Seit Februar 2019 beweist QO-100 auf Es’hail-2, dass geostationäre Amateurfunksatelliten funktionieren — und zwar hervorragend. Tausende Funkamateure in Europa, Afrika und Asien nutzen den Schmalband- und Breitband-Transponder täglich für SSB-QSOs, Datenübertragung und sogar DATV-Sendungen. Doch QO-100 deckt Nordamerika nicht ab. Hier setzt das futureGEO-Projekt an: ein ambitioniertes Vorhaben, das die nächste Generation geostationärer Amateurfunk-Nutzlasten definieren soll.

Was ist futureGEO?
futureGEO ist ein gemeinsames Projekt von AMSAT-DL und der Europäischen Weltraumorganisation ESA, katalogisiert als ESA ARTES Future Preparation 1A.126. Ziel ist die Entwicklung einer neuen Amateurfunk-Nutzlast für einen zukünftigen geostationären Satelliten. Das Konzept wurde erstmals im Februar 2024 von Frank Zeppenfeldt, PD0AP (ESA), auf der FOSDEM-Konferenz in Brüssel vorgestellt. Im März 2024 veröffentlichte AMSAT-DL den formellen Vorschlag.
Die Vision: Globale Abdeckung
Der größte Unterschied zu QO-100: futureGEO soll auch Nordamerika abdecken. Eine diskutierte Orbitalposition bei etwa 43 Grad West würde Europa, den östlichen Teil Nordamerikas, Teile Südamerikas und Westafrika versorgen. Damit würde eine der größten Amateurfunk-Gemeinschaften der Welt — die USA und Kanada — erstmals Zugang zu einem geostationären Amateurfunksatelliten erhalten.
Geplante Transponder und Frequenzen
Der Vorschlag sieht zwei Transponder vor, ähnlich wie bei QO-100:
- Schmalband-Transponder: 250 kHz Bandbreite, 20 Watt Ausgangsleistung. Uplink bei 5,6 GHz (C-Band), Downlink bei 10 GHz (X-Band). Für SSB, CW und schmalbandige Digitalmodi.
- Breitband-Transponder: 1 MHz Bandbreite, ebenfalls 20 Watt. Für breitbandige digitale Übertragungen und DVB-S/S2.
Die wichtigste technische Änderung gegenüber QO-100: Der Uplink verschiebt sich von 2,4 GHz (S-Band) auf 5,6 GHz (C-Band). Das bedeutet neue Anforderungen an die Bodenstationen.
Experimentelle Nutzlasten
Über die klassischen Transponder hinaus werden spannende experimentelle Komponenten diskutiert:
- Software Defined Radio (SDR): Ein vollständig integrierter SDR-Stack, der alle gängigen Amateurfunk-Betriebsarten unterstützen könnte
- 24-GHz-Empfänger: Millimeterwellen-Beacons und Experimente
- Kameras: Bildgebung für Bildungs- und Outreach-Zwecke
- Store-and-Forward: Ähnlich wie bei CubeSats, aber mit der Zuverlässigkeit eines GEO-Satelliten
- Laser-Kommunikation: Experimentelle optische Übertragung
Zeitplan und aktueller Stand
futureGEO befindet sich in der Definitionsphase. Wichtige Meilensteine:
- Februar 2024: Erstvorstellung auf der FOSDEM in Brüssel
- März 2024: AMSAT-DL veröffentlicht den formellen Nutzlast-Vorschlag
- Mai 2025: RFEI (Request for Expression of Interest) an nationale AMSAT-Organisationen weltweit
- September 2025: Erster futureGEO-Workshop an der Sternwarte Bochum, im Rahmen des AMSAT-DL-Symposiums
- 2026: Prototypen-Demonstration geplant
- März 2026: Bochum Space Day mit ESA-Präsentation zu futureGEO
- Juni 2026: Community-Workshop auf der HAM RADIO Friedrichshafen
- ~2029–2030: Geschätzter Betriebsbeginn
Die ESA hat über ihr ARTES-Programm rund 250.000 Euro für die laufende Definitions- und Machbarkeitsphase bereitgestellt (ESA ARTES Future Preparation, Referenz ARTES-FPE-1A126). Es handelt sich um eine kooperative Partnerschaft, nicht um einen klassischen ESA-Auftrag.
futureGEO vs. QO-100 im Vergleich
Was ändert sich gegenüber dem bewährten QO-100?
- Abdeckung: QO-100 bei 25,9° Ost (Europa, Afrika, Naher Osten, Indien) → futureGEO bei ~43° West (Europa + Nordamerika + Teile Südamerikas)
- Uplink: QO-100 bei 2,4 GHz (S-Band) → futureGEO bei 5,6 GHz (C-Band)
- Downlink: Beide bei ~10 GHz (X-Band) — die Empfangsseite bleibt ähnlich
- Extras: futureGEO plant SDR-Stack, 24-GHz-Empfänger, Kameras und Laser-Experimente
- Träger: QO-100 auf Es’hail-2 (Katar) → futureGEO sucht noch einen Wirtssatelliten (ESA-Rahmen)
Bodenstation für futureGEO
Die Empfangsseite (10-GHz-Downlink) wird QO-100-Stationen sehr ähnlich sein: Parabolantenne (60–100 cm), modifizierter LNB und ein SDR-Empfänger. Wer bereits für QO-100 empfängt, kann die Downlink-Hardware weitgehend übernehmen.
Die Sendeseite ändert sich grundlegend: Statt der vertrauten 2,4-GHz-WiFi-Verstärker braucht es 5,6-GHz-Equipment — Leistungsverstärker und Speiseantenne für C-Band. Das ist anspruchsvoller, aber technisch machbar. Genaue Leistungsanforderungen und Link-Budgets stehen noch aus, da Satellitenleistung, Antennengewinn und Orbitalposition noch nicht endgültig festgelegt sind.
Für den Einstieg in die Satellitenverfolgung und den Empfang genügt bereits einfache Hardware — die Beobachtung von QO-100 ist heute schon mit einem RTL-SDR und einem alten Sat-TV-LNB möglich.
Was bedeutet futureGEO für OE?
Österreichische Funkamateure liegen voll im Abdeckungsbereich — sowohl von QO-100 als auch vom geplanten futureGEO. Das bedeutet: Wenn futureGEO eines Tages Realität wird, können OE-Stationen mit Nordamerika über einen geostationären Satelliten in Echtzeit kommunizieren — ohne die Unsicherheiten der Kurzwellenausbreitung und ohne auf günstige Sonnenzyklen warten zu müssen.
Wie kann man sich beteiligen?
- QO-100 nutzen: Die beste Vorbereitung auf futureGEO ist der Einstieg in QO-100 — Erfahrung mit GEO-Satellitenfunk sammeln
- AMSAT-Mitglied werden: AMSAT-DL und AMSAT-OE unterstützen das Projekt aktiv
- Workshops besuchen: HAM RADIO 2026 in Friedrichshafen und der Bochum Space Day bieten Gelegenheiten zur direkten Beteiligung
- Technisch beitragen: Die Projektdokumentation ist öffentlich auf GitLab verfügbar — technische Beiträge sind willkommen
- Mikrowellentechnik lernen: 5,6 GHz und 10 GHz verstehen — SDR-Hardware und Mikrowellenmesstechnik sind wertvolle Fähigkeiten
futureGEO ist das ambitionierteste Amateurfunk-Satellitenprojekt dieses Jahrzehnts. Auch wenn bis zum Start noch Jahre vergehen werden — die Zeit jetzt ist entscheidend, um die Weichen für die nächste Ära des geostationären Amateurfunks zu stellen.
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