futureGEO: Die Zukunft geostationärer Amateurfunksatelliten nach QO-100

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Seit Februar 2019 beweist QO-100 auf Es’hail-2, dass geostationäre Amateurfunksatelliten funktionieren — und zwar hervorragend. Tausende Funkamateure in Europa, Afrika und Asien nutzen den Schmalband- und Breitband-Transponder täglich für SSB-QSOs, Datenübertragung und sogar DATV-Sendungen. Doch QO-100 deckt Nordamerika nicht ab. Hier setzt das futureGEO-Projekt an: ein ambitioniertes Vorhaben, das die nächste Generation geostationärer Amateurfunk-Nutzlasten definieren soll.

Start von Es'hail-2 auf einer SpaceX Falcon 9 — Trägersatellit von QO-100
Der Start von Es’hail-2 am 15. November 2018 auf einer SpaceX Falcon 9 — an Bord QO-100, der erste geostationäre Amateurfunk-Transponder. Foto: SpaceX, gemeinfrei (CC0).

Was ist futureGEO?

futureGEO ist ein gemeinsames Projekt von AMSAT-DL und der Europäischen Weltraumorganisation ESA, katalogisiert als ESA ARTES Future Preparation 1A.126. Ziel ist die Entwicklung einer neuen Amateurfunk-Nutzlast für einen zukünftigen geostationären Satelliten. Das Konzept wurde erstmals im Februar 2024 von Frank Zeppenfeldt, PD0AP (ESA), auf der FOSDEM-Konferenz in Brüssel vorgestellt. Im März 2024 veröffentlichte AMSAT-DL den formellen Vorschlag.

Die Vision: Globale Abdeckung

Der größte Unterschied zu QO-100: futureGEO soll auch Nordamerika abdecken. Eine diskutierte Orbitalposition bei etwa 43 Grad West würde Europa, den östlichen Teil Nordamerikas, Teile Südamerikas und Westafrika versorgen. Damit würde eine der größten Amateurfunk-Gemeinschaften der Welt — die USA und Kanada — erstmals Zugang zu einem geostationären Amateurfunksatelliten erhalten.

Geplante Transponder und Frequenzen

Der Vorschlag sieht zwei Transponder vor, ähnlich wie bei QO-100:

  • Schmalband-Transponder: 250 kHz Bandbreite, 20 Watt Ausgangsleistung. Uplink bei 5,6 GHz (C-Band), Downlink bei 10 GHz (X-Band). Für SSB, CW und schmalbandige Digitalmodi.
  • Breitband-Transponder: 1 MHz Bandbreite, ebenfalls 20 Watt. Für breitbandige digitale Übertragungen und DVB-S/S2.

Die wichtigste technische Änderung gegenüber QO-100: Der Uplink verschiebt sich von 2,4 GHz (S-Band) auf 5,6 GHz (C-Band). Das bedeutet neue Anforderungen an die Bodenstationen.

Experimentelle Nutzlasten

Über die klassischen Transponder hinaus werden spannende experimentelle Komponenten diskutiert:

  • Software Defined Radio (SDR): Ein vollständig integrierter SDR-Stack, der alle gängigen Amateurfunk-Betriebsarten unterstützen könnte
  • 24-GHz-Empfänger: Millimeterwellen-Beacons und Experimente
  • Kameras: Bildgebung für Bildungs- und Outreach-Zwecke
  • Store-and-Forward: Ähnlich wie bei CubeSats, aber mit der Zuverlässigkeit eines GEO-Satelliten
  • Laser-Kommunikation: Experimentelle optische Übertragung

Zeitplan und aktueller Stand

futureGEO befindet sich in der Definitionsphase. Wichtige Meilensteine:

  • Februar 2024: Erstvorstellung auf der FOSDEM in Brüssel
  • März 2024: AMSAT-DL veröffentlicht den formellen Nutzlast-Vorschlag
  • Mai 2025: RFEI (Request for Expression of Interest) an nationale AMSAT-Organisationen weltweit
  • September 2025: Erster futureGEO-Workshop an der Sternwarte Bochum, im Rahmen des AMSAT-DL-Symposiums
  • 2026: Prototypen-Demonstration geplant
  • März 2026: Bochum Space Day mit ESA-Präsentation zu futureGEO
  • Juni 2026: Community-Workshop auf der HAM RADIO Friedrichshafen
  • ~2029–2030: Geschätzter Betriebsbeginn

Die ESA hat über ihr ARTES-Programm rund 250.000 Euro für die laufende Definitions- und Machbarkeitsphase bereitgestellt (ESA ARTES Future Preparation, Referenz ARTES-FPE-1A126). Es handelt sich um eine kooperative Partnerschaft, nicht um einen klassischen ESA-Auftrag.

futureGEO vs. QO-100 im Vergleich

Was ändert sich gegenüber dem bewährten QO-100?

  • Abdeckung: QO-100 bei 25,9° Ost (Europa, Afrika, Naher Osten, Indien) → futureGEO bei ~43° West (Europa + Nordamerika + Teile Südamerikas)
  • Uplink: QO-100 bei 2,4 GHz (S-Band) → futureGEO bei 5,6 GHz (C-Band)
  • Downlink: Beide bei ~10 GHz (X-Band) — die Empfangsseite bleibt ähnlich
  • Extras: futureGEO plant SDR-Stack, 24-GHz-Empfänger, Kameras und Laser-Experimente
  • Träger: QO-100 auf Es’hail-2 (Katar) → futureGEO sucht noch einen Wirtssatelliten (ESA-Rahmen)

Bodenstation für futureGEO

Die Empfangsseite (10-GHz-Downlink) wird QO-100-Stationen sehr ähnlich sein: Parabolantenne (60–100 cm), modifizierter LNB und ein SDR-Empfänger. Wer bereits für QO-100 empfängt, kann die Downlink-Hardware weitgehend übernehmen.

Die Sendeseite ändert sich grundlegend: Statt der vertrauten 2,4-GHz-WiFi-Verstärker braucht es 5,6-GHz-Equipment — Leistungsverstärker und Speiseantenne für C-Band. Das ist anspruchsvoller, aber technisch machbar. Genaue Leistungsanforderungen und Link-Budgets stehen noch aus, da Satellitenleistung, Antennengewinn und Orbitalposition noch nicht endgültig festgelegt sind.

Für den Einstieg in die Satellitenverfolgung und den Empfang genügt bereits einfache Hardware — die Beobachtung von QO-100 ist heute schon mit einem RTL-SDR und einem alten Sat-TV-LNB möglich.

Was bedeutet futureGEO für OE?

Österreichische Funkamateure liegen voll im Abdeckungsbereich — sowohl von QO-100 als auch vom geplanten futureGEO. Das bedeutet: Wenn futureGEO eines Tages Realität wird, können OE-Stationen mit Nordamerika über einen geostationären Satelliten in Echtzeit kommunizieren — ohne die Unsicherheiten der Kurzwellenausbreitung und ohne auf günstige Sonnenzyklen warten zu müssen.

Wie kann man sich beteiligen?

  • QO-100 nutzen: Die beste Vorbereitung auf futureGEO ist der Einstieg in QO-100 — Erfahrung mit GEO-Satellitenfunk sammeln
  • AMSAT-Mitglied werden: AMSAT-DL und AMSAT-OE unterstützen das Projekt aktiv
  • Workshops besuchen: HAM RADIO 2026 in Friedrichshafen und der Bochum Space Day bieten Gelegenheiten zur direkten Beteiligung
  • Technisch beitragen: Die Projektdokumentation ist öffentlich auf GitLab verfügbar — technische Beiträge sind willkommen
  • Mikrowellentechnik lernen: 5,6 GHz und 10 GHz verstehen — SDR-Hardware und Mikrowellenmesstechnik sind wertvolle Fähigkeiten
QO-100 in der Praxis: ein Überblick zum ersten geostationären Amateurfunksatelliten (Video: TX Factor, YouTube).

futureGEO ist das ambitionierteste Amateurfunk-Satellitenprojekt dieses Jahrzehnts. Auch wenn bis zum Start noch Jahre vergehen werden — die Zeit jetzt ist entscheidend, um die Weichen für die nächste Ära des geostationären Amateurfunks zu stellen.

73 – eure oeradio.at-Redaktion

Quellen


Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die Redaktion hat alle Inhalte überprüft und redaktionell bearbeitet. Trotz sorgfältiger Prüfung können vereinzelt Ungenauigkeiten enthalten sein — wir freuen uns über Hinweise per E-Mail an [email protected].

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