Hermes Lite 2 und Xiegu XPA125B: 100 Watt, Bandumschaltung und der Weg zur Remote-Station

Gastbeitrag von Sergio, OE8CXC, mit Hintergrundrecherche der Redaktion. Der Aufbau und die Schaltung stammen von Sergio, Preise, Quellen, Recht und Sicherheit hat die Redaktion recherchiert und kenntlich gemacht.


Der Hermes Lite 2 (HL2) ist ein offener Kurzwellen-SDR für rund 270 US-Dollar, der selbst senden kann, aber nur mit etwa 5 Watt. Wer mehr will, braucht eine Endstufe. Die Xiegu XPA125B ist dafür eine naheliegende Wahl: 100 Watt, eingebauter Tuner, handliches Gehäuse. Zusammengesteckt ist das Ganze schnell, und dann beginnt das, worum es in diesem Beitrag geht: Wie erfährt die Endstufe, auf welchem Band der HL2 gerade sendet?

Hermes Lite 2 im Alugehäuse auf einer Xiegu XPA125B, daneben ein Arduino-kompatibles Auswerteboard mit Verbindungsleitungen
Der Versuchsaufbau: Der HL2 sitzt auf der XPA125B, daneben das Auswerteboard, das die Bandinformation des HL2 für die Endstufe aufbereitet. Foto: Sergio, OE8CXC.

Die Bausteine und was sie kosten

Der HL2 ist ein Direktabtast-SDR mit AD9866-Wandler (12 Bit, 80 MHz), FPGA, Ethernet und einer 5-Watt-Endstufe, entwickelt im Hermes-Lite-Projekt von Steve Haynal, KF7O (rtl-sdr.com). Er spricht das openHPSDR-Protokoll 1 und läuft deshalb mit Software wie Quisk, SparkSDR, Thetis oder SDR Console. Versorgt wird er mit 11 bis 16 Volt und mindestens 2 Ampere (HL2-Wiki).

Neue Geräte gibt es praktisch nur bei Makerfabs. Die Händlerseite nannte am 6. November 2026 269 US-Dollar für den HL2, 52,80 US-Dollar für das N2ADR-Filterboard und 16,90 US-Dollar für das Gehäuse, jeweils ohne Versand und Einfuhrumsatzsteuer, und ohne Angabe, ob der HL2 fertig oder ein Bausatz ist (Makerfabs). Einen Händler in der EU haben wir nicht gefunden.

Das N2ADR-Filterboard von James Ahlstrom wird auf den HL2 aufgesteckt. Es bringt umschaltbare Sendetiefpässe für 160 bis 10 Meter, einen Hochpass für den Empfang und eine Leistungsmessung, die Steuerung läuft über den I2C-Bus (Ahlstrom). Auf dem Foto unten sind die Relais des Boards gut zu erkennen. Die HL2-Wiki empfiehlt als Gehäuse ein Aluminiumprofil, das gleichzeitig die Endstufe des HL2 kühlt (Enclosure and PA Heatsink). Bei Onboard-Temperaturen ab 60 Grad sollte man nicht senden.

Die Xiegu XPA125B liefert laut Handbuch mindestens 100 Watt auf 1,8 bis 30 MHz und 80 Watt auf 6 Meter, hat 13 dB Verstärkung, einen eingebauten Tuner (14 bis 500 Ohm) und keinen Lüfter (Handbuch). Europäische Händler verlangten am 6. November rund 650 bis 700 Euro (hamradioshop.it, Passion-Radio, Pileupdx), bei einem Händler aus China auf eBay etwa 510 bis 535 Euro plus Versand und Einfuhrabgaben, gebraucht ab etwa 450 Euro. Die Preise stammen aus Suchtreffern und Händlerseiten und können sich ändern.

Gesamtkosten. HL2, N2ADR-Board und Gehäuse kosten zusammen etwa 339 Dollar, also rund 300 Euro (Wechselkurs angenommen), dazu kommen Versand und 20 Prozent Einfuhrumsatzsteuer (unsere Annahme, 70 bis 110 Euro). Mit XPA125B (ca. 650 Euro), einem Netzteil mit 13,8 Volt und etwa 25 Ampere (ca. 50 Euro) und einem Pi oder Mini-PC (ca. 60 bis 80 Euro, oder ein vorhandener Rechner) landet man bei etwa 1.100 bis 1.250 Euro, mit gebrauchter Endstufe bei rund 950 Euro. Das ist unsere Überschlagsrechnung aus den Einzelposten, Netzteil und Pi sind geschätzt.

Die Frage, die zuerst geklärt werden muss: Wohin mit dem Filter?

Das N2ADR-Board ist für die 5 Watt des HL2 gebaut. Ahlstrom beschreibt es als Filter, damit die 5-Watt-Endstufe des HL2 als vollständiges QRP-Gerät arbeiten kann, die Kondensatoren sind für 5 Watt an 50 Ohm ausgelegt (Ahlstrom). Zu 100 Watt durch das Board sagt die Seite nichts, und wir haben dazu keine Messung gefunden.

Daraus folgt, und das ist unsere Schlussfolgerung, kein Zitat: Das Filterboard gehört in den 5-Watt-Pfad zwischen HL2 und Endstufe und säubert das Treibersignal. Die 100 Watt der XPA125B dürfen nicht durch das Board laufen. Die Oberwellen, die die Endstufe selbst erzeugt, entstehen hinter diesem Filter. Dafür bringt die XPA125B eigene Tiefpässe mit.

Wie gut die sind, hat der ARRL-Test in der QST 02/2023 gemessen (mit einem KX3 als Treiber, nicht mit dem HL2): Auf Kurzwelle lagen die Oberwellen über 61 dB unter dem Träger, auf 6 Meter blieben sie nicht innerhalb der FCC-Grenze. Der Zwei-Ton-Test auf 20 Meter ergab bei 100 Watt einen IMD3 von nur etwa -20 dB, bei 80 Watt etwa -28 dB. Das Labor empfiehlt deshalb, auf etwa 80 Prozent zu drosseln. Mit 5 Watt Ansteuerung kamen auf 10 Meter nur 79 Watt heraus (ARRL-Test). Eine Messung der gesamten Kette aus HL2, N2ADR und XPA125B gibt es nach unserer Recherche nirgends. Wer einen Spektrumanalysator hat, kann hier eine echte Lücke schließen.

Hands-on: Bandumschaltung ohne Handarbeit

Die XPA125B wählt ihre Filter und ihren Tuner nach dem Band. Mit einem Xiegu-Transceiver passiert das automatisch, mit einem anderen Gerät muss man das Band an der Endstufe per Taste von Hand wechseln. Für einen Aufbau, der später ferngesteuert laufen soll, ist das keine Lösung.

Die Endstufe erwartet die Bandinformation als Steuerspannung an ihrer ACC-Buchse, einer Mini-DIN-Buchse mit sechs Polen. Laut ARRL-Test liegt die PTT an Pin 2 (geschaltet gegen Masse), die Bandspannung an Pin 3, das ALC-Signal an Pin 4 und Masse an Pin 6. Wer an die PTT-Leitung 3,2 Volt oder mehr legt, zerstört nach Angabe der ARRL den Prozessor der Endstufe. Der HL2 gibt die Bandinformation nicht als Spannung aus, sondern als PWM-Signal, ein Rechtecksignal mit bandabhängiger Pulsbreite (so beschreibt es die HL2-Gemeinschaft, siehe kp4rx/hl2-xpa125b).

Das Signal am DB1-Anschluss

Sergio hat das Signal am HL2 an den DB1-Anschlüssen abgegriffen. Dabei ist:

  • Pin 2 = GND (Masse)
  • Pin 4 = das Rechtecksignal, über dessen Pulsweite das Band ermittelt wird

Ein Prozessor wertet die Pulsbreite aus und ordnet ihr ein Band zu. Auf dem Foto unten ist das ein Arduino-kompatibles Board neben dem HL2. Zwei Leitungen (blau und grün) führen zur DB1-Stiftleiste auf der HL2-Platine, die anderen Leitungen gehen zum Kabel Richtung Endstufe. Das Programm dafür ist Sergios Eigenbau.

Der Sketch

Hier der Arduino-Sketch von Sergio im Original, einschließlich seiner Kommentare. Wir haben ihn nicht selbst aufgebaut und getestet. Er zeigt aber gut, wie das Prinzip funktioniert:

  • Der Eingang A0 liest das Rechtecksignal vom DB1-Pin 4. Die Schwelle liegt bei einem Analogwert von 150 (von maximal 1023).
  • Der Sketch misst mit micros() die Zeit, in der das Signal hoch ist, und die Periodendauer, und rechnet daraus das Tastverhältnis aus.
  • Das Tastverhältnis wird dem nächstliegenden von zehn Bändern zugeordnet (160 m bis 10 m, von 6,7 bis 70 Prozent). Sergios Tabelle ordnet jedem Band einen eigenen PWM-Wert zu, den er laut Kommentar ausgemessen hat.
  • Erst wenn fünfmal hintereinander dasselbe Band erkannt wurde, schaltet der Sketch um. Das verhindert Flattern bei Messfehlern.
  • Die Ausgabe läuft über Pin 9 mit rund 31 kHz PWM (Timer 1 ohne Vorteiler). Die Glättung zur Gleichspannung übernimmt das RC-Glied hinter Pin 9. Ohne erkanntes Signal geht der Ausgang auf 0 V.
const int analogPin = A0;
const int xieguBandPin = 9;    // Pin 9 (31kHz)
const int threshold = 150;

struct Band {
  float duty;
  const char* name;
  int pwmValue;        // Deine ausgemessene, bombensichere Mitte
};

// Die perfekten Duty-Cycles kombiniert mit der sicheren PWM-Mitte
Band bands[] = {
  {6.7,  "160m", 9},   // Bereich: 0 - 18
  {13.3, "80m",  25},  // Bereich: 19 - 31
  {20.0, "60m",  37},  // Bereich: 32 - 43
  {27.0, "40m",  49},  // Bereich: 44 - 55
  {34.0, "30m",  62},  // Bereich: 56 - 68
  {43.0, "20m",  74},  // Bereich: 69 - 80
  {48.0, "17m",  87},  // Bereich: 81 - 93
  {57.0, "15m",  99},  // Bereich: 94 - 104
  {62.0, "12m",  111}, // Bereich: 105 - 117
  {70.0, "10m",  123}  // Bereich: 118 - 129
};
const int numBands = 10;

int lastConfirmedBand = -2;
int currentCandidate = -2;
int candidateCount = 0;
const int REQUIRED_MATCHES = 5;

void setup() {
  Serial.begin(115200);

  pinMode(LED_BUILTIN, OUTPUT);
  digitalWrite(LED_BUILTIN, LOW);

  pinMode(xieguBandPin, OUTPUT);

  // 31 kHz PWM auf Pin 9 (glättet das Signal mit deinem 104-Kondensator perfekt)
  TCCR1B = (TCCR1B & 0b11111000) | 0x01;
  analogWrite(xieguBandPin, 0);

  Serial.println("System bereit. Warte auf Signal...");
}

void loop() {
  unsigned long timeout = 20000;
  unsigned long waitStart;
  bool signalErkannt = true;

  // DEINE FUNKTIONIERENDE EINLESE-LOGIK (Unangetastet!)
  waitStart = micros();
  while(analogRead(analogPin) > threshold) {
    if(micros() - waitStart > timeout) { signalErkannt = false; break; }
  }

  waitStart = micros();
  while(analogRead(analogPin) < threshold && signalErkannt) {
    if(micros() - waitStart > timeout) { signalErkannt = false; break; }
  }
  unsigned long startPulse = micros();

  waitStart = micros();
  while(analogRead(analogPin) > threshold && signalErkannt) {
    if(micros() - waitStart > timeout) { signalErkannt = false; break; }
  }
  unsigned long endPulse = micros();

  waitStart = micros();
  while(analogRead(analogPin) < threshold && signalErkannt) {
    if(micros() - waitStart > timeout) { signalErkannt = false; break; }
  }
  unsigned long endPeriod = micros();

  int measuredBand = -1;

  if (signalErkannt && (endPeriod > startPulse)) {
    unsigned long highTime = endPulse - startPulse;
    unsigned long period = endPeriod - startPulse;
    float dutyCycle = ((float)highTime / period) * 100.0;

    float minDiff = 100.0;

    for (int i = 0; i < numBands; i++) {
      float diff = abs(dutyCycle - bands[i].duty);
      if (diff < minDiff) {
        minDiff = diff;
        measuredBand = i;
      }
    }
  }

  if (measuredBand == currentCandidate) {
    candidateCount++;
  } else {
    currentCandidate = measuredBand;
    candidateCount = 1;
  }

  if (candidateCount >= REQUIRED_MATCHES) {
    if (currentCandidate != lastConfirmedBand) {
      lastConfirmedBand = currentCandidate;

      if (lastConfirmedBand == -1) {
        Serial.println("Kein Signal - Endstufe auf 0V");
        analogWrite(xieguBandPin, 0);
      } else {
        Serial.print("Umschaltung Xiegu auf: ");
        Serial.println(bands[lastConfirmedBand].name);

        // Direkte Ausgabe deiner ausgemessenen Werte
        analogWrite(xieguBandPin, bands[lastConfirmedBand].pwmValue);
      }
    }
  }
}

Die PWM-Werte in der Tabelle sind auf Sergios Endstufe abgestimmt. Wer nachbaut, muss die Bandspannungen der eigenen XPA125B ausmessen und die Werte anpassen, bevor der Ausgang an die ACC-Buchse kommt.

Geöffneter Hermes Lite 2 mit aufgestecktem N2ADR-Filterboard, Verbindungsleitungen zum Arduino-kompatiblen Board und ein Kabel mit Widerstand und Kondensator
Der geöffnete HL2 mit dem N2ADR-Filterboard (die Relais auf dem Aufsteckboard) und dem Auswerteboard rechts. Im Kabel links sind Widerstand (blau) und Kondensator der Glättung angelötet. Foto: Sergio, OE8CXC.

Der Tiefpass: aus PWM wird Gleichspannung

Die XPA125B will eine Gleichspannung, keine Pulse. Deshalb gibt der Arduino an Pin 9 ein eigenes PWM-Signal aus (siehe Sketch), und ein einfacher RC-Tiefpass am Ausgang macht daraus die Gleichspannung, deren Höhe vom Tastverhältnis abhängt. Sergio verwendet dafür R = 10 kΩ und C = 10 µF. Rechnerisch ergibt das eine Zeitkonstante von 100 Millisekunden und eine Grenzfrequenz von etwa 1,6 Hz (das ist unsere Rechnung, kein Messwert). Der Preis dafür ist eine kurze Einschwingzeit nach jedem Bandwechsel. Die Endstufe wertet die Bandspannung als Gleichspannung aus. Welche Spannung zu welchem Band gehört, bestimmt die Endstufe. Diese Werte entnimmt man dem Gerät oder dem Handbuch und misst sie nach, bevor man etwas anschließt.

Vorsicht bei den Pinbelegungen

Sergio weist auf eine Falle hin, die in der Praxis sicher jeder einmal erwischt: Der Stecker an der Endstufenseite ist ein Mini-DIN mit sechs Polen, und die Diagramme zeigen die Belegung je nach Quelle aus Sicht der Buchse oder des Steckers. Am Stecker ist die Anordnung genau andersherum, als es die Buchsenzeichnung zeigt. Wer ohne nachzumessen lötet, vertauscht sehr schnell Pins. Eine Fehlverdrahtung hat laut einem Bericht in der HL2-Gruppe schon einen Transistor im HL2 zerstört (Google Group). Messen Sie die Belegung am fertigen Kabel mit dem Multimeter durch, bevor der HL2 oder die Endstufe Spannung sehen.

Schema einer Mini-DIN-Buchse mit sechs Polen und nummerierten Anschlüssen
Mini-DIN-6-Buchse mit Pinnummern, aus Sicht der Buchse. Am Stecker liegt die Anordnung spiegelverkehrt. Grafik: Mobius, Wikimedia Commons, gemeinfrei (Public Domain).

Was die Alternative ist

Sergio ist mit seiner Lösung nicht allein. Für die Bandumschaltung der XPA125B am HL2 gibt es in der Gemeinschaft mehrere Ansätze: M0AWS baute ein HL2-I/O-Board mit Raspberry Pi Pico und stellt die Endstufe auf AUTO, dann folgt sie dem Band in piHPSDR (M0AWS). KP4RX veröffentlichte angepasste Firmware für das HL2-I/O-Board und ein Pico-W-Projekt mit Webinterface, das die Bandspannung ebenfalls per PWM und RC-Filter erzeugt (GitHub). Die PTT ist einfacher: Der HL2 zieht seine EXT-TR-Buchse (Cinch) beim Senden gegen Masse, genau das, was die Endstufe erwartet (GI8TME, Google Group).

Offen ist ein anderer Punkt: Eine Fernbedienung des XPA-Tuners vom HL2 aus haben wir in keiner Quelle gefunden. Der Tuner stimmt auf Tastendruck mit etwa 5 Watt ab. Wer ferngesteuert abstimmen will, muss sich etwas bauen, oder man stellt die Antenne so ein, dass man auf den Tuner verzichten kann.

Ansteuerung: weniger ist mehr

Die XPA125B verträgt höchstens 5 Watt Eingangsleistung. Der HL2 liefert etwa 5 Watt und steuert die Endstufe damit voll aus, aber genau an deren Obergrenze. Der ARRL-Test empfiehlt bei Geräten ohne Xiegu-Anschluss, mit 1 Watt zu beginnen. Der HL2 hat nur rund 7,5 dB echte analoge Sendedämpfung, ein externes Dämpfungsglied kann nötig werden (Google Group). Wegen des schlechten IMD3 bei Volllast ist weniger Antrieb besser. Und: Die Endstufe hat keinen Lüfter und kühlt nur über das Gehäuse. Für FT8 und andere Dauerträger-Betriebsarten sind 50 bis 80 Watt ein vernünftiger Richtwert. Ein Dauerlasttest liegt nicht vor, das ist unsere Einschätzung aus den Daten.

Die Alternativen zur XPA125B in Kürze: Die Xiegu GPA100 (100 Watt ohne Tuner, ca. 433 Dollar oder 499 Euro) ist günstiger, die Hardrock-50 (ca. 425 Dollar, 40 bis 50 Watt) hat die beste dokumentierte HL2-Unterstützung, und die Elecraft KXPA100 (ca. 1.400 Dollar) funktioniert, ist aber teuer. Eine Übersicht mit Quellen steht in der HL2-Gruppe zu Verstärkern.

Von der Tischstation zur Remote-Station

Der HL2 sendet seine IQ-Daten per UDP. Das läuft gut im verkabelten Heimnetz und schlecht bei hoher Latenz und Jitter: Die Sende-FIFO des HL2 fasst nur etwa 80 Millisekunden, stockt der Datenstrom länger, bricht die Aussendung ab. Die Gemeinschaft kennt drei Wege (Remote over Internet):

  • Pi oder Mini-PC am HL2 mit der SDR-Software, Zugriff per VNC, NoMachine oder AnyDesk, Ton separat über Mumble und VPN. Das ist der am häufigsten berichtete Weg.
  • Client und Server mit der Signalverarbeitung am Standort, etwa Quisk Remote (Anleitung von G4ZAL).
  • Rohes Protokoll 1 über VPN. Das läuft mit SparkSDR, bei Thetis scheitert die Geräteerkennung über ein VPN oft, weil sie per Broadcast arbeitet.

Die Bandbreite hängt vom Weg ab. Für rohes Protokoll 1 über VPN misst Haynal bei einem Empfänger mit 48 kHz etwa 6,5 Mbit/s abwärts und 3,5 Mbit/s aufwärts. Per VNC sind es unter 10 kbit/s bei minimierten Fenstern, aber über 20 Mbit/s mit Wasserfall. Die Grundlagen zu Fernsteuerung, Netzwerk und Absicherung haben wir bereits im Beitrag Remote-Shack erklärt, zu VPN mit Tailscale gibt es einen eigenen Artikel für den IC-705. Eine HL2-spezifische Tailscale-Quelle haben wir nicht gefunden, dass es funktioniert, ist eine Schlussfolgerung aus den WireGuard-Berichten.

Sicherheit ist der Hauptpunkt, nicht die Fußnote

Der HL2 ist ein Sender. Ron N6YWU warnt in der HL2-Gruppe ausdrücklich davor, ihn direkt ins Internet zu stellen, VPN oder eine Firewall mit Anmeldung sind Pflicht.

Dass ein Dauerträger kein theoretisches Risiko ist, zeigt ein Fall vom Dezember 2025: Eine unbeaufsichtigte HL2-Station (Thetis mit VarAC) stand rund 13 Minuten im Sendezustand, die XPA125B erreichte 60 Grad bei 40 Watt Ausgangsleistung. Es entstand kein Schaden. Steve Haynal verweist auf einen FPGA-Watchdog, der die Aussendung beendet, wenn die Software am PC schweigt, und der sich per Software abschalten lässt (TX runaway). Das hilft aber nur, wenn die Strecke zwischen PC und HL2 ausfällt. Bricht bei einer Fernsteuerung die Internetverbindung ab, während der PC am Standort weiterläuft, bleibt der Watchdog still. N6YWU löst das mit einem Programm am Standort, das den Client anpingt und die SDR-Software nach etwa einer Minute Funkstille beendet.

Unsere Empfehlung, abgeleitet aus den Berichten und nicht aus einer einzelnen Quelle: Den FPGA-Watchdog aktiv lassen, einen Watchdog am Standort für den Verlust des Clients einbauen, und als letzte Instanz die Endstufe über eine fernschaltbare Steckdose getrennt vom Rest versorgen. Die XPA125B hat keinen Lüfter, ein langer Dauerträger bei hoher Leistung ist für sie ein reales Risiko.

Rechtslage in Österreich

Eine Remotefunkstelle ist im Telekommunikationsgesetz 2021 ausdrücklich vorgesehen. § 4 Z 46 TKG 2021 definiert sie als Amateurfunkstelle, die von einem Funkamateur fernbedient wird, und § 146 Abs 3 Z 5 nimmt sie von der Pflicht zur persönlichen Anwesenheit aus. § 146 Abs 4 erlaubt die Verbindung über Internettechnologie, wenn die Stellen ausschließlich für den Amateurfunkdienst verwendet werden. Verantwortlich bleibt der Bewilligungsinhaber (§ 151 Abs 4), der den Betrieb zu überwachen hat, und § 153 verlangt Maßnahmen gegen die Inbetriebnahme durch Unbefugte (RIS: TKG 2021). Die Sicherheitsmaßnahmen oben sind daher nicht nur gute Praxis, sondern naheliegend auch rechtlich geboten. Das ist unsere Auslegung, keine Behördenauskunft. Ob für die Fernbedienung der eigenen festen Station eine eigene Bewilligung als Remotefunkstelle nötig ist, geht aus dem Gesetzestext nicht eindeutig hervor, hier hilft eine Anfrage beim Fernmeldebüro.

Zur Leistung: Die Amateurfunkverordnung nennt in § 9 die Leistungsstufen A (100 Watt), B (200 Watt), C (400 Watt) und D (1000 Watt) Spitzenleistung (RIS: AFV § 9, die abgerufene Fassung trägt den Stand 2018). Maßgeblich ist die Stufe in der eigenen Bewilligung, nicht die Leistung des Geräts. Beim Contesten gilt zusätzlich: Beim CQ WW ist Remote erlaubt, wenn Sender, Empfänger und Antennen an einem Standort stehen (Details in unserem CQ-WW-Artikel). Wir geben keine Rechtsberatung.

Kosten im Vergleich zu den teuren Lösungen

Richtwerte vom 6. November 2026, überwiegend Händlerseiten und Suchtreffer, EUR-Preise brutto, USD-Preise ohne Versand und Einfuhrumsatzsteuer:

StufeBeispielKosten
SelbstbauHL2 + N2ADR + Gehäuse + XPA125B + Netzteil + Pica. 1.100 bis 1.250 EUR (Schätzung)
KomfortIcom IC-7300MK2 (1.549 EUR bei WiMo) + RS-BA1 V2 (ca. 80 EUR) oder wfviewca. 1.550 bis 1.650 EUR
MittelklasseIC-7610 (3.350 bis 3.700 EUR), FTDX101D (3.549 EUR), SunSDR2-DX (ca. 2.400 bis 3.000 EUR), TS-890S (4.200 bis 4.900 EUR)ca. 3.000 bis 5.000 EUR
OberklasseIC-7760 (ca. 6.660 EUR), Elecraft K4D Package (6.994,85 USD), FLEX-8400 (2.499 USD) bis 8600M (5.399 USD gebraucht)ab ca. 6.000 EUR

Die Flex-Preise sind US-Preise ohne Fernzugangskosten, EU-Preise für Flex und K4 sowie Lizenzkosten für SmartLink und K4-Remote haben wir nicht gefunden. Die Quellen sind WiMo, Elecraft und FlexRadio.

Technisch ist der Vergleich einseitig, denn für den HL2 gibt es keine Labormessung nach Art der Sherwood-Tabelle. Für die teuren Geräte nennt eine Zusammenfassung der NC0B-Präsentation 2025 für den 2-kHz-Dynamikbereich etwa 98 bis 103 dB (K4 101 dB, IC-7610 98 dB; die Folie haben wir selbst nicht geprüft). Für den HL2 gibt es nur Aussagen aus der Gemeinschaft: KF7O nennt über 70 dB auf einem Band, und die 12-Bit-Grenze zeigt sich vor allem neben einem starken Sender (Google Group). Unsere Einschätzung: Wer neben starken Nachbarstationen sitzt, spürt das auch im Remote-Betrieb. Die Preisdifferenz kauft vor allem Empfängerreserve, Herstellersupport und fertige Fernsteuersoftware.

Fazit

Der Aufbau aus HL2, N2ADR-Board und XPA125B ist machbar und mit rund 1.100 bis 1.250 Euro vergleichsweise günstig, aber kein Plug-and-play. Die PTT ist in Minuten verdrahtet, die automatische Bandumschaltung ist die eigentliche Arbeit, und Sergios Lösung mit Signalabgriff, Auswerteprogramm und RC-Tiefpass zeigt einen Weg mit einem günstigen Mikrocontroller-Board und zwei Bauteilen. Offen bleibt die Messung der Gesamtkette: Oberwellen und IMD von HL2 plus Endstufe hat bisher niemand veröffentlicht.

Für wen taugt der Weg? Für alle, die gern löten, programmieren und messen, die eine ruhige Antennenstelle haben und bereit sind, die Schutzkette gegen den Dauerträger selbst zu bauen. Wer eine Station ohne Bastelaufwand will, ist mit einem IC-7300MK2 samt Herstellersoftware für etwa 400 Euro Aufpreis besser bedient. Wer eine Station neben starken Nachbarn betreibt oder CW-Pileups fahren will, greift besser zu einem Gerät der Mittelklasse.

73, Sergio OE8CXC und die oeradio.at-Redaktion


Bildnachweis und Transparenzhinweis

Fotos des Aufbaus: Sergio, OE8CXC (im Hintergrund wurden Aufdrucke unkenntlich gemacht). Pinbelegung Mini-DIN-6: Mobius, Wikimedia Commons, gemeinfrei.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) auf Basis von Sergios Aufbau, seinen Angaben und Fotos sowie öffentlicher Quellen erstellt Die Preise sind Richtwerte vom 6. November 2026. Technische Aussagen, die auf Beiträgen in der Hermes-Lite-Gruppe oder einzelnen Tests beruhen, sind nicht unabhängig gemessen. Folgerungen der Redaktion sind als solche gekennzeichnet.

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