Inhaltsverzeichnis
- Die Kurzfassung
- Die Geschichte: von Kahn über den Polar Explorer zur Aurora
- Polar-Modulation: das Herzstück der Aurora
- Wirkungsgrad in Zahlen
- Wärme, Lüfter und Dauerstrich
- Die vier Aurora-Modelle im Überblick
- AU-510 oder AU-520?
- Technische Eckdaten
- Sender
- Empfänger
- Anschlüsse
- Gehäuse und Stromversorgung
- SmartSDR, SmartLink und MultiFlex
- Der empfindlichste Punkt: SWR
- Keine externe Endstufe, und zwar in beide Richtungen
- Kein VHF und UHF, aber Transverter-Anschlüsse
- Vergleich mit konventionellen Transceivern
- Verfügbarkeit und Preise in Europa
- Aus der Praxis
- Für wen eignet sich die Aurora?
- Tipps für den Umstieg
- Woher der Name kommt
- Fazit
- Quellen
- Bildnachweis
- Aktualisierungshinweis
- Transparenzhinweis
FlexRadio Systems hat mit der Aurora-Serie einen Transceiver gebaut, über den im Amateurfunk gerade viel geredet wird. Erstmals steckt ein Polar-Modulations-Sender in einem kommerziellen Amateurfunkgerät. Der Wirkungsgrad liegt im Spitzenwert bei rund 80 Prozent, während herkömmliche LDMOS-Linearendstufen 40 bis 60 Prozent erreichen. Das Ergebnis sind 500 Watt PEP auf Kurzwelle in einem Gehäuse von acht Kilogramm, mit eingebautem Netzteil und Antennentuner. Seit Oktober 2026 ist die Serie auch bei europäischen Händlern verfügbar. Zeit für einen genauen Blick: Was steckt hinter der Technik, wo liegen die Grenzen, und für wen lohnt sich die Investition?
Die Kurzfassung
- 500 W PEP auf Kurzwelle (160 bis 10 m), 200 W auf 6 m, aus einem einzigen Gerät mit 8 kg und eingebautem Weitbereichsnetzteil.
- Polar-Modulation statt Linearverstärkung: eine Class-D-Endstufe, deren Betriebsspannung im Takt der Hüllkurve nachgeführt wird. Spitzenwirkungsgrad bis 80 Prozent.
- 125 Watt Abwärme statt 750 Watt für dieselbe Ausgangsleistung. Das ist der eigentliche Hebel hinter dem kompakten Gehäuse.
- Vier Modelle: AU-510 und AU-520, jeweils optional mit eingebautem Maestro-Touchscreen als M-Variante.
- Die Haken: empfindliche SWR-Regelung ab 1,7:1, ICAS-Einstufung mit 25 bis 50 Prozent Tastverhältnis, keine externe Endstufe in beide Richtungen, kein VHF/UHF ohne Transverter, und ein Einstiegspreis von knapp 7.000 Euro.
Die Geschichte: von Kahn über den Polar Explorer zur Aurora
Das Prinzip ist deutlich älter als das Produkt. Leonard Kahn beschrieb bereits 1952 das Verfahren, einen Sender in eine Amplituden- und eine Phasenkomponente zu zerlegen und beide getrennt zu verarbeiten. Es wurde als „Envelope Elimination and Restoration" bekannt. Was fehlte, war die digitale Signalverarbeitung, um beide Pfade sauber genug wieder zusammenzuführen.
Die moderne Linie beginnt mit Tony Brock-Fisher, K1KP. Aus einem Mittagsgespräch mit Brian Machesney, K1LI, entstand die Idee eines hocheffizienten Senders für den Amateurfunk. In der QEX-Ausgabe März/April 2017 veröffentlichte K1KP den Artikel „The Polar Explorer", der die Grundlagen und einen funktionierenden Prototyp beschrieb. FlexRadio übernahm den Entwurf, Brock-Fisher wurde leitender Entwicklungsingenieur für das Projekt, und daraus wurde die Aurora.
Die Firmengeschichte von FlexRadio selbst liest sich wie ein Lehrbuch der SDR-Entwicklung:
- 2003, SDR-1000: der erste kommerziell erhältliche SDR-Transceiver für Funkamateure. Die gesamte Signalverarbeitung lief auf dem angeschlossenen PC.
- 2007, FLEX-5000: verbesserte Hardware mit FireWire-Anbindung, weiterhin PC-abhängig, aber deutlich leistungsfähiger.
- 2012, FLEX-6000: der Durchbruch. Direktabtastung, eigenständige Hardware mit Ethernet-Anbindung, SmartSDR als Software-Ökosystem.
- 2023, FLEX-8000: die High-End-Plattform mit 16-Bit-Direktabtastung und einer Wideband Dynamic Range über 155 dB beim FLEX-8600. Sie liefert den Empfängerteil der Aurora.
- 2025, Aurora: die Empfängerplattform der FLEX-8000-Serie kombiniert mit dem Polar-Modulations-Sender, vorgestellt auf der Hamvention 2025.
Wer sich für die Grundlagen von Software Defined Radio interessiert, findet in unserem SDR-Vergleich einen Überblick über die Technologie.

Polar-Modulation: das Herzstück der Aurora
Bei einem herkömmlichen Sender wird das komplette modulierte Signal mit Amplitude und Phase durch eine lineare Endstufe verstärkt. Das Problem dabei ist bauartbedingt: Lineare Verstärker müssen weit unterhalb ihrer maximalen Ausgangsleistung arbeiten, um Verzerrungen zu vermeiden. Der Wirkungsgrad liegt typischerweise bei 40 bis 60 Prozent, der Rest wird zu Wärme. Deshalb brauchen viele Transceiver große Kühlkörper und laute Lüfter.
Die Polar-Modulation geht einen anderen Weg und spaltet das Signal in zwei Komponenten auf:
- Die Phasenkomponente trägt Frequenz- und Phaseninformation. Sie hat eine konstante Hüllkurve und kann deshalb von einem Schaltverstärker verarbeitet werden, der nur noch zwei Zustände kennt: voll durchgesteuert oder gesperrt. FlexRadio setzt dafür eine Class-D-Endstufe ein.
- Die Amplitudenkomponente trägt die Hüllkurve. Sie steuert einen schnellen Schaltregler, der die Betriebsspannung der Endstufe im Takt der Modulation nachführt.
Erst beide Pfade zusammen ergeben wieder das vollständige SSB-Signal. Der Gewinn liegt im Schaltbetrieb: Ein Transistor, der entweder ganz an oder ganz aus ist, setzt kaum Verlustleistung um. Die folgende Darstellung zeigt den Kern der Sache.

Der Preis für den Wirkungsgrad ist Komplexität. Beide Pfade müssen auf Nanosekunden genau zusammenpassen, sonst entstehen Phasenrauschen und Intermodulationsprodukte höherer Ordnung, also genau das Splatter, das niemand auf dem Band haben will. FlexRadio löst das mit SmartSignal, einer adaptiven Vorverzerrung, die den Sender laufend misst und nachkorrigiert. Im Handbuch steht dazu unmissverständlich, dass die Funktion im Normalbetrieb immer aktiv bleiben soll. Sie ist für diese Architektur kein Komfortmerkmal, sondern Voraussetzung für ein sauberes Signal.
Video-Tipp: Steve Hicks, N5AC, Technikchef bei FlexRadio, erklärt die Architektur im Ham Radio Workbench ausführlich und ohne Marketing-Schaum.
Nebenbei: Polar-Modulation ist nicht auf Geräte dieser Preisklasse beschränkt. Der QMX von QRP Labs nutzt dasselbe Prinzip in der EER-Variante für fünf Watt und kostet unter 200 Dollar. Wer das Verfahren im Kleinen ausprobieren will, muss also nicht fünfstellig investieren. Passend dazu unser Artikel über den QRP-Betrieb mit fünf Watt.
Wirkungsgrad in Zahlen
Der Unterschied zwischen 40 und 80 Prozent klingt nach „doppelt so gut". Bei der Abwärme ist der Effekt deutlich größer, weil nur der Verlustanteil zählt. FlexRadio rechnet das im Handbuch selbst vor:
| Konfiguration | Ausgangsleistung | Wirkungsgrad | Leistungsaufnahme | Abwärme |
|---|---|---|---|---|
| Klassischer 100-W-Transceiver | 100 W | 40 % | 250 W | 150 W |
| 100-W-Transceiver plus 500-W-Endstufe | 500 W | 40 % | 1.250 W | 750 W |
| Aurora | 500 W | 80 % | 625 W | 125 W |
Statt 750 Watt Abwärme fallen also 125 Watt an, ein Sechstel. Genau deshalb passt eine 500-Watt-Endstufe in das Gehäuse eines gewöhnlichen 100-Watt-Transceivers: Sie kommt mit dem Kühlkörper aus, den FlexRadio sonst für 100 Watt verbaut hätte. Für Portabelbetrieb mit Generator oder Solarpanel halbiert sich die benötigte Eingangsleistung, was bei der autarken Stromversorgung unmittelbar durchschlägt.
Wärme, Lüfter und Dauerstrich
Hier lohnt eine Klarstellung, weil im Netz oft von einem lüfterlosen Gerät die Rede ist: Die Aurora hat aktive Kühlung mit drehzahlgeregelten Lüftern. FlexRadio verspricht nicht Stille, sondern leisere Lüfter und einen kleineren Kühlkörper als bei vergleichbarer Leistung üblich. Im Handbuch stehen als Richtwerte eine Kühlkörpertemperatur unter 35 Grad Celsius im Normalbetrieb und eine Temperaturabschaltung bei 70 Grad.
Die vielzitierte Vorführung auf der Hamvention war ein „brick on key"-Test, also Dauerträger auf eine Kunstlast. Nach zwei Stunden lag die Kunstlast bei 91 Grad Celsius, die Aurora selbst bei 37 Grad, das Gehäuse blieb kühl anfassbar. Das ist beeindruckend, aber es ist eine Vorführung unter kontrollierten Bedingungen und kein Freibrief für beliebigen Dauerbetrieb.
Denn die Aurora ist nach ICAS eingestuft, also für den aussetzenden Amateurfunkbetrieb mit 25 bis 50 Prozent Tastverhältnis. FlexRadio empfiehlt ausdrücklich, bei voller Leistung nicht länger als fünf Minuten durchgehend zu tasten. Für FT8, RTTY und andere Digitalmodi reicht das bei 50 Prozent Tastverhältnis auch mit voller Leistung. Wer stundenlang Vollgas auf eine Bake geben möchte, ist mit dem Gerät falsch beraten. SmartSDR zeigt die PA-Temperatur in Echtzeit an und regelt die Leistung bei Bedarf selbsttätig zurück.
Die vier Aurora-Modelle im Überblick
FlexRadio bietet die Aurora in vier Varianten an. Der Sender ist in allen vier identisch, die Unterschiede liegen im Empfängerteil und in der Bedienung:
| Modell | SCUs | Slices / Panadapter | Dynamikbereich | Preselektoren | RX-Ports / Transverter | Display | Preis (WiMo, inkl. MwSt.) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| AU-510 | 1 | 2 / 2 | > 145 dB | 3. Ordnung | 1 / 1 | keines | 6.949 € |
| AU-510M | 1 | 2 / 2 | > 145 dB | 3. Ordnung | 1 / 1 | 8" Maestro | 8.090 € |
| AU-520 | 2 | 4 / 4 | > 155 dB | 7. Ordnung plus Contest-Filter | 2 / 2 | keines | 9.438 € |
| AU-520M | 2 | 4 / 4 | > 155 dB | 7. Ordnung plus Contest-Filter | 2 / 2 | 8" Maestro | 10.500 € |
AU-510 oder AU-520?
Der wesentliche Unterschied ist die Zahl der Spectral Capture Units, also der unabhängigen Empfängerzüge:
- AU-510: eine SCU, zwei Slice-Empfänger, zwei Panadapter, Preselektoren dritter Ordnung, Dynamikbereich über 145 dB. Bereits ein sehr guter Empfänger, der die meisten konventionellen Transceiver übertrifft.
- AU-520: zwei SCUs, vier Slice-Empfänger, Preselektoren siebenter Ordnung mit Contest-Bandfiltern über 50 dB Sperrdämpfung, echte Diversity-Empfang, Dynamikbereich über 155 dB und SO2R-Fähigkeit. Zehn Dezibel mehr Dynamik bedeuten in der Praxis: starke Nachbarsignale werden besser verkraftet, schwache Signale bleiben hörbar.
Für Ragchew, Digitalmodi und gelegentliches DX reicht die AU-510. Wer ambitioniert Conteste fährt, zwei Bänder gleichzeitig bedienen will oder anspruchsvollen DX-Betrieb mit eng beieinanderliegenden Signalen betreibt, kauft die AU-520 für die zweite SCU und die schärferen Filter.
Die M-Varianten enthalten einen eingebauten 8-Zoll-Touchscreen mit 1920 × 1200 Pixeln samt Maestro-Bedienelementen und HDMI-Ausgang. Damit lässt sich der Transceiver vollständig ohne Computer bedienen. Ohne M-Variante ist die Aurora eine Kiste ohne Bedienteil und braucht zwingend einen Client.
Video-Tipp: Ein kompakter erster Blick auf beide Baureihen direkt vom Stand auf der Hamvention.
Technische Eckdaten
Sender
- Sendeleistung: 1 bis 500 W PEP auf 160 bis 10 m, 1 bis 200 W auf 6 m, in AM 125 W auf KW und 50 W auf 6 m
- Verfahren: Polar-Modulation mit Class-D-Endstufe und adaptiver Vorverzerrung (SmartSignal)
- Wirkungsgrad: bis 80 Prozent im Spitzenwert
- Tastverhältnis: ICAS, 25 bis 50 Prozent, maximal fünf Minuten Dauerstrich bei voller Leistung
- Oberwellendämpfung: 60 dBc oder besser
- Betriebsarten: SSB, CW, AM, SAM, FM, RTTY und Digitalmodi, dazu CESSB für bis zu 3 dB mehr effektive Sprechleistung
- Sendebereich: ausschließlich Amateurfunkbänder von 160 m bis 6 m
Empfänger
- Architektur: 16-Bit-Direktabtastung ohne Mischer und ohne Zwischenfrequenz
- Empfangsbereich: 30 kHz bis 54 MHz durchgehend
- RMDR: 110 dB bei 1 kHz, 115 dB bei 2 kHz Abstand
- Dynamikbereich: über 145 dB (AU-510) beziehungsweise über 155 dB (AU-520)
- Spektrumbreite: bis 7 MHz (AU-510) beziehungsweise bis 14 MHz (AU-520), Auflösung bis 5,85 Hz je Pixel beziehungsweise 1,46 Hz je Pixel
Bei der Abtastrate widersprechen sich die Quellen: Die Produktseite nennt für die AU-520 eine Abtastrate von 245,76 Msps, die Empfängertabelle im Handbuch führt für beide Baureihen 122,88 Msps. Für die Praxis sind ohnehin die Dynamikwerte und die Preselektoren die aussagekräftigeren Zahlen.
Anschlüsse
- ANT1 und ANT2: Sende- und Empfangsanschluss, beide für volle 500 W ausgelegt, UHF-Buchsen (SO-239)
- RX1 (AU-510) beziehungsweise RX1 und RX2 (AU-520): reine Empfangseingänge, etwa für Beverage oder Loop
- XVTR: ein Transverterausgang bei der AU-510, zwei bei der AU-520, Pegel 0 bis +10 dBm, ZF-Bereich 100 kHz bis 54 MHz
- Netzwerk: Gigabit-Ethernet, dazu GNSS-Empfänger für Zeitsynchronisierung, optional GPSDO für Frequenzgenauigkeit
Gehäuse und Stromversorgung
- Abmessungen: 171 × 356 × 337 mm (H × B × T)
- Gewicht: 8 kg
- Netzteil: eingebaut, 80 bis 264 VAC bei 47 bis 63 Hz, automatische Bereichsumschaltung, Leistungsfaktor über 0,94
- Leistungsaufnahme: 35 W im Empfang, 675 W beim Senden mit voller Leistung
- Kein 13,8-V-Gleichspannungsbetrieb: Die Aurora läuft ausschließlich am Wechselstromnetz. Wer sie portabel betreiben will, braucht einen Wechselrichter oder einen Generator.
- Kühlung: aktiv mit drehzahlgeregelten Lüftern, Kühlkörper im Normalbetrieb unter 35 °C, Abschaltung bei 70 °C
SmartSDR, SmartLink und MultiFlex
Wie bei allen FlexRadio-Geräten ist die Software zentraler Bestandteil des Betriebskonzepts. SmartSDR steuert die Aurora und unterscheidet den Flex-Ansatz grundlegend von klassischen Transceivern mit Drehknöpfen und Menüs:
- SmartSDR für Windows: die Vollversion mit Wasserfall, Panadapter, Audioeinstellungen, Speicherverwaltung und DAX für die Anbindung von Logbuch- und Digitalmodus-Software
- SmartSDR für macOS und iOS: native Versionen für Mac, iPad und iPhone, funktional etwas schlanker
- Maestro: das eigene Bedienteil mit Touchscreen, in den M-Varianten eingebaut und separat erhältlich
Mit SmartLink verbindet sich der Transceiver über FlexRadios Server, und der Bediener kann sich von überall verbinden, ohne VPN und ohne Portweiterleitung. Für alle, die sich für Remote-Shack-Betrieb interessieren, ist das eine der elegantesten Lösungen auf dem Markt. Wie es mit anderer Hardware geht, zeigt unser Artikel über Remotefunk mit Tailscale.
MultiFlex erlaubt zwei Clients gleichzeitig. Ein Operator bedient lokal über Maestro, während ein zweiter über SmartSDR auf einem entfernten Rechner einen weiteren Slice-Empfänger steuert. Für Clubstationen und Ausbildungsbetrieb eine ausgezeichnete Funktion. Die Anbindung an Logbuch-Software wie Wavelog läuft über die üblichen Schnittstellen.
Der empfindlichste Punkt: SWR
Hier verhält sich die Aurora anders als jeder gewohnte Transceiver, und das ist der wichtigste Punkt vor einer Kaufentscheidung. Der Schaltbetrieb reagiert deutlich empfindlicher auf Fehlanpassung als eine Linearendstufe. FlexRadio nennt drei Schwellen:
| Parameter | Wert | Was passiert |
|---|---|---|
| SWR-Foldback | 1,7:1 | Das Gerät beginnt, die Ausgangsleistung selbsttätig zurückzunehmen. |
| SWR-Fehler | 2,5:1 | Die Sendung wird abgebrochen und eine Störungsmeldung gesetzt. |
| Abstimmbereich des Tuners | bis 3:1 | Der eingebaute ATU ist bis 3:1 für volle Leistung ausgelegt. |
Praktisch heißt das: Der interne Tuner soll grundsätzlich mitlaufen, denn er bringt die Last erst in den Bereich, in dem der Sender volle Leistung abgibt. Oberhalb von 3:1 kann der ATU zwar oft noch abstimmen, ist dort aber nicht mehr für volle Leistung freigegeben, und die Ausgangsleistung muss von Hand reduziert werden. Eine gut angepasste Antenne ist damit keine Empfehlung mehr, sondern Betriebsvoraussetzung. Wer mit breitbandig genutzten Drahtantennen arbeitet, sollte das Stehwellenverhältnis auf allen Bändern vorher messen. Unsere Artikel zu Antennentunern und zu Baluns und Ununs helfen bei der Vorbereitung.
Keine externe Endstufe, und zwar in beide Richtungen
Dieser Punkt wird gerne übersehen. Die Aurora lässt sich nicht mit einer externen Endstufe kombinieren, und sie lässt sich auch nicht selbst als Endstufe für ein anderes Gerät nutzen.
Nach vorne scheitert es an der Leistung: Die meisten Amateurfunkendstufen sind für höchstens 100 Watt Ansteuerung gebaut. 500 Watt auf den Eingang zerstören die Eingangsstufe. FlexRadio warnt im Handbuch ausdrücklich davor und nennt ein konkretes Beispiel: Die PGXL verträgt im Bypass nur 200 Watt, die 500 Watt der Aurora würden sie beschädigen. Wer trotzdem eine Endstufe anschließen will, muss zwingend prüfen, wie viel Leistung sie im durchgeschleiften Zustand verträgt. Hintergrund dazu in unserem Artikel über Endstufen und Verstärker.
Nach hinten scheitert es an der Architektur: Eine Polar-Modulations-Endstufe braucht die getrennten Amplituden- und Phasensignale aus der Signalerzeugung. Ein gewöhnlicher Transceiver liefert nur das fertige Hochfrequenzsignal. FlexRadio hat darum klargestellt, dass die Technik nicht als Endstufe für Fremdgeräte angeboten wird.
In Österreich ist die Aurora damit auf 500 Watt festgelegt. Die Amateurfunkverordnung erlaubt in der höchsten Leistungsstufe D bis zu 1.000 Watt PEP. Wer diese Reserve ausschöpfen möchte, braucht eine andere Lösung. Was dabei sonst noch gilt, steht in unserem Überblick zur Amateurfunk-Gesetzgebung in Österreich.
Kein VHF und UHF, aber Transverter-Anschlüsse
Die Aurora deckt Kurzwelle und 6 m ab. Das 2-m-Band und 70 cm sind nicht vorgesehen. Anders als beim bisherigen Stand der Berichterstattung ist das aber kein hartes Ende: Jedes Modell hat mindestens einen Transverterausgang mit 0 bis +10 dBm, die AU-520 deren zwei. Damit lassen sich VHF-, UHF- und Mikrowellen-Transverter genauso anschließen wie an einer FLEX-6000 oder FLEX-8000. Zusammen mit dem Vollduplexbetrieb ist damit auch Satellitenfunk möglich. Wer in diese Richtung denkt, findet in unserem Artikel über das 23-cm-Band und höher den passenden Einstieg.
Vergleich mit konventionellen Transceivern
| Merkmal | Aurora AU-520 | Icom IC-7610 | Yaesu FTDX101D | Elecraft K4 |
|---|---|---|---|---|
| Architektur | Direktabtastung | Direktabtastung | Hybrid aus SDR und Superhet | Direktabtastung |
| Sendeleistung | 500 W PEP | 100 W | 100 W | 100 W |
| Sendertyp | Polar-Modulation, Class D | LDMOS linear | LDMOS linear | LDMOS linear |
| Wirkungsgrad Sender | bis 80 % | rund 50 % | rund 50 % | rund 50 % |
| Netzteil eingebaut | ja | nein | ja | nein |
| Tuner eingebaut | ja, bis 3:1 | ja | ja | optional |
| Slice-Empfänger | 4 | 2 | 2 | 2 bis 4 |
| Externe Endstufe | nicht möglich | ja | ja | ja |
| Remote-Betrieb | SmartLink über Internet | RS-BA1 über LAN/VPN | SCU-LAN10 über LAN | Ethernet über LAN |
| Bedienkonzept | Software oder Maestro | Frontplatte plus Software | Frontplatte | Frontplatte plus Software |
| Gewicht | 8 kg | 10,8 kg plus Netzteil | 21,4 kg | 7,3 kg plus Netzteil |
| Preis (Richtwert) | rund 9.400 € | rund 3.500 € | rund 5.500 € | rund 5.800 € |
Die Preise der Vergleichsgeräte sind Richtwerte für Oktober 2026 und schwanken je nach Händler und Ausstattung. Die Aurora ist deutlich teurer, bringt aber auch 500 Watt ohne externen Verstärker, ein eingebautes Netzteil und den effizientesten Sender im Amateurfunk mit. Wer bisher einen 100-Watt-Transceiver plus Endstufe plus zwei Netzteile betrieben hat, bekommt das alles in einem Gerät. Wer dagegen bereits eine Endstufe besitzt und behalten will, verliert diese Option ersatzlos.
Verfügbarkeit und Preise in Europa
Die Auslieferung in den USA begann im Dezember 2025. In Europa hat sich die Lage im Lauf des Jahres 2026 geklärt: WiMo in Deutschland führt alle vier Modelle, die AU-510M ist lagernd, AU-510, AU-520 und AU-520M sind ab dem 9. Oktober 2026 verfügbar. Auch PileupDX und Astroradio listen die Serie mit nahezu identischen Preisen.
- AU-510: 6.949 € bei WiMo, Listenpreis 6.199 USD
- AU-510M: 8.090 € bei WiMo, Listenpreis 7.349 USD
- AU-520: 9.438 € bei WiMo, Listenpreis 8.599 USD
- AU-520M: 10.500 € bei WiMo, Listenpreis 9.599 USD
Alle Europreise verstehen sich inklusive Mehrwertsteuer, Stand Oktober 2026. Für österreichische Funkamateure ist WiMo der nächstgelegene autorisierte Händler. Ein GPSDO kostet bei FlexRadio zusätzlich 749 USD.
Aus der Praxis
Steve Zwirn, K9ZW, hat seine AU-520M im Januar 2026 bekommen und nach rund 300 QSOs berichtet. Sein Fazit ist positiv: sehr gute Integration, ein Sender, der zum ohnehin exzellenten Empfänger passt, und das Gefühl, eine komplette Station um ein einziges Gerät herum bauen zu können. Zwei Beobachtungen aus seinem Bericht sind praktisch relevant:
- Die Software war zum Auslieferungszeitpunkt noch im Alpha-Stadium. Fehlermeldungen aus den neuen Baugruppen landeten noch nicht vollständig in SmartSDR, und die Dokumentation hinkte dem Gerät hinterher.
- Die Schieberegler für Sendeleistung und Tune-Leistung sind Prozentwerte, keine absoluten Wattangaben. Wer die Tune-Leistung auf 10 stellt, gibt nicht zehn Watt ab, sondern zehn Prozent von 500 Watt, also 50 Watt. Dieser Unterschied kann einer empfindlichen Antennenanlage den Tag verderben.
Einzelne frühe Geräte lassen sich außerdem nachkalibrieren, um den Abstimmbereich des Tuners etwas zu erweitern.
Video-Tipp: Ein Erfahrungsbericht nach echtem Funkbetrieb, nicht vom Messestand.
Für wen eignet sich die Aurora?
- Remote-Operatoren: Wer seinen Transceiver fernsteuern möchte, findet in SmartLink und der Ethernet-Anbindung die komfortabelste Lösung auf dem Markt.
- DX-Jäger und Contester: 500 Watt aus einem Gerät, exzellenter Empfänger, vier Slice-Empfänger und SO2R-Fähigkeit bei der AU-520.
- Platzsparer: ein komplettes 500-Watt-Setup in einem Gehäuse, ein Netzstecker, ein Koaxialkabel.
- Lärmempfindliche Umgebungen: deutlich weniger Abwärme bedeutet leiser laufende Lüfter, ein Argument für den Shack im Wohnbereich.
- Digitalmodus-Enthusiasten: DAX und die Software-Integration machen den Betrieb mit FT8 und Co. unkompliziert, das Tastverhältnis von 50 Prozent passt dazu.
- Portabelbetrieb mit Generator oder Solar: halbierte Eingangsleistung bei voller Ausgangsleistung.
Weniger geeignet ist die Aurora für alle, die eine vorhandene Endstufe weiter nutzen oder auf 1.000 Watt gehen wollen, die einen klassischen Transceiver mit Knöpfen bevorzugen, die mit schwierig anzupassenden Antennen arbeiten, oder die VHF und UHF ohne Transverter abdecken müssen.
Tipps für den Umstieg
- Antenne zuerst: Vor dem Kauf das Stehwellenverhältnis auf allen genutzten Bändern messen. Alles über 1,7:1 kostet Leistung, alles über 2,5:1 bricht die Sendung ab.
- Netzwerk vorbereiten: Die Aurora hängt am Gigabit-Ethernet, nicht an USB. Ein Switch in der Nähe des Geräts gehört zur Planung.
- Stromversorgung prüfen: 675 Watt aus der Steckdose beim Senden. Kein 13,8-V-Betrieb, portabel also nur mit Wechselrichter oder Generator.
- Rechner prüfen: SmartSDR läuft unter Windows 10 und 11 und mag eine dedizierte Grafikkarte für den Wasserfall. Mac- und iOS-Versionen sind verfügbar, funktional etwas schlanker. Ein Raspberry Pi im Shack ersetzt den Client nicht, kann aber drumherum nützlich sein.
- Maestro abwägen: Wer das Gerät gelegentlich ohne Computer nutzen möchte, etwa bei einem Stromausfall oder für schnellen Betrieb, sollte die M-Variante nehmen oder ein separates Maestro einplanen.
- Prozentregler im Kopf behalten: Leistung und Tune-Leistung sind Prozentwerte. Vor der ersten Abstimmung bewusst niedrig setzen.
Woher der Name kommt

Der Name ist für Funkamateure doppelt besetzt. Die Aurora ist nicht nur ein Transceiver, sondern auch eine Ausbreitungsart: Bei starken geomagnetischen Störungen reflektiert die Polarlichtzone Signale im VHF-Bereich und ermöglicht Verbindungen, die sonst nicht zustande kämen. Wie das funktioniert und worauf man hören muss, steht in unserem Artikel über die Aurora-Ausbreitung auf 2 m. Passend dazu die Grundlagen zu den Ausbreitungsbedingungen.
Fazit
Die FlexRadio Aurora ist kein evolutionärer Schritt. Der Polar-Modulations-Sender setzt neue Maßstäbe für Wirkungsgrad und thermisches Design, und die Integration von Transceiver, Endstufe, Netzteil und Tuner in acht Kilogramm ist im Amateurfunk beispiellos. Dazu kommt ein Empfänger aus der FLEX-8000-Plattform und ein Software-Ökosystem, das Remote-Betrieb so einfach macht wie kein zweites.
Die Grenzen sind allerdings schärfer, als die Pressemitteilungen vermuten lassen. Die SWR-Empfindlichkeit ist real und fängt schon bei 1,7:1 an. Das Tastverhältnis ist begrenzt. Eine externe Endstufe ist in beide Richtungen ausgeschlossen. Das Gerät läuft nur am Netz, nicht an 13,8 Volt. Und die Software war zum Marktstart noch nicht fertig. Wer das akzeptiert und ohnehin SDR-gesteuert arbeitet, bekommt derzeit das technisch interessanteste Gerät am Markt. Wer eine klassische Station mit Endstufe, Drehknöpfen und schwierigen Antennen betreibt, bekommt viele Einschränkungen für viel Geld.
Ob sich die Polar-Modulation als Zukunft des Senderbaus durchsetzt, bleibt abzuwarten. Dass es funktioniert, hat FlexRadio bewiesen. Und dass es nicht nur in der Oberklasse funktioniert, zeigt der QMX von QRP Labs für unter 200 Dollar. Im Amateurfunk ist offenbar immer noch Platz für echte Innovationen.
73 – eure oeradio.at-Redaktion
Quellen
- FlexRadio: Aurora User Guide (PDF), maßgeblich für alle technischen Werte in diesem Artikel
- FlexRadio: Produktseite Aurora AU-520 und AU-510
- WiMo: FlexRadio Aurora, Preise und Verfügbarkeit in Europa
- PileupDX: FlexRadio Aurora FAQ
- Tony Brock-Fisher, K1KP: „The Polar Explorer", QEX März/April 2017 (PDF)
- EI7GL: A very basic overview of Polar Modulation
- K9ZW: Initial FlexRadio Aurora AU-520M Impressions
- Ham Radio Workbench 248: Polar Modulation with Tony, K1KP
- RIS: Amateurfunkverordnung, Leistungsstufen
Bildnachweis
Titelbild und Bild im Abschnitt zur Firmengeschichte: FlexRadio-Stand auf der Hamvention, Dave Clausen, CC BY 2.0, Wikimedia Commons, Ausschnitt. Das Foto zeigt frühere FLEX-Modelle und nicht die Aurora. Ein frei lizenziertes Foto der Aurora existiert derzeit nicht.
Hüllkurven-Grafik: Nujira, CC BY 3.0, Wikimedia Commons.
Polarlicht über dem Mývatn: Giles Laurent, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons.
Videos: Ham Radio Workbench, Ham Radio Prep, G3LRC's Ham Radio. Weitere sehenswerte Beiträge: DX Engineering mit dem Entwicklerteam, DX Engineering von der Hamvention und Ham Smarter with VE6LK. Einbettung über YouTube, die Rechte liegen bei den jeweiligen Kanälen.
Aktualisierungshinweis
Aktualisiert am 8. Oktober 2026. Die erste Fassung dieses Artikels stammte aus dem Frühjahr 2026 und ist in mehreren Punkten überholt oder war nicht korrekt. Nachgeschärft wurden unter anderem: Die Aurora nutzt eine Class-D-Endstufe, nicht Class E oder F. Der Wert 1,7:1 ist die Schwelle, ab der die Leistung zurückgeregelt wird, der Tuner geht bis 3:1, bei 2,5:1 bricht die Sendung ab. Das Gerät ist nicht lüfterlos, sondern hat drehzahlgeregelte Lüfter; der oft zitierte Dauertest auf der Hamvention lief zwei Stunden, nicht acht, bei 37 °C am Gerät. Neu aufgenommen wurden die ICAS-Einstufung mit 25 bis 50 Prozent Tastverhältnis, der fehlende 13,8-V-Betrieb, die Transverter-Anschlüsse als Weg zu VHF und UHF, SmartSignal und CESSB, GNSS und GPSDO, die Anschlussbelegung sowie der Umstand, dass die Aurora weder mit noch als externe Endstufe betrieben werden kann. Die CE-Frage hat sich erledigt: Die Serie ist seit Oktober 2026 bei europäischen Händlern gelistet, die Preise sind auf den aktuellen Stand gebracht. Das KI-generierte Titelbild wurde durch ein frei lizenziertes Foto ersetzt.
Transparenzhinweis
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die Redaktion hat alle Inhalte überprüft und redaktionell bearbeitet. Trotz sorgfältiger Prüfung können vereinzelt Ungenauigkeiten enthalten sein — wir freuen uns über Hinweise per E-Mail an [email protected].





