Endstufen und Verstärker: Auswahl, Sicherheit und Erdung

Amateurfunk

Eine Endstufe ist das teuerste Gerät im Shack, das am wenigsten zum Erfolg beiträgt — und trotzdem will sie irgendwann fast jeder haben. Dieser Artikel geht der Reihe nach durch, was eine Endstufe tatsächlich bringt, was in Österreich rechtlich gilt, wie sich Röhre und LDMOS in der Praxis unterscheiden, wie man Ansteuerung, ALC, Kühlung und Erdung sauber aufsetzt und woran man einen brauchbaren Gebrauchtkauf erkennt.

Was mehr Leistung wirklich bringt

Die wichtigste Zahl zuerst, weil sie die ganze Diskussion einordnet: Leistung wirkt logarithmisch. Eine S-Stufe entspricht auf Kurzwelle definitionsgemäß 6 dB, also dem Vierfachen der Leistung.

  • 100 W → 400 W = 6 dB = genau eine S-Stufe
  • 100 W → 1000 W = 10 dB = rund 1,7 S-Stufen
  • 5 W (QRP) → 100 W = 13 dB = gut zwei S-Stufen

Wer von 100 auf 1000 Watt geht, verzehnfacht die Leistung und gewinnt dabei knapp zwei S-Stufen. Zum Vergleich: Der Wechsel von einer Vertikalantenne auf eine Dreielement-Yagi bringt ähnlich viel — in beide Richtungen, also auch beim Empfang, und ohne Stromrechnung. Deshalb gilt die alte Regel unverändert: Jeder Euro in die Antenne wirkt besser als der gleiche Euro in die Endstufe. Wer noch Luft bei Vertikalantennen, EFHW oder einer Richtantenne hat, sollte dort anfangen.

Trotzdem gibt es Situationen, in denen eine Endstufe der einzige Weg ist:

  • Pile-Ups im Contest und bei DXpeditionen — hier zählt nicht absolute Feldstärke, sondern der Abstand zu den anderen Anrufern
  • EME und Meteorscatter — physikalisch geht es ohne hohe Leistung schlicht nicht
  • Kompromissantennen — wer in der Wohnung mit Magnetic Loop oder Stealth-Antenne arbeitet, kompensiert Antennenverluste
  • Low Band — 160 m und 80 m verzeihen wenig, gerade im Sommer

Und es gibt eine Situation, in der eine Endstufe nichts nützt: wenn man die Gegenstation nicht hört. Leistung macht den eigenen Empfänger nicht besser. Wer im Störnebel sitzt, investiert sinnvoller in Empfangsantennen und in die Störungssuche im eigenen Haus.

Rechtsrahmen: Was in Österreich tatsächlich erlaubt ist

Hier hält sich hartnäckig ein Missverständnis: „Mit CEPT-Lizenz darf man 1 kW." Das stimmt so nicht. Maßgeblich ist die Frequenznutzungsverordnung 2013 (BGBl. II Nr. 63/2014), Anlage 4, in der Fassung der Novelle BGBl. II Nr. 61/2023, in Kraft seit 13. März 2023.

Der Normalfall: 400 Watt

Für Inhaber der Bewilligungsklasse 1 liegt die reguläre Obergrenze auf den Kurzwellenbändern bei 400 W PEP. Das ist die Leistung, mit der die allermeisten österreichischen Stationen legal arbeiten — und für die eine 600-Watt-Endstufe mit Reserve völlig ausreicht.

Für die Bewilligungsklassen 3 und 4 ist bei 100 W Schluss. Und, praktisch noch wichtiger: In diesen Klassen sind laut Anlage 4 nur unmodifizierte, kommerzielle Sendeanlagen zulässig. Eine nachgeschaltete Endstufe — erst recht eine selbstgebaute — ist damit für Klasse 3 und 4 faktisch kein Thema. Wer aufrüsten will, macht zuerst die Prüfung zur Klasse 1; welche Klasse wofür taugt, haben wir im Lizenzklassen-Vergleich aufgedröselt.

High Power: 1 kW auf Antrag

Seit der Novelle 2023 kann die Leistungsstufe „High Power" mit 1000 W PEP beantragt werden. Die Bedingungen laut Fernmeldebüro:

  • nur für Bewilligungsklasse 1
  • nur auf den KW-Bändern 80 m, 40 m, 20 m, 17 m, 15 m, 12 m und 10 m
  • Voraussetzung ist „ein mindestens einjähriger störungsfreier Betrieb der Leistungsstufe B für den bewilligten Standort" — bei bestehender Bewilligung der Leistungsstufe C entfällt die Wartezeit
  • Antrag über das RAT-System; bis zur Genehmigung ist High-Power-Betrieb unzulässig
  • die Bewilligung ist standortgebunden und kostenpflichtig (Größenordnung 6,5 Euro monatlich)

Der Punkt „störungsfreier Betrieb" ist kein Formalismus: Wer bei den Nachbarn seit Jahren im Fernseher hängt, bekommt keine Leistungserhöhung. Das ist ein guter Grund, die EMV-Hausaufgaben vor dem Endstufenkauf zu machen, nicht danach.

Die Bänder im Detail

BandMax. Leistung Klasse 1High Power möglich?
160 m (1810–1850 kHz)200 Wnein
160 m (1850–2000 kHz)100 Wnein
80 m400 Wja
60 m (5351,5–5366,5 kHz)15 W EIRPnein
40 m400 Wja
30 m200 Wnein (WARC)
20 / 17 / 15 / 12 / 10 m400 Wja
6 m (50–52 MHz)200 Wnein
6 m (52–54 MHz)100 Wnein
2 m und 70 cmbis 1 kW — aber nur EME und Meteorscatter mit Yagis ab 15 dBdSonderfall
23 cm10 W (GNSS-Schutz)nein
13 cm und höher200 Wnein

Auf den WARC-Bändern (30, 17, 12 m) gilt zusätzlich die IARU-Vereinbarung, dass dort keine Conteste gefahren werden — und der gute Ton, es dort mit der Leistung nicht zu übertreiben. Zum stark beschnittenen 23-cm-Band siehe unseren Mikrowellen-Artikel.

Nebenaussendungen, Kunstantenne, CE

Drei Bestimmungen der Amateurfunkverordnung (AFV) betreffen den Endstufenbetrieb direkt:

  • § 17 — unerwünschte Aussendungen sind „auf das geringstmögliche Maß zu beschränken"; im Bereich 50–1000 MHz gilt eine Dämpfung von mindestens 60 dB gegenüber der Spitzenleistung. Ohne wirksames Oberwellenfilter hinter der Endstufe ist das nicht zu halten.
  • § 14 — Senderabstimmung verlangt, dass abgestimmt wird, ohne unnötig zu strahlen — in der Praxis: an der Kunstantenne (Dummy Load). Das ist bei Röhrenendstufen mit TUNE/LOAD keine Empfehlung, sondern Vorschrift.
  • § 13 — Kontrollgeräte setzt geeignete Strom- und Spannungsmessgeräte voraus. Bei einer Endstufe heißt das konkret: Anodenstrom, Anodenspannung, Ausgangs- und Rücklaufleistung müssen ablesbar sein.

Zur CE-Frage: Fertig gekaufte Endstufen brauchen eine CE-Kennzeichnung nach der Funkanlagenrichtlinie RED 2014/53/EU und der EMV-Richtlinie. Eigenbau und Bausätze von und für Funkamateure sind nach Art. 1 Abs. 2 lit. c RED ausdrücklich ausgenommen, solange sie nicht am Markt bereitgestellt werden. Selberbauen ist also erlaubt — die Einhaltung der Grenzwerte aus § 17 AFV entbindet das aber nicht.

Eigenbau im Amateurfunk: 1.400-W- und 600-W-Endstufen von Jörg Müller (DJ8YP) — Aufbau, Kühlung, Filter (Quelle: YouTube, deutsch)

Röhre oder LDMOS?

Der Streit ist gefühlt so alt wie das Hobby, aber technisch inzwischen ziemlich klar entschieden — mit einigen Ausnahmen.

Röhrenendstufen

Meist Trioden in Gitterbasisschaltung (3-500Z, 3CX1500A7) oder Tetroden (GU-74B, 4CX800). Der Ausgangskreis ist ein abstimmbares Pi-Filter — daher TUNE und LOAD, daher der Bandwechsel von Hand.

  • Gutmütig bei Fehlanpassung. Ein SWR von 3:1 quittiert eine Röhre mit schlechterem Wirkungsgrad, ein LDMOS-Modul mit dem Ableben.
  • Das Pi-Filter dämpft Oberwellen von Haus aus mit — ein systembedingter Vorteil bei § 17.
  • Reparierbar. Röhre tauschen, Kondensator tauschen, weiterfunken.
  • Aber: 2000 bis 4000 Volt Anodenspannung, 20 bis 40 Kilogramm, Anheizzeit, und die Röhrenbeschaffung ist zum Problem geworden. Russische Typen wie GU-74B sind seit 2022 kaum noch regulär lieferbar, und bei den amerikanischen Klassikern sind Neuware-Preise deutlich gestiegen.

LDMOS-Endstufen

Der heutige Standard. Ein bis zwei Leistungstransistoren — meist BLF188XR oder MRF1K50 — an 50 bis 65 Volt, breitbandig, mit schaltbaren Tiefpassfiltern pro Band.

  • Kein Abstimmen. Bandwechsel in Millisekunden, oft automatisch über die Bandspannung des Transceivers. Für SO2R und Contestbetrieb praktisch Pflicht.
  • Keine Hochspannung im gefährlichen Sinn — 50 V sind unangenehm, aber nicht tödlich.
  • Kompakt und leicht, teils unter 15 kg, manche Modelle sogar portabeltauglich.
  • Aber: extrem empfindlich gegen Fehlanpassung und Übersteuerung. Ohne funktionierende Schutzschaltung ist ein Modul in Millisekunden hinüber — und ein BLF188XR kostet einen dreistelligen Betrag.
RöhreLDMOS
Bandwechselmanuell (TUNE/LOAD)automatisch, sofort
Betriebsspannung2–4 kV50–65 V
Wirkungsgradca. 55–65 %ca. 55–70 %
Verhalten bei SWR > 2:1gutmütigAbschaltung nötig, sonst Defekt
Oberwellenunterdrückungdurch Pi-Filter inhärentdurch geschaltete Tiefpassfilter
Gewicht20–40 kg10–20 kg
BereitschaftAnheizzeit 1–3 minsofort
Reparaturgut machbarModultausch, teuer
ErsatzteileRöhrenbeschaffung schwieriggut verfügbar
Ask Dave (KE0OG): Röhren- gegen Transistorendstufe — die Abwägung in unter zehn Minuten (Quelle: YouTube, englisch)
Ausführlicher Praxistest einer 1-kW-LDMOS-Endstufe (Palstar LA-1K) inklusive Messungen (Quelle: YouTube, englisch)

Die Kenngrößen, auf die es ankommt

Ansteuerleistung und Verstärkung. Typisch sind 12 bis 14 dB Gewinn. Eine 1,3-kW-LDMOS-Endstufe braucht dafür rund 40 bis 60 Watt Ansteuerung, eine Röhrenendstufe der 1-kW-Klasse ähnlich viel. Wer einen QRP-Transceiver wie den IC-705 (10 W) betreibt, braucht entweder eine Endstufe mit hoher Verstärkung oder eine zweistufige Lösung — 10 W direkt auf eine kW-Endstufe zu geben, ergibt bestenfalls ein Drittel der Nennleistung.

Intermodulation (IMD3). Die entscheidende Qualitätszahl, und die einzige, die die Nachbarstationen im Band merken. Gute Amateur-Endstufen liegen bei −30 bis −35 dBc für die dritte Ordnung. Billige, ungefilterte „Burner" aus dem CB-Umfeld liegen um Größenordnungen darüber und erzeugen ein Signal, das über 20 kHz breit splattert.

Duty Cycle. Die am häufigsten unterschätzte Größe:

BetriebsartMittlere LeistungPraxis an einer 1-kW-Endstufe
SSB (Sprache)ca. 20–25 %volle Leistung unproblematisch
CWca. 40–50 %volle Leistung, Lüfter läuft
RTTY, FT8, FT4, PSK100 %auf ca. 500 W zurücknehmen
FM (z. B. Relais, Simplex)100 %ebenfalls zurücknehmen

Die Faustregel für Digimodes lautet: halbe Nennleistung, ganze Lebensdauer. Viele Hersteller spezifizieren Dauerstrichbetrieb ohnehin nur bei 50 Prozent der SSB-Leistung. Eine FT8-Sequenz dauert 12,6 Sekunden bei konstantem Träger — thermisch etwas völlig anderes als ein SSB-QSO.

Ansteuerung, ALC und Keying — wo es teuer wird

Die meisten Endstufenschäden entstehen nicht durch Überlastung im Betrieb, sondern durch falsche Verkabelung zwischen Transceiver und Endstufe.

Die Ansteuerleistung

Grundsatz: Die Endstufe wird über die Ausgangsleistung des Transceivers gesteuert, nicht über die ALC. Man stellt am Transceiver so viel Leistung ein, dass die Endstufe ihre Nennleistung erreicht — und keinen Watt mehr. Übersteuerung erhöht die Ausgangsleistung kaum noch, verschlechtert aber die Intermodulation dramatisch.

Die ALC-Schleife

Die ALC-Leitung führt eine negative Spannung von der Endstufe zurück zum Transceiver und regelt dort die Leistung herunter. Sie ist ein Notnagel, keine Betriebsart: Die Regelschleife braucht Zeit, und in dieser Zeit liegt bereits Überschwingen am Endstufeneingang an — bei Digimodes mit ihren schnellen Pegelsprüngen ein bekanntes Problem. Wer die ALC ständig am Anschlag fahren muss, hat die Ansteuerleistung falsch eingestellt.

Was die ALC eigentlich tut — und was sie nicht kann (Quelle: YouTube, englisch)
Praxis: ALC richtig einstellen und was Übersteuerung im Band anrichtet (Quelle: YouTube, englisch)

Die Keying-Leitung — der häufigste teure Fehler

Ältere Endstufen schalten ihr Sende-Empfangs-Relais direkt über die PTT-Leitung, teilweise mit 120 Volt und dreistelligen Milliampere. Historische Heathkit-SB-Geräte sind berüchtigt dafür. Der Transistor, der im modernen Transceiver diese Leitung schaltet, ist ein winziger SMD-Typ und stirbt an solchen Spannungen und an der Rück-EMK des Relais — die typische Diagnose lautet dann „Sendeanzeige bleibt hängen".

Abhilfe: ein Relais-Buffer zwischen Transceiver und Endstufe (z. B. Ameritron ARB-704 oder Bausatzlösungen). Solche Buffer verkraften typisch bis 200 V Leerlaufspannung und 300 mA. Die Faustregel: Vor dem Anschließen einer unbekannten Endstufe die Leerlaufspannung an der PTT-Buchse messen. Alles über 12 V bedeutet: Buffer dazwischen. Eine ausführliche Darstellung der Relaisproblematik findet sich bei W8JI.

Hot Switching und Sequencing

Als „Hot Switching" bezeichnet man das Umschalten des Relais, während bereits HF anliegt. Die Folge sind verbrannte Relaiskontakte, bei LDMOS zusätzlich Modulschäden. Deshalb gilt die feste Reihenfolge: erst PTT, dann HF — mit einigen Millisekunden Vorlauf. Moderne Transceiver haben dafür eine einstellbare Sendeverzögerung („TX Delay", „TX Inhibit"). Auf VHF/UHF mit Vorverstärker im Mast kommt zusätzlich ein Sequencer dazu, der Vorverstärker, Relais und HF in der richtigen Reihenfolge schaltet.

Antennentuner an der richtigen Stelle

Der Antennentuner gehört hinter die Endstufe, zwischen Endstufe und Antenne — und muss für die volle Leistung ausgelegt sein. Ein Tuner zwischen Transceiver und Endstufe versteckt das eigentliche Stehwellenverhältnis vor der Schutzschaltung: Der Transceiver sieht 1:1, die Endstufe arbeitet gegen 3:1. Der interne Tuner der meisten Transceiver ist für diese Position ohnehin ungeeignet.

Sauber bleiben: Zweitonprüfung, Splatter, Oberwellen

Der Zweitontest ist die klassische Prüfmethode: Zwei Töne (z. B. 700 und 1900 Hz) werden gleichzeitig eingespeist, die Hüllkurve auf dem Oszilloskop zeigt sofort, ob die Endstufe linear arbeitet. Abgeflachte Spitzen bedeuten „Flat Topping" — die Endstufe ist in der Begrenzung, und das Signal wird im Band breit.

Wer kein Oszilloskop hat, kommt auch mit einem SDR und etwas Abstand weit: Ein zweiter Empfänger einige hundert Meter entfernt, ein Blick auf den Wasserfall, ein Vergleich der Signalbreite mit und ohne Endstufe. Wenn das Signal mit Endstufe deutlich breiter wird, stimmt etwas nicht — meist die Ansteuerung.

Oberwellen sind die andere Baustelle. Eine Endstufe ohne wirksames Ausgangsfilter erzeugt die zweite Harmonische von 14 MHz bei 28 MHz und die dritte bei 42 MHz — mitten im Bereich, in dem § 17 AFV 60 dB Dämpfung verlangt. Bei kommerziellen Amateurendstufen sind die Bandfilter eingebaut und werden mitgeschaltet; bei Eigenbau ist das Tiefpassfilter das Bauteil, an dem man am wenigsten sparen sollte. Und wenn die Bandumschaltung von Hand erfolgt: Auf 20 m senden, während die Endstufe auf 40 m steht, ist der zuverlässigste Weg, gleichzeitig das Filter und die Nachbarschaft zu ruinieren.

Kühlung und Stromversorgung

Wärme. Bei 60 Prozent Wirkungsgrad werden aus 1000 Watt HF-Ausgangsleistung rund 700 Watt Abwärme. Das entspricht einem kleinen Heizlüfter im Shack — im Sommer spürbar, im Contest garantiert. Zwangsluftkühlung ist Pflicht, die Luftführung muss frei bleiben (also nicht in ein geschlossenes Rack ohne Abluft), und der Lüfter sollte nach dem Sendebetrieb nachlaufen. Bei Röhrenendstufen ist das Nachlaufen keine Komfortfunktion: Ohne Kühlung nach dem Abschalten leidet die Röhre.

Netzstrom. 1000 W HF bei 60 Prozent Wirkungsgrad bedeuten rund 1,7 kW Leistungsaufnahme, also etwa 7,5 Ampere bei 230 Volt im Dauerstrich. Das passt rechnerisch in einen 16-A-Stromkreis (3,68 kW), aber:

  • Eigener Stromkreis. Endstufe, PC, Transceiver und der Kühlschrank auf derselben Sicherung sind eine schlechte Idee.
  • Einschaltstrom. Der Ringkerntrafo einer Röhrenendstufe zieht beim Einschalten kurzzeitig 60 bis 100 A. Ein Automat mit B-Charakteristik fällt dabei gerne, C-Charakteristik hält. Viele Geräte haben eine Einschaltstrombegrenzung („Soft Start") — wenn nicht, nachrüsten.
  • Spannungseinbruch. Sinkt die Netzspannung im Sendebetrieb sichtbar (Licht flackert), ist die Zuleitung zu dünn. Das kostet Ausgangsleistung und belastet die Endstufe.
  • Fehlerstromschutzschalter. Entstörkondensatoren gegen PE erzeugen Ableitströme; mehrere Geräte zusammen können einen 30-mA-FI auslösen. Kein Grund, den FI zu überbrücken — sondern Grund, die Geräte auf mehrere Stromkreise zu verteilen.

Für Portabel- und Notstrombetrieb gilt das erst recht: Wer eine 500-W-Endstufe an Akkus oder einer autarken Versorgung betreiben will, rechnet mit rund 70 A bei 13,8 V — Kabelquerschnitt und Sicherungen entsprechend.

Sicherheit: Hochspannung, HF und Personenschutz

Hochspannung

Lebensgefahr. Röhrenendstufen arbeiten mit 2000 bis 4000 Volt Gleichspannung. Die Ladung der Siebkondensatoren bleibt nach dem Ausschalten und Ziehen des Netzsteckers erhalten — je nach Zustand der Ableitwiderstände über Minuten. Ein Griff ins Gerät, ohne vorher gemessen zu haben, kann tödlich enden.

Die Regeln dazu sind kurz und nicht verhandelbar:

  • Netzstecker ziehen, warten, messen — nicht auf den Ableitwiderstand vertrauen, der kann durchgebrannt sein
  • Restspannung mit einem isolierten Entladestab über einen Widerstand abbauen, nicht mit dem Schraubenzieher kurzschließen
  • Gehäuse-Interlock nie überbrücken, auch nicht „nur zum Messen"
  • eine Hand in der Hosentasche, nie allein am offenen Gerät arbeiten
  • Anodenspannung nach dem Entladen nachmessen, bevor man hineingreift
Kondensatoren in Röhrengeräten sicher entladen — Vorgehen und typische Fehler (Quelle: YouTube, englisch)
Sicherheitsschalter für HF-Endstufen am Beispiel einer LDMOS-PA (Quelle: YouTube, deutsch)

HF-Verbrennungen und HF im Shack

HF-Verbrennungen sind tückisch, weil sie tief gehen und kaum wehtun, solange sie entstehen. Antennen, offene Speiseleitungen und Balun-Anschlüsse werden im Sendebetrieb nicht angefasst — Punkt.

Ein verwandtes Symptom ist HF im Shack: kribbelnde Mikrofone, spinnende Tastaturen, Displays, die beim Senden neu starten. Das ist kein Endstufenproblem, sondern ein Mantelwellenproblem, das durch die höhere Leistung nur sichtbar wird. Abhilfe: Gleichtaktdrosseln an Speiseleitung und Steuerkabeln, sauberer Potentialausgleich — der Mantelwellenindikator hilft beim Aufspüren.

Personenschutz

Anders als in Deutschland, wo die BEMFV ab 10 W EIRP eine dokumentierte Standortbescheinigung verlangt, kennt die österreichische AFV keinen eigenen Personenschutz-Paragrafen. Das ist keine Entwarnung, sondern verlagert die Verantwortung vollständig auf den Funkamateur. Als Orientierung dienen die ICNIRP-Referenzwerte, die auch der deutschen Regelung zugrunde liegen. Praktisch heißt das bei Kilowattbetrieb:

  • Abstand. Feldstärke fällt im Fernfeld linear mit der Entfernung — der doppelte Abstand halbiert sie. Ein paar Meter mehr zwischen Antenne und Aufenthaltsbereich sind wirksamer als jede Diskussion.
  • Keine Kilowatt-Balkonantenne. Eine Loop oder Vertikal in Griffweite ist bei 100 W eine Kompromisslösung und bei 1 kW ein Problem — für die eigene Familie ebenso wie für die Nachbarn.
  • Alle gleichzeitigen Aussendungen zusammen betrachten, wenn mehrere Antennen parallel betrieben werden.
  • Frei verfügbare Rechner wie dieser EMVU-Abstandsrechner geben brauchbare Anhaltswerte — die deutschen Grenzwerte sind dabei eine sinnvolle Messlatte, auch ohne österreichische Verpflichtung.

Erdung, Potentialausgleich und Blitzschutz

Der Abschnitt, bei dem die meisten Missverständnisse entstehen — weil drei völlig verschiedene Dinge dasselbe Wort tragen.

  • Schutzerde (PE). Der grün-gelbe Leiter aus der Steckdose. Er sorgt dafür, dass im Fehlerfall die Sicherung fällt. Er wird niemals aufgetrennt — auch nicht mit einem „Schutzkontakt-Freistecker" gegen Brummschleifen. Wer das tut, baut sich einen tödlichen Fehler ins Shack.
  • Potentialausgleich. Alle Gerätegehäuse — Transceiver, Endstufe, Tuner, Netzteil — werden über kurze, breite Verbindungen (Kupferband, Geflecht) auf eine gemeinsame Schiene gelegt. Entscheidend ist nicht der Gleichstromwiderstand, sondern die Induktivität: Ein zwei Meter langes dünnes Kabel ist auf 14 MHz keine Erde, sondern eine Drossel.
  • HF-Gegengewicht. Was manche „HF-Erde" nennen, ist bei unsymmetrischen Antennen in Wahrheit ein Teil des Antennensystems. Ein Erdspieß ersetzt keine Radials.
  • Blitzschutz. Ein eigenes Thema mit eigenen Normen (ÖVE/ÖNORM EN 62305). Kernpunkte: ein einziger Eintrittspunkt für alle Leitungen ins Gebäude, Überspannungsableiter auf einer geerdeten Sammelschiene an genau dieser Stelle, und bei Gewitter die Koaxkabel physisch abziehen. Details im Artikel Stationserdung und Blitzschutz, bei Antennenträgern zusätzlich Masten und Türme.

Für die Endstufe konkret: Sie ist das schwerste und am besten geerdete Gerät im Shack und damit oft der Punkt, an dem sich alle Ströme treffen. Ein sauberer sternförmiger Potentialausgleich auf eine gemeinsame Schiene — nicht Gerät an Gerät durchgeschleift — spart später viel Fehlersuche.

Grundlagen der Erdung im Shack: Schutzerde, Potentialausgleich und HF-Erde sauber getrennt (Quelle: YouTube, englisch)
Stationserdung und Blitzschutz in der Praxis: Eintrittspunkt, Ableiter, Sammelschiene (Quelle: YouTube, englisch)

Inbetriebnahme Schritt für Schritt

  1. Kunstantenne anschließen. Belastbarkeit prüfen — viele Dummy Loads vertragen 1 kW nur wenige Sekunden. § 14 AFV verlangt die Abstimmung ohne unnötige Aussendung.
  2. PTT-Leitung messen. Leerlaufspannung an der Keying-Buchse der Endstufe; über 12 V nur mit Buffer anschließen.
  3. Endstufe auf Standby, Transceiver auf niedrige Leistung, SWR der Antenne ohne Endstufe prüfen — idealerweise vorher mit dem NanoVNA vermessen.
  4. Band korrekt einstellen — an Transceiver und Endstufe. Bei automatischer Bandumschaltung einmal kontrollieren, dass sie tatsächlich folgt.
  5. Röhrenendstufe abstimmen: Anodenstrom mit TUNE auf Minimum („Dip"), dann mit LOAD auf die gewünschte Leistung, TUNE nachziehen. Kurze Tastungen, nicht minutenlang im Dip stehen.
  6. Ansteuerleistung hochfahren, bis die Nennleistung erreicht ist — und dort aufhören. Notieren, welche Transceiver-Leistung das pro Band war.
  7. Auf die Antenne umschalten, SWR kontrollieren, dann erst die volle Leistung.
  8. Digimodes gesondert einstellen: Leistung halbieren, ALC-Anzeige beobachten, Audiopegel im PC so weit herunter, dass keine ALC-Regelung anspricht.
Jim W6LG zeigt die Abstimmung einer Röhrenendstufe Schritt für Schritt — Dip, Loading, Nachziehen (Quelle: YouTube, englisch)

Marktüberblick 2026

Kurzwelle, Transistor (LDMOS)

  • SPE Expert 1.3K-FA / 2K-FA — italienisch, sehr verbreitet, mit eingebautem Tuner und automatischer Bandfolge; die 1.3K-FA gilt als Referenz in ihrer Klasse
  • Elecraft KPA1500 — 1,5 kW mit integriertem ATU, hervorragende Dokumentation, in Europa teuer
  • Palstar LA-1K — 1 kW, robust, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • RF-KIT RF2K-S — deutscher Bausatz, 2 kW-Klasse, große und aktive Nutzergemeinde; als Bausatz nach RED-Ausnahme zulässig
  • RM Italy BLA-350 Plus — 300 W, 1,8–30 MHz, kompakt und günstig; gut geeignet für den Sprung von 100 auf 300 W
  • Juma PA1000 — finnisch, 1 kW, betont einfach aufgebaut

Kurzwelle, Röhre

  • ACOM 1000 / 1010 / 1200S — bulgarisch, robust, weit verbreitet, gute Ersatzteillage
  • OM Power OM2500 / OM3500A — slowakisch, sehr solide, in Contest-Stationen häufig
  • Ameritron AL-811H — 800 W, der günstige Klassiker mit vier 811A-Trioden; simpel, laut, reparierbar

VHF/UHF

  • BEKO HLV-Serie (HLV-350, HLV-1000, HLV-1100, HLV-2000) — deutsche Fertigung, für 2 m, 70 cm und 23 cm, mit Zirkulatorschutz; die 23-cm-Variante ist in Österreich wegen der 10-W-Grenze nur noch eingeschränkt nutzbar
  • Mirage-Serie — kompakte Mobil- und Portabelverstärker im 100-W-Bereich

Finger weg von CB-„Burnern". Verstärker aus dem CB-Umfeld — dazu gehört auch die RM-Italy-KL-Serie — sind für 27 MHz gebaut, haben keine bandselektiven Filter und produzieren Oberwellen und Intermodulation weit jenseits dessen, was § 17 AFV zulässt. Sie sind für den Amateurfunkbetrieb ungeeignet, unabhängig davon, was das Datenblatt an Watt verspricht.

Gebrauchtkauf-Checkliste

  • Röhrenbetriebsstunden erfragen und den Ruhestrom prüfen — eine weiche Röhre erreicht die Nennleistung nicht mehr
  • Röhrenverfügbarkeit vor dem Kauf klären. Bei russischen Typen (GU-74B, GU-78B) ist das seit 2022 eine ernste Frage.
  • Relais hörbar und sichtbar prüfen — verbrannte Kontakte durch Hot Switching sind der häufigste Vorschaden
  • Vakuumdrehkondensatoren auf Vakuumverlust prüfen (Überschläge beim Abstimmen)
  • Lüfter und Luftweg — Staub im Kühlkamin ist bei Röhrenendstufen ein Todesurteil auf Raten
  • Bandfilter durchschalten und auf jedem Band mit kleiner Leistung an der Kunstantenne messen
  • bei LDMOS: Schutzschaltungen testen — mit leicht fehlangepasster Last muss das Gerät abschalten, nicht durchbrennen
  • Netzteil und Trafo auf Brummen, Geruch und Rostspuren prüfen; ein defekter Hochspannungstrafo ist oft ein wirtschaftlicher Totalschaden

Die häufigsten Fehler auf einen Blick

  • Endstufe gekauft, bevor die Antenne fertig war
  • PTT-Leitung ohne Buffer an einen modernen Transceiver gehängt
  • ALC als Leistungsregler benutzt statt der Transceiver-Ausgangsleistung
  • FT8 mit voller Leistung gefahren, bis das Modul kapituliert hat
  • Tuner zwischen Transceiver und Endstufe statt dahinter
  • Bandwechsel am Transceiver, aber nicht an der Endstufe
  • Schutzleiter zur Brummunterdrückung aufgetrennt
  • 1 kW auf eine Balkonantenne zwei Meter neben dem Kinderzimmer
  • High-Power-Betrieb ohne Bewilligung — der Antrag ist Formsache, das Fehlen davon nicht

Quellen und Weiterführendes

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Bildnachweise

Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die verwendeten Bilder stammen von Wikimedia Commons und stehen unter freien Lizenzen (Nachweise oben). Die eingebetteten Videos stammen von Dritten; für deren Inhalte sind die jeweiligen Kanäle verantwortlich. Angaben zur Rechtslage geben den Stand August 2026 wieder und sind keine Rechtsauskunft — verbindlich ist die jeweils geltende Fassung von FNV und AFV im RIS. Korrekturen und Ergänzungen gerne an [email protected].

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