ESP32 und Amateurfunk: 10 Projekte für Maker und Funkamateure

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Der ESP32 hat sich in den letzten Jahren zum Lieblings-Mikrocontroller vieler Funkamateure entwickelt – und das aus gutem Grund. Mit integriertem WLAN und Bluetooth, zwei Prozessorkernen, zahlreichen GPIO-Pins und einem Straßenpreis von unter 5 EUR bietet dieser kleine Chip aus dem Hause Espressif alles, was das Maker-Herz begehrt. Besonders für Amateurfunk-Projekte ist der ESP32 wie geschaffen: Er lässt sich problemlos mit der vertrauten Arduino-IDE programmieren, verbraucht im Deep-Sleep-Modus nur Mikroampere und bietet genug Rechenleistung für anspruchsvolle Echtzeitanwendungen. Ob APRS-Tracker für den Rucksack, automatischer CW-Keyer oder Spektrum-Display für den Shack – die Möglichkeiten sind praktisch grenzenlos.

In diesem Artikel stellen wir dir zehn konkrete Projekte vor, die du als Funkamateur mit einem ESP32 realisieren kannst. Alle Projekte sind praxiserprobt, die meisten basieren auf Open-Source-Software und lassen sich mit überschaubarem Aufwand nachbauen. Vom Einsteiger-Projekt bis zur anspruchsvollen Lösung ist für jeden etwas dabei – egal ob du gerade erst mit dem Selbstbau beginnst oder schon Erfahrung mit Mikrocontrollern hast. Los geht’s!

Warum gerade der ESP32?

Bevor wir in die einzelnen Projekte eintauchen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die technischen Vorzüge des ESP32. Der Chip basiert auf einem Dual-Core Xtensa LX6 Prozessor mit bis zu 240 MHz Taktfrequenz und verfügt standardmäßig über 520 KB SRAM. Die meisten Entwicklerboards wie das beliebte ESP32 DevKit V1 (ca. 4-6 EUR bei österreichischen Händlern oder AliExpress) bieten zusätzlich 4 MB Flash-Speicher. Das reicht locker für komplexe Programme und sogar OTA-Updates (Over-The-Air).

Besonders praktisch: Der ESP32 bringt WLAN (802.11 b/g/n) und Bluetooth (Classic und BLE) bereits onboard mit. Das macht ihn ideal für vernetzte Amateurfunk-Anwendungen, die Daten ins Internet übertragen oder per Smartphone gesteuert werden sollen. Die Arduino-Kompatibilität erleichtert den Einstieg enorm – du kannst auf tausende bestehende Libraries zurückgreifen und musst dich nicht mit Low-Level-Programmierung herumschlagen. Gleichzeitig stehen dir aber auch die nativen Espressif-Tools zur Verfügung, wenn du mehr Kontrolle brauchst.

Für Amateurfunk-Projekte sind außerdem die zahlreichen Schnittstellen wichtig: Der ESP32 bietet mehrere UART, SPI und I2C-Busse, bis zu 18 ADC-Kanäle (12 Bit) und zwei DAC-Ausgänge (8 Bit). Mit der richtigen Beschaltung lassen sich damit GPS-Module, Displays, Audio-Codecs und sogar HF-Transceiver ansteuern. Die geringe Stromaufnahme (im Deep-Sleep unter 10 µA) macht den ESP32 zudem perfekt für batteriebetriebene Portable-Projekte.

Projekt 1: APRS-Tracker mit GPS und LoRa

Ein Klassiker für den Einstieg: Der APRS-Tracker übermittelt deine Position automatisch ins Automatic Packet Reporting System. Statt über das 2m-Band per FM kannst du dabei aber auch auf LoRa setzen – das spart Strom und funktioniert oft dort, wo keine APRS-Digipeater in Reichweite sind. Die Open-Source-Firmware LoRa APRS Tracker von OE5BPA (erhältlich auf GitHub) ist speziell dafür entwickelt worden.

Benötigte Hardware

  • ESP32 Entwicklerboard (z.B. TTGO T-Beam mit integriertem GPS und LoRa, ca. 25-30 EUR)
  • 868 MHz LoRa-Antenne (ca. 5 EUR)
  • 18650 LiPo-Akku und Halterung (ca. 8 EUR)
  • Optional: Externes GPS-Modul mit besserer Empfindlichkeit

Der Vorteil des TTGO T-Beam: Hier sind ESP32, GPS-Modul (oft NEO-6M oder besser NEO-M8N) und LoRa-Transceiver (SX127x) bereits auf einer Platine vereint. Du lädst einfach die fertige Firmware per USB auf das Board, konfigurierst dein Rufzeichen und SSID in der Config-Datei, und schon kann es losgehen. Die Position wird standardmäßig alle 60 Sekunden übertragen, wenn du dich bewegst, oder alle 10 Minuten im Stillstand – das schont den Akku.

In Österreich gibt es bereits mehrere LoRa-APRS-iGates, unter anderem betrieben vom ÖVSV. Diese empfangen deine LoRa-Pakete und speisen sie ins APRS-Internet-System ein, wo sie auf aprs.fi und anderen Trackingseiten sichtbar werden. Die Reichweite ist beeindruckend: Aus exponierter Lage sind 50-100 km keine Seltenheit, selbst im Tal klappt die Verbindung oft noch über 10-20 km. Perfekt für Wanderungen, Radtouren oder den Einsatz auf OE-Bergen!

Projekt 2: Automatischer CW-Keyer mit Paddle-Unterstützung

Telegrafie-Fans aufgepasst: Mit einem ESP32 und ein paar zusätzlichen Bauteilen baust du dir einen vollwertigen Iambic-Keyer für CW. Das Projekt eignet sich hervorragend für Einsteiger in den Selbstbau, da die Schaltung übersichtlich bleibt und die Software auf bewährten Algorithmen basiert. Die fertigen Morsezeichen können direkt den Transceiver ansteuern oder per USB an den Computer übertragen werden – praktisch für Conteste oder zum Üben.

Funktionsumfang

  • Iambic Mode A und B
  • Einstellbare Geschwindigkeit (5-50 WPM) per Potentiometer oder Rotary-Encoder
  • Sidetone-Generator mit einstellbarer Tonhöhe (400-1000 Hz)
  • Memory-Speicher für häufige Texte (CQ, TEST, 73, eigenes Rufzeichen)
  • Beacon-Modus für automatische Aussendungen
  • Display zur Anzeige der aktuellen Einstellungen

Für den Keyer benötigst du neben dem ESP32 (hier reicht ein günstiges DevKit für ca. 4 EUR) ein Doppelpaddle oder zwei einzelne Tastschalter, ein kleines OLED-Display (0,96 Zoll, I2C, ca. 3 EUR), einen Rotary-Encoder zur Geschwindigkeitseinstellung (ca. 2 EUR) und ein paar passive Bauteile. Für den Sidetone nutzt du entweder den eingebauten DAC des ESP32 oder einen kleinen Lautsprecher/Piezo-Buzzer. Die Transistor-Ausgangsstufe zum Schalten des Transceivers sollte optisch entkoppelt sein – ein simples Optokoppler-Modul (ca. 1,50 EUR) reicht vollkommen.

Als Software-Basis eignet sich die K3NG CW Keyer-Firmware, die ursprünglich für Arduino entwickelt wurde, aber problemlos auf den ESP32 portiert werden kann. Alternativ gibt es speziell für den ESP32 optimierte Projekte wie den morserino-32 (Open Source), der zusätzlich noch CW-Decoder und Übungsfunktionen mitbringt. Der Quellcode ist auf GitHub verfügbar und gut dokumentiert – ideal zum Lernen und Anpassen.

Projekt 3: Web-gesteuerter Antennenrotator

Wer eine drehbare Richtantenne sein Eigen nennt, kennt das Problem: Der klassische Rotator-Controller steht meist direkt am Transceiver, was bei größeren Shacks unpraktisch sein kann. Mit einem ESP32 lässt sich ein WLAN-gesteuerter Rotator-Controller realisieren, den du per Smartphone, Tablet oder Computer von überall in der Wohnung bedienst. Besonders clever: Die Integration mit Contest-Logging-Software wie Ham Radio Deluxe oder N1MM Logger+ funktioniert über das Yaesu-GS-232-Protokoll per WLAN.

Die Hardware besteht aus dem ESP32, einem Schrittmotor-Treiber (z.B. A4988 oder TMC2208, ca. 5-8 EUR) für sanfte Bewegungen, einem ausreichend dimensionierten Schrittmotor oder einem bestehenden Rotator-Motor, einem Absolutwert-Encoder oder Potentiometer zur Richtungsanzeige und einer passenden Stromversorgung (meist 12V). Viele kommerzielle Rotatoren lassen sich durch Abgreifen der Steuerleitungen direkt integrieren – dann brauchst du nur noch die Schnittstelle zwischen ESP32 und Rotator-Elektronik.

Der ESP32 stellt einen Webserver bereit, über den du die aktuelle Antennenrichtung siehst (idealerweise auf einer grafischen Kompassrose) und neue Richtungen eingibst. Per AJAX aktualisiert sich die Anzeige in Echtzeit – du siehst sofort, wie sich die Antenne dreht. Zusätzlich kann der ESP32 über einen TCP-Port das GS-232-Protokoll sprechen, sodass deine Logging-Software die Antenne automatisch auf die DX-Station ausrichtet. Das ist nicht nur bequem, sondern spart bei Pile-Ups wertvolle Sekunden.

Ein schönes Feature für den österreichischen Markt: Die Integration von DX-Cluster-Daten. Der ESP32 kann sich mit einem DX-Cluster wie dem DX Summit verbinden und interessante Stationen automatisch auf einer Karte anzeigen. Mit einem Klick richtest du die Antenne dann optimal aus. Gerade für Conteste oder DXpeditionen ein echter Gewinn!

Projekt 4: Spektrum-Display für SDR und klassische Transceiver

Moderne Transceiver haben oft ein eingebautes Spektrum-Display, aber viele ältere Geräte oder SDRs nutzen den Computer-Bildschirm dafür. Mit einem ESP32 und einem passenden TFT-Display baust du dir ein eigenständiges Bandscope, das du direkt am Transceiver platzieren kannst. Das Display zeigt kontinuierlich das HF-Spektrum in Echtzeit – so erkennst du auf einen Blick, wo gerade Aktivität herrscht.

Es gibt verschiedene Ansätze: Die einfachste Variante nutzt einen RTL-SDR-Stick (ca. 25-30 EUR), der per USB am ESP32 hängt – hier stößt man allerdings schnell an die Grenzen der USB-Host-Fähigkeiten des ESP32. Eleganter ist die Verwendung eines dedizierten Si5351-Generators (ca. 5 EUR) als lokaler Oszillator und eines AD8307-Logarithmic-Amplifiers (ca. 8 EUR) als Signalstärke-Detektor. Der ESP32 scannt dann das gewünschte Frequenzband durch und misst jeweils die Signalstärke.

Als Display eignet sich ein 3,5-Zoll-TFT mit ILI9486- oder ILI9488-Controller (ca. 10-15 EUR), das über SPI angesteuert wird. Die Auflösung von 480×320 Pixeln reicht für ein übersichtliches Spektrum-Display locker aus. Mit der TFT_eSPI-Library für Arduino zeichnest du das Spektrum als Wasserfall-Diagramm oder klassisches Linien-Display. Die Refresh-Rate hängt von der Scan-Geschwindigkeit ab – mit optimiertem Code sind 5-10 Durchläufe pro Sekunde machbar.

Für Besitzer eines IC-7300, IC-705 oder ähnlicher Icom-Transceiver gibt es eine noch elegantere Lösung: Diese Geräte können per CI-V-Schnittstelle (UART mit 19200 oder 115200 Baud) Spektrumdaten ausgeben. Der ESP32 empfängt diese Daten einfach seriell und stellt sie auf dem Display dar – ohne zusätzliche HF-Hardware. Ein entsprechendes Open-Source-Projekt namens IC-7300 Panadapter findest du auf GitHub.

Projekt 5: WSPR-Beacon für 10 Meter bis 160 Meter

Mit WSPR (Weak Signal Propagation Reporter) kannst du die Ausbreitung auf den Kurzwellenbändern untersuchen, selbst mit minimaler Sendeleistung. Ein ESP32-basierter WSPR-Beacon ist schnell aufgebaut und sendet automatisch alle zwei Minuten ein WSPR-Signal aus. Deine Aussendungen werden von Stationen weltweit empfangen und auf wsprnet.org geloggt – so siehst du in Echtzeit, wo dein Signal ankommt.

Das Herzstück des Beacons ist wieder der Si5351-Synthesizer, der die präzisen Frequenzen für WSPR erzeugt. Der ESP32 generiert die WSPR-Symbole nach dem offiziellen Protokoll und moduliert den Si5351 entsprechend. Als Antenne reicht eine einfache Drahtantenne oder ein Balun-Übertrager zur vorhandenen Stationsantenne. Die Ausgangsleistung liegt bei etwa 10 mW (10 dBm) – das ist zwar wenig, reicht aber für WSPR völlig aus. Mit einem SA612– oder BS170-basierten Verstärker kannst du die Leistung auf 200-500 mW erhöhen.

Wichtig für WSPR ist die Zeitgenauigkeit: Die Aussendungen müssen exakt zu geraden Minuten (0, 2, 4, 6 Sekunden usw.) beginnen. Der ESP32 synchronisiert sich dazu per NTP (Network Time Protocol) über WLAN mit einem Zeitserver – die Genauigkeit liegt bei wenigen Millisekunden, was für WSPR mehr als ausreichend ist. Ein GPS-Modul (z.B. NEO-6M, ca. 8 EUR) bietet als Alternative noch präzisere Zeit und funktioniert auch ohne Internet-Zugang.

Die Firmware kannst du entweder selbst schreiben (das WSPR-Protokoll ist gut dokumentiert) oder auf bestehende Projekte wie ESP32-WSPRer zurückgreifen. Neben WSPR unterstützen viele dieser Firmwares auch andere Weak-Signal-Modi wie JT9 oder FT8 – letzteres ist in Österreich gerade bei den OE3-Stationen sehr beliebt. Beachte aber: Für FT8 brauchst du mehr Sendeleistung (mindestens 1-5 W), da die Empfindlichkeit nicht ganz so hoch ist wie bei WSPR.

Projekt 6: Multiband-SWR-Meter mit Touch-Display

Ein präzises SWR-Meter gehört zur Grundausstattung jeder Station. Mit einem ESP32, einigen HF-Sensoren und einem Touch-Display baust du dir ein digitales Messgerät, das nicht nur SWR anzeigt, sondern auch Vor- und Rückwärtsleistung, PEP-Leistung und Antennenimpedanz berechnet. Dank des Displays lassen sich die Werte übersichtlich darstellen und per Touch-Bedienung verschiedene Modi abrufen.

Als Sensor eignet sich ein kommerzieller Tandem-Match oder ein selbstgebauter Richtkoppler mit Schottky-Dioden zur Gleichrichtung. Die Spannungen werden über die ADCs des ESP32 eingelesen – für bessere Genauigkeit empfiehlt sich ein externer 16-Bit-ADC wie der ADS1115 (ca. 5 EUR). Die Kalibrierung erfolgt mit bekannten Abschlüssen (50 Ω, Kurzschluss, Leerlauf) und wird im Flash-Speicher abgelegt.

Das Touch-Display (z.B. 2,8-Zoll-ILI9341 mit resistivem Touch, ca. 12 EUR) zeigt die Messwerte in Echtzeit an. Per Fingertipp wechselst du zwischen verschiedenen Ansichten: numerische Anzeige, Balkendiagramm, Smith-Chart oder Trend-Grafik. Besonders praktisch ist die Peak-Hold-Funktion, die den höchsten Wert speichert – so kannst du beim Abstimmen der Antenne sofort sehen, ob sich das SWR verbessert hat.

Für fortgeschrittene Anwender bietet sich die WLAN-Integration an: Der ESP32 sendet die Messdaten per UDP oder MQTT an eine Logging-Software oder an Grafana zur grafischen Auswertung. So kannst du langfristige Trends überwachen oder automatisch Alarm schlagen, wenn das SWR einen kritischen Wert überschreitet. Gerade bei Remote-Stationen oder QRP-Portabel-Betrieb ein nützliches Feature.

Projekt 7: Audio-Recorder und Analyzer für Conteste

Bei Contesten ist es manchmal nützlich, die empfangenen Audio-Signale aufzuzeichnen – sei es zur späteren Auswertung, zur Beweissicherung bei umstrittenen QSOs oder einfach zum Nacharbeiten von Rufzeichen. Der ESP32 eignet sich mit seiner Dual-Core-Architektur hervorragend für diese Aufgabe: Ein Kern kümmert sich um die Audio-Aufnahme, der andere um die Speicherung auf SD-Karte.

Für die Aufnahme verwendest du ein I2S-Mikrofonmodul wie das INMP441 (ca. 3 EUR) oder einen I2S-Audio-Codec wie den MAX98357A (ca. 4 EUR), den du an den Line-Out des Transceivers anschließt. Der ESP32 nimmt das Signal mit bis zu 44,1 kHz und 16 Bit auf und speichert es als WAV- oder MP3-Datei auf einer microSD-Karte. Bei MP3-Kompression (per libhelix-Library) passt stundenlanger Contest-Betrieb auf eine 32-GB-Karte.

Zusätzlich zur reinen Aufnahme kann der ESP32 aber auch Live-Analysen durchführen: Mit der FFT-Library führst du eine Echtzeit-Frequenzanalyse durch und zeigst das Audio-Spektrum auf einem OLED-Display an. Das hilft beim Optimieren der AF-Filter oder beim Aufspüren von Störungen. Ein eingebauter CW-Decoder (basierend auf der Goertzel-Algorithmus) erkennt automatisch Morsezeichen – praktisch für Mixed-Mode-Conteste.

Ein nettes Extra ist die PTT-Erkennung: Über einen GPIO-Pin erkennt der ESP32, wann du sendest, und pausiert die Aufnahme automatisch. So bleiben die Aufnahmen übersichtlich und du sparst Speicherplatz. Nach dem Contest lädst du die Dateien per WLAN auf deinen Computer oder streamst sie direkt in die Cloud – ideal für Multi-Op-Stationen, wo mehrere Operateure Zugriff auf die Aufnahmen brauchen.

Projekt 8: Remote-Tuner-Controller mit Motorsteuerung

Automatische Antennentuner sind praktisch, aber oft teuer – und die Abstimmung erfolgt per Relais, was bei häufigen Bandwechseln zu Verschleiß führt. Mit einem ESP32 und Schrittmotoren realisierst du einen motorgetriebenen Antennentuner, der sanft und präzise abstimmt. Die Steuerung erfolgt per Webinterface oder über eine App auf dem Smartphone.

Die Mechanik besteht aus zwei Drehkondensatoren (oder Varicaps für moderne Lösungen) und einer schaltbaren Spule. Schrittmotoren (z.B. 28BYJ-48 mit ULN2003-Treiberboard, ca. 3 EUR pro Set) drehen die Kondensatoren auf die richtige Position. Der ESP32 misst per ADC das SWR (über einen vorgeschalteten Richtkoppler) und optimiert die Tuner-Einstellung automatisch – ein klassischer PID-Regler findet in wenigen Sekunden das Minimum.

Besonders clever: Der ESP32 speichert für jede Frequenz die optimalen Tuner-Einstellungen in einer Datenbank. Beim nächsten Bandwechsel fährt er sofort auf die gespeicherte Position – die Feinabstimmung dauert dann nur noch Sekundenbruchteile. Bei modernen Transceivern mit CAT-Interface (z.B. per CI-V oder Kenwood-Protokoll) liest der ESP32 automatisch die aktuelle Frequenz aus und wählt die passenden Settings.

Die WLAN-Anbindung ermöglicht Remote-Betrieb: Du steuerst den Tuner von der Logging-Software aus oder per Smartphone-App. Das ist besonders bei Remote-Stationen wichtig, wo der Tuner draußen an der Antenne sitzt. Eine optionale Battery-Backup-Schaltung (LiPo-Akku + Laderegler, ca. 10 EUR) stellt sicher, dass der ESP32 auch bei Stromausfall die gespeicherten Positionen behält.

Projekt 9: Satelliten-Tracking-System mit automatischer Doppler-Korrektur

Amateurfunk über Satelliten ist faszinierend, aber die manuelle Nachführung von Frequenz und Antenne ist aufwendig. Ein ESP32-basiertes Tracking-System berechnet die Satellitenbahn in Echtzeit, zeigt die optimale Antennenrichtung an und korrigiert automatisch den Doppler-Shift. Gerade für Einsteiger in den Satellitenfunk eine enorme Erleichterung.

Das System besteht aus einem ESP32, einem GPS-Modul zur Standortbestimmung (wichtig für präzise Bahnberechnung) und optional einem Display zur Anzeige. Die Satelliten-TLE-Daten (Two-Line Elements) lädt der ESP32 per WLAN von celestrak.org herunter und speichert sie lokal. Die Bibliothek SGP4 (verfügbar für Arduino) berechnet daraus Position und Geschwindigkeit des Satelliten relativ zum Standort.

Für die Doppler-Korrektur steuert der ESP32 deinen Transceiver per CAT-Interface: Bei Annäherung wird die Frequenz nach oben korrigiert, bei Entfernung nach unten. Die Korrektur erfolgt kontinuierlich während des Überflugs – du merkst davon praktisch nichts, aber die Gegenstation hört dich konstant auf der richtigen Frequenz. Das funktioniert mit allen gängigen Transceivern, die Icom CI-V, Yaesu CAT oder Kenwood-Protokoll sprechen.

Ein zusätzliches Feature ist die Pass-Prediction: Der ESP32 berechnet im Voraus, wann welcher Satellit in Sichtweite kommt, wie hoch der maximale Elevationswinkel ist und ob die Sichtbarkeit für ein QSO ausreicht. Diese Daten zeigt er auf dem Display an oder sendet sie per MQTT an Home Assistant, das dich dann per Push-Benachrichtigung auf deinem Smartphone informiert. Für beliebte Satelliten wie AO-91, AO-92 oder die ISS ein echter Mehrwert.

Projekt 10: Smart-Home-Integration für die Funkstation

Die Funkstation ins Smart Home einbinden? Mit dem ESP32 und dem Protokoll MQTT wird dein Shack zum vernetzten Arbeitsplatz. Der ESP32 fungiert dabei als zentrale Schnittstelle zwischen Funktechnik und Hausautomatisierung – sei es Home Assistant, ioBroker oder ein anderes Smart-Home-System.

Im einfachsten Fall überwacht der ESP32 den Status deiner Station: Ist der Transceiver eingeschaltet? Auf welchem Band wird gerade gefunkt? Wird gesendet oder empfangen? Dazu liest er über das CAT-Interface die Daten vom Transceiver aus und publiziert sie per MQTT. In Home Assistant kannst du dann Automatisierungen bauen: Wenn PTT aktiv, dimme das Licht im Shack. Wenn der Transceiver auf 2m steht, schalte den Vorverstärker ein. Bei QRT nach 22:00 Uhr fahre den Rotator in Parkposition.

Besonders nützlich ist die Sensorintegration: Ein BME280 (ca. 4 EUR) misst Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck im Shack – wichtig, wenn die Station in einem unbeheizten Raum oder im Dachboden steht. Ein INA219-Modul (ca. 3 EUR) überwacht Spannung und Stromaufnahme der 13,8-V-Versorgung. Über MQTT landen alle Werte in Grafana oder einem Home-Assistant-Dashboard – auch wenn du nicht daheim bist.

Für Remote-Stationen wird es richtig interessant: Der ESP32 steuert per Relais-Modul (4-fach oder 8-fach, ca. 5 EUR) die Stromversorgung einzelner Geräte – Transceiver, Endstufe, Rotator, Vorverstärker. So kannst du per Smartphone die Station hochfahren, funken und wieder abschalten. Ein optionaler Watchdog-Timer schaltet alles ab, wenn die WLAN-Verbindung länger als 10 Minuten abbricht – Sicherheit geht vor.

Ein weiterer Anwendungsfall: Benachrichtigungen. Der ESP32 überwacht den DX-Cluster per Telnet und filtert nach gewünschten DXCC-Entities oder Bändern. Erscheint ein gesuchtes DX, sendet er eine Push-Nachricht auf dein Smartphone – du musst nicht mehr ständig den Cluster im Auge behalten. In Kombination mit der Antennensteuerung aus Projekt 3 dreht er den Beam gleich in die richtige Richtung.

Die Kosten für dieses Projekt sind überschaubar: ESP32 (6 EUR) + Relais-Modul (5 EUR) + BME280 (4 EUR) + INA219 (3 EUR) + Kleinteile und Gehäuse (ca. 10 EUR) = unter 30 EUR für eine vollständige Shack-Automatisierung. Die Software basiert auf ESPHome – einem Open-Source-Framework, das speziell für ESP32 und Home Assistant entwickelt wurde und keine Programmierkenntnisse erfordert. Die Konfiguration erfolgt per YAML-Datei.

Fazit

Der ESP32 hat sich als vielseitiger Baustein für Amateurfunk-Projekte etabliert. Von der einfachen CW-Keyer-Steuerung bis zum komplexen Satelliten-Tracking-System – die Kombination aus Rechenleistung, WLAN, Bluetooth und zahlreichen Schnittstellen macht den Mikrocontroller zur idealen Plattform für Maker im Amateurfunk. Die Kosten liegen pro Projekt meist unter 50 EUR, und dank der großen Arduino- und ESP-IDF-Community findest du für fast jedes Problem eine Lösung.

Alle vorgestellten Projekte lassen sich modular erweitern und kombinieren. Und das Beste: Du brauchst keinen Ingenieurstitel – Grundkenntnisse in Arduino-Programmierung und etwas Lötgeschick reichen aus, um loszulegen. Also: Lötkolben an und 73!


Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die Redaktion hat alle Inhalte überprüft und redaktionell bearbeitet. Trotz sorgfältiger Prüfung können vereinzelt Ungenauigkeiten enthalten sein — wir freuen uns über Hinweise und Korrekturen per E-Mail an [email protected].

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