WSJT-X-Modi für VHF/UHF: Q65, MSK144 & Co — und wo FT2 wirklich hingehört

DigiModes

Auf VHF und UHF entscheidet nicht die Leistung, sondern der richtige Modus. FT8 kennt jeder von der Kurzwelle — aber auf 2 m holt Q65 noch Signale aus dem Rauschen, bei denen FT8 längst schweigt, und Meteorscatter macht überhaupt nur MSK144 vernünftig. Dieser Artikel ordnet die WSJT-X-Modi nach Ausbreitungsart, mit den offiziellen Zahlen aus dem WSJT-X-Handbuch und dem Q65-Quick-Start-Guide. Und er räumt einen Irrtum aus, den wir hier selbst verbreitet hatten: FT2 ist kein WSJT-X-Modus — dazu unten mehr.

Wasserfalldiagramm der Software WSJT-X mit mehreren decodierten Signalen
Der Wasserfall ist das eigentliche Arbeitsinstrument: Was hier als Spur sichtbar wird, liegt oft noch weit unter der Hörschwelle. Foto: Denis Apel, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Der Überblick: elf Modi, vier Aufgaben

Die aktuelle Version WSJT-X 3.0.2 (Juni 2026) bringt elf Protokolle mit: FST4, FT4, FT8, JT4, JT9, JT65, Q65, MSK144, WSPR, FST4W und Echo. Für VHF/UHF sind davon vier wirklich relevant — der Rest ist entweder für Kurzwelle (FT8, FT4, JT9), für Lang- und Mittelwelle (FST4, FST4W) oder Spezialwerkzeug (Echo misst die eigenen Mond-Echos).

Die Empfindlichkeitsangaben in der folgenden Tabelle stammen aus dem WSJT-X-Handbuch und bezeichnen die Schwelle für 50 % Decodierwahrscheinlichkeit, bezogen auf 2500 Hz Rauschbandbreite. Zum Vergleich: Ein Signal wird im Wasserfall etwa ab −26 dB sichtbar, hörbar ist es erst ab rund −15 dB.

ModusPeriodeBandbreiteSchwelleWofür auf VHF/UHF
FT815 s50 Hz−21 dBAlltag: Tropo, Sporadic-E, Aurora, Aircraft Scatter
FT47,5 s83 Hz−17,5 dBContest, wenn Signale kräftig sind
Q6515–300 s19–1733 Hz−22,2 bis −33,8 dBIonoscatter, Troposcatter, Rainscatter, TEP, EME
MSK1445–30 s2400 HzPing-abhängigMeteorscatter, Aircraft Scatter
JT6560 s178 Hz−25 dBEME-Klassiker, heute großteils von Q65 abgelöst
JT460 s17,5 Hz (JT4A)−23 dBEME auf Mikrowelle, breite Submodi bis 24 GHz

Q65: der eigentliche VHF-Weak-Signal-Modus

Q65 wurde 2021 mit WSJT-X 2.4.0 eingeführt (Joe Taylor K1JT, Bill Somerville G4WJS, Steve Franke K9AN und Nico Palermo IV3NWV). Es arbeitet mit 65-Ton-FSK und ist ausdrücklich für Pfade mit starkem Doppler-Spread gebaut — also genau das, was Troposcatter, Rainscatter, Ionoscatter, TEP und EME auszeichnet. Bei Doppler-Spreads über wenige Hertz ist Q65 der empfindlichste Modus in WSJT-X, Punkt.

Der Preis dafür ist die Vielfalt: Q65 hat fünf Periodenlängen (15, 30, 60, 120, 300 s) und fünf Submodi A bis E mit 1-, 2-, 4-, 8- und 16-fachem Tonabstand. Ein Kürzel wie Q65-30A bedeutet also 30 Sekunden Periode, engster Tonabstand. Die Grundwerte aus dem Quick-Start-Guide:

PeriodeTonabstand (A)Bandbreite (A)Schwellemit AP-Decodierung
15 s6,67 Hz433 Hz−22,2 dB−23,7 dB
30 s3,33 Hz217 Hz−24,8 dB−26,6 dB
60 s1,67 Hz108 Hz−27,6 dB−30,2 dB
120 s0,75 Hz49 Hz−30,8 dB−32,5 dB
300 s0,29 Hz19 Hz−33,8 dB−37,4 dB

Welchen Submodus wofür? Die Entwickler geben im Quick-Start-Guide konkrete Empfehlungen — man muss also nicht raten:

  • Ionoscatter 50 MHz: Q65-30A (QRP: Q65-120E)
  • Ionoscatter 144 MHz: Q65-60C
  • TEP auf 50 MHz: Q65-15C oder 30C
  • Troposcatter und Rainscatter bei 10 GHz: Q65-60D
  • EME: 50 und 144 MHz Q65-60A, 432 MHz Q65-60B, 1296 MHz Q65-60C, 10 GHz Q65-60D
  • EME mit kleiner Schüssel, 10/24 GHz: Q65-120E

Bemerkenswert ist der Ionoscatter-Fall: K1JT und K9AN haben auf einer 1150-km-Strecke gezeigt, dass mit 300 W praktisch jede Q65-30A-Aussendung sauber ankommt. Mit einer bescheidenen Yagi und 100 W sind auf 6 m an den meisten Tagen des Jahres Verbindungen bis rund 2000 km möglich — bei totem Band, ohne Sporadic-E. Am besten funktioniert das um die Mittagszeit und im Sommer.

Ausführliche Q65-Einführung der Front Range 6 Meter Group mit Hasan N0AN, Jim W7OUU und Lance W7GJ — inklusive Praxisbeispielen auf 6 m.

MSK144: Meteorscatter in Sekundenbruchteilen

MSK144 ist der einzige „schnelle" Modus, der auf VHF wirklich zählt. Er ist dafür gebaut, extrem kurze Signalanhebungen auszunutzen: Meteorspuren, Flugzeugreflexionen, sonstiges Scatter. Während die „langsamen" Modi eine Nachricht pro Periode senden, wiederholt MSK144 den Frame ununterbrochen — ein Standardframe dauert nur 72 Millisekunden, die verkürzte Sh-Variante mit gehashten Rufzeichen sogar nur 20 ms. Trifft ein Ping, ist die Nachricht mehrfach drin.

Technisch: OQPSK mit 2000 Baud, das Signal belegt die volle SSB-Bandbreite (rund 2400 Hz) und liegt immer auf 1500 Hz Audio-Mittenfrequenz. Sende- und Empfangsfilter sollten von 300 bis 2700 Hz möglichst flach sein, die Frequenzabweichung zum Partner darf maximal ±200 Hz betragen. Als Periodenlänge sind 5, 10, 15 und 30 s wählbar — 15 s ist die Empfehlung für die meisten Fälle.

Wasserfallspur mit kurzen MSK144-Pings auf 50 MHz
So sieht Meteorscatter aus: MSK144-Pings auf 50 MHz in einer 15-Sekunden-Wasserfallspur. Jeder Strich ist eine Meteorspur, die für Sekundenbruchteile eine Verbindung öffnet. Bild: Chrumps, Wikimedia Commons, CC0

Beste Zeit: die Morgenstunden zwischen etwa 04 und 08 Uhr UTC, wenn sich die Erde in ihre Bahnrichtung dreht und mehr Meteore aufsammelt. Dazu die Schauer: Perseiden Mitte August, Geminiden Mitte Dezember, Quadrantiden Anfang Jänner. Wer üben will, nimmt die Lyriden im April als Trockenübung, bevor im August ernst gemacht wird.

Was MSK144 macht und wie ein Meteorscatter-QSO abläuft — kompakte Erklärung mit Beispielen.

Frequenzen: IARU Region 1

Wichtig, weil hier viele Anleitungen aus den USA in die Irre führen: In Region 1 gelten andere Meteorscatter-Frequenzen als in Region 2. Auf 2 m liegt MSK144 bei uns auf 144,360 MHz — 144,370 MHz ist die alte FSK441-Frequenz, nicht MSK144.

BandFT8Q65 terrestrischMeteorscatter (MSK144)EME
6 m50,313 MHz (DX: 50,323)50,280 MHzQ65-60A
2 m144,174 MHz (alt. 144,178)144,180 MHz144,360 MHzQ65-60A
70 cm432,174 MHz432,180 MHz432,370 MHz432,060–432,150 MHz (Q65-60B)
23 cm1296,174 MHz1296,180 MHz1296,060–1296,150 MHz

Q65 terrestrisch wird üblicherweise als Q65-15B mit 15-Sekunden-Perioden gefahren, EME dagegen mit 60-Sekunden-Perioden. Auf 144,170 MHz sitzt noch JT65B für terrestrische Verbindungen — ein Erbe aus der Zeit vor Q65.

Und FT2? Gehört in diesen Artikel nur als Abgrenzung

An dieser Stelle stand hier früher, FT2 sei 2026 von K1JT in WSJT-X eingeführt worden. Das war falsch, und wir korrigieren es. Richtig ist:

  • FT2 stammt von Martino Merola, IU8LMC, zusammen mit dem Team von ARI Caserta — nicht von Joe Taylor.
  • Es läuft nicht in WSJT-X, sondern in Decodium, einem eigenständigen Fork.
  • Der erste On-Air-Nachweis datiert vom 16. Februar 2026; seit 22. März 2026 ist FT2 als SUBMODE=FT2 in ADIF 3.1.7 eingetragen.
  • Kennwerte: 3,8 Sekunden Periode, rund 150 Hz Bandbreite, Decodierschwelle nach ersten Messungen bei −12 bis −14 dB, Zeitgenauigkeit ±50 ms.

Und genau diese Schwelle ist der Grund, warum FT2 in einem VHF-Weak-Signal-Artikel nichts verloren hat: Es ist rund 9 dB unempfindlicher als FT8 und über 15 dB unempfindlicher als Q65-60A. FT2 ist ein Geschwindigkeitsmodus für kräftige Signale auf Kurzwelle — Contest, Pile-up, hohe QSO-Rate. Für Meteorscatter, Ionoscatter oder EME ist es schlicht das falsche Werkzeug. Wer FT2 ausprobieren will: Wir haben dem Modus einen eigenen Artikel gewidmet.

FT2 im Praxistest: Geschwindigkeitsvergleich gegen FT8 und FT4 — samt der Frage, was der Tempogewinn an Empfindlichkeit kostet.

Setup: worauf es auf VHF ankommt

Die Software gibt es kostenlos auf wsjtx.github.io für Windows, macOS und Linux. Drei Punkte, an denen VHF-Betrieb anders ist als auf Kurzwelle:

  • Zeitsynchronisation ist nicht optional. Auf Kurzwelle verzeiht FT8 einiges; bei MSK144 und den kurzen Q65-Perioden killt eine schiefe Uhr jeden Decode. NTP einrichten und kontrollieren — nicht „ist eh Windows-Zeit".
  • Der richtige Submodus schlägt mehr Leistung. Zwischen Q65-30A und Q65-60A liegen fast 3 dB — das entspricht der doppelten Sendeleistung, kostet aber nur Geduld.
  • Split-Betrieb und Filter prüfen. MSK144 braucht die volle SSB-Bandbreite; ein zu schmales Filter schneidet das Signal an und verhindert Decodes.

Wer WSJT-X überhaupt zum ersten Mal einrichtet — Soundkarte, CAT-Steuerung, Pegel —, findet hier die Grundlagen:

WSJT-X von Grund auf: Installation, Audio-Pegel, CAT-Anbindung und erste Schritte.

Kurzfassung: welcher Modus wann

  • Band offen, Signale brauchbar (Sporadic-E, Tropo, Bergreflexionen): FT8, im Contest FT4.
  • Band tot, aber Ionoscatter geht immer: Q65-30A auf 6 m, Q65-60C auf 2 m.
  • Meteorschauer oder Morgenstunden: MSK144, 15 s.
  • Mond steht: Q65-60A/B/C je nach Band, JT65B nur noch bei Bedarf.
  • Möglichst viele QSOs auf Kurzwelle: FT4 — oder eben FT2 in Decodium, wenn die Signale es hergeben.

73 – eure oeradio.at-Redaktion


Quellen


Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die technischen Angaben stammen aus den oben verlinkten Primärquellen. Der Artikel wurde am 2. August 2026 überarbeitet: Eine frühere Fassung schrieb FT2 fälschlich Joe Taylor K1JT zu und behandelte es als WSJT-X-Modus — beides ist falsch und wurde korrigiert. Fehler gefunden? Schreib uns an [email protected].

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