DX-Wetter KW 37/2026: Flux steigt gegen die NOAA-Tabelle, CME-Treffer am Dienstag

DX-Wetter

KW 37 / 2026 | 7. bis 13. September | SFI aktuell 111, steigend | NOAA-27-Tage 95 bis 110 | SSN 70, Fleckenfläche 380 Millionstel | A 5, Kp bis 4,67 erwartet | Protonenereignis S1 am 5. September | Quelle: NOAA SWPC


Zusammenfassung

Diese Woche stehen NOAA-Tabelle und Beobachtung offen gegeneinander, und wir setzen auf die Beobachtung. Der 27-Tage-Ausblick sieht für den 7. bis 11. September 95 bis 100 und wurde am 31. August erstellt. Seither ist der Flux nicht gefallen, sondern gestiegen: 101 am 1. September, dann 102, 108, 110 und 111 am 5. September. Die Fleckenfläche hat sich im selben Zeitraum von 130 auf 380 Millionstel fast verdreifacht.

Der Grund steht im Titelbild, und er steht diesmal links. Vergangene Woche haben wir beschrieben, wie die tragenden Gruppen über den Westrand abgedreht sind und vom Ostrand nur Dünnes nachkam. Das hat sich gedreht. Auf der Scheibe stehen inzwischen elf nummerierte Regionen, und die interessanten sitzen östlich der Mitte: 4527 bei N04E46 mit 180 Millionstel ist die größte, 4524 bei N13E26 die aktivste, und über den Ostrand sind mit 4528 (S10E64) und 4529 (N13E63) zwei frische dazugekommen. Alles, was links steht, dreht in den nächsten Tagen auf uns zu.

Unser Korridor für die Woche liegt deshalb deutlich über der Tabelle: 105 bis 120 am Anfang, 110 bis 125 ab Mittwoch. Wir gehen davon aus, dass NOAA in der nächsten Ausgabe nach oben korrigiert.

Die zweite Nachricht der Woche ist geomagnetisch. Am 5. September gab es gleich mehrere Auswürfe: eine Filamenteruption südöstlich der Scheibenmitte, einen CME zur C6.4 aus 4524, einen zur M1.0 aus dem Plage-Gebiet der früheren Region 4520 und einen weiteren zur C8.5. Die Modellrechnung sieht eine gemeinsame Ankunft am frühen 8. September. SWPC erwartet dafür Kp bis 4,67 und isolierte G1-Phasen. Der M1.0-Auswurf selbst zieht laut Modell vor der Erdbahn vorbei, er ist also nicht das Problem.

Dazu kam am 5. September ein Protonenereignis: Der Fluss über 10 MeV überschritt um 16:15 UTC die Ereignisschwelle und erreichte 17,8 pfu, der Anteil über 100 MeV kurzzeitig 1,16 pfu. Das ist ein kleines S1, aber es erklärt, warum Polarrouten am Wochenende zäh waren. SWPC hält es für möglich, dass die Schwelle am 8. September erneut überschritten wird, falls die CMEs eintreffen.

Bandprognose

  • 10 und 12 Meter: Mit steigendem Flux die spannendsten Bänder der Woche. Bei 115 bis 125 öffnet 10 Meter über Mittag nach Süden zuverlässig, transatlantisch bleibt es Glückssache. Die Äquinoktiumssaison hilft, aber sie ersetzt keinen Flux von 150.
  • 15 und 17 Meter: Die Arbeitspferde. Öffnung früher am Vormittag und länger in den Abend als noch im August, das ist der Herbsteffekt. 17 Meter ist bei diesem Fluxniveau oft das ehrlichere Band als 15.
  • 20 Meter: Rund um die Uhr brauchbar, mit der üblichen Delle in den frühen Morgenstunden. Am Dienstag und Mittwoch nach dem CME-Treffer mit Dämpfung auf Nordrouten rechnen.
  • 30 und 40 Meter: Die Nächte werden länger, das merkt man. 40 Meter trägt abends spürbar weiter als noch vor drei Wochen, 30 Meter ist die ruhige Alternative, wenn das Feld unruhig wird.
  • 80 und 160 Meter: Saisonstart. Das Grundrauschen sinkt, die Gewitter werden weniger. Wer auf den unteren Bändern etwas vorhat, sollte jetzt mit dem Antennenbau anfangen, nicht im November.

Geomagnetische Vorhersage

Die Woche zerfällt in drei Abschnitte.

Montag, 7. September: noch ruhig bis leicht unruhig, Kp 2 bis 4 im Tagesverlauf, gegen Abend steigend. Wer plant, plant hier.

Dienstag, 8. September: der Tag mit dem Treffer. SWPC erwartet Kp 4 bis 4,67 über weite Teile des Tages, also G1. Das bedeutet nicht Weltuntergang, sondern gedämpfte Nordrouten, angehobenes Rauschen auf den unteren Bändern und, für die Optimisten, eine Aurora-Chance in der Nacht auf Mittwoch. Wer auf 2 Meter etwas probieren will, findet die Grundlagen in Aurora-Ausbreitung auf 2 m.

Mittwoch bis Freitag: Beruhigung, A um 5, Kp 2. Die 27-Tage-Tabelle sieht hier ruhige Verhältnisse, und diesmal glauben wir sie, weil kein wiederkehrendes koronales Loch in diesem Fenster fällig ist.

Samstag und Sonntag, 12. und 13. September: die Tabelle zieht wieder an, A 8 und A 15, Kp 3. Das riecht nach einem schnellen Sonnenwindstrom zum Wochenende. Nach dem, was wir uns vergangene Woche vorgenommen haben, setzen wir das eher etwas höher als niedriger an. Wir haben im August zweimal aus einer ruhigen 3-Tage-Prognose auf ein ruhiges Wochenende geschlossen und lagen beide Male daneben.

Was ein Protonenereignis praktisch bedeutet

Der Begriff klingt dramatischer, als er sich anhört. Energiereiche Protonen dringen entlang der Feldlinien in die Polarkappen ein und erhöhen dort die Absorption in der unteren Ionosphäre. Betroffen sind deshalb nicht alle Bänder gleichmäßig, sondern Wege über hohe Breiten: Nordamerika über Grönland, Japan über den Pol, Skandinavien-DX. Wer nach Süden arbeitet, merkt oft gar nichts.

Praktisch heißt das für diese Woche: Wenn am Dienstag der Norden zumacht, während 15 Meter nach Afrika weiter geht, ist die Station in Ordnung und die Ionosphäre schuld. Ausweichen nach Süden oder auf tiefere Frequenzen ist sinnvoller, als an der Antenne zu drehen.

Empfehlungen für die kommende Woche

  • Montag ist der Planungstag. Ruhig, steigender Flux, noch kein CME. Wer eine Skedliste hat, arbeitet sie Montag ab und nicht Dienstag.
  • Dienstagabend auf VHF hören. G1 mit ansteigendem Kp ist genau das Fenster, in dem Aurora auf 2 Meter möglich wird. Kostet nichts außer Zeit.
  • Die oberen Bänder ernst nehmen. Bei steigendem Flux und Herbstbedingungen ist 12 Meter derzeit das am meisten unterschätzte Band. Ein Blick ins RBN dauert dreißig Sekunden und ersetzt jede Vermutung.
  • Nicht auf die 27-Tage-Tabelle allein verlassen. Diese Woche ist ein Lehrbeispiel: Die Tabelle ist eine Woche alt und beschreibt eine Sonne, die es so nicht mehr gibt.
  • Antennenarbeit einplanen. Die Low-Band-Saison beginnt. Wer jetzt aufbaut, hat im Dezember eine Antenne statt eines Projekts.

Rückblick KW 36

Beim Flux lagen wir daneben, und diesmal in die vorsichtige Richtung. Wir hatten 105 bis 120 zum Wochenbeginn und 90 bis 105 ab Donnerstag angesetzt, gestützt auf die NOAA-Tabelle mit 95 zum Wochenende. Tatsächlich fiel der Flux nur bis 101 am 1. September und stieg danach wieder: 102, 108, 110, 111. Die untere Hälfte unseres Korridors wurde nie erreicht. Der Fehler war derselbe wie so oft, nur mit umgekehrtem Vorzeichen: Wir haben den Nachschub vom Ostrand unterschätzt, weil er am 28. August noch dünn aussah. Zwölf Flecken auf drei jungen Regionen können in einer Woche eben auch wachsen.

Beim Magnetfeld haben wir richtig gelegen. Wir hatten nach der G2-Nacht Beruhigung angesagt, und die kam: Der größte beobachtete Kp der letzten 24 Stunden vor Redaktionsschluss lag bei 1. Ruhiger wird es nicht.

Was wir nicht auf dem Zettel hatten, war die Flare-Aktivität. Wir hatten mit C-Klasse gerechnet und einem Rest-Risiko für M. Tatsächlich gab es am 4. und am 5. September je einen M-Flare, dazu sieben C-Flares an einem einzigen Tag und am Ende ein Protonenereignis. Für eine Woche, die wir als abklingend beschrieben haben, war das reichlich Betrieb.

vy 73 und gud DX — eure DX-Wetterredaktion


Transparenzhinweis

Diese Vorausschau wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) auf Basis öffentlicher Weltraumwetter-Daten erstellt: NOAA SWPC 27-Tage-Ausblick (Tabelle vom 31. August, abgerufen am 6. September), 3-Tage-Prognose und Forecast Discussion (beide 6. September, 12:30 UTC), Solar Region Summary mit Stand 6. September sowie die Daily Solar Indices bis einschließlich 5. September. Das Titelbild zeigt die Sonne im weißen Licht, aufgenommen vom Solar Dynamics Observatory (NASA/SDO, gemeinfrei), abgerufen am 6. September; die Fleckengruppen stehen deutlich sichtbar auf der östlichen Hälfte, also links, und drehen in den kommenden Tagen auf uns zu. Prognosen sind naturgemäß unsicher, die tatsächlichen Bedingungen können abweichen. Fragen oder Korrekturen? Schreib uns an [email protected].

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