Stellt euch vor: Ihr drückt die PTT-Taste, euer Signal rast 36.000 Kilometer ins All, wird von einem Satelliten empfangen und strahlt zurück zur Erde — von Brasilien bis Indien, von Skandinavien bis Südafrika. Und das nicht nur für ein paar Minuten wie bei einem LEO-Satelliten, sondern rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Willkommen bei QO-100, dem ersten und einzigen geostationären Amateurfunksatelliten der Welt.
Was ist QO-100?
QO-100 — offiziell Qatar-OSCAR 100 — ist der Amateurfunk-Transponder an Bord des katarischen Kommunikationssatelliten Es’hail-2. Der Satellit wurde am 15. November 2018 mit einer SpaceX Falcon 9 gestartet und von Mitsubishi Electric gebaut. Er steht auf der geostationären Position 25,9° Ost und hat eine Auslegungslebensdauer von mindestens 15 Jahren.
Das Besondere: Neben den kommerziellen Ku- und Ka-Band-Transpondern trägt Es’hail-2 zwei Amateurfunk-Transponder, die von AMSAT-DL in Zusammenarbeit mit der katarischen Amateurfunkgesellschaft QARS entwickelt wurden.
Die zwei Transponder
QO-100 bietet zwei Transponder für unterschiedliche Anwendungen:
- Schmalband-Transponder (NB): 500 kHz Bandbreite für SSB, CW und Digitalmodi. Uplink: 2400,050–2400,300 MHz (13-cm-Band), Downlink: 10489,550–10489,800 MHz (3-cm-Band). Hier findet der klassische Funkbetrieb statt.
- Breitband-Transponder (WB): 8 MHz Bandbreite für DATV (Digital Amateur Television) und Highspeed-Datenübertragung. Uplink: 2401,500–2409,500 MHz, Downlink: 10491,000–10499,000 MHz.
Abdeckung: Von Brasilien bis Thailand
Als geostationärer Satellit deckt QO-100 einen riesigen Bereich ab: ganz Europa, Afrika, den Nahen Osten, den indischen Subkontinent, sowie den östlichen Teil Brasiliens und den afrikazugewandten Teil der Antarktis. Von Österreich aus beträgt der Elevationswinkel etwa 34 Grad — komfortabel genug für Balkon- und Gartenantennen.
Was brauche ich für eine Bodenstation?
Der Empfang von QO-100 ist erstaunlich einfach und günstig. Der Sende-Betrieb erfordert etwas mehr Aufwand. Hier eine Übersicht:
Nur Empfang (ab ~50 EUR)
- Satellitenantenne: Eine Standard-SAT-Schüssel ab 60 cm reicht aus
- Modifizierter LNB: Ein handelsüblicher Ku-Band-LNB, modifiziert mit einem externen 25-MHz-Referenzoszillator (z.B. TCXO) für stabile Frequenzen
- RTL-SDR oder SDRplay: Als Empfänger an der ZF-Ausgang des LNB
- SDR Console: Die kostenlose Software von Simon Brown ist das Standardtool für QO-100-Empfang
Sende- und Empfangsbetrieb (ab ~300–500 EUR)
- Parabolantenne: 60–80 cm für SSB, 80–120 cm für DATV
- Upconverter oder Transverter: Wandelt das 2-m- oder 70-cm-Signal auf 2,4 GHz um (z.B. DX Patrol Upconverter, SG-Lab Transverter)
- Leistungsverstärker: 2–5 Watt auf 2,4 GHz reichen für SSB-Betrieb
- Feed: POTY (Patch of the Year) ist die beliebteste Antenne am Brennpunkt der Schüssel — sie kann gleichzeitig senden (2,4 GHz) und empfangen (10 GHz)
- SSB-Transceiver: Ein handelsüblicher KW- oder VHF-Transceiver als ZF-Quelle
Betriebsarten auf QO-100
Auf dem Schmalband-Transponder herrscht buntes Treiben:
- SSB: Der Hauptbetriebsmodus — SSB-QSOs klingen glasklar, fast wie auf einem Repeater
- CW: Im unteren Bereich des Transponders
- FT8/FT4: Für schwache Signale und automatisches DX
- FreeDV: Digitale Sprachübertragung mit dem freien Codec2
- HSModem: Von AMSAT-DL entwickeltes Highspeed-Modem für Bild- und Datenübertragung über den Schmalbandtransponder (bis 7200 bit/s)
Auf dem Breitband-Transponder wird vor allem DATV gesendet — digitales Fernsehen in erstaunlicher Qualität.
QO-100 ohne eigene Antenne: WebSDR
Wer erst einmal reinschnuppern will, kann den QO-100-Transponder über einen WebSDR mithören — ganz ohne eigene Hardware. Das bekannteste ist der WebSDR an der Goonhilly Earth Station in Cornwall (England). Einfach im Browser öffnen und zuhören!
QO-100 in Österreich
In Österreich gibt es eine aktive QO-100-Community. Der ÖVSV hat im Landesverband OE3 ein NOT-/KAT-Projekt gestartet, bei dem eine schnell einsetzbare Satelliten-Bodenstation für Katastrophenfunk entwickelt wird. Das Ziel: Auch wenn die gesamte terrestrische Infrastruktur ausfällt, bleibt über QO-100 eine Kommunikationsverbindung bestehen.
Im Rahmen der jährlichen AOEE (All Austrian Emergency Exercise) wird der QO-100-Transponder regelmäßig für Notfunkübungen genutzt. So werden nicht nur die Technik, sondern auch die Abläufe im Ernstfall erprobt.
Tipps für den Einstieg
- Erst empfangen: Startet mit einer alten SAT-Schüssel und einem RTL-SDR. So lernt ihr den Transponder kennen, ohne viel zu investieren.
- LNB stabilisieren: Ein normaler LNB driftet thermisch. Ein TCXO-Mod oder ein LNB mit externem Referenzeingang (z.B. Bullseye 10 GHz LNB) ist Pflicht für stabilen Empfang.
- Bandplan beachten: AMSAT-DL hat einen detaillierten Bandplan mit CW-, Digi- und SSB-Segmenten. Haltet euch daran!
- Leistung im Griff: QO-100 ist ein linearer Transponder — Übersteuerung stört alle anderen Nutzer. Die eigene Leistung am Downlink-Wasserfalldiagramm kontrollieren.
Fazit
QO-100 ist eine der faszinierendsten Möglichkeiten im Amateurfunk. Ein Transponder, der rund um die Uhr verfügbar ist, einen halben Kontinent abdeckt und mit relativ bescheidenem Equipment nutzbar ist — das gab es noch nie. Und mit einer geplanten Lebensdauer bis mindestens 2033 bleibt noch viel Zeit zum Experimentieren.
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