: 10-Meter-Band: das vergessene DX-Band lebt wieder auf.

15 und 17 Meter: Die Arbeitsbänder für DX am Tag. Beide tragen die ganze Woche, 15 Meter ist am Dienstag der bessere Rückzugsort, wenn oben die Störung läuft. Zum Wochenende hin, wenn der Flux Richtung 110 sinkt, bleibt 15 Meter stabil und 10 Meter wird anspruchsvoller.

20 Meter: Das Band für Tag und Abend und der Mittelpunkt des Contests. Auch am Dienstag brauchbar, in der Nacht zum Dienstag aber mit Dämpfung auf den Polwegen.

30 und 40 Meter: 40 Meter ist die Rückfallebene für Dienstagmorgen. Im Contest übernimmt es die Abend- und Nachtstunden, die Nächte sind inzwischen deutlich länger als im Sommer.

80 und 160 Meter: Die Low-Band-Saison läuft, das Grundrauschen sinkt. Am Montagabend und in der Nacht zum Dienstag ist die Aufwärmphase des Sturms zu erwarten, mit leichter Absorption auf den Nordwegen. Ab Mittwoch normalisiert sich das, und der Contest-Sonntag ist für die Low Bands ein guter Kandidat.

VHF: Sporadic-E ist bis zum Frühjahr vorbei. Interessanter sind zwei andere Dinge. Bei Kp 5 am Dienstag gibt es Aurora auf 6 und 2 Meter, bei G1 aber realistisch nur im hohen Norden: Skandinavien und Norddeutschland haben eine Chance, bei uns in Österreich ist es nicht wahrscheinlich. Wer es trotzdem probieren will, hört in der Nacht zum Dienstag nach Norden. Die zweite Sache sind die Orioniden, die um den 21. und 22. Oktober ihr Maximum erreichen: Meteorscatter auf 2 Meter lohnt sich in diesen Tagen. Mehr zur Technik steht im Artikel Aurora-Ausbreitung auf 2 m.

Geomagnetische Vorhersage

Hier gibt es zwei Quellen mit unterschiedlichem Alter, und das muss man auseinanderhalten. Die 27-Tage-Tabelle stammt vom 12. Oktober und kennt den Sonnenwindstrom vom Dienstag noch nicht. Die 3-Tage-Prognose und die Forecast Discussion vom 18. Oktober, 00:30 UTC, kennen ihn. Für Montag und Dienstag gilt deshalb die neuere Quelle.

  • Montag, 19. Oktober: bis zum Mittag ruhig (Kp 1 bis 2), ab 15 UTC Kp 3, am Abend aktiv, Kp bis 4. Unsere Schätzung: A 8 bis 14.
  • Dienstag, 20. Oktober: Kp 4 ab 00 UTC, G1 (Kp 5) zwischen 03 und 06 UTC, danach wechselhaft (Kp 3 bis 4 am Vormittag), am Nachmittag Kp 2, am Abend wieder Kp 3 bis 4. Unsere Schätzung: A 15 bis 30.
  • Mittwoch, 21. Oktober: NOAA-Tabelle A 15, Kp bis 3. Unsere Schätzung: A 10 bis 18.
  • Donnerstag, 22. Oktober: NOAA-Tabelle A 20, Kp bis 4. Unsere Schätzung: A 15 bis 22.
  • Freitag, 23. Oktober: NOAA-Tabelle A 15, Kp bis 4. Unsere Schätzung: A 10 bis 18.
  • Samstag, 24. Oktober: NOAA-Tabelle A 10, Kp bis 3. Unsere Schätzung: A 7 bis 12.
  • Sonntag, 25. Oktober: NOAA-Tabelle A 5, Kp bis 2. Unsere Schätzung: A 4 bis 8.

Ein Protonenereignis ist nicht in Sicht: Der Protonenfluss über 10 MeV liegt auf Hintergrundniveau, NOAA gibt für S1 oder mehr 5 Prozent an. Funkausfälle sind dagegen möglich, solange 4551 und 4557 auf der Scheibe stehen: R1 bis R2 mit 20 Prozent täglich, R3 oder mehr mit 5 Prozent.

CQ WW DX SSB: was das Wetter dazu sagt

Das Contest-Wochenende fällt in die ruhigste Phase der Woche. Nach den leicht unruhigen Tagen vom 21. bis 23. Oktober bringt die Tabelle für den 24. Oktober A 10, am 25. Oktober A 5. Der Flux dürfte bei 105 bis 120 liegen.

Was das praktisch heißt: 10 und 15 Meter sind am Tag offen, mit Wegen nach Süden, Südosten und über den Atlantik. 20 Meter trägt den Tag und den Abend, 40 und 80 Meter die Nacht. Der Sonntag ist wegen des ruhigeren Feldes der bessere Tag für die Low Bands und für schwache Wege. Offiziell findet das Contest von Samstag 00:00 UTC bis Sonntag 23:59 UTC statt (Quelle: cqww.com). Wer noch nie mitgemacht hat, findet den Einstieg im Artikel Conteste für Einsteiger.

Der 27-Tage-Takt: zwei Fenster, ein Haken

Die Sonne dreht sich von der Erde aus gesehen in gut 27 Tagen einmal, und ein koronales Loch überlebt oft mehrere Umläufe. Das ist die Grundlage der Wiederkehrprognose.

Die Rechnung für diese Woche. 27 Tage vor dem 19. bis 25. Oktober liegt der 22. bis 28. September. Die planetaren A-Werte dort: 3, 4, 16, 20, 13, 9 und 4. Das passt erstaunlich gut zur NOAA-Tabelle, die für 21. bis 23. Oktober A 15, 20 und 15 ansetzt. Die Störung vom 24. bis 26. September kehrt also wieder, und sie fällt auf Mittwoch bis Freitag.

Der Haken. Der Sonnenwindstrom vom Dienstag steht in dieser Rechnung nicht. Am 20. September war es ruhig (A 6), und es gibt in der Reihe keine Störung, die sich eindeutig auf diesen Dienstag zurückführen ließe. Das Loch ist offenbar auf der Rückseite gewachsen oder neu entstanden. Das ist der Grund, warum wir für Montag und Dienstag der 3-Tage-Prognose folgen und nicht der Tabelle.

Der nächste markierte Termin liegt am 31. Oktober: Die Tabelle sieht A 30 und Kp 5, genau 27 Tage nach der Störung vom 4. Oktober (A 36). Wer für das Allerheiligen-Wochenende etwas plant, sollte das einkalkulieren.

Empfehlungen für die kommende Woche

  • Montag: Das ist der Tag. Hoher Flux, ruhiges Feld bis zum Mittag. 10, 12 und 15 Meter ernsthaft arbeiten, DX jagen, solange die Störung noch nicht da ist.
  • Dienstag: Vormittag abwarten, in der Nacht vorher VHF-Aurora nach Norden probieren, auf Kurzwelle 15 und 20 Meter bevorzugen. Ab Mittag normalisiert sich das.
  • Mittwoch bis Freitag: leicht unruhig, aber ohne Sturm. Die Bänder funktionieren, nur die Polwege sind launisch. Südwege zuerst.
  • Samstag und Sonntag: Contest-Wochenende bei ruhigem Feld. 15 und 20 Meter am Tag, 40 und 80 Meter in der Nacht, 10 Meter am Samstag zuerst, am Sonntag wird es schwächer.
  • Orioniden: Meteorscatter auf 2 Meter um den 21. und 22. Oktober probieren.
  • Funkausfälle einkalkulieren. Wenn die Bänder plötzlich tot wirken, lohnt vor dem Verdacht auf die Antenne der Blick auf den Röntgenfluss.
  • Die aktuellen Werte statt der Wochenprognose stehen im Bandblick. Wie sich SFI, A- und K-Index lesen lassen, erklärt der Artikel Ausbreitungsbedingungen verstehen.

Rückblick KW 42

Beim Flux war es diesmal deutlich besser, aber wieder alles auf einer Seite. Angesagt waren 110 bis 128 für Montag bis Mittwoch und 105 bis 130 für Donnerstag bis Sonntag. Gemessen wurden 123, 136, 123, 126, 131 und 132 von Montag bis Samstag. Drei Tage lagen im Korridor (Montag, Mittwoch, Donnerstag), drei darüber: Dienstag um 8 Punkte, Freitag um 1, Samstag um 2. Kein Tag lag darunter. Gegenüber KW 41, in der alle fünf Tage außerhalb des Korridors lagen, ist das eine klare Verbesserung, und die Entscheidung, über die NOAA-Tabelle zu gehen, hat sich bewährt. Die Tabelle selbst (Stand 5. Oktober, 90 bis 105) war weit daneben, und auch die Ausgabe vom 12. Oktober mit 120 fallend auf 95 lag in dieser Woche zu tief.

Beim Magnetfeld haben wir den Montag überschätzt. Wir hatten für den 12. Oktober A 12 bis 25 erwartet, die SWPC-Prognose sah Kp bis 5,67. Gemessen wurde A 7 bei Kp 3,3 als Maximum, also gar kein Sturm. Die Annahme, das Ereignis vom Samstag rutsche um einen halben bis einen Tag nach vorn und klinge am Montag aus, hat gestimmt, nur war es am Montag bereits fast vorbei. Der Samstag selbst war dagegen heftig: Der Alarm für Kp 7 (G3) kam am 10. Oktober um 19:27 UTC, der Tageswert A lag bei 46. Die G3-Warnung vom Samstag war also berechtigt.

Die ruhige Wochenmitte war etwas unruhiger als angesagt. NOAA sah A 8, 8, 5, 5, 5, 5, gemessen wurden 13, 10, 9, 12 und 6 von Dienstag bis Samstag. Zwei K4-Meldungen (Warnung am 13., Alarm am 16. Oktober um 19:40 UTC) zeigen, dass es kleine Störungen gab, aber ohne Folgen für das Planungsfenster. Die Aussage „Dienstag bis Sonntag ist das Fenster“ hat gehalten.

Zur Bandprognose: Die Empfehlung, tagsüber nach oben zu gehen, war richtig. Bei Flux 123 bis 136 waren 10 und 15 Meter die ganze Woche eine ehrliche Option.

vy 73 und gud DX — eure DX-Wetterredaktion


Transparenzhinweis

Diese Vorausschau wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) auf Basis öffentlicher Weltraumwetter-Daten erstellt: NOAA SWPC 27-Tage-Ausblick (Tabelle vom 12. Oktober), 3-Tage-Prognose und Forecast Discussion vom 18. Oktober 00:30 UTC, die täglichen Sonnen- und geomagnetischen Indizes bis einschließlich 17. Oktober, die planetare Kp-Reihe, die Warn- und Alarmmeldungen bis 17. Oktober 20:14 UTC, die Regionsliste vom 18. Oktober sowie die Echtzeitwerte für Sonnenwind und Magnetfeld vom 18. Oktober 12:06 UTC. Die Rückrechnung auf den 27-Tage-Takt stützt sich auf die Archivreihe der planetaren A-Indizes von SWPC. Die Termine des CQ WW DX Contest stammen von cqww.com. Das Titelbild stammt von NOAA/NASA GOES-19 SUVI (195 Ångström, 18. Oktober 12:04 UTC) und ist gemeinfrei. Die Inhalte wurden von der oeradio.at-Redaktion geprüft. Hinweise und Korrekturen gerne an [email protected].

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