Inhaltsverzeichnis
- Was ist ARDF?
- Wie ein klassischer Bewerb abläuft
- Die vier Formate
- Klassik 80 m (3,5 MHz)
- Klassik 2 m (144 MHz)
- Sprint
- Foxoring
- Die Technik: Sender
- Die Technik: Empfänger und Antennen
- Video: So sieht das in der Praxis aus
- Amateurfunkpeilen in Österreich
- Anmeldung
- Kategorien
- Warum das gerade für den Nachwuchs taugt
- Alpines Gelände: Fluch und Segen
- Kurz zusammengefasst
- Quellen
- Transparenzhinweis
Fünf Sender liegen irgendwo im Wald. Jeder meldet sich genau eine Minute lang, dann ist der nächste dran. Du hast eine Karte, einen Kompass, einen Peilempfänger und Laufschuhe — und musst herausfinden, in welcher Reihenfolge du sie einsammelst, damit du am Ende nicht der Letzte bist. Das ist ARDF, Amateur Radio Direction Finding, im deutschen Sprachraum meist Fuchsjagd oder Amateurfunkpeilen genannt.
Und der wichtigste Satz gleich vorweg: Du brauchst dafür keine Amateurfunklizenz. Gepeilt wird nur mit Empfängern — gesendet wird nicht. Bei den ÖVSV-Bewerben bekommst du den Peilempfänger nach Anmeldung sogar geliehen.
Was ist ARDF?
ARDF ist Orientierungslauf mit einer zusätzlichen Dimension: Die Posten stehen nicht auf der Karte, sondern müssen erst über ihr Funksignal gefunden werden. Kombiniert wird also Ausdauer, Kartenlesen und Peiltechnik — und wer nur schnell läuft, aber die falsche Route wählt, verliert gegen den, der ruhig peilt und clever plant.
Der Sport ist international organisiert: Die IARU Region 1 gibt das Regelwerk vor, nach dem auch die österreichischen Bewerbe laufen. Wettbewerbsmäßig muss man das Ganze aber nicht betreiben — der ÖVSV formuliert das ausdrücklich so, dass Anfänger willkommen sind und eine Veranstaltung rund eine Stunde dauert.
Wie ein klassischer Bewerb abläuft
Im Wettkampfgebiet stehen fünf Sender plus eine Zielbake. Die fünf Füchse senden nacheinander auf derselben Frequenz, jeder genau eine Minute, in einem Fünf-Minuten-Zyklus. Erkennbar sind sie an ihrer Morsekennung:
| Sender | Kennung | Sendezeit im Zyklus |
|---|---|---|
| Zielbake | MO | durchgehend, eigene Frequenz |
| Sender 1 | MOE | 1. Minute |
| Sender 2 | MOI | 2. Minute |
| Sender 3 | MOS | 3. Minute |
| Sender 4 | MOH | 4. Minute |
| Sender 5 | MO5 | 5. Minute |
Die Systematik ist hübsch: Nach dem MO folgt E (·), I (··), S (···), H (····), 5 (·····) — die Zahl der Punkte ist die Sendernummer. Man muss dafür kein CW-Profi sein; nach zwei Durchgängen zählt man die Punkte automatisch mit.
Der Rest der Regeln in Kürze:
- Nicht jeder sucht alle fünf. Wie viele Sender zu finden sind, hängt von der Kategorie ab — von drei plus Bake in den älteren Klassen bis fünf plus Bake bei M21. Die Reihenfolge ist frei, nur die Zielbake wird zuletzt angelaufen.
- Die Sender stehen weit auseinander: mindestens 400 m voneinander, der nächstgelegene mindestens 750 m vom Start.
- Effektive Bahnlängen liegen je nach Kategorie bei etwa 5 bis 10 km, der Anstieg darf 6 % der Bahnlänge nicht überschreiten.
- Markiert ist jeder Fuchs mit der orange-weißen Orientierungslauf-Flagge (drei Quadrate à 30 cm) und einer elektronischen Registriereinheit — meist SportIdent, wie im Orientierungslauf.
- Zwei Bänder, zwei Tage: Bei Meisterschaften laufen 80 m und 2 m parallel mit je sechs Sendern; eine Kategoriengruppe startet am ersten Tag auf 3,5 MHz, die andere auf 144 MHz, am zweiten Tag wird getauscht.
Die vier Formate
Klassik 80 m (3,5 MHz)
Die Standarddisziplin. Auf 80 m ist die Ausbreitung im Wald berechenbar, das Signal folgt weitgehend der Bodenwelle. Peilfehler entstehen weniger durch Reflexionen als durch Geländeformen und die eigene Ungeduld.
Klassik 2 m (144 MHz)
Technisch die anspruchsvollere Variante: Auf 2 m spiegeln Hänge, Felswände und Waldkanten das Signal, und ein sauberes Maximum kann in die völlig falsche Richtung zeigen. Wer Reflexionen erkennen und Fehlpeilungen aussortieren kann, gewinnt hier Zeit — im alpinen Gelände ganz besonders.
Sprint
Kurz, schnell, zuschauertauglich: zwei Schleifen mit je fünf Sendern, dazwischen ein Zuschauerposten. Die Sender wechseln nicht im Minutentakt, sondern alle 12 Sekunden — ein kompletter Zyklus dauert also nur eine Minute. Die zweite Schleife läuft auf einer anderen Frequenz und mit schnellerer Gebeweise. Geplante Siegerzeit: rund 15 Minuten. Die Sender stehen nur 100 m auseinander, gelaufen wird gern im Stadtpark.
Foxoring
Die Einsteigerdisziplin — und die taktisch reizvollste. Auf der Karte sind die ungefähren Senderpositionen eingezeichnet, aber die Sender laufen mit nur 10 Milliwatt: hörbar erst in etwa 30 m Umkreis, ab 250 m garantiert nicht mehr. Man navigiert also erst wie beim Orientierungslauf zum Kreis auf der Karte und peilt dann die letzten Meter. Wer sich verläuft, hört gar nichts — dafür braucht man keine große Peilerfahrung, um Erfolgserlebnisse zu haben.
Die Technik: Sender

Die Füchse sind keine improvisierten Bastelkisten, sondern nach IARU-Spezifikation gebaut:
- 80 m: 3,510–3,600 MHz, 1 bis 5 Watt, Betriebsart A1A (getastete Trägerwelle), Gebetempo 8–15 WpM, vertikale Antenne.
- 2 m: 144,500–144,900 MHz, 0,25 bis 1 W ERP, A2A (tonmodulierter Träger), horizontale Polarisation, Antenne 2 bis 3 m über Grund.
- Foxoring: nur 10 mW — die Zielbake läuft weiter mit normaler Leistung.
Der Reichweitenunterschied zwischen den Bändern kommt also nicht primär von der Leistung, sondern von Polarisation, Antennenhöhe und Ausbreitungsverhalten. Und: Die Sender müssen von lizenzierten Funkamateuren betrieben werden — nur die Teilnehmer brauchen keine Lizenz.
Die Technik: Empfänger und Antennen
Hier hält sich ein hartnäckiger Irrtum, deshalb deutlich: Auf 80 m wird nicht mit einer Yagi gepeilt. Eine Yagi für 3,5 MHz wäre zwanzig Meter breit — durch den Wald trägt die niemand.
- 80 m: Ferritantenne oder kleine Rahmenantenne. Sie hat eine Achter-Charakteristik mit zwei scharfen Minima — man peilt also nicht das Maximum, sondern das Verschwinden des Signals, das ist wesentlich genauer. Dass die Achter zwei gegenüberliegende Richtungen liefert, löst eine zugeschaltete Hilfsantenne („Sense"): Ihre Überlagerung verformt die Acht zur Kardioide mit nur noch einem Minimum. Zwei Peilungen von verschiedenen Standorten aus, im Kopf gekreuzt — fertig ist die Standlinie.
- 2 m: kompakte Handpeilantenne, typisch eine 2- bis 3-Element-Yagi oder eine HB9CV — etwa armlang, im Laufen schwenkbar. Hier peilt man das Maximum und dämpft näher am Sender die Empfindlichkeit herunter, sonst ist alles gleich laut.
Die Empfänger selbst sind Spezialgeräte mit regelbarer Vorabschwächung und S-Meter. Verbreitet sind Bausätze und Kleinserien aus der Szene sowie fertige Geräte etwa aus tschechischer und chinesischer Produktion. Für den Anfang gilt: erst leihen, dann kaufen — der ÖVSV stellt Empfänger nach Anmeldung zur Verfügung.
Was du selbst mitbringen solltest: Stereokopfhörer mit 3,5-mm-Klinke (dreipolig) und eine 9-Volt-Batterie, dazu Laufschuhe mit Profil und lange Beinkleidung fürs Unterholz.
Video: So sieht das in der Praxis aus
Amateurfunkpeilen in Österreich
Der ÖVSV trägt pro Saison rund 17 Peilbewerbe aus, verteilt von April bis Oktober über fast alle Landesverbände. Die meisten davon zählen zur österreichischen Amateurfunkpeilmeisterschaft. Kärnten war heuer mit Döbriach am 22. Juli dabei — eingebettet ins DX-Camp am Millstätter See.
Was 2026 noch aussteht:
| Datum | Ort | LV | Bewerb |
|---|---|---|---|
| 16.–22. August | Târgoviște, Rumänien | — | 25. IARU-R1-ARDF-Championship |
| Sa, 29. August | Ebenau | OE2 | 80 m |
| Sa, 5. September | Wien-Kaltenleutgeben | OE1 | 80 m Foxoring + 80 m Klassik |
| So, 13. September | Telfs-Mieming | OE7 | 80 m, beim OE7-Landesfieldday |
| Sa, 19. September | Bad Loipersdorf | OE6 | 2 m, beim Thermenlandtreffen mit Flohmarkt |
| Sa, 17. Oktober | Mureck (Röcksee) | OE6 | 80 m, Saisonabschluss mit Kastanienbraten |
Briefing ist bei den meisten Bewerben um 10:30 Uhr, Start um 11:00. Der aktuelle Kalender steht auf ardf.oevsv.at.
Anmeldung
Formlos per E-Mail an [email protected], mit Rufzeichen oder Name. Wer zum ersten Mal dabei ist, gibt zusätzlich den Geburtsjahrgang an (für die Kategorie) und schreibt dazu, ob ein Peilempfänger und eine Einschulung gebraucht werden. Beides ist kostenlos vorhanden. Für kurzfristige Änderungen kann man eine Handynummer für SMS hinterlegen; Last-Minute-Infos stehen auch auf der ARDF-Seite.
Kategorien
Gelaufen wird nach Geschlecht und Alter: Bei den Frauen W19, W21, W35, W45, W55, W65, bei den Männern M19, M21, M40, M50, M60, M70. W21 und M21 sind altersunabhängige offene Klassen — dort läuft, wer die Vollstrecke will. Mit steigendem Alter sinken Senderzahl und Bahnlänge, nicht der Anspruch.
Warum das gerade für den Nachwuchs taugt
ARDF ist eine der wenigen Amateurfunk-Aktivitäten, bei der man vor der Prüfung schon vollwertig mitmachen kann. Kein Rufzeichen, kein Gerätekauf, keine Antennenfrage mit dem Vermieter — Laufschuhe reichen. Wer dann wissen will, warum die Ferritantenne zwei Minima hat, landet ganz von selbst bei der Amateurfunkprüfung.
Dazu kommt der sportliche Reiz, den viele am Hobby vermissen: Es gibt eine Uhr, eine Rangliste und einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Können und Ergebnis. Wer das mag, findet in Contesten das funkbetriebliche Gegenstück — und wer erst einmal spielerisch reinschnuppern will, für den ist unser Funkparcours der niederschwelligste Einstieg. Mehr zum Thema im Beitrag Jugend und Amateurfunk.
Alpines Gelände: Fluch und Segen
In Österreich läuft man selten auf dem Flachen. Steile Hänge kosten Kraft und verzerren die Wahrnehmung von Distanzen; auf 2 m sorgen Felswände für Reflexionen, auf 80 m verschiebt hügeliges Gelände scheinbar die Richtung. Die Regeln begrenzen den Anstieg zwar auf 6 % der Bahnlänge, aber die restlichen Höhenmeter merkt man trotzdem.
Der Ausgleich: Routenwahl wird im Bergland zur eigentlichen Disziplin. Ob man den Graben quert oder außen herum läuft, entscheidet über Minuten — und genau das macht den Reiz aus.
Kurz zusammengefasst
- Fünf Sender, Kennungen MOE bis MO5, je eine Minute im Fünf-Minuten-Zyklus, Zielbake MO durchgehend
- 80 m: Ferrit- oder Rahmenantenne, Peilung aufs Minimum, Hilfsantenne gegen die Zweideutigkeit
- 2 m: kleine Yagi oder HB9CV, Peilung aufs Maximum, Vorsicht vor Reflexionen
- Vier Formate: Klassik 80 m, Klassik 2 m, Sprint (12-Sekunden-Takt), Foxoring (10 mW)
- Keine Lizenz nötig, Empfänger werden geliehen, Anmeldung an [email protected]
Quellen
- IARU Region 1 — ARDF Working Group, Regelwerk Teil B (Fassung 2020) samt Anhängen zu Technik, Sprint und Foxoring
- ÖVSV — ARDF/Amateurfunkpeilen und ardf.oevsv.at (Jahresübersicht 2026, Anmeldemodalitäten)
- IARU R1 — 25th ARDF Championship 2026, Târgoviște
73 – eure oeradio.at-Redaktion
Titelbild: Peilwettbewerb 1966. Foto: Fortepan / MHSZ, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.
Transparenzhinweis
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst; die technischen Angaben stammen aus dem IARU-Region-1-Regelwerk (Teil B, Fassung 2020) und von den ÖVSV-Seiten und wurden von der oeradio.at-Redaktion gegengeprüft. Titelbild und Senderfoto sind freie Aufnahmen von Wikimedia Commons, die Lizenzen stehen bei den Bildern. Fragen oder Korrekturen? Schreib uns an [email protected].





