Inhaltsverzeichnis
- SSTV: Slow-Scan Television
- Die wichtigsten SSTV-Modi
- SSTV-Software
- SSTV-Frequenzen und Aktivität
- ISS-SSTV: Bilder aus dem Weltraum
- ATV: Amateur Television — Live-Video über Funk
- Analoge ATV-Modi
- DATV: Digital Amateur Television
- ATV-Hardware
- ATV-Relais in Österreich und Europa
- SDR-Empfang von SSTV und ATV
- SSTV mit dem Smartphone
- Maker-Projekte: SSTV mit ESP32 und Raspberry Pi
- Tipps für den Einstieg
- Transparenzhinweis
Amateurfunk ist nicht nur Sprache und Morsezeichen — seit Jahrzehnten senden Funkamateure auch Bilder und sogar Live-Video über die Luft. Von der Internationalen Raumstation ISS bis zum lokalen ATV-Relais: Bildübertragung per Funk fasziniert und verbindet zwei spannende Welten — Funktechnik und visuelle Kommunikation.
SSTV: Slow-Scan Television
Slow-Scan Television (SSTV) überträgt Standbilder über Funkverbindungen. Im Gegensatz zu normalem Fernsehen braucht SSTV nur die Bandbreite eines SSB-Sprachsignals — etwa 3 kHz. Ein einzelnes Bild wird als Audiosignal codiert und in 8 bis 120 Sekunden übertragen, je nach gewähltem Modus.
Das Prinzip: Jede Bildzeile wird in Tonfrequenzen umgewandelt. Dunkle Pixel erzeugen tiefe Töne (ca. 1.500 Hz), helle Pixel hohe Töne (ca. 2.300 Hz). Der Empfänger dekodiert die Töne zurück in Pixel. Synchronisationspulse markieren den Zeilenanfang.
Die wichtigsten SSTV-Modi
- Martin M1: 320×256 Pixel, Farbe, 114 Sekunden — der Standard in Europa
- Scottie S1/S2: Ähnlich wie Martin, in den USA verbreitet, 110 bzw. 71 Sekunden
- Robot 36: 320×240, Farbe, nur 36 Sekunden — ideal für schwache Signale und der Liebling der ISS-SSTV-Events
- PD120/PD180: Höhere Auflösung (640×496), 120 bzw. 180 Sekunden — für detailreiche Bilder
- Wraase SC2-180: 320×256, 180 Sekunden, exzellente Farbwiedergabe
SSTV-Software
Für den Einstieg reicht ein PC, eine Soundkarte und eine Funkverbindung:
- MMSSTV (Windows): Der Klassiker — kostenlos, unterstützt alle gängigen Modi, integrierter Wasserfall-Display und Vorlagen-Editor
- QSSTV (Linux): Open Source, unterstützt SSTV und DRM (Digital Radio Mondiale) für höhere Qualität
- EasyPal (Windows): Digitales SSTV über DRM — fehlerkorrigiert, gestochen scharfe Bilder auch bei schwachen Signalen
- Robot36 (Android) und SSTV Slow Scan TV (iOS): Smartphone-Apps, die SSTV direkt über das Mikrofon dekodieren — ideal für den Empfang von ISS-SSTV
SSTV-Frequenzen und Aktivität
Die wichtigsten Anlaufstellen für SSTV:
- 14.230 MHz USB — die internationale SSTV-Anruffrequenz auf 20 m, fast immer aktiv
- 7.171 MHz LSB — Europa, 40 m, oft abends
- 3.730 MHz LSB — 80 m, regional
- 21.340 MHz USB — 15 m, bei guter Ausbreitung
- 144.500 MHz FM — 2 m, lokale SSTV-Runden
ISS-SSTV: Bilder aus dem Weltraum
Eines der faszinierendsten SSTV-Erlebnisse: die Internationale Raumstation ISS sendet regelmäßig SSTV-Bilder auf 145.800 MHz FM. Meist zu besonderen Anlässen — Juri-Gagarin-Gedenktag, ARISS-Jubiläen oder Kosmonautentag — werden über mehrere Tage Bilder im Robot36-Modus ausgestrahlt.
Der Empfang ist erstaunlich einfach: Ein Handfunkgerät mit Gummiantenne reicht oft aus. Die ISS sendet mit etwa 25 Watt und ist auf ihrem Überflug 5–10 Minuten sichtbar. In dieser Zeit können ein bis drei Bilder empfangen werden. Dekodiert wird direkt am Smartphone mit der Robot36-App — Funkgerät an den Lautsprecher halten, fertig.
Tipps zum ISS-SSTV-Empfang: ARISS (Amateur Radio on the International Space Station) kündigt Events über ariss-eu.org und soziale Medien an. Das Tracking der ISS-Position geht am besten mit Satelliten-Tracking-Apps wie Heavens-Above oder ISS Detector.
ATV: Amateur Television — Live-Video über Funk
Während SSTV Standbilder überträgt, geht ATV (Amateur Television) einen großen Schritt weiter: vollbewegtes Video in Echtzeit. ATV existiert seit den 1950er-Jahren und hat sich von der analogen Schwarz-Weiß-Übertragung zu digitalem HDTV entwickelt.
Analoge ATV-Modi
- AM-ATV (Amplitudenmodulation): Der Klassiker auf 70 cm (430–440 MHz). Braucht 20–30 MHz Bandbreite, heute kaum noch aktiv.
- FM-ATV: Auf 23 cm (1.240–1.300 MHz) und höheren Bändern. Bessere Bildqualität als AM, wurde lange als Standard verwendet.
DATV: Digital Amateur Television
Die Zukunft von ATV ist digital. DATV (Digital Amateur Television) verwendet DVB-S- oder DVB-S2-Modulation — den gleichen Standard wie Satelliten-TV. Die Vorteile sind enorm:
- Bandbreiteneffizienz: Ein DVB-S-Signal mit 2 MHz Bandbreite liefert bessere Bildqualität als ein FM-ATV-Signal mit 20 MHz
- Fehlerschutz: Digitale Fehlerkorrektur (FEC) sorgt für rauschfreies Bild bis zur Empfangsschwelle
- HD-Qualität: DATV kann Full-HD (1080p) übertragen
- Geringere Sendeleistung: DATV kommt mit weniger Leistung aus als analoges ATV
Für DATV auf dem QO-100-Satelliten ist das Thema besonders spannend: Über den geostationären Amateurfunksatelliten können DATV-Signale quer durch Europa gesendet werden — in Echtzeit.
ATV-Hardware
Für den DATV-Einstieg gibt es spezialisierte Hardware:
- Portsdown: Open-Source DATV-Sender auf Basis eines Raspberry Pi — das Standardprojekt der britischen BATC (British Amateur Television Club). Sendet DVB-S/S2 auf 70 cm bis 3 cm.
- MiniTiouner: Kostengünstiger USB-DATV-Empfänger. Mit der Software von F5OEO empfängt er DVB-S/S2 und zeigt das Bild direkt am PC an.
- Pluto SDR: Der ADALM-Pluto von Analog Devices eignet sich hervorragend als DATV-Sender und -Empfänger, besonders für QO-100.
- Handelsübliche Sat-Receiver: Für den Empfang von DATV auf 23 cm oder via QO-100 kann ein normaler DVB-S2-Satellitenreceiver verwendet werden.
ATV-Relais in Österreich und Europa
In Österreich und den Nachbarländern gibt es mehrere ATV-Relais, die als Umsetzer für analoge und digitale Bildsignale dienen. Diese Relais empfangen auf einer Frequenz (meist 23 cm oder 13 cm) und senden auf einer anderen (meist 23 cm oder 70 cm) — ähnlich wie Sprachrelais, nur eben mit Video.
Eine Übersicht aktiver ATV-Umsetzer findet sich in den gängigen Relaislisten. Über das HAMNET sind einige ATV-Relais zusätzlich per IP-Stream erreichbar, sodass ihr Bild weltweit betrachtet werden kann.
SDR-Empfang von SSTV und ATV
Software Defined Radio hat den Empfang von Bildsignalen vereinfacht. Ein RTL-SDR-Stick für 30 Euro kann SSTV auf 2 m empfangen und das Signal an MMSSTV oder QSSTV weiterleiten. Für ATV auf 23 cm oder höheren Bändern eignet sich ein HackRF PortaPack oder ein dedizierter DVB-S-USB-Stick.
Besonders interessant: WebSDR-Empfänger im Internet ermöglichen den SSTV-Empfang ohne eigene Hardware. Auf 14.230 MHz kann man die Audiosignale über einen WebSDR empfangen und lokal mit MMSSTV dekodieren.
SSTV mit dem Smartphone
Der einfachste Einstieg in SSTV führt über das Smartphone. Die Apps Robot36 (Android) und CQ SSTV (iOS) dekodieren SSTV-Signale direkt über das Mikrofon. Das bedeutet: Funkgerät einschalten, App starten, Lautsprecher zum Handy halten — und zusehen, wie sich das Bild zeilenweise aufbaut. Besonders beim ISS-SSTV-Empfang ist das Staunen groß, wenn ein Bild aus 400 km Höhe auf dem Handybildschirm erscheint.
Für das Senden von SSTV kann die App das codierte Audiosignal direkt über die VOX-Steuerung des Funkgeräts auslösen — Smartphone an den Mikrofoneingang, Bild auswählen, senden. Einfacher geht es nicht.
Maker-Projekte: SSTV mit ESP32 und Raspberry Pi
Für Bastler und Maker eröffnen ESP32– und Raspberry-Pi-Projekte spannende Möglichkeiten:
- ESP32-SSTV-Bake: Ein ESP32 mit Kameramodul (OV2640) nimmt automatisch Bilder auf und sendet sie als SSTV-Signal über einen kleinen FM-Sender — ideal als automatische Wetterkamera auf dem Berggipfel
- Pi-SSTV: Software für den Raspberry Pi, die Standbilder oder Webcam-Aufnahmen automatisch als SSTV sendet
- DATV-Express: Open-Source DATV-Sender mit Raspberry Pi und SDR-Hardware
Tipps für den Einstieg
- SSTV empfangen: Beginne mit dem Hören auf 14.230 MHz USB — dort ist fast immer jemand aktiv. Mit MMSSTV oder der Smartphone-App Robot36 sind die ersten Bilder schnell dekodiert.
- ISS-SSTV ausprobieren: Warte auf das nächste ISS-SSTV-Event (ariss-eu.org) und versuche den Empfang mit Handfunkgerät und Smartphone-App.
- Eigene Bilder senden: Mit MMSSTV und einem Kurzwellentransceiver im Martin-M1-Modus loslegen. Rufzeichen und Grüße ins Bild einbauen!
- DATV entdecken: Einen MiniTiouner oder DVB-S-USB-Stick besorgen und lokale ATV-Relais oder QO-100-DATV empfangen.
- QO-100 Breitband-Transponder: Der QO-100-Satellit bietet einen eigenen Transponder für DATV — mit einem Pluto SDR und einer Schüssel ist der Einstieg möglich.
SSTV und ATV zeigen eine Seite des Amateurfunks, die viele Einsteiger überrascht: Bilder und Video über Funk — von selbstgebauter Hardware bis zum Satellitenempfang. Ob ein einzelnes SSTV-Bild auf Kurzwelle oder Full-HD-Video über QO-100 — die Faszination der drahtlosen Bildübertragung ist ungebrochen.
73 – eure oeradio.at-Redaktion
Transparenzhinweis
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die Redaktion hat alle Inhalte überprüft und redaktionell bearbeitet. Trotz sorgfältiger Prüfung können vereinzelt Ungenauigkeiten enthalten sein — wir freuen uns über Hinweise per E-Mail an [email protected].





