Yaesu FT-290R: 2,5 Watt, die süchtig machen

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Es gibt Funkgeräte, die man kauft. Und es gibt Funkgeräte, die einen finden. Mein Yaesu FT-290R gehört zur zweiten Kategorie. Ich hab auf willhaben gescrollt, eigentlich ohne Plan, und plötzlich war er da. FT-290R, guter Zustand, fairer Preis. Zwei Tage später stand er bei mir am Tisch und seitdem lässt er mich nicht mehr los. Und das Beste: Der FT-290R ist genauso alt wie ich. Wir sind beide Baujahr Anfang der Achtziger. Vielleicht verstehen wir uns deshalb so gut.

Was ist das für ein Gerät?

Der FT-290R kam Anfang der 80er raus und war damals ziemlich wild: Allmode auf 2 Meter, portabel, mit Batteriebetrieb. FM, USB, LSB, CW. Alles drin. Ein fetter VFO-Knopf, der sich geil anfühlt, zehn Speicherplätze (die man damals mit Bedacht vergeben hat) und ein S-Meter, das tatsächlich was anzeigt. Das Ding ist aus einer Zeit, als Funkgeräte noch gebaut wurden und nicht zusammengeklickt.

  • Frequenzbereich: 144–146 MHz
  • Betriebsarten: FM, USB, LSB, CW
  • Sendeleistung: 2,5 W oder 0,5 W (umschaltbar)
  • Stromversorgung: 8× Baby-Zellen (C) oder 13,8 V extern
  • Gewicht: ca. 1,6 kg mit Batterien
  • Antenne: BNC, ausziehbare Teleskopantenne dabei

2,5 Watt oder sogar nur ein halbes Watt. Klingt nach nix? Stimmt. Aber wenn du damit ein Relais auftastest, das laut Papier eigentlich nicht gehen sollte, grinst du wie ein Kind zu Weihnachten.

Batterie-Upgrade: Lithium-Akkus mit USB-C

Das Gerät hab ich jetzt seit fast zwei Jahren. Es wurde also höchste Zeit, die Batterien durch Akkus zu ersetzen. Acht Alkali-C-Zellen kosten auf Dauer ein Vermögen, und nach einem Nachmittag sind sie platt. Meine Lösung: Wiederaufladbare Lithium-C-Zellen mit USB-C-Ladeanschluss. 1,5 Volt pro Zelle wie Alkaline, 4.100 mWh Kapazität, und geladen wird direkt über USB-C. Kein separates Ladegerät, kein Gefummel. Passen perfekt ins originale Batteriefach, einfach rein und los.

Batteriefach des FT-290R mit acht Lithium-C-Zellen
Acht wiederaufladbare Lithium-C-Zellen mit USB-C-Ladung im originalen Batteriefach

Der große Vorteil gegenüber NiMH: Lithium liefert volle 1,5 Volt. Das sind satte 12 Volt bei acht Zellen, genau wie Alkaline. Kein Spannungseinbruch, volle Sendeleistung. Wer sich generell für Batterieplanung im portablen Betrieb interessiert: unser Akkublick-Artikel hat alles dazu.

Der Zellentest: Rein und los

Neue Akkus drin, also gleich testen. Teleskopantenne raus, ein 2m-Relais ohne CTCSS aufgetastet (das einzige, das geht, weil der FT-290R kein CTCSS-Modul hat) und CQ gerufen. Sauber aufgetastet, 2,5 Watt, drinnen, Teleskopantenne. Leider keine Gegenstelle. Dann auf 145.550 MHz Direktruf. Auch nix. Aber egal, der Test war ein Erfolg: die Lithium-Zellen liefern sauber, die Modulation klingt top, und das Gerät macht nach 40 Jahren einfach seinen Job.

Yaesu FT-290R mit ausgefahrener Teleskopantenne
Der FT-290R mit ausgefahrener Teleskopantenne, bereit für den Einsatz

Klar, mit einer Außenantenne und 50 Watt geht mehr. Aber darum geht’s ja nicht. Es geht um das Grinsen, wenn ein Gerät aus den Achtzigern einfach funktioniert, als hätte ihm niemand gesagt, dass er alt ist.

Warum das Ding süchtig macht

Einschalten, Frequenz drehen, funken. Fertig. Kein Touchscreen, kein Firmware-Update, keine App die sich aufhängt. Der FT-290R ist weniger ein Relaisgerät und mehr eine Maschine für Direktverkehr und SSB. Genau da fühlt er sich zuhause: simplex auf 2 Meter, Antenne gegen Antenne, ohne Infrastruktur dazwischen. Wenig Technik, viel Spaß. Und dieses mechanische Klacken beim Einschalten ist einfach unbezahlbar.

Besonders auf 2m SSB zeigt der kleine Yaesu, was in ihm steckt. Wer die 2m-SSB-Runde kennt, weiß: SSB auf VHF lebt noch. Und mit dem FT-290R bist du mittendrin. Authentisch, ohne 100-Watt-Endstufe im Rücken.

Perfekt zum Basteln und Reparieren lernen

Was den FT-290R auch so genial macht: Er ist ideal, um das Reparieren zu lernen. Diskrete Bauteile statt SMD-Winzlinge, ein übersichtliches Schaltbild, und wenn was nicht geht, kann man mit dem Multimeter auf Fehlersuche gehen. Ganz ohne Mikroskop und Heißluftstation. Kondensator tauschen, Lötstellen nachlöten, Kontakte reinigen. Alles machbar, alles lernbar. Bei modernen Geräten hast du SMD-Körnerfutter, das du ohne Mikroskop nicht mal siehst. Beim FT-290R sind es noch richtige Bauteile mit Beinen, die man mit einem normalen Lötkolben anfassen kann.

Und das Beste: Ersatzteile findet man noch. Online, auf Funkflohmärkten, oder man schlachtet ein zweites Gerät. Die Community rund um die alten Yaesu-Portablen ist erstaunlich aktiv.

Raus damit!

Am Anfang war der FT-290R mein Wohnzimmer-Spielzeug, aber inzwischen war er auch schon draußen, und das hat richtig gerockt. Dieses Jahr nehme ich ihn wieder mit: SOTA-Aktivierungen oder einfach am Balkon in der Sonne funken. Unter zwei Kilo mit Batterien, allmode, robust. Genau dafür wurde das Ding gebaut.

Für besseren Empfang draußen steck ich eine Slim Jim oder portable Halbwellenantenne an den BNC. Der Unterschied ist sofort hörbar. Aber schon die Teleskopantenne reicht für eine Menge Spaß. Und wer QSOs von unterwegs loggen will: Wavelog am Handy, fertig.

Video

Ich hab ein paar Szenen gedreht — Batterietausch, Indoor-Tests, Relaisbetrieb. Hier ist es:

Wer mehr über den FT-290R erfahren will: Heinrich (DO1HFS) von Funkfieber hat ein ausführliches Video gemacht, in dem er das Gerät vorstellt und durchmisst. Absolut sehenswert:

Fazit

Der Yaesu FT-290R hat keine DSP-Filter, kein GPS, kein Bluetooth. Dafür hat er Seele. Er erinnert dich bei jedem QSO daran, warum du mit dem Funken angefangen hast. Und er ist perfekt, um das Basteln und Reparieren zu lernen. Was will man mehr?

Der FT-290R steht bei mir übrigens neben einem Kenwood TS-700, meinem zweiten Nostalgiegerät. Aber das ist eine andere Geschichte, die kommt noch…

Wenn ihr einen FT-290R auf willhaben, eBay oder am Funkflohmarkt seht: zugreifen. 80 bis 150 Euro für ein Stück Amateurfunkgeschichte, das nicht verstaubt, sondern mitkommt. Ein geiles Gerät.

73 de Michi, OE8YML

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