KW 42 / 2026 | 12. bis 18. Oktober | SFI aktuell 121 | NOAA-27-Tage 90 bis 105 | SSN 93, Fleckenfläche 550 Millionstel | Kp 6 am 10. Oktober 17:17 UTC (G2), Warnung auf K 7 bis 23:59 UTC | Sonnenwind 872 km/s, Bz −7 nT, Bt 26 nT | M6.4-Flare am 10. Oktober 15:10 UTC (R2) | Protonenfluss 0,2 pfu, weit unter Schwelle | Quelle: NOAA SWPC, Stand 10. Oktober 18:00 UTC
Zusammenfassung
Zwei Dinge haben sich seit der letzten Ausgabe geändert, und beide sind groß.
Erstens ist der Flux zurück. Am 4. Oktober standen wir bei 92, am 9. Oktober bei 121. Die Fleckenzahl ist im selben Zeitraum von 55 auf 93 gestiegen, die Fleckenfläche von 110 auf 550 Millionstel Hemisphärenfläche. Das ist kein Rauschen, das ist eine neue Lage. Die Flare-Statistik zieht mit: Am 9. Oktober wurden 14 C-Flares und ein M-Flare registriert, nach null C-Flares am 3. und 4. Oktober.
Zweitens hat es am Samstagnachmittag geschlagen. Um 15:16 UTC hat die Station Niemegk einen geomagnetischen Sudden Impulse von 56 nT gemessen, die Signatur einer eintreffenden CME. Der Sonnenwind läuft seither mit 872 km/s bei einem Gesamtfeld von 26 nT, die Bz-Komponente liegt bei −7 nT. Um 15:35 UTC war K 5 erreicht, um 17:17 UTC K 6, also G2. Seit 17:42 UTC läuft eine Warnung auf K 7 oder mehr, NOAA-Stufe G3, gültig bis Mitternacht.
Fast zeitgleich, um 15:10 UTC, hat die Sonne einen M6.4-Flare abgeliefert, mit R2-Funkausfall auf der Tagseite, einem Typ-II-Radioburst bei 929 km/s und einem 10-cm-Radioburst von 240 sfu. Das heißt: Da ist noch eine Eruption unterwegs, deren Wirkung wir erst in den nächsten ein bis zwei Tagen sehen.
Für die kommende Woche heißt das, dass die Störung in ihr Vorfeld fällt und nicht in sie hinein. Der Sturm läuft über Sonntag, Montag ist Ausklang, ab Dienstag erwarten sowohl die NOAA-Tabelle als auch die Wiederkehrrechnung ein ruhiges Feld. Gleichzeitig trägt ein Fleckenbestand die oberen Bänder, wie wir ihn seit dem 23. September nicht hatten.

Der Fleckenbestand: wer den Flux trägt
Auf der Scheibe stehen sechs nummerierte Regionen. Zwei davon zählen:
- 4549 (N09W54, Eki/beta-delta, 28 Flecken, 260 Millionstel) ist der Treiber. Die Delta-Konfiguration ist die Klasse, in der M- und X-Flares entstehen, und die Region liefert entsprechend: C7.9 am Morgen, M6.4 am Nachmittag. Sie steht allerdings schon bei 54 Grad West und wandert mit rund 13 Grad pro Tag weiter. Bis Mittwoch ist sie am Rand, ab Donnerstag weg.
- 4551 (S14E61, Eko/beta, 12 Flecken, 360 Millionstel) kommt gerade erst herein und ist flächenmäßig bereits die größte Gruppe auf der Scheibe. Sie steht Mitte der Woche zentral. Das ist der Grund, warum wir nicht mit einem Einbruch rechnen, wenn 4549 abdreht.
Der Rest ist Beiwerk: 4545 (W60) zerfällt, 4552 (W34) vereinfacht sich, 4548 (W26) ist ein einzelner stabiler Fleck, 4550 ist am Westrand bereits abgemeldet.
Unser Flux-Korridor: 110 bis 128 von Montag bis Mittwoch, 105 bis 130 von Donnerstag bis Sonntag. Die NOAA-Tabelle sieht 90 bis 105 und ist damit schlicht überholt, sie stammt vom 5. Oktober und kennt den Anstieg der letzten fünf Tage nicht. Wir legen diesmal bewusst über die Tabelle, nachdem wir zweimal hintereinander zu tief gelegen sind. Mehr dazu im Rückblick.
Bandprognose
10 und 12 Meter: Das erste Mal seit Wochen eine ehrliche Empfehlung. Bei einem Flux über 115 öffnet 10 Meter am Tag nach Süden und Südwesten zuverlässig, und bei ruhigem Feld ab Dienstag auch transatlantisch am späten Vormittag. 12 Meter ist das etwas gutmütigere Band und trägt länger in den Nachmittag. Am Montag drückt die abklingende Störung noch, ab Dienstag ist das weg. Wer in den letzten vier Wochen 10 Meter abgeschrieben hat, sollte diese Woche wieder hinhören.
15 und 17 Meter: Die Gewinner der Woche. 15 Meter wird bei diesem Flux und ruhigem Feld das Band für DX am Tag, mit guten Nord-Süd-Wegen, die der Oktober ohnehin begünstigt. 17 Meter bleibt die verlässliche Ergänzung in den Randstunden. Ab Dienstag beide Bänder ohne Vorbehalt.
20 Meter: Das Arbeitspferd, auch am gestörten Montag brauchbar. Interessanter ist diese Woche aber, was darüber liegt. Wer die ganze Woche nur auf 20 Meter sitzt, verpasst etwas.
30 und 40 Meter: Die Rückfallebene für Sonntag und Montag, solange oben die Störung dämpft. 40 Meter am Abend ist jetzt deutlich besser als im September, die Nächte sind länger als die Tage.
80 und 160 Meter: Die Saison läuft. Das Grundrauschen sinkt mit jeder Woche, Gewitter in Europa sind selten geworden. Zu Wochenbeginn sind die Nordwege durch die Störung noch gedämpft, ab Dienstag sollte das weg sein. Wer Drahtantennen für die Low Bands plant, hat jetzt den richtigen Monat.
VHF: Hier liegt die Chance dieser Woche am Anfang und nicht am Ende. Bei K 6 und einer laufenden G3-Warnung ist Aurora auf 6 und 2 Meter auch in unseren Breiten nicht abwegig. Das gilt für Samstagabend und Sonntag, mit Resten am Montag. Wer Aurora noch nie probiert hat: nach Norden hören, CW oder SSB, der typische verzerrte zischende Klang ist unverwechselbar. Sporadic-E ist dagegen Geschichte bis zum Frühjahr.
Geomagnetische Vorhersage
Die NOAA-Tabelle vom 5. Oktober gibt für die Woche folgende Werte an:
- Montag, 12. Oktober: SFI 90, A 8, Kp bis 3
- Dienstag, 13. Oktober: SFI 95, A 8, Kp bis 3
- Mittwoch, 14. Oktober: SFI 100, A 8, Kp bis 3
- Donnerstag, 15. Oktober: SFI 105, A 5, Kp bis 2
- Freitag, 16. Oktober: SFI 105, A 5, Kp bis 2
- Samstag, 17. Oktober: SFI 105, A 5, Kp bis 2
- Sonntag, 18. Oktober: SFI 105, A 5, Kp bis 2
Beim Flux ist diese Tabelle überholt, beim Magnetfeld halten wir sie für brauchbar, allerdings mit einer Korrektur am Montag. Die 3-Tage-Prognose vom 10. Oktober, 12:30 UTC, erwartet für Montag Kp bis 5,67, also G2, mit dem Maximum in den frühen Morgenstunden zwischen 00 und 09 UTC.
Dazu gehört ein Hinweis, den man nicht oft genug geben kann: Diese Prognose ist um 12:30 UTC herausgegeben worden, der Einschlag kam um 15:16 UTC. Sie hinkt also bereits hinterher. Die Störung, die SWPC am Vormittag auf Sonntag und Montag terminiert hat, hat am Samstagnachmittag begonnen. Wenn das ganze Ereignis um einen halben bis einen Tag nach vorne rutscht, ist der Montag nicht der Höhepunkt, sondern der Ausklang. Wir gehen von Letzterem aus und erwarten für Montag A zwischen 12 und 25, mit abklingender Tendenz über den Tag.
Ab Dienstag sind sich beide Verfahren einig. Ein Protonenereignis ist trotz des M6.4 nicht in Sicht: Der Fluss über 10 MeV liegt bei 0,2 pfu, die S1-Schwelle bei 10, und SWPC gibt nur 10 Prozent Wahrscheinlichkeit an. Mit Funkausfällen auf der Tagseite ist dagegen zu rechnen, solange 4549 auf der Scheibe steht: SWPC setzt R1 bis R2 auf 55 Prozent täglich.
Das Planungsfenster dieser Woche liegt von Mittwoch bis Sonntag. Fünf Tage mit ruhigem Feld und gleichzeitig hohem Flux, das ist die beste Kombination seit Ende September.
Was der 27-Tage-Takt diesmal nicht leistet
Wir haben in den letzten Ausgaben mehrfach gezeigt, wie gut sich wiederkehrende Störungen aus koronalen Löchern vorhersagen lassen: Die Sonne dreht sich von der Erde aus gesehen in gut 27 Tagen einmal, und ein koronales Loch überlebt oft mehrere Umläufe. Diesmal ist der interessante Teil, wo die Methode an ihre Grenze stößt.
Die Rechnung für diese Woche. 27 Tage vor dem 12. bis 18. Oktober liegt der 15. bis 21. September. Die planetaren A-Werte dort: 8, 9, 9, 5, 7, 6 und 3. Eine durchweg ruhige Woche. Genau das steht auch in der NOAA-Tabelle, und genau deshalb halten wir ihren geomagnetischen Teil ab Dienstag für verlässlich.
Und der Haken. Die Wiederkehrprognose erfasst nur die Störungen aus koronalen Löchern, weil die mit der Sonne mitrotieren. CMEs rotieren nicht mit, sie passieren. Der Einschlag vom Samstag stammt aus Eruptionen vom 7. bis 9. Oktober und steht in keiner 27-Tage-Tabelle, weder rückwärts noch vorwärts. Solange eine Region mit Delta-Konfiguration auf der Scheibe steht, ist die ruhige Wochenprognose immer nur so gut wie die Annahme, dass nichts explodiert.
Der Termin für Ende Oktober steht weiter. Wir hatten in der letzten Ausgabe auf den 21. bis 24. Oktober hingewiesen, die Wiederkehr des koronalen Lochs vom 24. bis 27. September. Die aktuelle Tabelle bestätigt das: A 18, 22, 15 und 10 für den 21. bis 24. Oktober, mit Kp bis 5. Dazu neu am Monatsende: A 30 am 31. Oktober, was ziemlich genau 27 Tage nach der Störung vom 4. Oktober liegt. Wer Ende Oktober oder zu Allerheiligen etwas plant, hat damit zwei markierte Fenster.
Empfehlungen für die kommende Woche
- Noch heute und Sonntag: wenn VHF, dann jetzt. Aurora-Chance auf 6 und 2 Meter nach Norden, solange die G2- bis G3-Lage läuft. Auf Kurzwelle in dieser Phase nach unten ausweichen, 30 und 40 Meter tragen.
- Montag: Übergangstag mit abklingender Störung. Die oberen Bänder sind da, aber gedämpft, die Nordwege am meisten. Süd- und Ostrichtungen zuerst probieren.
- Dienstag bis Sonntag: das Fenster, und zwar ein breites. Hoher Flux bei ruhigem Feld. Hier gehören die Vorhaben hin, die beides brauchen: 10 und 15 Meter ernsthaft arbeiten, DXpeditionen jagen, schwierige Richtungen versuchen.
- Tagsüber nach oben gehen. Das ist die eigentliche Botschaft dieser Woche. Wer aus Gewohnheit auf 20 Meter bleibt, verschenkt bei Flux 120 die besten Bänder.
- Funkausfälle einkalkulieren. Solange 4549 auf der Scheibe steht, sind kurze R1- bis R2-Einbrüche auf der Tagseite möglich. Wenn die Bänder plötzlich tot wirken, lohnt der Blick auf den Röntgenfluss, bevor man die Antenne verdächtigt.
- Vor dem Einschalten lohnt der Blick auf das Bandblick-Dashboard, dort stehen die aktuellen Werte statt der Wochenprognose.
Rückblick KW 41
Beim Flux haben wir zum zweiten Mal hintereinander zu tief gelegen, und diesmal deutlicher als beim ersten Mal. Angesagt waren 89 bis 96 für Montag bis Mittwoch und 92 bis 104 für Donnerstag bis Sonntag. Gemessen wurden 100, 113, 114, 119 und 121 von Montag bis Freitag. Kein einziger Tag lag im Korridor. Der Dienstag ist um 17 Punkte oben hinaus, der Freitag um 17. Die NOAA-Tabelle sah 91 bis 100 und lag ebenfalls daneben.
Der Fehler war derselbe wie in KW 39, nur in Reinform. Wir hatten geschrieben: „Wir setzen damit etwas tiefer an als NOAA, weil wir in den letzten vier Wochen zweimal erlebt haben, wie schnell ein Fleckenbestand aus kleinen Gruppen wegbricht." Das war eine Korrektur in die falsche Richtung. In einer Phase, in der am Ostrand laufend neue Regionen hereindrehen, ist das Risiko nicht der Einbruch, sondern der Anstieg. Wir haben aus zwei Abstürzen gelernt und dabei übersehen, dass dieselbe Dynamik nach oben genauso schnell läuft. Die Konsequenz für diese Ausgabe steht oben: Wir legen über die NOAA-Tabelle statt darunter.
Die Bandprognose war in der Folge wieder zu vorsichtig. Wir haben 10 Meter als „Band für Geduldige" bezeichnet und frühestens ab Freitag für realistisch gehalten. Bei einem Flux von 113 und 114 war es bereits am Dienstag und Mittwoch mehr als das. Wer sich daran gehalten hat, hat drei gute Tage auf den oberen Bändern liegen gelassen. Das ist jetzt zweimal in drei Ausgaben passiert, und es ist der Punkt, an dem wir nachschärfen müssen.
Beim Magnetfeld haben wir die Richtung getroffen, die Beträge nicht ganz. Angesagt waren A-Werte von 15 fallend auf 5 mit leichtem Anstieg am Sonntag. Beobachtet wurden 19, 8, 4, 5 und 10 von Montag bis Freitag. Der Montag war etwas kräftiger als angesagt, die Wochenmitte deutlich ruhiger. Die Aussage „ab Mittwoch wird es ruhig" hat gestimmt.
Das Planungsfenster lag richtig, aber aus dem falschen Grund. Wir hatten Donnerstag bis Samstag genannt, wegen des ruhigen Feldes bei langsam steigendem Flux. Ruhig war es, aber der Flux ist nicht langsam gestiegen, sondern gesprungen. Gut geraten ist nicht dasselbe wie gut gerechnet.
vy 73 und gud DX — eure DX-Wetterredaktion
Transparenzhinweis
Diese Vorausschau wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) auf Basis öffentlicher Weltraumwetter-Daten erstellt: NOAA SWPC 27-Tage-Ausblick (Tabelle vom 5. Oktober), 3-Tage-Prognose und Forecast Discussion vom 10. Oktober 12:30 UTC, die täglichen Sonnen- und geomagnetischen Indizes bis einschließlich 9. Oktober, die planetare Kp-Reihe und die Warn- und Alarmmeldungen bis 10. Oktober 17:42 UTC, die Regionsliste vom 10. Oktober sowie die Echtzeitwerte für Sonnenwind, Magnetfeld und Protonenfluss von 10. Oktober 17:50 UTC. Die Rückrechnung auf den 27-Tage-Takt stützt sich auf die Archivreihe der planetaren A-Indizes von SWPC. Das Titelbild stammt von NOAA/NASA GOES-19 SUVI (195 Ångström, 10. Oktober 17:48 UTC) und ist gemeinfrei. Die Inhalte wurden von der oeradio.at-Redaktion geprüft. Hinweise und Korrekturen gerne an [email protected].





