KW 41 / 2026 | 5. bis 11. Oktober | SFI aktuell 93 | NOAA-27-Tage 91 bis 100 | SSN 53, Röntgenfluss auf Hintergrundniveau | Kp-Spitze 5,00 am 4. Oktober (G1), laufender a-Index bis 48 (4. Oktober, 09–12 UTC) | Sonnenwind 608 km/s, Bz +4 nT, Bt 7 nT | Protonenfluss auf Hintergrundniveau | Quelle: NOAA SWPC, Stand 4. Oktober 18:30 UTC
Zusammenfassung
Diese Woche ist leicht zu lesen, weil sie in eine Richtung läuft: Sie fängt gestört an und wird jeden Tag besser.
Den Auftakt hat der Samstag geliefert. Zwischen 09 und 12 UTC hat der planetare Kp-Index 5,00 erreicht, also G1 auf der NOAA-Skala, und am Nachmittag noch einmal 4,67. Der Sonnenwind läuft derzeit mit 608 km/s, das ist deutlich über dem ruhigen Grundwert von rund 350. Die Ursache benennt SWPC in der Begründung zur 3-Tage-Prognose ausdrücklich: ein koronales Loch positiver Polarität.
Der Beleg dafür steckt im Kalender, und darauf kommen wir weiter unten zurück. Für die Planung zählt erst einmal der Verlauf: Der Strom läuft über Montag und Dienstag aus, ab Mittwoch wird es spürbar ruhiger, und ab Freitag ist das Feld praktisch unauffällig.
Beim Flux stehen wir bei 93, und das ist das Ende einer bemerkenswerten Talfahrt. Am 23. September stand die Fleckenzahl bei 142 und der Flux bei 121. Seitdem ist beides gefallen, auf 53 und 93. Was damals hereingedreht ist, dreht jetzt am Westrand wieder ab.
Auf der Scheibe stehen aktuell fünf nummerierte Regionen, 4544 bis 4548. Groß ist davon keine: Die größte, 4548, bringt 60 Millionstel Hemisphärenfläche bei einem einzigen Fleck, 4547 und 4545 haben je sieben und sechs Flecken bei 20 Millionstel. Das sind Gebiete, die den Flux halten, aber nicht treiben.
Trotzdem sieht die NOAA-Tabelle den Flux über die Woche steigen, von 91 am Montag auf 100 am Sonntag. Das ist keine Vorhersage neuer Aktivität, sondern die Erwartung, dass am Ostrand etwas nachkommt. Unser Korridor: 89 bis 96 von Montag bis Mittwoch, 92 bis 104 von Donnerstag bis Sonntag. Wir setzen damit etwas tiefer an als NOAA, weil wir in den letzten vier Wochen zweimal erlebt haben, wie schnell ein Fleckenbestand aus kleinen Gruppen wegbricht.

Bandprognose
10 und 12 Meter: Bei einem Flux um 93 bleibt 10 Meter das, was es seit Wochen ist: ein Band für Geduldige. In der ersten Wochenhälfte kommt die geomagnetische Störung erschwerend dazu, die dämpft gerade die höheren Bänder. Realistisch wird es ab Freitag, und dann um die lokale Mittagszeit nach Süden. 12 Meter ist eine Spur besser dran und öffnet an den ruhigen Tagen kurz nach Afrika und Südamerika.
15 und 17 Meter: 17 Meter ist bei diesem Flux das verlässlichere der beiden und bleibt es die ganze Woche. 15 Meter braucht die ruhigen Tage: ab Donnerstag lohnt sich der Versuch, davor kostet er Zeit. Der Oktober spielt beiden Bändern in die Hände, die Nord-Süd-Wege sind jetzt saisonal gut.
20 Meter: Wie meistens das Arbeitspferd. Auch an den gestörten Tagen zu Wochenbeginn brauchbar, wenn auch mit gedämpften Nordwegen. Ab Mittwoch wieder rund um die Uhr die naheliegende Wahl.
30 und 40 Meter: Die stabilere Wahl für Montag und Dienstag. Während oben die Störung drückt, tragen die unteren Bänder weiter. 40 Meter am Abend ist derzeit deutlich besser als noch im September, die Nächte sind jetzt länger als die Tage.
80 und 160 Meter: Die Saison läuft an. Das Grundrauschen sinkt mit jeder Woche, Gewitteraktivität in Europa ist selten geworden. Zu Wochenbeginn sind die Nordwege durch den A-Index um 15 noch gedämpft, ab dem Wochenende sollte das weg sein. Wer sich eine Drahtantenne für die Low Bands vorgenommen hat, hat jetzt den richtigen Monat erwischt.
VHF: Sporadic-E ist Geschichte. Aurora ist in der ersten Wochenhälfte nicht völlig ausgeschlossen, Kp 4 reicht in unseren Breiten allerdings selten. Wer es probieren will, tut es Montag abends auf 6 und 2 Meter nach Norden.
Geomagnetische Vorhersage
Die NOAA-Tabelle vom 28. September gibt für die Woche folgende Werte an:
- Montag, 5. Oktober: SFI 91, A 15, Kp bis 4
- Dienstag, 6. Oktober: SFI 91, A 12, Kp bis 4
- Mittwoch, 7. Oktober: SFI 92, A 10, Kp bis 3
- Donnerstag, 8. Oktober: SFI 93, A 8, Kp bis 3
- Freitag, 9. Oktober: SFI 95, A 5, Kp bis 2
- Samstag, 10. Oktober: SFI 98, A 5, Kp bis 2
- Sonntag, 11. Oktober: SFI 100, A 9, Kp bis 3
Das ist eine saubere Abklingkurve: A fällt von 15 auf 5 und steigt erst am Sonntag wieder leicht auf 9. Die 3-Tage-Prognose vom 4. Oktober, 12:30 UTC, passt dazu. Sie nennt für Montag Kp-Werte zwischen 1,67 und 4,33, mit dem Maximum in den frühen Morgenstunden, und für Dienstag zwischen 1,67 und 3,67. Der Sturm ist also am Sonntag im Abklingen, nicht im Aufbau.
Ein Protonenereignis ist nicht zu erwarten, SWPC gibt für S1 oder mehr ein Prozent an und der Fluss über 10 MeV liegt auf Hintergrundniveau. Bei den Flares ist mit dem aktuellen Fleckenbestand wenig zu rechnen: Am 3. Oktober wurde kein einziger C-Flare registriert, nur ein optischer Subflare.
Das Planungsfenster dieser Woche liegt von Donnerstag bis Samstag. Drei Tage mit A unter 10 und gleichzeitig steigendem Flux, das ist in dieser Phase des Zyklus eine ordentliche Kombination.
Der 27-Tage-Takt, nachgerechnet
Wir haben in der Ausgabe zu KW 39 erklärt, warum SWPC Störungen vorhersagen kann, ohne etwas zu sehen: Die Sonne dreht sich von der Erde aus gesehen in gut 27 Tagen einmal um sich selbst, und koronale Löcher überleben oft mehrere Umläufe. Diesmal kann man die Rechnung zweimal nachprüfen, und beide Male geht sie auf.
Erste Probe, rückwärts. Zieht man vom Sturm am 4. Oktober 27 Tage ab, landet man beim 7. September. Im Archiv der täglichen geomagnetischen Indizes stehen dort die planetaren A-Werte 19 am 7. und 29 am 8. September, eingebettet in eine Woche mit Werten zwischen 5 und 12. Das war derselbe Strom, einen Umlauf früher. Die Störung, die gerade abklingt, war also terminlich absehbar.
Zweite Probe, vorwärts. Das koronale Loch, das die Störung vom 24. bis 27. September verursacht hat, wäre nach einem weiteren Umlauf um den 21. bis 24. Oktober wieder dran. Genau dort steht in der NOAA-Tabelle A 15, 20, 15 und 12, mit Kp bis 5. Das ist noch weit weg und eine reine Wiederkehrprognose, aber wer Ende Oktober etwas plant, sollte diese vier Tage im Hinterkopf haben.
Der Vorbehalt bleibt derselbe wie immer: Koronale Löcher schrumpfen zwischen zwei Umläufen, wandern in der Breite oder lösen sich auf. Die Terminprognose ist gut, die Stärkeprognose ist es nicht. Wer am Montag ohnehin funkt, schaut Sonntagabend auf die aktuelle 3-Tage-Prognose und nicht auf diesen Artikel.
Empfehlungen für die kommende Woche
- Montag und Dienstag: nach unten ausweichen. 30, 40 und 80 Meter tragen, während oben die Störung drückt. Wer unbedingt DX auf 20 Meter will, probiert die Süd- und Ostwege, die Nordwege sind gedämpft.
- Mittwoch: Übergangstag. Ab dem Nachmittag beruhigt sich das Feld spürbar, 17 und 20 Meter werden wieder zuverlässig.
- Donnerstag bis Samstag: das Fenster. A unter 10, Flux steigend. Hier gehören die Vorhaben hin, die eine ruhige Ionosphäre brauchen, also DXpeditionen jagen, schwierige Richtungen, 15 Meter ernsthaft probieren.
- Sonntag: leichter Rückgang der Ruhe bei A 9, aber der höchste Flux der Woche. Für die oberen Bänder immer noch ein guter Tag.
- Generell: Die Low-Band-Saison beginnt. Wer Antennenarbeit für 80 oder 160 Meter plant, hat jetzt vier bis fünf brauchbare Monate vor sich.
- Vor dem Einschalten lohnt der Blick auf das Bandblick-Dashboard, dort stehen die aktuellen Werte statt der Wochenprognose.
Rückblick KW 39 und 40
Vorweg in eigener Sache: Für KW 40 ist keine Ausgabe erschienen. Das war keine Entscheidung, sondern ein Ausfall. Wir holen den Rückblick deshalb über beide Wochen nach.
Beim Flux haben wir deutlich zu tief gelegen. Wir hatten für KW 39 einen Korridor von 95 bis 105 für Montag bis Mittwoch angesagt und 98 bis 112 fürs Wochenende. Gemessen wurden 104, 118, 121, 112, 105, 101 und 97. Montag lag im Korridor, Dienstag und Mittwoch sind oben hinausgeschossen, und zwar um 13 beziehungsweise 16 Punkte. Die NOAA-Tabelle sah 100 bis 110 und lag damit ebenfalls zu tief, aber weniger.
Woran es lag, hatten wir selbst geschrieben. Wir haben auf die Region hinter dem Ostrand hingewiesen, die am 19. September einen C3.3-Flare über den Rand geschickt hat, und daraus gefolgert: „Wer über dem Rand Flares produziert, ist in der Regel kein kleines Gebiet." Das war richtig. Die Konsequenz haben wir trotzdem zu zaghaft gezogen. Die Fleckenzahl ist von 0 am 18. September auf 142 am 23. September gestiegen, also innerhalb von fünf Tagen von nichts auf den höchsten Wert seit Wochen. Wer einen fleckenlosen Tag sieht, neigt dazu, die nächste Woche zu pessimistisch zu rechnen. Das ist uns passiert.
Beim Magnetfeld haben wir getroffen, diesmal sauber. Angesagt waren drei ruhige Tage von Montag bis Mittwoch und ab Donnerstag eine Störung aus dem wiederkehrenden koronalen Loch vom 28. August. Beobachtet wurden für Montag bis Mittwoch die planetaren A-Werte 3, 3 und 4, und ab Donnerstag 16, 20, 13 und 9. Die Wiederkehrprognose hat funktioniert, sowohl im Termin als auch in der Größenordnung. Das Planungsfenster lag genau dort, wo wir es angesagt haben.
Die Bandprognose war in der Folge zu vorsichtig. Wir haben 10 Meter bei einem Flux unter 100 als Lotteriespiel bezeichnet. Bei 118 und 121 am Dienstag und Mittwoch war es das nicht, da ging mehr als angekündigt. Wer sich an unsere Empfehlung gehalten und die oberen Bänder liegen gelassen hat, hat zwei gute Tage versäumt. Das tut uns leid.
Und die Woche danach verlief ohne Überraschungen: Flux von 95 auf 92 und zurück auf 93, A-Werte zwischen 3 und 7, bis am 3. Oktober der neue Strom anfing. Eine ruhige, unspektakuläre Woche, in der eine Ausgabe wenig gefehlt hätte. Sie fehlt trotzdem.
vy 73 und gud DX — eure DX-Wetterredaktion
Transparenzhinweis
Diese Vorausschau wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) auf Basis öffentlicher Weltraumwetter-Daten erstellt: NOAA SWPC 27-Tage-Ausblick (Tabelle vom 28. September), 3-Tage-Prognose vom 4. Oktober 12:30 UTC, die täglichen Sonnen- und geomagnetischen Indizes bis einschließlich 3. Oktober, die planetare Kp-Reihe bis 4. Oktober 15:00 UTC, die Regionsliste vom 4. Oktober sowie die Echtzeitwerte für Sonnenwind und Magnetfeld von 4. Oktober 18:26 UTC. Die Rückrechnung auf den 27-Tage-Takt stützt sich auf die Archivreihe der planetaren A-Indizes von SWPC. Das Titelbild stammt von NASA/SDO (AIA 193) und ist gemeinfrei. Die Inhalte wurden von der oeradio.at-Redaktion geprüft. Hinweise und Korrekturen gerne an [email protected].





