160 m und 80 m gelten als Königsdisziplin des Kurzwellen-DX. Tagsüber reichen sie kaum über die eigene Region hinaus, doch in der Nacht öffnen sich weltweite, interkontinentale Wege. Wer schwache Signale aus der halben Welt aus dem Rauschen holt, hat den anspruchsvollsten Teil des Hobbys erreicht. Dieser Beitrag erklärt, warum die Low Bands so besonders sind, wie die Gray-Line funktioniert, warum der Empfang wichtiger ist als die Leistung und welche Vorteile ein alpiner Standort in Österreich bietet.
Warum Low-Band-DX?
Das 160-Meter-Band (1,8 bis 2,0 MHz), das sogenannte Topband, und das 80-Meter-Band (3,5 bis 3,8 MHz) verhalten sich völlig anders als die höheren Bänder. Tagsüber schluckt die D-Schicht der Ionosphäre die tiefen Frequenzen fast vollständig, es bleibt bei lokalen und regionalen Verbindungen. Erst wenn die Sonne untergeht und die D-Schicht zerfällt, wird die Reflexion an der höheren F-Schicht möglich, und plötzlich sind DX-Verbindungen über tausende Kilometer drin.
Ein zweiter Punkt macht die Low Bands reizvoll: Sie sind eine Winter- und Nachtangelegenheit. In den langen, dunklen Nächten der kalten Jahreszeit ist das atmosphärische Rauschen niedriger und das gemeinsame Dunkelheitsfenster länger. Im Sommer, mit kurzen Nächten und viel Gewitter-QRN, ist Topband dagegen zäh.
Gray-Line-Propagation
Das wertvollste Zeitfenster ist die Gray Line, die Dämmerungszone zwischen Tag und Nacht, die als Terminator um die Erde wandert. In den Minuten rund um den eigenen Sonnenauf- oder -untergang ist die dämpfende D-Schicht bereits abgebaut oder noch nicht aufgebaut, während die reflektierende F-Schicht noch trägt. Dieses kurze Fenster von etwa 15 bis 45 Minuten liefert erstaunlich verlustarme Wege, oft über Strecken, die tagsüber völlig zu wären.
Für die Praxis heißt das: Österreich Richtung Nordamerika läuft am besten abends, wenn bei uns die Sonne untergeht und drüben aufgeht. Österreich Richtung Asien und Pazifik läuft am Morgen. Auf 160 m gilt eine strengere Regel als auf 80 oder 40 m: Beide Enden der Funkstrecke müssen gleichzeitig in Dunkelheit liegen, sonst frisst die D-Schicht das Signal. Das gemeinsame Dunkelheitsfenster ist der Schlüssel, und es ist auf dem Topband oft nur kurz.
Empfang ist König: Beverage und K9AY
Auf den Low Bands entscheidet nicht die Sendeleistung über den Erfolg, sondern der Empfang. Die Sendeantenne ist meist ohnehin ein Kompromiss, und die eigentliche Kunst besteht darin, ein schwaches DX-Signal aus einem lauten, rauschenden Band herauszuhören. Genau dafür gibt es spezielle Empfangsantennen.
Der Klassiker ist die Beverage-Antenne, ein langer, terminierter Draht knapp über dem Boden, typisch 200 bis 500 m lang und in Richtung des gewünschten DX ausgerichtet. Sie hat kaum Gewinn, dafür ein sehr geringes Eigenrauschen und eine ausgeprägte Richtwirkung mit 20 bis 30 dB Vor-Rück-Verhältnis. Der Haken: Sie braucht viel Platz, den nicht jeder hat.
Für kleinere Grundstücke ist die K9AY-Loop die Standardempfehlung. Sie wurde von Gary Breed, K9AY, entwickelt und 1997 in der QST vorgestellt. Sie passt in einen Kreis von rund zehn Metern Durchmesser und erzeugt trotzdem ein Richtdiagramm mit gut 20 dB Vor-Rück-Verhältnis, meist umschaltbar in vier Richtungen. Wegen des geringen Pegels braucht sie einen rauscharmen Vorverstärker. Wie man solche Antennen im Detail baut, steht in unserem eigenen Beitrag zu den Empfangsantennen für die Low Bands (Beverage, K9AY und Flag).
Der alpine Vorteil
Hier spielen österreichische Stationen eine ihrer stärksten Karten aus. In dünn besiedelten, alpinen Lagen ist das man-made-QRM deutlich niedriger als in Ballungsräumen: weniger Schaltnetzteile, weniger LED-Treiber, weniger Industriestörungen. Genau davon lebt der Low-Band-Empfang. Ein ruhiger Rauschteppich macht schwache Signale hörbar, die anderswo im Störnebel untergehen. Wer sein Shack fernab der nächsten Ortschaft hat, besitzt auf 160 und 80 m einen echten Wettbewerbsvorteil, den kein Verstärker der Welt ausgleichen kann.
Betriebstechnik
Auf dem Topband ist CW die erste Wahl. Telegrafie kommt mit den schlechten Signal-Rausch-Verhältnissen am besten zurecht, viele DX-Stationen und Expeditionen arbeiten fast ausschließlich in CW. SSB ist möglich, verlangt aber deutlich mehr Signal. Für die Leistung gilt eine einfache Faustregel: 100 Watt an einer guten Antenne schlagen 400 Watt an einer schlechten. Zeit und Geduld sind wichtiger als Watt: Man hört vor dem eigenen Sonnenauf- oder -untergang ins Band hinein und wartet, bis das Fenster aufgeht. Wer wissen will, wo gerade DX aktiv ist, wirft einen Blick ins DX-Cluster (dxsummit.fi).
Frequenzen (IARU Region 1)
- 160 m CW: 1830 bis 1838 kHz ist das DX-Fenster, darüber Contestbetrieb.
- 160 m SSB: ab etwa 1840 kHz aufwärts.
- 80 m CW: 3500 bis 3570 kHz, das DX-Fenster liegt ganz unten um 3500 bis 3510 kHz.
- 80 m SSB: 3600 bis 3800 kHz, DX-Anrufe meist um 3790 bis 3800 kHz.
Videos: Low-Band-DX in der Praxis
Drei Videos vom Empfangsprinzip über die K9AY-Loop bis zur einfachen Topband-Antenne:
Weiterführende Quellen
- Empfangsantennen für die Low Bands bei uns: Beverage, K9AY und Flag im Detail
- dxsummit.fi — DX-Cluster mit aktiven Spots auf 160 und 80 m
- Guide to Low-Band DXing — wann und wo die Bänder aufgehen
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Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Das Titelbild stammt von Wikimedia Commons (Night sky radio towers, CC0 / Public Domain). Die Inhalte wurden von der oeradio.at-Redaktion geprüft und für die österreichische Amateurfunk-Community aufbereitet.





