Sonnenzyklus 25: Die besten Bänder für DX in 2026

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Wir leben in einer besonderen Zeit für den Amateurfunk. Der Sonnenzyklus 25 hat alle Vorhersagen übertroffen und beschert uns Ausbreitungsbedingungen, wie sie viele Funkamateure seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt haben. Wer jetzt nicht auf den Bändern aktiv ist, verpasst eine historische Gelegenheit — denn diese Bedingungen werden nicht ewig anhalten.

Sonnenzyklus 25: Die Überraschung

Als Sonnenzyklus 25 im Dezember 2019 begann, waren die Prognosen verhalten. Das Solar Cycle Prediction Panel — eine Expertengruppe von NOAA und NASA — prognostizierte ein Maximum mit einer geglätteteten Sonnenfleckenzahl von etwa 115, ähnlich dem schwachen Zyklus 24. Viele Funkamateure stellten sich auf magere Jahre ein.

Es kam anders. Deutlich anders.

Der Sonnenzyklus 25 übertraf alle Erwartungen. Im Oktober 2024 wurde ein geglättetetes Maximum von rund 161 erreicht — fast 40% über der Prognose. Tatsächlich zeigte der Zyklus ein Doppel-Maximum mit einem zweiten Schub im August 2025. Damit ist SC25 der stärkste Sonnenzyklus seit SC22 (Maximum 232,9 im Jahr 1979) und deutlich stärker als SC23 (Maximum 120,8 im Jahr 2000) und SC24 (Maximum 116,4 im Jahr 2014, der schwächste seit über 100 Jahren).

Historischer Vergleich

Um die aktuelle Situation einzuordnen, ein Blick auf die letzten Zyklen:

  • SC19 (1954-1964): Maximum 285,0 — der stärkste jemals gemessene Zyklus. Legendäre 10-m-Öffnungen.
  • SC21 (1976-1986): Maximum 232,9 — ausgezeichnete HF-Bedingungen über Jahre.
  • SC22 (1986-1996): Maximum 212,5 — noch sehr stark.
  • SC23 (1996-2008): Maximum 120,8 — spürbar schwächerer Zyklus.
  • SC24 (2008-2019): Maximum 116,4 — der schwächste seit über 100 Jahren. 10 m war über Jahre fast tot.
  • SC25 (2019-heute): Maximum ~161 — starke Erholung, deutlich über SC23 und SC24.

Die aktuelle Entwicklung des Sonnenzyklus 25 im Vergleich zu früheren Zyklen kann auf der NOAA Solar Cycle Progression-Seite live verfolgt werden.

Aktuelle Bedingungen Anfang 2026

Im Frühjahr 2026 bewegen wir uns in der Abstiegsphase nach dem Maximum, aber die Bedingungen sind weiterhin hervorragend. Der Solar Flux Index (SFI) liegt typischerweise zwischen 140 und 160 — Werte, die exzellente HF-Ausbreitung garantieren.

Was bedeutet der SFI für die Praxis?

  • SFI unter 80: Schlechte Bedingungen. Nur 40 m und darunter zuverlässig.
  • SFI 80-100: Moderate Bedingungen. 20 m und 17 m funktionieren, 15 m gelegentlich.
  • SFI 100-150: Gute bis sehr gute Bedingungen. 15 m und 12 m regelmässig offen, 10 m sporadisch.
  • SFI über 150: Exzellente Bedingungen. 10 m täglich weltweit offen, 6 m F2-Öffnungen möglich.

Band-für-Band: Der Zustand der Bänder in 2026

10 Meter (28 MHz) — Das Star-Band

Das 10-m-Band ist derzeit das Star-Band für DX. Täglich öffnet es sich für weltweite Verbindungen — von Europa nach Japan, Südamerika, Nordamerika, Ozeanien. Die FT8-Frequenz 28.074 MHz zeigt auf PSK Reporter hunderte Spots aus allen Kontinenten. Aber auch in SSB und CW herrscht reger Betrieb.

10 Meter bietet einen besonderen Vorteil: Die Antennen sind klein. Ein Halbwellendipol ist nur 5 Meter lang, eine 3-Element-Yagi hat tragbare Dimensionen. Wer eine Magnetic Loop für 10 m baut, kommt mit 80 cm Durchmesser aus.

12 Meter (24 MHz) — Der Geheimtipp

Das 12-m-Band wird oft übersehen, ist aber derzeit exzellent. Weniger überfuellt als 10 m, ähnlich gute Ausbreitung. Besonders für DX-Jäger interessant, weil es weniger Konkurrenz gibt. 12 m ist ein WARC-Band — keine Conteste erlaubt, also entspannter Betrieb.

15 Meter (21 MHz) — Das Arbeitspferd

15 m ist das klassische DX-Band während eines Sonnenmaximums. Es öffnet früh am Morgen und bleibt bis in die Abendstunden aktiv. Die Ausbreitung ist stabiler als auf 10 m, und es bietet längere Öffnungszeiten. Für SSB-DX ein absolutes Highlight.

17 Meter (18 MHz) — Lang offen, wenig QRM

Wie 12 m ein WARC-Band, also contestfrei. 17 m bietet längere Öffnungszeiten als 15 m und eignet sich hervorragend für entspanntes DX. Die Bandbreite ist schmal (100 kHz), was es übersichtlich hält.

20 Meter (14 MHz) — Der Allrounder

20 m ist immer gut — unabhängig vom Sonnenzyklus. Während des Sonnenmaximums ist es quasi rund um die Uhr offen. Morgens Öffnungen nach Japan und Ozeanien, nachmittags Nordamerika, abends Südamerika. 20 m ist das Band, das nie enttäuscht, aber während des Sonnenmaximums ist es besonders beeindruckend: Die Signale sind stärker, die Öffnungen länger, die Anzahl der erreichbaren Stationen größer.

40 Meter (7 MHz) — Nacht-DX

40 m bleibt das zuverlässige Nacht-DX-Band. Nach Sonnenuntergang öffnet es sich für interkontinentale Verbindungen. Während des Sonnenmaximums kann das Band tagsüber etwas verrauschter sein (die erhoehte Ionisation dämpft die tieferen Bänder stärker), aber nachts bleibt es ein Powerhouse.

6 Meter (50 MHz) — Das Magic Band

6 m wird nicht umsonst „Magic Band“ genannt. Während eines starken Sonnenmaximums sind F2-Öffnungen möglich — also Ausbreitung über die Ionosphäre ähnlich wie auf Kurzwelle. Das bedeutet: DX-Verbindungen über tausende Kilometer auf 6 m, was normalerweise nicht möglich ist. Dazu kommen die saisonalen Sporadic-E-Öffnungen im Sommer, die bei hoher Sonnenaktivität besonders intensiv ausfallen können.

Wer einen 6-m-fähigen Transceiver hat, sollte das Band unbedingt beobachten. Die Öffnungen kommen oft überraschend und dauern manchmal nur Minuten — aber wenn es öffnet, kann man Stationen aus Afrika, Südamerika oder Asien auf 50 MHz arbeiten. Unvergessliche Erlebnisse.

Gray-Line DX

Ein besonderer Tipp für DX-Jäger: Die Gray-Line — die Dämmerungszone zwischen Tag und Nacht auf der Erdoberfläche — bietet einzigartige Ausbreitungsmöglichkeiten. Signale folgen dieser Zone und ermöglichen Verbindungen, die sonst nicht möglich wären. Typische Gray-Line-Zeiten für Mitteleuropa: kurz vor Sonnenaufgang und kurz nach Sonnenuntergang. Besonders auf 20 m und 40 m lassen sich so seltene Gebiete erreichen.

Wie geht es weiter? Die Prognose

Sonnenzyklen dauern im Mittel 11 Jahre. Nach dem Maximum folgt ein Abstieg, der typischerweise 5-7 Jahre dauert. Für SC25 bedeutet das:

  • 2026: Immer noch exzellente Bedingungen. SFI regelmässig über 140. 10 m täglich offen.
  • 2027: Gute bis sehr gute Bedingungen. 10 m weiterhin nutzbar, aber die Öffnungen werden kürzer.
  • 2028-2029: Spürbarer Rückgang. 10 m wird unzuverlässiger, 12 m und 15 m bleiben brauchbar.
  • 2030-2032: Minimum nähert sich. 20 m und 40 m dominieren wieder, höhere Bänder oft still.

Die Botschaft ist klar: Jetzt ist die Zeit, aktiv zu sein. Die nächsten 1-2 Jahre bieten noch hervorragende Bedingungen. Danach wird es zunehmend schwieriger, DX auf den höheren Bändern zu arbeiten.

Werkzeuge für die Ausbreitungsbeobachtung

Um die aktuellen Bedingungen im Blick zu behalten, gibt es hervorragende Tools:

  • VOACAP Online: Vorhersage der HF-Ausbreitung zwischen zwei Punkten — voacap.com/hf
  • DXHeat.com: Echtzeit-DX-Cluster mit Kartenansicht — dxheat.com
  • PSK Reporter: Echtzeit-Empfangskarte für FT8 und andere digitale Modi — pskreporter.info
  • WSPRnet: Weltweites Beacon-Netzwerk zur Ausbreitungsbeobachtung — wsprnet.org
  • SolarHam: Aktuelle Sonnendaten, Flares, geomagnetische Indices — solarham.net
  • hamqsl.com Solar Page: Kompakte Übersicht über Sonnendaten und HF-Bedingungen — hamqsl.com/solar.html

Sonnenzyklus im Zeitraffer: NASA SDO

Das folgende Video der NASA zeigt zehn Jahre Sonnenbeobachtung durch das Solar Dynamics Observatory (SDO) im Zeitraffer — vom ruhigen Minimum bis zum aktiven Maximum. Man sieht deutlich, wie die Sonnenaktivität zu- und wieder abnimmt:

NASA SDO: A Decade of Sun — 10 Jahre Sonnenbeobachtung im Zeitraffer (Credit: NASA/Goddard Space Flight Center)

Praktische Tipps: Jetzt das Beste aus den Bedingungen holen

  • Hohe Bänder zuerst prüfen: Beginnt eure DX-Suche auf 10 m und arbeitet euch nach unten. Die höchste offene Frequenz bietet meist die besten DX-Chancen.
  • Morgens: Osten. Abends: Westen. Die Ausbreitung folgt der Sonne. Morgens öffnen sich Wege nach Japan, VK, ZL. Abends nach Nord- und Südamerika.
  • FT8 als Indikator: Auch wenn ihr lieber SSB oder CW macht — ein Blick auf die FT8-Frequenz zeigt sofort, welche Wege offen sind.
  • QRP lohnt sich: Bei diesen Bedingungen reichen 5 Watt für DX. Eine großartige Herausforderung.
  • Conteste nutzen: CQ WW, CQ WPX, ARRL DX — während der großen Conteste sind alle auf den Bändern. Ideale Gelegenheit für neue DXCC-Gebiete.
  • 6 m beobachten: Haltet 50.313 MHz (FT8) und 50.150 MHz (SSB DX Calling) im Auge. Wenn 6 m öffnet, ist es magisch.

Fazit: Eine goldene Aera nutzen

Sonnenzyklus 25 hat uns positiv überrascht. Die Bedingungen sind besser als erwartet, besser als alles, was wir seit den 1990er Jahren erlebt haben. Für DX-Jäger, Contestteilnehmer und alle, die einfach gerne funken, sind dies goldene Zeiten.

Die Sonne wird nicht fragen, ob wir bereit waren. In wenigen Jahren werden die Bedingungen schlechter werden — das ist die Natur der Zyklen. Wer jetzt ein neues DXCC-Gebiet arbeiten, einen neuen Bandpunkt bestätigen oder einfach erleben möchte, wie 10 Meter klingt, wenn es richtig offen ist, sollte nicht mehr warten. Die Antenne aufbauen, den Transceiver einschalten und die Bänder geniessen. Es lohnt sich — versprochen.

73 – eure oeradio.at-Redaktion


Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die Redaktion hat alle Inhalte überprüft und redaktionell bearbeitet. Trotz sorgfältiger Prüfung können vereinzelt Ungenauigkeiten enthalten sein — wir freuen uns über Hinweise und Korrekturen per E-Mail an [email protected].

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