VARA-Modem: Schnelle HF-Datenübertragung für Winlink und Emcomm

DigiModes

VARA ist 2026 das schnellste softwarebasierte HF-Datenmodem und bildet das Rückgrat des weltweiten Winlink-Netzwerks — zugleich ist es die Grundlage für den beliebten Tastatur-Chat VarAC. Dieser Beitrag erklärt, wie VARA HF und VARA FM funktionieren, wie sie mit Winlink und VarAC zusammenspielen, welche Rolle sie im Notfunk spielen und wie sich VARA gegenüber Pactor und ARDOP einordnet.

Was ist VARA?

VARA wurde vom spanischen Funkamateur José Alberto Nieto Ros, EA5HVK, entwickelt und ist ein adaptives Software-Modem: Es passt seine Übertragungsgeschwindigkeit laufend an die aktuellen Bandbedingungen an. Auf Kurzwelle erreicht es unter idealen Bedingungen bis zu 8000 bit/s; das ist allerdings der Bestwert mit breiter Lizenz und Top-Signal — im Alltag sind eher 2000 bis 4000 bit/s realistisch, was aber immer noch ein Vielfaches älterer Verfahren ist.

Von VARA gibt es drei Ausprägungen. VARA HF ist für die Kurzwelle gedacht und deckt den Bereich von 1,8 bis 30 MHz ab. VARA FM ist für den FM-Betrieb auf VHF und UHF optimiert, also für das 2-Meter- und das 70-Zentimeter-Band. Daneben gibt es mit VARA SAT eine für Satellitenstrecken ausgelegte Variante, mit der sich etwa der geostationäre Amateurfunk-Satellit QO-100 (Es’hail-2) für Datenverbindungen nutzen lässt.

VARA und Winlink

Winlink ist ein globales, funkgestütztes E-Mail-System, das vor allem im Notfunk eine große Rolle spielt: Es transportiert E-Mails samt Anhängen über Funk, selbst wenn Internet und Mobilfunk ausgefallen sind. VARA ist dabei das bevorzugte Modem, weil es die Verbindungen besonders schnell und zuverlässig aufbaut.

Der Signalweg ist rasch erklärt: Man schreibt seine Nachricht im Programm Winlink Express, dieses übergibt sie an das VARA-Modem, das die Daten in Töne wandelt und über den Transceiver aussendet. Auf der Gegenseite nimmt ein sogenannter RMS (Radio Message Server) die Nachricht entgegen und leitet sie ins reguläre E-Mail-Netz weiter. Weil VARA um ein Vielfaches schneller ist als ältere Modems wie Pactor oder ARDOP, sind selbst E-Mails mit Anhängen in Minuten statt Stunden übertragen.

Winlink kennt dabei zwei Betriebsarten: den Weg über einen RMS-Gateway, der die Nachricht ins Internet einspeist, und die Direktverbindung von Station zu Station — die sogenannte Peer-to-Peer-Verbindung (P2P). Gerade die P2P-Variante ist im Notfunk wertvoll, denn sie funktioniert auch dann, wenn überhaupt kein Gateway erreichbar ist: Zwei Stationen tauschen ihre Nachrichten dann direkt miteinander aus.

Mehr als Winlink: VarAC und der Tastatur-Chat

VARA ist längst nicht nur für Winlink da. Die kostenlose Windows-Anwendung VarAC (entwickelt von Irad Deutsch, 4Z1AC) hat sich zu einer der beliebtesten Betriebsarten auf Kurzwelle entwickelt — mit über 90.000 Nutzern in mehr als 100 Ländern. VarAC verwendet das VARA-Modem für einen Echtzeit-Tastatur-Chat von Funkamateur zu Funkamateur: Man ruft CQ, verbindet sich direkt mit einer Gegenstation und tippt in Echtzeit — fehlerkorrigiert und quittiert, also praktisch verlustfrei.

Über den reinen Chat hinaus lassen sich kurze Nachrichten (sogenannte vMails), Dateien und sogar Bilder übertragen. Anders als beim vollautomatischen FT8, das nur knappe Rapporte austauscht, sind hier echte Gespräche möglich. Beliebte Anruffrequenzen sind 14.105 MHz auf dem 20-Meter-Band und 7.105 MHz auf dem 40-Meter-Band — wobei man den Bandplan im Auge behalten sollte, denn diese Kanäle liegen nahe an den Fonie-Bereichen und die genauen Anruffrequenzen können sich ändern. Für viele ist VarAC heute der eigentliche Grund, sich überhaupt mit VARA zu beschäftigen.

VARA einrichten

Für den Einstieg braucht man drei Dinge. Das VARA-HF-Modem selbst lädt man von der Seite des Entwicklers, rosmodem.wordpress.com, herunter; als Client dient je nach Anwendung Winlink Express oder VarAC. Als Bindeglied zwischen Funkgerät und Rechner kommt eine Soundkarten-Lösung zum Einsatz — verbreitet sind Interfaces wie SignaLink USB, DigiRig oder RigBlaster, notfalls tut es auch die interne Soundkarte. Die Sende-Umschaltung (PTT) erfolgt je nach Gerät über CAT-Befehle, eine serielle Leitung (RTS/DTR) oder VOX.

Eingerichtet ist das Ganze schnell: Man verbindet VARA mit der Soundkarte, aktiviert die CAT-Steuerung für den Transceiver und stellt den Client so ein, dass er VARA als Modem verwendet. Ein Wort zur Plattform: VARA ist ein Windows-Programm. Unter Linux oder macOS läuft es über die Kompatibilitätsschicht Wine — das funktioniert in der Praxis, verlangt aber etwas Einrichtung. Die konkreten Schritte zeigen die Videos weiter unten anschaulich.

Das Lizenzmodell

Beim Lizenzmodell muss man zwei Fälle unterscheiden. VARA HF ist kommerzielle Software; die Vollversion kostet als Einmallizenz rund 69 Euro und schaltet die breiteren 2300-Hz-Modi und damit die volle Geschwindigkeit frei. Es gibt zwar auch eine kostenlose Fassung, doch diese ist auf 500 Hz Bandbreite begrenzt und damit spürbar langsamer. VARA FM hingegen lässt sich im Amateurfunk kostenlos nutzen. Zu erwähnen ist außerdem: VARA ist proprietäre Software eines einzelnen Entwicklers, ohne offenen Quellcode — ein Punkt, den manche im Sinne des experimentierfreudigen Amateurfunks kritisch sehen. Wer bewusst quelloffen arbeiten will, findet mit ARDOP eine freie Alternative.

Einordnung: VARA, Pactor und ARDOP

VARA ist nicht das einzige Verfahren für HF-Daten, aber das mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Jahrelang war Pactor mit speziellen SCS-Hardwaremodems der Standard für robuste Verbindungen — leistungsfähig, aber teuer, weil das Modem mehrere hundert Euro kostet. VARA erreicht als reine Software vergleichbare Datenraten und hat Pactor im Amateurfunk deshalb weitgehend abgelöst. Fairerweise gilt: Unter wirklich schlechten Ausbreitungsbedingungen ist Pactor 4 nach wie vor etwas robuster, während VARA bei gutem Signal-Rausch-Verhältnis die Nase vorn hat.

Wer ganz ohne Lizenzkosten auskommen möchte oder bewusst auf quelloffene Software setzt, findet in ARDOP (Amateur Radio Digital Open Protocol) eine freie Alternative. ARDOP ist zwar langsamer — mehr als rund 2400 bit/s sind nicht drin —, dafür kostenlos und offen, und es läuft mit demselben Winlink Express als Client. Eine aktiv gepflegte Umsetzung ist ardopcf. Für viele Standardaufgaben reicht ARDOP völlig aus; überall dort, wo es auf jede Sekunde ankommt, bleibt VARA aber die schnellere Wahl.

Notfunk und VARA in Österreich

Auch in Österreich setzen Notfunk-Gruppen zunehmend auf VARA, um Winlink-Verbindungen aufzubauen. Der Reiz liegt auf der Hand: Die Datenübertragung bleibt selbst bei schlechten Ausbreitungsbedingungen stabil, weil VARA mit einer robusten Fehlerkorrektur arbeitet. Die Winlink-Aktivität auf Kurzwelle konzentriert sich dabei unter anderem auf die Bereiche um 3590 bis 3600 kHz im 80-Meter-Band sowie 7100 bis 7125 kHz im 40-Meter-Band.

Bei aller Begeisterung sollte man eines nicht vergessen: VARA braucht einen Windows-Rechner samt Stromversorgung. Im echten Blackout heißt das, auch für Laptop und Interface eine Notstromlösung mitzudenken — sonst nützt das schnellste Modem wenig. Wer sich auf VARA im Notfunk verlässt, plant Strom, Antenne und ein eingespieltes Setup am besten vorab ein.

Videos: VARA, Winlink und VarAC in der Praxis

Vier Tutorials führen von der Installation über die erste Winlink-E-Mail bis zum VarAC-Chat:

Winlink + VARA HF/FM installieren — der einfache Weg (Ham Radio Playground, Quelle: YouTube)
VARA HF für Winlink im Detail — Setup und Betrieb (Ham Radio Crash Course, Quelle: YouTube)
VARA FM — E-Mail über VHF/UHF mit Winlink Express (HamRadioConcepts, Quelle: YouTube)
VarAC — Tastatur-Chat über VARA HF (Tech Minds, Quelle: YouTube)

Weiterführende Quellen

73 – eure oeradio.at-Redaktion


Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die Inhalte wurden von der oeradio.at-Redaktion geprüft und für die österreichische Amateurfunk-Community aufbereitet.

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