FreeDV ist die vollständig quelloffene Alternative zu den proprietären Digitalsprache-Modi wie D-STAR oder DMR. Wo diese auf den lizenzpflichtigen AMBE-Codec und spezielle Funkgeräte setzen, läuft FreeDV auf ganz normaler SSB-Hardware und ist von der Sprachkodierung bis zum Modem offen. Dieser Beitrag erklärt, wie FreeDV funktioniert, was der zugrunde liegende Codec2 leistet, warum der neue Neural-Modus RADE die Sprachqualität auf ein neues Niveau hebt, wie man einsteigt und wo in Österreich Betrieb läuft.
Was ist FreeDV?
FreeDV (Free Digital Voice) ist ein offenes Protokoll für digitale Sprachübertragung auf Kurzwelle. Entwickelt hat es der australische Funkamateur und Nachrichtentechniker David Rowe, VK5DGR. Der Reiz liegt in der Offenheit: Anders als bei D-STAR, DMR oder C4FM steckt kein proprietärer Vocoder-Chip dahinter, den man kaufen muss — Codec, Modem und Software sind komplett quelloffen und kostenlos.
Das Herzstück ist der Open-Source-Sprachcodec Codec2, ebenfalls von David Rowe. Er presst Sprache in extrem niedrige Datenraten (rund 700 bis 3200 bit/s) — wenig genug, um sie robust über einen schmalen SSB-Kanal auf Kurzwelle zu übertragen. Man braucht also kein spezielles Digitalfunkgerät: Ein gewöhnlicher SSB-Transceiver plus PC und Soundkarte genügt.
RADE: der große Sprung bei der Sprachqualität
Die wichtigste Neuerung der letzten Jahre ist RADE (Radio Autoencoder). RADE ist ein neuronaler Codec, entwickelt von David Rowe gemeinsam mit Jean-Marc Valin (bekannt von Opus). Er kombiniert maschinelles Lernen mit klassischer Signalverarbeitung und liefert damit eine Sprachqualität, die der klassischen digitalen Sprache auf Kurzwelle deutlich überlegen ist und stellenweise sogar an SSB heranreicht — bei einer Audiobandbreite von 8 kHz, die nur etwa 1500 Hz HF-Bandbreite belegt. Beeindruckend ist die Robustheit: RADE arbeitet noch bei Signal-Rausch-Verhältnissen von rund −2 dB, also dort, wo herkömmliche Verfahren längst aussteigen.
RADE V1 kam mit FreeDV 2.0.0 im Juni 2025 und ist heute der Vorzeige-Modus. Wer FreeDV bisher wegen der etwas „robotischen" Sprachqualität gemieden hat, sollte spätestens jetzt wieder hinhören.
Die FreeDV-Modi im Überblick
- RADE: der neuronale Modus (2025) — beste Sprachqualität, sehr robust bis in schwache Signale. Der empfohlene Einstieg.
- FreeDV 700D / 700E: 700 bit/s, extrem robust — für schwache Signale und schlechte Bedingungen, wenn Qualität zweitrangig ist.
- FreeDV 1600: der ältere Standard-HF-Modus mit brauchbarer Qualität, heute vor allem noch aus Kompatibilitätsgründen im Einsatz.
- FreeDV 2020 / 2020B: frühere neuronale Modi (LPCNet) für gute Qualität — von RADE inzwischen weitgehend abgelöst.
Hinweis: Die Modi 2400A/B sind für den FM-Betrieb auf VHF/UHF gedacht, nicht für den klassischen SSB-Betrieb auf Kurzwelle.
FreeDV einrichten
Der Einstieg ist unkompliziert und günstig. Man braucht dreierlei: einen SSB-Transceiver, einen PC und ein Audio-Interface zwischen beiden (verbreitet ist ein SignaLink USB, DigiRig oder RigBlaster; zur Not tut es die interne Soundkarte). Die Software FreeDV GUI gibt es kostenlos für Windows, Linux und macOS auf freedv.org.
Eingerichtet ist das schnell: FreeDV mit der Soundkarte verbinden, optional die CAT-Steuerung des Transceivers einbinden, die Sende-Umschaltung (PTT) über VOX oder eine serielle Leitung lösen. Auf gute Mikrofon-Pegel achten (nicht übersteuern) — den Rest, also die eigentliche Kodierung, erledigt die Software. Die Getting-Started-Anleitung führt Schritt für Schritt durch die Einstellungen.
Betriebstechnik
Gefunkt wird in USB (oberes Seitenband); die FreeDV-Software erzeugt daraus das digitale Signal. Ein CQ-Ruf klingt zum Beispiel so (Beispiel-Rufzeichen):
„CQ CQ CQ FreeDV, hier OE0ABC, OE0ABC, kommen."
Die klassische FreeDV-Anruffrequenz ist 14.236 kHz (20 m); daneben ist Aktivität auf 7.177 kHz (40 m) und 3.643 kHz (80 m) üblich. Wie immer gilt: kurz zuhören, ob die Frequenz frei ist, den Bandplan beachten, und die genauen Anruffrequenzen können sich mit der Zeit verschieben.
FreeDV in Österreich
In Österreich läuft FreeDV vor allem auf 40 m (7.177 kHz) und 20 m (14.236 kHz). Die Aktivität ist noch überschaubar, aber wachsend — und der neue RADE-Modus dürfte dem Interesse zusätzlich Auftrieb geben. Der Reiz für OE liegt auf der Hand: keine Lizenzgebühren (anders als beim VARA-Modem), ein vollständig offener Standard, und der Betrieb funktioniert mit jedem SSB-Rig, das ohnehin im Shack steht. Am einfachsten findet man Gegenstationen, indem man zu den üblichen Zeiten auf 14.236 kHz zuhört oder eine Sked verabredet.
FreeDV im Vergleich
- FreeDV: offener Codec2/RADE, HF-tauglich auf jedem SSB-Rig, PC und Soundkarte nötig, keine Gebühren.
- D-STAR / DMR / C4FM: proprietärer AMBE-Codec, spezielles Funkgerät nötig, hauptsächlich auf VHF/UHF und über Netze/Reflektoren.
- VARA / Winlink: Datenmodem (Text/E-Mail), nicht Sprache — und VARA HF ist teils kostenpflichtig.
FreeDV ist damit die Wahl für alle, die digitale Sprache auf Kurzwelle wollen, ohne sich an einen proprietären Codec oder ein bestimmtes Gerät zu binden.
Videos: FreeDV in der Praxis
Drei Tutorials vom Überblick über die Einrichtung bis zum Betrieb auf dem Band:
Weiterführende Quellen
- freedv.org — offizielle Projektseite, FreeDV GUI, Modi und Frequenzen
- freedv.org/radio-autoencoder — Hintergrund zum neuronalen RADE-Modus
- freedv.org/getting-started — Schritt-für-Schritt-Einstieg
- github.com/drowe67/radae — Quellcode des Radio-Autoencoders (David Rowe)
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Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die Inhalte wurden von der oeradio.at-Redaktion geprüft und für die österreichische Amateurfunk-Community aufbereitet.





