SVXLink-Hotspot selbst bauen mit dem SA818-Modul

Digitalfunk

In unserem Überblick zu SVXLink in Österreich haben wir zwei Wege ins Netz gezeigt: über ein teilnehmendes Relais – oder über einen eigenen Hotspot. Dieser Beitrag nimmt sich den zweiten Weg vor. Ein FM-Hotspot erzeugt daheim ein schwaches 2-m- oder 70-cm-Signal und bringt den SVXLink-Reflektor so direkt ins Shack, ganz ohne Relais in Reichweite. Das Herzstück ist fast immer dasselbe kleine Bauteil: das SA818.

Was ist das SA818?

Das SA818 (Hersteller NiceRF) ist ein briefmarkengroßes FM-Transceivermodul für das 2-m- oder 70-cm-Band mit rund einem Watt Sendeleistung. Es enthält Sender, Empfänger und Tonsignalisierung (CTCSS/DCS) in einem Baustein und wird über eine serielle Schnittstelle (UART, 9600 Baud, 8N1, 3,3 V) programmiert. Weil es günstig, klein und stromsparend ist, sitzt es im Inneren vieler fertiger Hotspots – und eignet sich ebenso gut für den Selbstbau.

Zwei Wege: Fertig-Kit oder Selbstbau

Der bequeme Weg: SHARI & Co.

Wer nicht löten will, greift zum fertigen SHARI (SA818 Ham Allstar Radio Interface, ein Konstruktionsprojekt von N8AR). SHARI kombiniert ein SA818S-Modul mit einer CM119-USB-Soundkarte auf einer kleinen Platine, steckt direkt auf die USB-Buchsen eines Raspberry Pi und liefert Leistung, Audio und Programmierung über USB. Status-LEDs zeigen Power, Verbindung, COS (Empfang) und PTT (Sendung); die Ausgangsleistung liegt je nach Modell bei 0,5 bis 1 Watt, wahlweise für 2 m oder 70 cm. Neben dem Original (erhältlich über kits4hams.com) gibt es zahlreiche Nachbauten wie AURSINC Shari PiHat oder Jumbospot SR110U. Ursprünglich für AllStarLink gedacht, lässt sich dieselbe Hardware genauso für SVXLink oder EchoLink nutzen.

Der Bastelweg: SA818 + Raspberry Pi + USB-Soundkarte

Wer selbst baut, braucht drei Dinge: ein SA818-Modul, einen Raspberry Pi (Zero 2 W, 3, 4 oder 5 – alle reichen locker) und eine einfache USB-Soundkarte mit CM108/CM119-Chip, die neben der Audioübertragung auch die PTT- und COS-Leitungen über ihre GPIOs bereitstellt. Dazu eine kleine Antenne und eine stabile 5-V-Stromversorgung. Das SA818 zieht beim Senden spürbar Strom – die Speisung sollte also nicht knapp bemessen sein.

Verdrahtung (Selbstbau)

Die wichtigsten Anschlüsse des SA818 und wohin sie führen:

SA818-PinFunktionAnschluss
VBATVersorgung (~3,7–5 V)stabile Speisung
GNDMassegemeinsame Masse
PTTSendetaste (active low)GPIO der Soundkarte / des Pi
MICSende-NF (TX-Audio)Audio-Ausgang der Soundkarte
AF / RFEmpfangs-NF (RX-Audio)Audio-Eingang der Soundkarte
SQSquelch/COS (Trägererkennung)GPIO-Eingang
H/LLeistungsumschaltungauf Masse = niedrige Leistung
PDPower-Down / Aktivierungauf VBAT = Modul aktiv

Beim fertigen SHARI ist diese Verdrahtung bereits erledigt; beim RF.Guru-Hotspot etwa laufen PTT über GPIO16 (Pin 36) und COS über GPIO12 (Pin 32) direkt zum Pi. Wer selbst baut, orientiert sich an genau diesen Leitungen: Träger senden (PTT), Träger erkennen (SQ/COS), NF rein und raus.

Das SA818 programmieren

Vor dem ersten Einsatz bekommt das Modul seine Frequenz und – falls gewünscht – einen CTCSS-Ton. Am einfachsten geht das mit dem quelloffenen Python-Werkzeug sa818 (von Fred, W6BSD). Zum Programmieren wird das Modul über einen 3,3-V-USB-Seriell-Adapter (FTDI) oder direkt am Pi angesprochen:

pip install sa818

# Firmware-Version auslesen (Kommunikationstest)
sa818 version

# Frequenz und CTCSS setzen (Beispiel 70 cm)
sa818 --port /dev/ttyUSB0 radio --frequency 434.925 --ctcss 88.5 --squelch 4

Praktischer Tipp aus der Praxis: Lässt man SVXLink die Höhen-/Tiefenanhebung (Pre-/De-Emphasis) und Filterung selbst übernehmen, schaltet man die modul-eigenen Filter mit AT+SETFILTER=1,1,1 ab. Das ergibt einen saubereren, gleichmäßigeren Klang.

CTCSS-Töne: die Standardwerte

Beim Programmieren gibst du den CTCSS-Ton als Frequenz in Hertz an. Es gibt 38 genormte Töne — welcher konkret nötig ist, hängt vom Ziel-Relais oder Reflektor ab (im Zweifel beim Sysop erfragen). Die genormten Werte:

67,071,974,477,079,782,585,4
88,591,594,897,4100,0103,5107,2
110,9114,8118,8123,0127,3131,8136,5
141,3146,2151,4156,7162,2167,9173,8
179,9186,2192,8203,5210,7218,1225,7
233,6241,8250,3

Im sa818-Tool wird der Ton als Zahl übergeben (z. B. --ctcss 88.5); Sende- und Empfangston lassen sich getrennt setzen.

SVXLink konfigurieren

Ein Hotspot läuft in SVXLink als SimplexLogic (kein Repeater, sondern ein Simplex-Kanal). Ein paar Werte in der svxlink.conf sind für das SA818 entscheidend – vor allem der Sende-Vorlauf:

[SimplexLogic]
TYPE=Simplex
...

[Rx1]
AUDIO_DEV=alsa:plughw:1     # USB-Soundkarte ist Karte 1, Pi-intern ist 0
SQL_DET=CTCSS               # oder HIDRAW (COS über GPIO)

[Tx1]
AUDIO_DEV=alsa:plughw:1
PTT_TYPE=Hidraw            # bzw. GPIO
TX_DELAY=800              # WICHTIG: SA818 startet langsam
PTT_HANGTIME=200
TIMEOUT=300              # Not-Aus gegen Dauerträger
PREEMPHASIS=1
SQL_TAIL_ELIM=300

Die beiden häufigsten Stolpersteine stecken schon in diesen Zeilen: TX_DELAY=800 gibt dem SA818 rund 800 Millisekunden Zeit, bis der Sender stabil steht – ohne diesen Vorlauf werden die ersten Silben abgeschnitten. Und TIMEOUT=300 ist die Notbremse: Sollte das Modul einmal in einen Dauerträger laufen (ein bekanntes SA818-Phänomen), schaltet SVXLink nach 300 Sekunden ab.

Wer sich die Handarbeit sparen will, findet mit dem RF.Guru Analog-HotSPOT ein fertiges Raspberry-Pi-Image (mit Balena Etcher aufspielen, dann hotspot-config) – inklusive vorbereiteter SVXLink-Konfiguration und passender GPIO-Belegung.

Das Hotspot-Dashboard

Ein fertig eingerichteter Hotspot bringt meist ein kleines Web-Dashboard mit, erreichbar über die lokale IP-Adresse des Raspberry Pi im Heimnetz (etwa http://192.168.x.x/). Dort siehst du auf einen Blick, welche Relais und Hotspots zuletzt gesendet haben und welche Sprechgruppen geschaltet sind — und kannst per Klick eine Gruppe verbinden oder einen DTMF-Befehl absetzen. Das ist bequemer, als alles am Funkgerät zu tippen.

Optional: EchoLink am Hotspot

SVXLink kann auch als EchoLink-Knoten laufen. Dafür registrierst du dein Rufzeichen einmalig auf echolink.org und hinterlegst die Zugangsdaten in der SVXLink-Konfiguration. Im Router müssen dafür die EchoLink-Ports offen sein: 5198 und 5199 (UDP) sowie 5200 (TCP).

Frequenz und Recht in Österreich

Ein Hotspot sendet – also gilt: gültige Amateurfunklizenz vorausgesetzt. Wähle eine für Simplex bzw. Hotspots vorgesehene Frequenz nach dem ÖVSV-Bandplan, keinesfalls einen Relaiseingang, und fahre mit minimaler Leistung – für die Reichweite im eigenen Haus genügen wenige Milliwatt. So bleibt der Hotspot ein reines Werkzeug fürs Shack und stört niemanden. Welche Sprechgruppen dich dann erwarten (Stichwort TG 232 für die österreichweite Runde), steht im SVXLink-Überblick.

Weiterführende Quellen

Verwandte Beiträge bei uns: SVXLink in Österreich · EchoLink, AllStarLink und SVXLink · UKW-Relaisfunkstellen in Österreich.

Diese Seite ist Teil unserer Digitalfunk-Übersicht — dort findest du alle Modi im Vergleich.


Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) auf Basis öffentlicher Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst – darunter das ÖVSV-Wiki, die offizielle SVXLink-Dokumentation, die SA818-Projektseiten von 0x9900/W6BSD und RF.Guru sowie frei zugängliche Video-Tutorials. Konkrete Konfigurationswerte bitte immer an der eigenen Hardware prüfen. Alle Inhalte wurden redaktionell geprüft. Fragen, Korrekturen oder Ergänzungen? Schreib uns an [email protected].

Häufige Fragen

Was ist das SA818?Ein briefmarkengroßes FM-Transceivermodul von NiceRF mit rund einem Watt. Es sitzt im Inneren vieler fertiger Hotspots und eignet sich ebenso für den Selbstbau.
Muss ich löten?Nicht zwingend. Fertige Kits wie SHARI stecken direkt auf den Raspberry Pi. Wer selbst baut, kombiniert ein SA818-Modul mit Pi und USB-Soundkarte.
Was ist die wichtigste Einstellung in der svxlink.conf?TX_DELAY=800: Das SA818 startet langsam, daher wartet SVXLink rund 800 Millisekunden nach dem Tasten — sonst werden die ersten Silben abgeschnitten.
Welche Frequenz und Leistung soll ich verwenden?Eine für Simplex vorgesehene Frequenz nach ÖVSV-Bandplan mit minimaler Leistung — gültige Amateurfunklizenz vorausgesetzt.
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