Vorweg die unbequeme Nachricht: Österreich hat keine einzige IOTA-Insel. Nicht die Donauinsel, nicht die Inseln im Wörthersee, keine. Wer aus OE eine IOTA-Referenz aktivieren will, muss über die Grenze — und das ist näher, als man denkt: Die nächstgelegene Gruppe liegt gut drei Autostunden von Villach entfernt in der Kvarner Bucht.
Warum das so ist, was IOTA überhaupt zählt und wie man als Binnenländer trotzdem mitspielt, steht hier.
Was IOTA ist
Islands on the Air ist das älteste und größte Insel-Diplomprogramm im Amateurfunk. Erfunden hat es 1964 nicht etwa ein Verband, sondern ein einzelner Mann: Geoff Watts, britischer Kurzwellenhörer und Herausgeber eines DX-Rundbriefs. Erst 1985 übernahm die RSGB das Programm, seither führte es viele Jahre Roger Balister, G3KMA. 2016 wurde die Verwaltung in die eigenständige, gemeinnützige Islands On The Air (IOTA) Ltd ausgegliedert, die das Programm seither partnerschaftlich mit der RSGB betreibt.
Heute umfasst das Programm rund 1200 IOTA-Gruppen; über 1100 davon wurden schon mindestens einmal aktiviert. Eine Gruppe ist dabei nicht zwingend eine einzelne Insel — sie kann von einem einzigen Eiland bis zu hunderten Inseln reichen.
Die Salzwasser-Regel — und warum OE leer ausgeht
Der entscheidende Punkt, an dem sich die meisten Missverständnisse entzünden: IOTA zählt ausschließlich Inseln im Meer. Inseln in Flüssen, Binnenseen und abgeschlossenen Buchten sind ausdrücklich ausgeschlossen. Damit fällt für Österreich alles weg, woran man zuerst denken würde — die Donauinsel ebenso wie jede Insel im Wörthersee oder im Neusiedler See.
Ein Binnenland kann folglich keine IOTA-Referenz haben, und der offiziellen Referenzliste zufolge hat Österreich auch keine. Dasselbe gilt übrigens für Slowenien: Die slowenische Küste ist zu kurz und hat keine qualifizierende Insel.
Referenznummern lesen
Jede Gruppe trägt ein Kontinentkürzel plus laufende Nummer:
| Referenz | Gruppe |
|---|---|
| EU-005 | Great Britain (England, Schottland, Wales) |
| EU-110 | Istra group (9A) |
| EU-136 | Kvarner group (9A) |
| EU-179 | Black Sea Coast group (UR) |
| AN-008 | South Orkney Islands |
Die Kürzel sind AF (Afrika), AN (Antarktis), AS (Asien), EU (Europa), NA (Nordamerika), OC (Ozeanien) und SA (Südamerika). Auf QSL-Karten von Inselstationen steht die Referenz meist prominent — hier auf einer Karte von der Signy-Insel im Südatlantik:

Die Diplome
Das Grunddiplom heißt „IOTA 100 Islands of the World": 100 bestätigte IOTA-Gruppen, mit mindestens einer je Kontinent. Danach geht es in Hundertern weiter — 200, 300 und so fort. Dazu kommen kontinentale und regionale Diplome sowie Sonderauszeichnungen.
Wer es sportlich nimmt, schaut auf die jährlich veröffentlichten Performance Listings: Honour Roll, Annual Listing, dazu getrennte Wertungen für VHF/UHF, Klubstationen und SWLs. Bestätigt wird klassisch per QSL-Karte über die Checkpoints oder elektronisch — wie das in Österreich praktisch läuft, steht in unserem Beitrag zu QSL-Karten.
Video-Tipp: David Casler erklärt in „Islands on the Air (IOTA), Another Operating Activity" das Programm von Grund auf.
Der IOTA-Contest
Einmal im Jahr wird aus dem Diplomprogramm ein Wettbewerb — und für viele ist das der eigentliche Einstieg. Die Eckdaten:
- Termin: letztes volles Juli-Wochenende, Samstag 12:00 UTC bis Sonntag 12:00 UTC. 2026 war das der 25./26. Juli.
- Bänder: 3,5 / 7 / 14 / 21 / 28 MHz
- Betriebsarten: CW und SSB — keine Digimodes
- Austausch: RS(T) plus laufende Nummer; Inselstationen hängen ihre IOTA-Referenz an, also etwa
59 378 EU136 - Kategorien: Insel- oder World-Station, Single-Operator (assisted/unassisted), 12 oder 24 Stunden, High Power / Low Power / QRP
- Punkte: 15 Punkte für ein QSO zwischen unterschiedlichen IOTA-Referenzen, 5 Punkte Insel–World, 2 Punkte World–World. Multiplikator sind die verschiedenen Referenzen je Band.
Die Punkteverteilung sagt alles über den Charakter des Contests: Wer von einer Insel funkt, macht das Rennen. Vom Festland aus ist man Punktelieferant — was als Einstieg trotzdem Spaß macht, weil man in 24 Stunden mehr Inselreferenzen zusammenbekommt als sonst in einem halben Jahr. Wie man so ein Wochenende angeht, steht in Conteste für Einsteiger.
Was man als Österreicher konkret machen kann
Jagen von zu Hause
Der einfachste Weg: sammeln. IOTA-Stationen findet man über die üblichen Cluster und das Reverse Beacon Network, angekündigt werden Aktivierungen in den einschlägigen DX-Bulletins. Für die ersten Schritte lohnt der Blick in DX-Betrieb für Einsteiger — Pile-Up-Disziplin ist bei begehrten Referenzen dasselbe Handwerk wie bei einer DXpedition.
Aktivieren im Urlaub
Der spannendere Weg — und er ist erstaunlich naheliegend. Kroatien hat genau fünf IOTA-Gruppen, und zwei davon liegen im üblichen Kärntner Urlaubsradius:
| Referenz | Gruppe | bekannte Inseln |
|---|---|---|
| EU-110 | Istra group | Brijuni, Sveti Nikola |
| EU-136 | Kvarner group | Krk, Cres, Rab, Lošinj |
| EU-170 | Dalmatia North group | Pag, Ugljan, Dugi otok |
| EU-016 | Dalmatia South group | Brač, Hvar, Korčula, Vis |
| EU-090 | Palagruža Islands | Palagruža |
Krk ist über die Brücke ohne Fähre erreichbar — man kann also mit dem Auto bis zur Station fahren. Für den Funkbetrieb gilt CEPT: Mit der österreichischen Bewilligung arbeitet man als 9A/OE8XYZ, ohne vorherige Anmeldung. Wer das ernsthaft plant, sollte die aktuellen kroatischen Bestimmungen trotzdem vorher prüfen und die Aktivierung ankündigen — eine unangekündigte Referenz findet niemand.
Video-Tipp: „Ham Radio from a Desert Island — IOTA EU-179 Adventure" zeigt eine echte Aktivierung von einer unbewohnten Insel im Schwarzen Meer, inklusive Logistik, Antennenaufbau und Wetter. Deutsche Untertitel sind verfügbar.
Abgrenzung zu SOTA und POTA
IOTA ist älter und träger als die modernen Outdoor-Programme — und das ist keine Kritik, sondern eine Eigenschaft. Eine IOTA-Aktivierung ist eine Reise, keine Nachmittagsunternehmung. Es gibt keine App-gestützte Selbstanmeldung wie bei POTA und keine Punkte für den Aufstieg wie bei SOTA. Dafür hat eine seltene Inselreferenz ein Gewicht, das ein weiterer Gipfel selten erreicht — und für Binnenländer ist IOTA das Programm, das man mit dem Sommerurlaub verbinden kann statt mit dem Wochenende.
Kurz zusammengefasst
- Gegründet 1964 von Geoff Watts, seit 1985 bei der RSGB, seit 2016 bei IOTA Ltd
- Rund 1200 Gruppen, nur Salzwasserinseln — keine Fluss- oder Seeinseln
- Österreich hat keine einzige IOTA-Referenz, Slowenien ebenfalls nicht
- Grunddiplom ab 100 bestätigten Gruppen, mindestens eine je Kontinent
- Contest am letzten vollen Juli-Wochenende, 12:00–12:00 UTC, CW und SSB auf 80–10 m
- Nächste aktivierbare Gruppen: Istra (EU-110) und Kvarner (EU-136) in Kroatien
Quellen
- Islands On The Air (IOTA) Ltd — Programmübersicht, Referenzliste, Performance Listings (abgerufen 10. August 2026)
- RSGB: IOTA Programme — Gründung durch Geoff Watts, Diplomstufen
- RSGB Contest Committee: IOTA Contest 2026 — Termin, Bänder, Kategorien, Punktewertung
- IOTA Most Wanted List nach Präfix (PDF) — vollständige Referenzliste
73 – eure oeradio.at-Redaktion
Titelbild: Baška auf Krk, Kvarner Bucht (IOTA EU-136). Foto: Arne Müseler, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons.
Transparenzhinweis
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst; die Angaben stammen von den Seiten von IOTA Ltd und der RSGB sowie aus der offiziellen IOTA-Referenzliste und wurden von der oeradio.at-Redaktion gegengeprüft. Eine frühere Fassung dieses Beitrags enthielt zwei Fehler: Sie schrieb die Gründung 1964 der RSGB zu und nannte „EU-120" als Referenz für österreichische Donauinseln. Tatsächlich stammt das Programm von Geoff Watts, EU-120 bezeichnet die englischen Küsteninseln, und Österreich hat mangels Salzwasserinseln überhaupt keine IOTA-Referenz. Die Bilder sind frei lizenziert, Urheber und Lizenz stehen bei den Bildern. Fehler gefunden? Schreib uns an [email protected].





