Icom IC-SAT100: Satellitenfunk per Knopfdruck

AmateurfunkTechnik

Ein Handfunkgerät, das überall auf der Welt funktioniert: auf dem offenen Meer, in der Wüste, am Nordpol, mitten im Dschungel. Kein Relais nötig, kein Repeater, kein terrestrisches Netz. Einfach PTT drücken und sprechen. Was wie Science-Fiction klingt, ist seit dem 17. Juni 2019 kommerziell verfügbar. An diesem Tag haben Icom und Iridium den IC-SAT100 gemeinsam vorgestellt, das weltweit erste Handfunkgerät, das ausschließlich als Push-to-Talk-Funkgerät über ein Satellitennetz arbeitet.

Leuchtende Abgasfahne einer Falcon 9 in der Dämmerung über Kalifornien beim Start von Iridium-NEXT-Satelliten
Der Start der Mission Iridium-4 am 22. Dezember 2017 von der Vandenberg Air Force Base. Zehn weitere Iridium-NEXT-Satelliten auf dem Weg in die Umlaufbahn, die das Netz hinter dem IC-SAT100 bilden. (Bild: Kevin Gill, CC BY 2.0, Wikimedia Commons, Ausschnitt)

Für Funkamateure ist das Gerät gleichermaßen faszinierend wie ungewöhnlich, denn es ist kein Amateurfunkgerät. Trotzdem verdient es unsere Aufmerksamkeit, weil es Konzepte vereint, die im Notfunk, bei Expeditionen und in der Blackout-Vorsorge hochrelevant sind. Und weil die Betriebstechnik, die Iridium seinen Nutzern beibringt, erstaunlich genau dem entspricht, was wir seit Jahrzehnten auf dem Relais üben.

Was der IC-SAT100 ist und was er nicht ist

Zuerst die Abgrenzung, weil hier viel durcheinandergeht. Der IC-SAT100 ist kein Satellitentelefon. Er kann nicht telefonieren, keine SMS senden, keine Daten übertragen und keine Nummer wählen. Er kennt genau eine Betriebsart: halbduplex Sprechfunk in einer Gruppe, ausgelöst durch die PTT-Taste.

Er ist auch kein Amateurfunkgerät. Er arbeitet im Iridium-L-Band zwischen 1616 und 1626,5 MHz, braucht einen kommerziellen Dienstvertrag und lässt sich nicht auf Amateurfunkbänder umprogrammieren. Ohne aktiven Vertrag ist er ein teures Stück Elektronik ohne Funktion.

Was er ist: ein Betriebsfunkgerät, bei dem die Rolle des Repeaters von einer Konstellation aus 66 Satelliten übernommen wird. Wer schon einmal DMR mit Talkgroups betrieben hat, versteht das Bedienkonzept in zwei Minuten. Der Unterschied ist die Abdeckung: Die Talkgroup reicht nicht bis zum nächsten Relaisstandort, sondern bis dorthin, wo der Betreiber sie auf der Karte hingezeichnet hat.

Das Iridium-Netz: 66 Satelliten, sechs Bahnebenen, ein Mesh im Orbit

Um den IC-SAT100 zu verstehen, muss man zuerst das Iridium-Netz verstehen. Während die meisten Kommunikationssatelliten, etwa der von Funkamateuren genutzte QO-100, in einer geostationären Umlaufbahn auf rund 36.000 Kilometern Höhe stehen, setzt Iridium auf ein völlig anderes Konzept.

Iridium-Satellit der ersten Generation als Ausstellungsstück, mit Solarpaneelen und den drei Hauptantennenflächen
Ein Iridium-Satellit der ersten Generation, aus Ersatzteilen gebaut und von Motorola an das National Air and Space Museum übergeben. Gut zu sehen sind die drei schräg abstehenden Hauptantennen, die zusammen die 48 Spotbeams erzeugen. (Bild: ideonexus, CC BY-SA 2.0, Wikimedia Commons)

Die Eckdaten der Konstellation:

ParameterWert
Aktive Satelliten66 (plus Reserven im Orbit)
Bahnhöherund 780 km (LEO)
Bahnneigung86,4 Grad, nahezu polar
Bahnebenen6 Ebenen mit je 11 Satelliten
Umlaufzeitrund 101 Minuten
Bahngeschwindigkeitrund 27.000 km/h
Crosslinksjeder Satellit zu 4 Nachbarn

Die niedrige Umlaufbahn bringt drei entscheidende Vorteile:

  • Geringe Laufzeit: 780 Kilometer statt 36.000 Kilometer bedeuten eine wesentlich kürzere Signallaufzeit. Das ist die Grundlage für eine natürliche Sprechfunk-Verbindung ohne störende Pausen.
  • Vollständige Abdeckung: Die Bahnen laufen fast über die Pole und kreuzen sich dort. Damit ist jeder Punkt der Erdoberfläche abgedeckt, auch die Polargebiete, die ein geostationärer Satellit nie sieht.
  • Kleine Endgeräte: Durch die Nähe der Satelliten reichen eine kurze Stabantenne und geringe Sendeleistung. Genau deshalb ist ein Handfunkgerät überhaupt möglich.
Weltkarte mit den sich überlappenden Funkzellen der Iridium-Konstellation, an den Polen besonders dichte Überlappung
Die Ausleuchtzonen der Iridium-Konstellation. Die Kreise überlappen sich lückenlos, zu den Polen hin immer dichter, weil dort alle sechs Bahnebenen zusammenlaufen. (Bild: GrandDixence, gemeinfrei, Wikimedia Commons)

Der eigentliche Clou steckt in den Crosslinks. Jeder Satellit steht nicht nur mit den Bodenstationen in Verbindung, sondern auch mit vier benachbarten Satelliten, zwei in der eigenen Bahnebene und zwei in den Nachbarebenen. Dadurch entsteht ein Mesh-Netzwerk im All, das ein Gespräch quer über den Globus weiterreichen kann, ohne dass unter der Strecke eine Bodenstation liegen muss. Für Funkamateure, die mit MeshCom oder HAMNET arbeiten, ist das ein vertrautes Prinzip in sehr großem Maßstab.

Die heutige Konstellation heißt Iridium NEXT und ersetzt die ursprüngliche Flotte aus den 1990er-Jahren. Zwischen Januar 2017 und Januar 2019 brachte SpaceX in acht Falcon-9-Starts insgesamt 75 Satelliten in die Umlaufbahn, 66 aktive und neun Ersatzsatelliten. Das Titelbild dieses Artikels zeigt einen dieser Starts.

LEO gegen GEO: der Vergleich mit QO-100

Der Unterschied zu dem, was Funkamateure vom QO-100 kennen, ist grundsätzlich:

MerkmalIridium (LEO)QO-100 (GEO)
Bahnhöhe780 km35.786 km
Anzahl Satelliten66 aktiv1
Position am Himmelständig in Bewegungfest, scheinbar unbeweglich
Antennennachführungnicht nötigeinmal ausrichten, dann fix
Abdeckungglobal inklusive Polerund ein Drittel der Erde, Brasilien bis Thailand
Signallaufzeit hin und zurückwenige Millisekundenrund 250 Millisekunden
Zugangkommerzieller VertragAmateurfunklizenz

Beim QO-100 richtet man die Schüssel einmal aus und ist fertig, muss dafür aber mit der Laufzeit und der eingeschränkten Sichtbarkeit leben. Bei Iridium ist das Gegenteil der Fall: keine Ausrichtung, keine spürbare Laufzeit, dafür zieht der Satellit innerhalb weniger Minuten über den Himmel und die Signalstärke schwankt je nach Standort. Wer wissen will, wie es nach QO-100 weitergeht, findet das im Beitrag über FutureGEO.

Das Gerät im Detail

Icom hat den IC-SAT100 nicht als Verbraucherprodukt positioniert, sondern als Werkzeug für den Einsatz unter rauen Bedingungen: Rettungsdienste, Bergbau, Seefahrt, Sicherheitsunternehmen, Expeditionsteams, Forstwirtschaft.

Technische Daten

EigenschaftIC-SAT100
Frequenzbereich1616 bis 1626,5 MHz (Iridium L-Band)
Betriebsarthalbduplex PTT, Gruppenruf
Abmessungen57,8 × 135 × 32,8 mm (ohne Antenne und Knöpfe)
Gewicht360 g mit Akku BP-300 und Antenne
DisplayLCD, Sichtfläche 33 × 27 mm, beleuchtet
SchutzartIP67, 1 m Wassertiefe für 30 Minuten
MilitärstandardMIL-STD-810G (Schock, Vibration, Temperatur)
Betriebstemperatur-30 °C bis +60 °C
VerschlüsselungAES 256 Bit
Akkulaufzeit14,5 Stunden bei 5 : 5 : 90 (TX : RX : Standby)
Talkgroupsbis zu 15, Plätze 1 bis 15 am Gerät
Audioleistung1500 mW intern, 1000 mW extern
GPSintegriert
Bluetootheingebaut, für Lautsprechermikrofon und Headset
AntennenanschlussSMA
Notruftasteorange, auf der Oberseite

Zwei Zahlen aus dieser Tabelle werden im Netz regelmäßig falsch zitiert. Die Abmessungen gelten laut Icom ohne Antenne und ohne vorstehende Bedienelemente, mit Antenne ist das Gerät deutlich länger. Und die 14,5 Stunden sind kein Dauersenden, sondern ein Mischprofil aus 5 Prozent Senden, 5 Prozent Empfangen und 90 Prozent Bereitschaft.

Besondere Merkmale

  • AquaQuake: Eine Funktion, die Wasser aus dem Lautsprecher schüttelt. Nach dem Untertauchen aktiviert man AquaQuake, und eine tieffrequente Schwingung treibt das Wasser aus der Lautsprecherkammer. Danach ist die Wiedergabe sofort wieder klar. Icom baut das seit Jahren auch in seine Marinefunkgeräte ein.
  • Notruftaste: Eine dedizierte orange Taste auf der Oberseite, auch mit Handschuhen bedienbar. Sie löst einen vordefinierten Notruf an hinterlegte Empfänger aus, mit der GPS-Position des Geräts.
  • Positionsübermittlung: Das Gerät kann in konfigurierbaren Abständen seine GPS-Position melden. Die Einsatzleitung sieht alle Teammitglieder auf einer Karte.
  • Lautstärke: 1500 mW am internen Lautsprecher sind deutlich mehr als bei einem üblichen Handfunkgerät. Das ist kein Marketing, sondern eine Notwendigkeit auf Baustellen, an Deck bei Sturm oder neben einem laufenden Hubschrauber.

Icom UK stellt das Gerät vor und zeigt die Bedienung am lebenden Objekt, inklusive Talkgroup-Auswahl und Notruftaste.

PTT über Satellit: wie es praktisch abläuft

Das Grundprinzip ist jedem Funkamateur vertraut. Man drückt die PTT-Taste, spricht, lässt los. Der Unterschied liegt im Weg, den das Signal nimmt: hinauf zum nächsten sichtbaren Iridium-Satelliten, über die Crosslinks durch die Konstellation und wieder hinunter zu allen Geräten der Talkgroup.

Die Latenzwerte sind für ein Satellitensystem bemerkenswert:

  • Erster PTT-Druck: unter 2 Sekunden, bis die Sprachverbindung in der Gruppe steht
  • Jeder weitere PTT-Druck in derselben Sitzung: unter 500 Millisekunden

Aus diesen Werten folgt direkt die wichtigste Betriebsregel: PTT drücken, kurz warten, bis der Quittungston kommt, erst dann sprechen. Wer sofort losredet, verliert die ersten Silben. Wer schon einmal ein DMR-Relais über das Brandmeister-Netz benutzt hat, kennt genau diesen Effekt.

Drei weitere Eigenheiten, die man im Datenblatt nicht findet:

  • 40 Sekunden pro Sprechsitzung. Danach wird die Sitzung beendet. Für längere Durchgänge drückt man einfach erneut. Ein eingebauter Zwang zur Kürze, den mancher Rundspruchsprecher gut gebrauchen könnte.
  • Keine SIM-Karte. Iridium PTT identifiziert das Gerät über die IMEI. Es gibt nichts, was man verlieren oder verwechseln kann.
  • Bis zu 10.000 Geräte in einer Talkgroup. PTT läuft als Rundstrahldienst über das Netz, nicht als Summe von Einzelverbindungen. Deshalb skaliert es so weit.

Talkgroups: eine Funkzelle, die man auf die Landkarte malt

Hier wird es für Funkamateure wirklich interessant. Eine Iridium-Talkgroup ist keine Frequenz und kein Code, sondern eine geografische Fläche. Der Betreiber zeichnet sie im Iridium PTT Command Center als Kreis, Quadrat oder Rechteck auf eine Karte. Nur innerhalb dieser Fläche funktionieren die zugeordneten Geräte.

Talkgroup-GrößeFlächeEntspricht etwaDurchmesser bei einem Kreis
Small100.000 km²Island, Südkorearund 360 km
Medium300.000 km²Italien, Polenrund 620 km
Large750.000 km²Türkei, Chilerund 980 km
X-Large1.500.000 km²Mongoleirund 1.380 km
Super / Jumbo2.250.000 km²Grönlandrund 1.690 km

Zum Vergleich: Österreich hat 83.879 km². Die kleinste Talkgroup deckt also bereits das ganze Land ab, mit Platz für die Nachbarländer. Eine Fläche lässt sich außerdem in bis zu zehn getrennte Regionen aufteilen, bei der kleinsten Größe in bis zu fünf. Man kann also Klagenfurt, Wien und Innsbruck in einer Talkgroup zusammenfassen, ohne die Fläche dazwischen zu bezahlen. Kleinste zulässige Region ist ein Kreis mit 75 km Radius oder ein Quadrat von 150 × 150 km.

Jedes Gerät trägt bis zu 15 solcher Talkgroups auf den Speicherplätzen 1 bis 15. Eine davon kann als Prioritäts-Talkgroup definiert werden, die laufende Gespräche auf allen anderen unterbricht. Zuordnungen lassen sich über die Luftschnittstelle in Echtzeit ändern, ohne die Geräte einzusammeln. Wer schon einmal 30 DMR-Geräte für eine Übung umprogrammiert hat, weiß, was das wert ist.

Icom UK erklärt in knapp zwei Minuten, wie Talkgroups, Command Center und Geräte zusammenspielen.

Betriebstechnik: was Iridium seinen Nutzern beibringt

Der australische Iridium-Partner GlobalSat gibt zum IC-SAT100 einen Leitfaden für die Praxis heraus. Liest man ihn als Funkamateur, kommt einem fast jede Zeile bekannt vor:

  • Vor dem Drücken überlegen, was man sagen will. Solange eine Station sendet, kommt niemand sonst durch.
  • Sich selbst und den gewünschten Gesprächspartner zu Beginn nennen.
  • Kurz, klar und sachlich sprechen.
  • Nach dem Drücken ein bis zwei Sekunden auf den Ton warten.
  • Das Gerät etwa 10 cm vor dem Mund halten, Antenne ausgefahren und senkrecht.
  • Geduld haben, die Gegenstelle ist vielleicht gerade beschäftigt.
  • Standardbegriffe verwenden: „Over" für Ende der Durchsage, „Say again" für Wiederholung, „Stand-by" für verstanden, aber gerade nicht möglich, „Roger" für verstanden, „Out" für Gespräch beendet.

Das ist Betriebstechnik, wie sie im Notfunk seit jeher gelehrt wird. Der Unterschied: Bei Iridium gibt es dafür ein Schulungsblatt, weil die Nutzer aus dem Mobilfunk kommen und solche Regeln nicht kennen. Wir haben sie in der Lizenzausbildung ohnehin gelernt. Wer sich dafür vertieft interessiert, findet in unserem Beitrag zur ITU-R-Empfehlung M.1042-4 den regulatorischen Überbau dazu.

Praktisch wichtig ist noch die Sicht zum Himmel. Die Satelliten ziehen mit rund 27.000 km/h über den Himmel, die Signalstärke schwankt daher ständig. Ideal ist freie Sicht rundum, Baumkronen, Felswände, Fahrzeuge und Gebäude dämpfen spürbar. Wird das Signal schwach, hilft oft schon ein paar Schritte zur Seite oder abwarten, bis der nächste Satellit näher kommt. Für den Betrieb im Fahrzeug oder im Gebäude gibt es externe Antennen, etwa die passive AH-38, die kombinierte Satelliten- und GPS-Antenne AH-40 mit Magnetfuß und das aktive Antennensystem AH-41.

VE-PG4: die Brücke zu konventionellem Funk

Besonders interessant für Notfunk-Organisationen ist der optionale Icom VE-PG4 RoIP Gateway. Radio over IP bedeutet hier: Das Gerät koppelt den IC-SAT100 mit konventionellen Funksystemen, mit IP-Telefonen und mit IP-Netzen. Damit lässt sich ein lokales UHF- oder VHF-Funknetz über Satellit an eine entfernte Leitstelle anbinden.

Ein Szenario dazu: Nach einem Erdbeben in einem Alpental ist die terrestrische Infrastruktur zerstört. Ein Notfunk-Koffer mit VHF-Relais versorgt das Tal lokal. Über den VE-PG4 hängt dieses lokale Netz per Iridium an der Einsatzleitung in der Landeshauptstadt. So entsteht eine durchgehende Kette vom Katastrophengebiet bis zur Zentrale, ohne dass dazwischen eine einzige terrestrische Leitung stehen muss.

Genau diese Kombination ist der eigentliche Grund, warum das Gerät in einem Amateurfunk-Magazin steht. Die Weitverkehrsstrecke kauft man ein, die lokale Versorgung macht man selbst.

IC-SAT100M: die Version für Fahrzeug und Gebäude

Neben dem Handfunkgerät gibt es den IC-SAT100M, eine Mobilversion mit derselben Funktionalität:

EigenschaftIC-SAT100M
Frequenzbereich1616 bis 1626,5 MHz
Abmessungen Hauptgerät125 × 29 × 156,5 mm
Antenneneinheit76,8 × 200 × 76,8 mm, IP67
Gewichtrund 1200 g mit Mikrofon
Stromversorgung13,2 V / 26,4 V DC, zulässig 10,5 bis 32 V
Verbindung zur AntenneLAN-Kabel mit Power over Ethernet, bis 100 m
Betriebstemperatur-30 °C bis +60 °C

Der entscheidende Unterschied steckt im Antennenkonzept. Die Antenneneinheit enthält den HF-Teil und hängt per Netzwerkkabel am Hauptgerät, bis zu 100 Meter entfernt und über PoE versorgt. Die Antenne kommt also aufs Dach, das Bediengerät in die Einsatzzentrale, dazwischen liegt ein Patchkabel statt verlustbehafteter Koaxleitung. Für eine fest installierte Notfunkzentrale ist das die saubere Lösung.

Kosten: hier wird es ernüchternd

Der IC-SAT100 ist kein Gerät, das man sich zum Ausprobieren kauft. Die Anschaffung ist dabei noch der kleinere Posten.

KostenpositionBetrag
Gerät IC-SAT100 (europäische Händler)rund 1.050 bis 1.200 €
Gerätegebühr, Tarif Global, 12 Monate Bindung82 US-Dollar je Gerät und Monat
Gerätegebühr, Tarif Global, 3 Monate Bindung122 US-Dollar je Gerät und Monat
Talkgroup Small oder Medium80 US-Dollar je Monat
Talkgroup Large480 US-Dollar je Monat
Talkgroup X-Large1.150 US-Dollar je Monat
Talkgroup Super2.500 US-Dollar je Monat

Die Gerätegebühr enthält unbegrenzte Sprechzeit, es gibt keine Minutenabrechnung. Preisstand ist eine Tarifübersicht eines deutschen Iridium-Partners von Ende 2024, die Beträge sind in US-Dollar ausgewiesen und können je nach Anbieter und Region abweichen.

Eine Beispielrechnung für eine Notfunkgruppe mit zehn Geräten und einer Medium-Talkgroup, die ganz Österreich und die Nachbarregionen abdeckt: 10 × 82 Dollar plus 80 Dollar ergibt 900 US-Dollar pro Monat, also rund 10.800 Dollar im Jahr, dazu einmalig etwa 11.000 Euro für die Geräte. Für eine Bergbaufirma oder einen Rettungsdienst ist das vertretbar. Für einen Ortsverband ist es das nicht.

Aus der Praxis: drei dokumentierte Einsätze

Japan-Palau Goodwill Yacht Race

Der bestdokumentierte Einsatz ist eine Hochseeregatta. Von 29. Dezember 2019 bis 20. Jänner 2020 segelten sieben Yachten 1.726 Seemeilen, also rund 3.200 Kilometer, von Yokohama nach Palau. Im Einsatz waren zehn IC-SAT100: je eines an Bord der sieben Yachten, eines auf dem Begleitschiff und zwei in der Rennleitung in Yokohama, davon eines als Reserve.

Zweimal täglich lief ein Roll Call, bei dem jede Yacht Position, Wetter und Zustand meldete. Vorher hatte die Regattaleitung Satellitentelefone benutzt, mit zwei Problemen: Die Antenne musste zum geostationären Satelliten ausgerichtet werden, was auf einer krängenden Yacht mühsam ist, und jede Verbindung war ein Einzelgespräch. Mit dem Gruppenruf verkürzte sich der Roll Call drastisch, Sturmwarnungen erreichten alle gleichzeitig, und weil jede Station die Positionsdaten des Sprechers am Display sah, konnten die Crews den Rennstand live mitverfolgen.

Icom Japan hat die Regattaleitung dazu interviewt, das Video ist englisch untertitelt.

Berglauf-Veranstaltungen in Wales

Der britische Veranstalter Ourea Events richtet mehrtägige Berglaufrennen in abgelegenen Gebieten aus, unter anderem in den walisischen Bergen. Das Problem war klassisch: weit verteilte Sicherungsteams, kein Mobilfunk, keine Zeit für den Aufbau einer eigenen Relaiskette. Mit dem IC-SAT100 melden die Posten Vorfälle direkt an die Rennleitung, über eine Talkgroup, die das gesamte Streckengebiet abdeckt. Für Funkamateure, die SOTA- und POTA-Aktivierungen kennen, ist das genau die Geländesituation, in der terrestrischer Funk mühsam wird.

Yamaha Motor

Yamaha Motor hat ein dreistufiges Konzept für die Katastrophenvorsorge aufgebaut: IP-Funkgeräte IP502H über das Mobilfunknetz, lizenzfreie Handfunkgeräte IC-DU65B für die Lagefeststellung vor Ort und den IC-SAT100 für den Fall, dass Mobilfunk und Internet ausfallen. An der monatlichen Übung nehmen rund 18.000 Personen an 18 Standorten teil. Der Auslöser war profan: Bei Übungen mit den konventionellen Geräten kam es immer wieder zu Ausfällen durch Intermodulation und Empfindlichkeitsprobleme, weil auf den Dächern zu viele Antennen gleichzeitig arbeiteten. Ein Problem, das jeder Funkamateur kennt, der schon einmal zwei Stationen auf einem Hausdach betrieben hat.

Vergleich mit anderen Satellitengeräten

Der IC-SAT100 wird gern als einziges Gerät mit Gruppenruf über Satellit beschrieben. Das stimmt so nicht. Iridium bietet PTT auch auf dem Satellitentelefon Iridium Extreme 9575 PTT an, das zwischen Telefonmodus und PTT-Modus umschalten kann. Korrekt ist: Der IC-SAT100 ist das erste und bislang einzige Gerät, das ausschließlich als Funkgerät gebaut ist, mit der Bedienung, der Robustheit und der Lautstärke eines Betriebsfunkgeräts statt der eines Telefons.

MerkmalIcom IC-SAT100Iridium Extreme 9575 PTTGarmin inReach Messenger PlusThuraya XT-PRO
BauformFunkgerätSatellitentelefon mit PTT-ModusMessengerSatellitentelefon
Gruppenruf per PTTja, bis 15 Talkgroupsja, Talkgroupsneinnein
Telefonieneinjaneinja
Text und DatenneinSMS und E-MailText, Sprachnotizen bis 30 s, FotosSMS
NetzIridium (LEO)Iridium (LEO)Iridium (LEO)Thuraya (GEO)
Abdeckung inklusive Polejajajanein
VerschlüsselungAES 256AES 256 im PTT-Modusneinnein
Akkulaufzeit14,5 h (5:5:90)PTT: 16,5 h Standby, 5 h Sprechzeitmehrere Tagebis 9 h Sprechzeit
Gerätepreis (Richtwert)rund 1.050 bis 1.200 €rund 1.300 €rund 400 €rund 800 €
EinsatzprofilGruppenkoordination im FeldTelefonie plus GruppenrufSicherheits-Backup für EinzelneTelefonie, regional begrenzt

Für einen einzelnen Funkamateur, der ein Sicherheits-Backup für die Bergtour oder die DX-Expedition sucht, ist der inReach Messenger Plus die um Größenordnungen vernünftigere Wahl. Der IC-SAT100 spielt seine Stärke erst aus, sobald mehrere Personen koordiniert werden müssen.

Was sich seit 2019 geändert hat

Der IC-SAT100 kam 2019 auf den Markt, und das Umfeld hat sich seither bewegt. Drei Entwicklungen sind für Funkamateure relevant:

  • Iridium Messaging Transport: Iridium hat den alten Short-Burst-Data-Dienst durch ein Protokoll mit deutlich größeren Nutzlasten ergänzt. Garmin nutzt es im inReach Messenger Plus für Nachrichten bis 1.600 Zeichen, Fotos und Sprachnotizen bis 30 Sekunden. Sprache über Iridium ist damit nicht mehr an ein Spezialgerät gebunden, wenn auch als Aufzeichnung statt als Gespräch.
  • Iridium NTN Direct: Iridium baut einen Dienst nach dem 3GPP-Standard für NB-IoT über Satellit auf, also Verbindungen direkt zu Seriengeräten ohne Spezialhardware. Im September 2026 haben Iridium, Deutsche Telekom IoT und Toyota gemeinsam Sprachnachrichten über diesen Weg demonstriert, die kommerzielle Verfügbarkeit für Geschäftskunden der Telekom ist für das vierte Quartal 2026 angekündigt.
  • Direct-to-Device bei der Konkurrenz: Starlink, AST SpaceMobile und Amazon arbeiten daran, normale Mobiltelefone direkt per Satellit anzubinden. Für Notrufe und Kurznachrichten wird das die Lage in den nächsten Jahren verändern. Ein Gruppenruf mit garantierter Abdeckung und Verschlüsselung ist damit vorerst nicht zu haben.

Das Gerät selbst steht nach sieben Jahren unverändert im Programm von Icom, einen Nachfolger gibt es nicht.

Relevanz für den Amateurfunk

Hubschrauber des Bundesheeres mit Seilwinde über einem verschneiten Hang, darunter ein Bergretter
Alpines Einsatzgelände in Österreich: Seilwindenübung von Bundesheer und Bergrettung. Genau hier, zwischen Felswänden und ohne Mobilfunk, zeigt sich der Unterschied zwischen lokaler Versorgung und Weitverkehrsanbindung. (Bild: Bundesheer Fotos, CC BY-SA 2.0, Wikimedia Commons)

Ergänzung im Notfunk

Im Notfunk geht es nicht um Purismus, sondern um zuverlässige Kommunikation, wenn es darauf ankommt. Der IC-SAT100 kann die Weitverkehrsstrecke übernehmen, wenn HAMNET oder Winlink ausfallen, etwa bei einem großflächigen Stromausfall, der auch die HAMNET-Knoten lahmlegt. Die Arbeitsteilung ist naheliegend: Amateurfunk für die lokale Versorgung, Iridium für die Anbindung nach außen, der VE-PG4 als Kupplung dazwischen.

Sicherheit auf Expedition

Wer eine DX-Expedition in abgelegene Gebiete plant, kennt das Problem: In vielen Regionen gibt es schlicht keinen Mobilfunk. Ein Satellitengerät als Sicherheits-Backup stellt sicher, dass im Ernstfall ein Notruf abgesetzt werden kann. Für ein Team, das über ein größeres Gebiet verteilt arbeitet, ist der Gruppenruf dabei mehr wert als jedes Einzelgespräch.

Technische Anregung

Die Architektur des Iridium-Netzes, also LEO-Satelliten mit Inter-Satellite-Links, die ein Mesh im Orbit bilden, hat erstaunlich viele Parallelen zu Konzepten, die im Amateurfunk diskutiert und gebaut werden. Wer sich mit MeshCom und Meshtastic oder mit CubeSats beschäftigt, findet bei Iridium dieselben Fragen in industriellem Maßstab beantwortet: Routing zwischen bewegten Knoten, Übergabe laufender Verbindungen, Redundanz bei Knotenausfall.

Rechtliche Situation

In Österreich und der EU ist der Betrieb unproblematisch. Das Gerät ist CE-konform, es funkt in einem Band des mobilen Satellitenfunkdienstes, und die Nutzung ist über den kommerziellen Iridium-Vertrag geregelt. Eine Amateurfunklizenz ist weder nötig noch hilfreich, eine gesonderte Genehmigung ebenfalls nicht.

Relevant wird die Rechtslage auf Reisen. Satellitengeräte sind nicht überall erlaubt:

  • Indien: Iridium- und Thuraya-Geräte sind ohne gesonderte Genehmigung verboten, die Einfuhr wird geahndet.
  • China: Satellitentelefone sind seit Jahren stark reglementiert.
  • Embargoländer: Iridium darf Produkte und Dienste nicht in von den Taliban kontrollierte Gebiete Afghanistans sowie nach Kuba, Iran, Nordkorea, Syrien und Sudan liefern.
  • Zoll: Auch dort, wo Satellitengeräte erlaubt sind, verlangen viele Staaten eine Anmeldung bei der Einreise oder eine Registrierung bei der Fernmeldebehörde.

Vor einer DX-Expedition gilt also dasselbe wie für die Amateurfunkgenehmigung: vorher die Regeln des Ziellandes prüfen.

Stärken und Schwächen auf einen Blick

Stärken:

  • Erstes und einziges reines Handfunkgerät mit PTT über Satellit
  • Gruppensprechfunk mit weltweiter Reichweite, bis zu 10.000 Geräte je Talkgroup
  • Talkgroups per Karte definierbar und über die Luftschnittstelle in Echtzeit änderbar
  • Sehr robust: MIL-STD-810G, IP67, -30 bis +60 °C
  • AES 256 Bit, also abhörsicher
  • Niedrige Latenz: unter 2 Sekunden beim ersten Druck, danach unter 500 Millisekunden
  • 1500 mW Audio, AquaQuake, Notruftaste, GPS-Positionsmeldung
  • VE-PG4 als Brücke zu konventionellem Funk und IP-Telefonie

Schwächen:

  • Hohe laufende Kosten, die Gerätegebühr fällt je Gerät und Monat an
  • Nur Sprache, kein Text, keine Daten, keine Telefonie
  • Halbduplex mit 40 Sekunden Sprechzeit je Sitzung
  • Braucht freie Sicht zum Himmel, im Gebäude nur mit externer Antenne nutzbar
  • Vollständig abhängig vom kommerziellen Dienst, ohne Vertrag funktionslos
  • Kein Amateurfunkgerät und nicht umbaubar

Fazit

Der Icom IC-SAT100 ist kein Gerät für den typischen Funkamateur auf dem Heimweg vom Stammtisch. Er ist ein Spezialwerkzeug für Organisationen, die Gruppenkommunikation an jedem Ort der Welt brauchen und bereit sind, dafür vierstellig pro Monat zu bezahlen.

Interessant ist er für uns trotzdem, und zwar aus drei Gründen. Erstens zeigt er, wie weit man ein Repeater-Konzept treiben kann, wenn der Repeater 780 Kilometer hoch fliegt. Zweitens ist er im Notfunk die ehrlichste Antwort auf die Frage, was passiert, wenn auch die eigene Infrastruktur ausfällt. Und drittens beweist die Betriebsanleitung, dass die Regeln, die wir in der Lizenzausbildung lernen, auch dann gelten, wenn zwischen zwei Gesprächspartnern eine Satellitenkonstellation steht.

Wer sich für QO-100, ISS-Kontakte oder Satellitenempfang begeistert, wird auch den IC-SAT100 spannend finden. Selbst wenn er nie auf einem Amateurfunkband senden wird.

73 – eure oeradio.at-Redaktion

Quellen

Bildnachweis

Titelbild: Abgasfahne der Falcon 9 beim Start der Mission Iridium-4, Kevin Gill, CC BY 2.0, Wikimedia Commons, Ausschnitt.

Iridium-Satellit: ideonexus, CC BY-SA 2.0, Wikimedia Commons. Gezeigt ist ein Satellit der ersten Generation im National Air and Space Museum.

Abdeckungskarte: GrandDixence, gemeinfrei, Wikimedia Commons, Einzelbild aus der Animation.

Seilwindenübung: Bundesheer Fotos, CC BY-SA 2.0, Wikimedia Commons.

Ein frei lizenziertes Foto des IC-SAT100 selbst gibt es nicht, alle verfügbaren Produktfotos sind urheberrechtlich geschützt. Wie das Gerät aussieht und bedient wird, zeigen die eingebetteten Videos.

Videos: Icom UK, Gerätevorstellung, Icom UK, Satellite PTT System Explained, Icom Inc., Fallstudie Yacht Race. Weitere sehenswerte Beiträge: Icom UK, Kurzvorstellung, Globalsat Group, Test im Fahrzeug und Satellite Phone Store, How does it work. Einbettung über YouTube, die Rechte liegen bei den jeweiligen Kanälen.


Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die Redaktion hat alle Inhalte überprüft und redaktionell bearbeitet. Trotz sorgfältiger Prüfung können vereinzelt Ungenauigkeiten enthalten sein — wir freuen uns über Hinweise per E-Mail an [email protected].

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