Funktechniker klebt selbstgedruckten Aufkleber über das Herstellerlogo eines Betriebsfunkgeräts

Der Funkspezialist — Wie Siegfried Pickerl sein Logo über Motorola klebte und damit Recht behielt

Lesezeit: 4 Min.
SATIREDies ist ein satirischer Beitrag aus der Rubrik Störsender. Ähnlichkeiten mit realen Personen, Frequenzen oder Vorschriften sind rein zufällig – oder absichtlich übertrieben.

Eine Störsender-Satire von Hansl Hohlleiter

Siegfried Pickerl, OE0PIC, ist Spezialist. Nicht Funkamateur — Spezialist. Den Unterschied erklärt er gerne, ausführlich, ungefragt. Ein Funkamateur, sagt Siegfried, bastelt. Ein Spezialist weiß. Und Siegfried weiß alles. Seit über vierzig Jahren weiß er alles, und seit er in Pension ist, weiß er es mit noch mehr Zeit.

Eigentlich sollte Siegfried jetzt im Garten sitzen. Stattdessen sitzt er im Firmenbus, den er „aus sentimentalen Gründen“ abgekauft hat, und fährt zu Einsätzen, zu denen ihn niemand gerufen hat. „Ich schau nur kurz“, sagt er, und dann baut er drei Stunden lang etwas um, das vorher funktioniert hat. Aufhören kann Siegfried nicht. Arbeiten ist das Einzige, was er je gemacht hat, und ein Mann, der nur arbeiten kann, hört nicht auf zu arbeiten, nur weil ihn keiner mehr bezahlt.

Sein Markenzeichen — im wahrsten Sinn — ist der Aufkleber. Siegfried hat über die Jahre tausende Funkgeräte in Betrieb genommen. Betriebsfunk, Taxiunternehmen, die Feuerwehr im Nachbarort, ein Sägewerk. Und auf jedes einzelne Gerät, das durch seine Hände ging, hat er sein Firmen-Pickerl geklebt. Nicht irgendwo. Genau über das Herstellerlogo. Wo „Motorola“ stand, steht jetzt „Funktechnik S. Pickerl — Ihr Spezialist„. Ordentlich zugeschnitten, blasenfrei, mit dem Lineal ausgerichtet. Man muss ein Gerät schon umdrehen und das Typenschild suchen, um zu erkennen, dass Siegfried es nicht gebaut hat.

Und das ist der Punkt. Genau das ist der Punkt. Das Pickerl deckt nicht nur das Logo zu. Es deckt zu, wer die Arbeit wirklich gemacht hat. Ingenieure in Illinois haben jahrelang an diesem Empfänger gerechnet, eine ganze Lieferkette hat ihn gebaut, geprüft, verschifft. Siegfried hat ihn ausgepackt, programmiert — und sein Pickerl draufgeklebt. Für den Kunden im Sägewerk ist das ein „Pickerl-Gerät“. Ein Siegfried-Gerät. Und Siegfried hat ihn in diesem Glauben nie gestört.

Wenn Siegfried zur Ortsrunde kommt — selten, aber wirkungsvoll —, dann nicht, um zuzuhören. Er kommt, um zu korrigieren. Jemand erwähnt eine Antenne: falsch montiert. Jemand spricht über Digitalfunk: „macht man heute ganz anders“. Jemand erzählt stolz von seinem Selbstbau-Projekt: Siegfried lächelt das Lächeln des Mannes, der schon 1987 wusste, dass das nichts wird. Er sagt selten direkt, dass jemand falsch liegt. Er sagt: „Najaaa.“ Und dieses „Najaaa“ hat schon mehr Newcomer zum Schweigen gebracht als jeder Störsender.

Das Tragische ist: Siegfried hat nie etwas gebaut. In vierzig Jahren hat er kein einziges Gerät entwickelt, keine Schaltung entworfen, keine Lösung erfunden, die es vorher nicht gab. Er hat fremde Technik installiert, eingestellt und überklebt. Das ist eine ehrenwerte Arbeit, eine wichtige sogar — aber es ist nicht das, wofür Siegfried sich hält. Siegfried hält sich für den Erfinder des Funks. Dabei war er immer nur der, der das Pickerl draufgemacht hat. Sein Lebenswerk ist eine Klebefolie über der Leistung anderer.

Den Amateurfunk verachtet Siegfried höflich. „Ihr Hobbyfunker“, sagt er, und meint damit alles, was er nicht ist: unbezahlt, neugierig, lernend, irrtumsbereit. Dass ein Funkamateur eine Antenne selbst rechnet, sie baut, sie verwirft, sie neu baut und dabei etwas versteht, das Siegfried nie verstehen musste, weil im Handbuch eh alles stand — dieser Gedanke kommt ihm nicht. Sein Wissen ist ein auswendig gelerntes Datenblatt. Tief, aber starr. Er kennt jeden Wert. Er hat nie eine Frage gestellt.

Und es gibt nicht nur einen Siegfried. In jedem Bezirk sitzt ein Spezialist, der dem Hersteller das Logo überklebt und dem Rest der Welt die Welt erklärt. Sie erkennen einander auf hundert Meter, am Firmenbus, am Hemd mit dem aufgestickten Logo, am Werkzeugkoffer, der teurer war als manche Station. Sie nicken einander zu wie Kollegen eines Berufs, den es so gar nicht gibt: dem Beruf des Rechthabens.

Manchmal, wenn der Firmenbus in der Garage steht und das Telefon nicht läutet, weil die Firma längst einem Jüngeren gehört, sitzt Siegfried in seiner Werkstatt zwischen tausend überklebten Geräten und weiß für einen Moment nicht, wer er ist, wenn er nicht der Spezialist ist. Das Pickerl, das er sein Leben lang über fremde Logos geklebt hat, hat am Ende auch etwas von ihm selbst zugedeckt: die Frage, was übrig bleibt, wenn man die Folie abzieht.


Hansls Fazit: Ein Spezialist zu sein heißt nicht, sein Logo über das eines anderen zu kleben. Es heißt, etwas zu können, das ohne einen nicht ginge. Der ehrlichste Aufkleber wäre einer, der nichts verdeckt — sondern dazusagt: gebaut von vielen, eingestellt von mir, verstanden von dem, der gefragt hat. Bis dahin: Wer ein fremdes Logo überklebt, wird dadurch nicht zum Hersteller. Er wird nur zu jemandem, der ein schönes Pickerl hat.

Alle Personen und Rufzeichen in diesem Beitrag sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden Funkamateuren sind beabsichtigt, aber juristisch nicht verwertbar. Der Autor übernimmt keine Haftung für spontane Selbsterkenntnis.


Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die redaktionelle Verantwortung und inhaltliche Prüfung liegt bei der oeradio.at-Redaktion. Anregungen und Beschwerden — auch von Siegfried — gerne an [email protected].

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