Eine Störsender-Satire von Hansl Hohlleiter
Egon Eliteknoten, OE0EEL, hat eine Nachricht geschrieben. Das tut er oft, aber diesmal hat er sie mit drei Ausrufezeichen und einem Raketen-Emoji versehen: "ELITE-REPEATER ONLINE!!! Abdeckung bis weit über den Bezirk!"
Die Nachricht hat zwölf Reaktionen bekommen. Der Repeater, den sie ankündigt, hat in derselben Zeit null Pakete weitergeleitet. Dieses Verhältnis ist in der Geschichte der Funktechnik selten, und ich bin dankbar, dass ich dabei sein durfte.
Die Ankündigung
Eine Ankündigung im Meshnetz folgt einem festen Ablauf, den Egon wie ein Pontifikalamt zelebriert. Zuerst kommt das Foto: das Gerät, daneben der Akku, im Hintergrund ein Berg, der mit dem Standort nichts zu tun hat. Dann kommt die Karte, auf der ein blauer Kreis eingezeichnet ist. Der Kreis hat einen Radius von hundert Kilometern. Er ist wunderschön.
Der Kreis stammt nicht aus einer Messung. Er stammt aus dem Zeichenprogramm. Wer eine Funkkarte so einzeichnet, hat mit Funk ungefähr so viel zu tun wie ein Wetterfrosch mit dem Jahrhundertsommer. Dazu kommt der Satz, den ich inzwischen auswendig kann: "Das wird das Rückgrat des Netzes."
Und als Letztes die Hashtags. Ich habe zwischen Egons Ankündigungen und seiner tatsächlichen Sendeleistung keinen Zusammenhang gefunden, aber das liegt vermutlich an meiner Messmethode. Ich habe nämlich nachgezählt.
Die Zählung
Egon hat bisher elf Elite-Repeater angekündigt. Ich habe, wie es sich für einen Berichterstatter gehört, nachgeschaut, was davon heute noch im Netz zu sehen ist.
- Angekündigt: 11
- Heute online: 4
- Davon seit mehr als einer Woche durchgehend: 1
- Nach eigener Auskunft "nur kurz offline, Akku": 5
- Nach eigener Auskunft "wird gerade umgezogen": 2
Die fünf mit dem Akku sind besonders bemerkenswert. Sie liegen auf Standorten, die im Hochsommer ausgesucht wurden, mit einem Solarpanel, das im Hochsommer ausreichend war, und gehen seit Mitte Oktober in eine Art Winterschlaf. Egon nennt das "saisonale Optimierung". Ich nenne es "eine Sonne, die im Winter niedriger steht, als in der Ankündigung vorgesehen war".
Den Elite-Status hat er nie näher erklärt. Ich habe ihn gefragt. Seine Antwort lautete: "Elite ist, wenn man es sich hinstellt." Das ist ein erstaunlich tragfähiges Geschäftsmodell. Es würde auch in der Gastronomie funktionieren.
Die Namen
Dabei hätte es für das Ganze sogar eine Anleitung gegeben. Im Netz hat sich eine Namenskonvention eingebürgert, die einfach klingt: erst der Ort, dann der Standort, dann die Höhe, damit jeder in der Liste auf einen Blick sieht, wo das Ding steht und worauf er sich verlassen kann. Wer sie kennt, findet den richtigen Repeater, wenn er unterwegs eine Verbindung braucht. Wer sie nicht kennt, findet eine Liste, in der ein Repeater "Repeater" heißt.
Egons Elite-Knoten heißen:
- ELITE!!!
- Elite_Egon_NEU
- Egons Kastl 🚀
- Repeater (Elite)
- test
- Elite_Egon_NEU_final
- König der Berge
Die übrigen vier haben Namen, die ich hier nicht wiedergeben kann, weil sie überwiegend aus Symbolen bestehen. Genau zwei von elf halten sich an die Konvention, und es sind zwei dieser vier: jene, die Egon nicht selbst benannt hat, sondern ein Nachbar, der sie "ordentlich eingetragen" hat, weil es ihn gestört hat. Egon weiß nicht, wer das war. Er vermutet einen Konkurrenten.
Dass Namen in einem Netz mehr sind als Dekoration, wird leicht übersehen. Wer in der App einen Pfad nachverfolgt, sieht Namen. Wer wissen will, über welchen Repeater seine Nachricht gelaufen ist, liest Namen. Und wer einen Fehler sucht, muss zuerst wissen, welcher von elf Egons gerade der Verdächtige ist. Wenn drei davon "Elite" heißen, wird das eine ziemlich lange Suche.
Die Alm
Der Höhepunkt der Elite-Reihe ist der Knoten auf der Heidialm. Er ist, das muss man Egon lassen, der am schönsten gelegene. Auf 1.800 Metern, mit Blick über drei Täler, bei klarer Sicht kann man von dort aus bis zum Horizont sehen.
Das Funkgerät kann das nicht. Das Funkgerät steht nämlich nicht oben, sondern im Hüttenvorraum, hinter einer Holzwand, neben dem Kühlschrank, mit der Antenne in einer Ecke, damit sie "nicht nass wird". Auf der Heidialm hat es noch niemand gewagt, einen Repeater ins Freie zu stellen, weil dort, wie die Wirtin sagt, "ständig was herumsteht und trägt".
Gemessen wurde die tatsächliche Reichweite von Peterle, der die Ziegen betreut. Peterle hat, wie jeder gute Geißenhirt, ein MeshCore-Gerät im Rucksack und kennt sich dort aus, wo er unterwegs ist. Er sitzt täglich ungefähr achtzig Meter unterhalb der Hütte hinter dem Stall.
Dort kommt der Elite-Repeater an. Sonst nirgends.
Wir haben das Gespräch dokumentiert:
Heidi: "Peterle, hörst du mich?"
Elite-Repeater: (sendet nach vierzehn Sekunden)
Peterle: "Ja!"
Heidi: "Es gibt Kaiserschmarrn."
Peterle: "Komme."
Das war es schon. Das Gespräch hat vierzehn Sekunden pro Satz gedauert, weil das Netz, wie jedes vernünftige Netz, die Sendezeit sorgfältig verwaltet. Gebrüllt wäre es schneller gegangen. Die Wirtin hat nachgemessen: Man hätte Peterle zu Fuß in der Zeit dreimal erreichen können.
Und doch ist das, wenn man es genau nimmt, die zuverlässigste Verbindung der ganzen Elite-Serie. Sie funktioniert jeden Tag. Sie hat eine nachweisbare Reichweite, einen echten Nutzen und zwei zufriedene Anwender. Wenn man es böse formulieren wollte, könnte man sagen: Das ist der einzige Elite-Repeater, der seine Ankündigung zu mehr als vier Prozent erfüllt. Und er erfüllt sie, weil Heidi und das Peterle ihn tatsächlich brauchen.
Die Karte zeigt dazu weiterhin den blauen Hunderter-Kreis. Auf der Alm weiß man, dass er nicht stimmt. Es hat ihn dort nie jemand gesehen, weil man auf der Alm nicht auf die Karte schaut, sondern auf den Hang.
Die Statistik
Egon rechnet gerne in Prozent. Er hat vorgestern verkündet, dass 100 Prozent seiner Elite-Repeater "zumindest einmal" gesendet haben. Die Zahl stimmt. Ich habe sie nachgerechnet.
Eine Zahl, die ebenfalls stimmt, aber nicht in der Ankündigung stand: 11 angekündigt, 4 online, 2 mit richtigem Namen, 1 mit einem Nutzen. Den Nutzen hat er übrigens nicht selbst erzielt. Den hat die Heidi erzielt.
Dazu kommt, dass die Ankündigungen in den Gruppen verlässlicher laufen als die Repeater in der Landschaft. Auf einen funktionierenden Elite-Repeater kommen im Schnitt sechs Beiträge, in denen davon gesprochen wird. Es wäre ein enormer Fortschritt, wenn man die Funkabdeckung mit der gleichen Disziplin ausbauen würde wie die Ankündigungen.
Der Kollege
Es gibt in dieser Geschichte natürlich auch jemanden, der alles richtig macht. Ihn kennt niemand.
Er heißt Leopold, OE0LPD, und hat vor einem halben Jahr ohne jede Ankündigung einen Repeater auf ein Garagendach gestellt. Der Name folgt der Konvention: Ort, Standort, Höhe. Er ist seit 187 Tagen online. Er hat noch nie ein Foto davon gemacht. Er hat noch nie von einem "Rückgrat" gesprochen. Er hat dem Netz nur ein einziges Mal geschrieben, und zwar als der Strom ausgefallen war: "Bin in einer Stunde wieder da."
Er war nach 52 Minuten wieder da. Das ist, wie man sieht, nicht Elite. Das ist nur gut.
Hansls Fazit
Hansls Fazit: Ich will nicht gegen Ankündigungen sein. Wer einen Repeater aufstellt, darf sich freuen, und das Netz freut sich mit. Ohne Leute, die Geräte aufs Dach, auf den Berg oder auf die Alm tragen, gäbe es gar nichts, worüber man schreiben könnte. Das gilt ausdrücklich für Egon, der in einem Punkt recht hat: Er hat es hingestellt. Das ist mehr, als die meisten tun.
Aber ein Repeater ist nicht elite, weil er so heißt. Er ist es, wenn er im Februar noch läuft. Eine Ankündigung ist kein Betrieb, ein Foto ist keine Abdeckung, und ein blauer Kreis ist keine Messung. Wer wissen will, wie weit ein Knoten tatsächlich kommt, soll das Ergebnis eintragen, nicht den Wunsch. Und wer ein Netz mit anderen teilt, sollte sich an die Regeln halten, die dieses Netz benutzbar machen: einen Namen vergeben, den auch Fremde verstehen, und ihn nicht jede Woche ändern.
Mein praktischer Vorschlag ist deshalb schlicht. Zuerst vier Wochen laufen lassen, dann ankündigen. Standort und Höhe in den Namen, ein Foto vom Dach statt von der Platine. Eine Winterfrage vorab klären: Hält der Akku, wenn die Sonne tief steht? Und die Reichweite, die man in die Ankündigung schreibt, vorher einmal ausprobieren. Wer das schafft, braucht das Wort Elite nicht mehr. Dann reicht auch ein ordentlicher Name.
Die Heidialm ist übrigens vorbildlich: ein Repeater, eine Aufgabe, zwei zufriedene Nutzer. Dass er dabei nur achtzig Meter weit kommt, ist keine Schande. Es ist eine Reichweite, die jemand tatsächlich braucht. Und manchmal ist das mehr wert als hundert Kilometer, die nur auf der Karte existieren.
Mehr zum Netz selbst gibt es in MeshCore: Funken ohne Handynetz. Wer wissen will, was passiert, wenn jemand zu viele Knoten auf einen Tisch stellt, liest den Selbstgesprächs-Mesher. Und der Mann, der um Erlaubnis fragt, steht in Der Kellerknoten.
Alle Personen, Rufzeichen, Almen und Repeater in diesem Beitrag sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit real existierenden Standorten, Betreibern oder Geißenhirten sind unbeabsichtigt, und ein Bezug zu einer bestimmten Region besteht nicht. Der Autor übernimmt keine Haftung für spontan überprüfte Online-Listen, geänderte Knotennamen oder einen plötzlichen Blick auf den Akku.
Transparenzhinweis
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Verwendete Illustrationen wurden, sofern nicht anders gekennzeichnet, mit KI erstellt. Die redaktionelle Verantwortung und inhaltliche Prüfung liegt bei der oeradio.at-Redaktion. Anregungen und Beschwerden, auch von allen Elite-Betreibern, gerne an [email protected].





